Donnerstag, 28. Mai 2015

Daniel Deckers: kennend, kraftvoll, groß und mächtig, reich an Gaben, herrlich, prächtig

Manche Medienerzeugnisse sind einfach nur grausam. Eine selten-schaurige Perle las ich gerade über einen Auftritt von Daniel Deckers.

Foto: Flickr Niuton may

Als ich Hospitant bei einer bedeutenderen deutschen Zeitung war, gab es kaum einen schlimmeren Kommentar zu meinen Texten als: Das ist Lokalzeitungsprosa. Gemeint war der adjektivbewehrte, barock-schwülstige Laudatio-Stil von Regionalzeitungen, mit dem Provinzevents zu welthistorischen Ereignissen aufgeblasen werden.

Der Bericht über einen Vortrag von Daniel Deckers ist dafür ein besonders schönes Beispiel. Der Erlauchte dozierte in St. Blasien über Papst Franziskus und die Jesuiten. Die Redakteurin der Badischen Zeitung nimmt das zum Anlass, Deckers derart zu beweihräuchern, dass selbst mir als TvE-gestähltem Domministranten davon schlecht wird. Einige besonders schöne Perlen will ich euch nicht vorenthalten:
durch den brillanten Festvortrag des FAZ-Redakteurs und Kirchenkenners Daniel Deckers inmitten der interessierten Gäste.
Kraftvoll und wirksam spricht der Mann auf dem Podium in der Pater-Alfred-Delp-Halle und gewinnt in Kürze die Macht über den Augenblick
Faktenreich, kompetent und mit Sachverständnis blendet Daniel Deckers dabei auf fesselnde Art den "Menschenfischer ohne Berührungsängste" ein und berichtet zum Thema "Papst Franziskus und die Jesuiten"
Und während seines bemerkenswerten Auftritts in der Pater-Alfred-Delp-Halle macht der FAZ-Redakteur Daniel Deckers diese zur Weltbühne des katholischen Glaubens.
Hätte ich als Hospi jemals einen solchen Artikel abgeliefert, der Blattmacher hätte mich mit der Tastatur vermöbelt. Aber vielleicht hat es Dr. D gefallen. Er ist ja für seine Bescheidenheit bekannt.

Zum Text:
Papst Franziskus und die Jesuiten (Badische Zeitung)

Dienstag, 26. Mai 2015

Bewegung gegen Erstarrung. Ein Jahr Bischof Stefan Oster in Passau

Bischof Stefan Oster ist einer der beliebtesten und umstrittensten Bischöfe in Deutschland.

Foto: Pressestelle Bistum Passau
Als Oster vor einem Jahr die Kathedra von Passau übernahm, war der Jubel groß. Ein junger Bischof, ein Salesianer, einer, der mit Medien umgehen kann und einer, von Papst Franziskus ernannt. Das kann nur super werden! Dachten viele.

Dann aber kam für viele in Deutschland die große Ernüchterung. Denn Bischof Oster pflegt zwar den Lebensstil einer Ordensmannes und zieht in eine WG. Er nutzt tatsächlich die verschiedenen Medien viel intensiver als alle anderen Bischöfe. Er gibt dem Episkopat wirklich ein relativ junges Gesicht. Und er wurde auch von Papst Franziskus ernannt und verbreitet Aufbruchsstimmung.

Aber er zeigt auch klare Kante. Keine Frauenordination, keine Segnung für Homosexuelle und die Familiensynode ist auch kein Hippietreffen. Oster jagd reihenweise die Vorstellungen zum Teufel, er müsse als junger Bischof im Geiste von Franziskus WisiKi-Fan sein. Stattdessen bekommt mittlerweile jeder anstände Reformkatholik Schaum vor dem Mund, wenn er das Wort Oster nur hört. Ostern muss von daher schlimm gewesen sein, diese Generation hört oft nicht mehr so gut.

Oster macht sich auf jeden Fall keine Mühe, dem Zeitgeist hinterherzulaufen. Als Salesianer läuft er zu den Menschen. Diese Bewegung würde auch vielen Laienvertretern gut tun.

Mittwoch, 20. Mai 2015

Eremiten in Deutschland

Eremiten sind eine der ältesten Formen des geweihten Lebens im Christentum. Zwar fallen sie durch ihr Leben kaum auf. Doch allein in Deutschland gibt es etwa 80 von ihnen. Die FAZ hat eine Eremitin besucht.

Flickr Allie_Caulfield

Der durchschnitte Eremit ist älter als 50 und eine Frau. So kann man die Statistik zusammenfassen. Doch das wird den Eremiten, die per definitionem Einzelgängern sind, nicht gerecht. Es gibt den Spruch "Was ähnelt einem Eremiten am wenigsten - ein anderer Eremit." Allein das Kirchenrecht kennt verschiedene Eremiten-Typen, von anderen Konfessionen gar nicht zu reden. In der katholischen Kirche kann man entweder Ordenseremit sein, man hat sich von der Gemeinschaft seines Ordens abgesondert, gehört diesem aber weiterhin an. Oder man ist Diözesan-Eremit und untersteht dem Ortsbischof.

Hardcore-Eremiten

Das ist dann die Hardcore-Version des Eremitentums. Denn die Diözesan-Eremiten haben keine Rücksicherung im Orden und sind maximal auf sich alleine gestellt. Oft fehlt ihnen zudem die Entwicklung in einer asketischen Tradition, die Ordensleute schon vor Beginn der Einsamkeit eingeübt haben. Doch auch für die Ordens-Eremiten ist es ein hartes Brot, sind sie doch oft bewusst in eine Gemeinschaft eingetreten, um nicht zu vereinsamen.

Ihren Lebensunterhalt müssen Eremiten selbst verdienen. Das tun sie häufig in künstlerischen und einfachen handwerklichen Berufen. Kerzenzieher scheint in diesen Kreisen eine häufig gewählte Erwerbsquelle zu sein. Doch können sich die Eremiten oft nicht vollständig von der Welt abschließen, denn Einkaufen tun sie trotzdem. Sie ziehen auch oft Ratsuchende an. Das Urwüchsige und das Asketische der Eremiten scheint die modernen Menschen ähnlich zu faszinieren wie die Römer in der Antike, die nach Ägypten fuhren, um den Heiligen Antonius zu sehen.

Antonius der Große: Der Urvater aller Eremiten

Mit dem Wüstenvater Antonius dem Großen, im Westen auch Säuli-Antonius genannt und nicht dem aus Padua zu verwechseln, begann die Geschichte des Eremitentums. Nach dem Tod seiner Eltern zog sich der ägyptische Fellache zuerst in ein Grab am Rand seiner Siedlung, dann in eine ehemaliges Fort in der Wüste zurück. Dort schlossen sich ihm schon bald Schüler an, die kleine Eremiten-Kolonien bildeten, deren berühmteste in der Sketischen Wüste entstand, westlich von Alexandria.

Unter dem Heiligen Makarios dem Großen sollen sich erstmals einige Eremiten zu losen Gemeinschaften zusammengetan haben. Und auch das Koinobitentum, das Leben mehrerer Mönche unter Abt und Regel, entstand aus dem Eremitentum. Die erste Vorschrift schrieb Pachominos, ein ehemaliger Eremit. Mit dem gemeinsamen Leben wollte Pachominos die Härten des Eremitentums lindern und auch für 'normale' Asketen eine Heimat schaffen.

Faszinierende Einsamkeit

So gibt es auch heute deutlich weniger Eremiten als normale Ordenschristen. Die Zahl der Eremiten in Deutschland wird etwa auf 80 bis 100 geschätzt, genaue Zahlen liegen nicht vor. Das Leben in der Einsamkeit ist hart, die Armut oft größer als in vielen Ordensgemeinschaften, auch die physischen und psychischen Auflagen sind wesentlich strenger. Dennoch ist die Radikalität des Weges anziehend und für viele Außenstehende faszinierend.

Leserfrage:
Wollt Ihr auf dem Blog mehr zum Thema Eremiten lesen? Dann schreibt einen Kommentar oder gebt mir einen Daumen hoch?

Dazu:
Einsam und nicht allein (FAZ)
Wie Eremiten in Deutschland leben (rp-online)
Eremiten in Deutschland - Homepage mit Linkliste
Nicht in dieser Welt (katholisch.de)
Eremiten heute - Homepage und Blog zum "Buch Allein ist auch genug"
Eremiten heute (Sendung bei BibelTV)
Eremiten in der Grossstadt (Tagesanzeiger) über italienische Eremiten

Dienstag, 19. Mai 2015

INA: ZdE erlaubt multisexuelle, polygame Ehen

Albrecht Guck, der Generalsekretär des dogmatischen Büros des Zentralkomitee der deutsch-katholischen Einheitsgemeinschaften, erklärte, dass Zentralkomitee bestimme und definiere nach Abstimmung mit allen deutschen Katholiken und unter Einbeziehung des Glaubenssinnes aller Menschen guten Willens:

Die deutsch-katholische Kirche segnet und traut fortan polygam lebende multisexuelle Paare, soweit es deren erklärter Wunsch ist, einander für den Zeitraum von wenigstens 3 Minuten treu zu sein und für einander für wenigstens die Bezahlung eines Kaffees bei Starbucks inklusive eines veganen Sandwiches Verantwortung zu übernehmen und solange es nicht mehr als fünf Ehepartner gleichzeitig gibt, da das sonst bei den muslimischen Menschen guten Willens zu Irritationen führen könnte, es sei denn, es gibt hierfür eine gute und jedem Menschen aus humanitären Gründen einleuchtete Erklärung, wie das Halten eines gemeinsamen Haustieres, solange es wenigstens ein Goldfisch oder zwei Salamander sind, aber nur dann, wenn der Salamander älter ist als zwei Monate ist und der Goldfisch in einem gemeinsam erworbenen Becken schwimmt. Denn das hätte Jesus genau so gewollt, da auch er nach unbelegten, aber mit absoluter Gewissheit richtigen Aussagen der exegetischen Kommission des Zentralkomitees der deutsch-katholischen Einheitsgemeinschaften ein Salamander haltender, polygam lebender Mensch war.

2015 Ignaz' Nachrichten Agentur: Unfehlbare Satire aus aller Welt.

Montag, 18. Mai 2015

St. Benedikt als Tagebuch. Ein Meditationskonzept

Papier ist geduldig. Das gilt auch für geistliche Literatur. Sie ist schnell gelesen, aber schwer umgesetzt. Eine Lösung dafür: Ein Tagebuch. Eine Benediktinerin stellt ihres vor.

Flickr Ivar Gullord 
Die Benediktsregel: Kein geistliches Werk hat soviel Einfluss im Abendland ausgeübt wie die Schrift vom Monte Cassino. Noch heute ist der Heilige Benedikt Zehntausenden ein geistlicher Begleiter. Für die Benediktsregel gilt aber das gleiche Problem, wie für jede geistliche Literatur: Man liest sie, ist begeistert und dann lässt der Eifer nach. Am Ende bist du da, wo du auch vorher warst.

Schwester Philippa aus dem Kloster Sankt Hildegard kenn das Problem. Sie hat ihren Weg gefunden, den Heiligen Benedikt intensiver in ihr Leben zu holen: Sie führt ein Tagebuch mit der Benediktsregel. Damit auch wir in der Welt davon profitieren können, stellt sie das Konzept auf der Abteihomepage vor.

Regelmäßige Lektüre

Schwester Philippa nutzt dabei ihre Erfahrungen mit der lectio divina. Wie viele Ordensleute liest die Benediktinerin jeden Tag eine Perikope aus der Heiligen Schrift und meditiert darüber. Das gleiche Prinzip wendet sie auch auf die Benediktsregel an.

Das wird dadurch gefördert, dass die Regel eng an die Heilige Schrift angelegt ist. Zahlreiche Stellen sind der Bibel entnommen und deuten sie aus. Ein weiterer Vorteil der Regel ist ihre Kürze. Damit kann sie im Jahreslauf gelesen und damit immer wieder neu entdeckt werden. Denn die geistliche Lesung bringt vor allem dann Frucht, wenn sie regelmäßig und fortdauernd geübt wird. Dazu Abbas Poimen aus den Apophtegmata Patrum:
"Die Natur des Wassers ist weich, die des Steines hart – aber der Behälter, der über dem Steine hängt, lässt Tropfen für Tropfen fallen und durchlöchert den Stein. So ist auch das Wort Gottes weich, unser Herz aber hart. Wenn nun aber ein Mensch oft das Wort Gottes hört, dann öffnet sich sein Herz für die Gottesfurcht."

Der Heilige Benedikt ist ein idealer geistlicher Begleiter

Grundsätzlich lässt sich ein solches Tagebuch mit den meisten geistlichen Büchern führen. Durch die Praxisnähe und die Kürze ist die Benediktsregel besonders gut für eine die Übung geeignet. Aber auch geistlich gehört der Patriarch Europas zu den besten Lehrern auf dem Weg zu Gott:
Der hl. Benedikt ist dabei ein guter und verlässlicher Wegbegleiter. Und, was am Ende vielleicht das Entscheidende ist: er bleibt nicht bei sich und seiner Regel stehen. Selbstgenügsamkeit oder gar Selbstbespiegelung sind ihm fremd. Er weist über sich und über die Regula hinaus, er will uns anspornen zum „Weiter“, zum „Darüber hinaus“, zum „Mehr“. 
Schwester Philippa spricht sehr offen über die Wirkung ihres Tagebuches auf ihr Leben:
Wenn ich nun ein wenig von meinen Erfahrungen mit dem Regel-Tagebuch berichte, so könnte ich sie in einem Wort zusammenfassen: das Regel-Tagebuch ist für mich zum Lebensatem geworden. Es hilft mir zu leben, ja ist inzwischen untrennbar mit meinem Leben verwoben. Es schenkt mir den Sauerstoff, den ich brauche, um mein geistliches Leben der Christusnachfolge im Geist des hl. Benedikt zu leben. 
Sie stellt den Lesern eine interessante Methode vor, sich dem Heiligen Benedikt oder einem anderen Heiligen zu nähern, um mit ihm den Weg zu Gott zu gehen. Ein Pfad, den es durchzuhalten gilt und den man nicht leichtfertig begehen sollte. Aber eine Chance für alle, die sie ernsthaft ergreifen wollen.

Zum Artikel:
Tagebuch führen mit der Benediktsregel (Abtei Sankt Hildegard)

Dazu auch:
Zur Benediktsregel allgemein (Benediktiner.de)
hora benedicti: Die Lesungen der Benedikts-Regel als App - Google und ITunes

Mittwoch, 13. Mai 2015

Orden im Wandel

Teresa Reulbach ist Nonne der Ritaschwestern. Zur Zukunft der Orden zeigt sie sich verhalten optimistisch.

Foto: Flickr ximena
Die katholischen Orden ringen im Lösungen für die Krisen der vergangenen Jahrzehnte. Es gibt immer weniger, immer ältere Ordensleute, in einer Welt, in der sie ihre traditionellen Aufgaben verloren haben.
Da kurzfristig keine Besserung in Sicht ist, müssen die Orden kreative Lösungen finden. Eine Antwort laut Schwester Teresa: Vernetzung. So treffen sich die Novizen der verschiedenen Orden im Bistum Würzburg regelmäßig. Auch andere Initiativen sind angedacht:
Gemeinschaften, die ähnliche Zielrichtungen haben, könnten gemeinsam ein Bildungshaus leiten oder in einem Konvent zusammenleben. Wir werden weniger, aber wir rücken dadurch näher zusammen.

Orden verlieren ihre Aufgaben

Die Orden gehen durch die gesellschaftlichen Entwicklungen zudem vieler Aufgaben verlustig. Eine große Zahl an Orden entstand im 19. Jahrhundert, um sich einem konkreten sozialen Problem zu widmen. Etwa die Dernbacher Schwestern im Bistum Limburg, die sich der Armen im Westerwald annahmen. Doch viele soziale Nöte verschwanden mit der Wohlstandsgesellschaft der Bundesrepublik, bleibende Probleme werden vom Sozialstaat übernommen. Die Orden werden zu "normalen" Sozialträgern, etwa bei Krankenhäusern. Der Satz eines britischen Staatsmannes, die katholische Kirche habe es immer geschafft, ihren engagierten, selbstständigen Frauen in den Orden Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen, wird von der historischen Entwicklung überholt.

Eine genaue Antwort auf diesen Prozess hat auch Schwester Teresa nicht.
Ordenschristen weisen darauf hin, dass da noch etwas aussteht, dass das Beste noch kommt. Wir sind da, um Menschen aller Generationen Gottes Liebe sichtbar zu machen – dadurch, dass wir ihnen helfen, und dadurch, dass wir für sie beten.
Die Orden tendieren also von der praktischen, sozialen Arbeit zunehmend zu einer kontemplativen Dimension. Das erklärt, warum es den kontemplativen Gemeinschaften tendentiell besser geht, als den sozial engagierten.
Auf eine weitere Option macht Manfred Lütz in seinem Buch "Benedikts Vermächtnis und Franziskus`Auftrag" aufmerksam. Die Orden sollten sich Aufgaben widmen, die durch die Krankenkasse nicht abgedeckt sind und verstärkt die seelische Lage etwa der Kranken ins Auge fassen, so Lütz. Als Beispiel nennt er etwa die Hospizbewegung, in der er auch selbst engagiert ist.

Leserfrage:
Wie seht ihr die Zukunft der Orden in Deutschland?

Zum Artikel
Ordensleben wird neue Formen bekommen (Bistum Würzburg)

Dazu:
Ritaschwestern
Benedikts Vermächtnis und Franziskus`Auftrag (Paul Josef Kardinal Cordes, Manfred Lütz)

Dienstag, 12. Mai 2015

Reliquien zurück in die Kirchen?

Reliquien, Messkelche und Heiligenfiguren finden wir nicht nur in Kirchen, sondern auch in Museen. Dort wirken sie aber für den religiösen Betrachter oft deplaziert. Denn dort sind sie ihrer ursprünglichen Aufgabe entfremdet.

Flickr Fiore Silvestro Barbato
Vor einigen Jahren habe ich den spanischen Ort Alba de Tormes besucht. Dort befindet sich das Grab der Hl. Teresa von Avila. Von der Kirche kam ich in ein Museum, indem auch einige Reliquien aufbewahrt wurden. Die Herzreliquie Teresas fand ich in einen Schaukasten, als handle es sich um eine Münzsammlung. Der religiöse Gehalt der Reliquie wird dabei in keinster Weise berücksichtigt.

Tote im Schaukasten statt im Grab

Museen haben die Aufgabe, Objekte zu konservieren und der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie bewahren dabei die Artefakte, entfremden diese aber zugleich. Denn sie reißen sie aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang, definieren einen neuen Zweck für die alten Objekte und stellen sie in einer neutralen Umgebung auf. Vielen Menschen finden es befremdlich, wenn sie im britischen Museum Mumien in Glasvitrinen vorfinden. Menschenkörper, einst für die Ewigkeit im Sarkophag pietätvoll präpariert, werden in einer Glasvitrine den Lebenden zur Schau gestellt. Die Kuratoren holen religiöse Andachtsgegenstände aus den Kirchen in die Museen, wo Besucher oft keinen Sinn mehr für ihren Bezug haben und sie auf ihre historische oder künstlerische Dimension reduziert werden.

 Weiter lesen hier.

Freitag, 8. Mai 2015

Schönwetter über Heiligenkreuz. Päpstlicher Segen und irdische Gründe

Das Stift Heiligenkreuz boomt seit Jahren wie blöde. Kein anderes Kloster ist so populär und erfolgreich. Das kann doch kein Zufall sein.


Das Stift Heiligenkreuz kann sich vor lauter Zulauf nicht mehr retten. Schon der Konvent würden aus allen Nähten platzen, wenn nicht viele Mitbrüder als Seelsorger in den Pfarren leben würden. Derzeit hat das Stift mit zwei Prioraten in Bochum und Wiener Neustadt einen Höchststand seiner Mitgliederzahlen erreicht. Auch die "Hochschule Benedikt XVI." quillt über und muss erweitert werden, um die Studierendenzahlen aufzunehmen. Die Lage ist so dramatisch, das man einige Seminaristen schon in Containern unterbringen muss.

Ich habe vor Jahren einmal einen Mönch nach dem Grund für den Erfolg seines Kloster gefragt und bekam eine sehr vergeistigte Antwort. Man bete halt viel. Pater Karl Wallner drückte das etwas bildlicher aus: Papst Benedikt kam 2007, hat gesegnet und alles ist explodiert.

Konservatives Revivial begünstigt Heiligenkreuz

Vom Walten Gottes einmal abgesehen, gibt es aber auch ganz weltliche Gründe, warum es dem Stift derzeit so gut geht. Das ist zum einen das konservative Revival unter Benedikt XVI. Das Stift gehört zu den wenigen Gemeinschaften, die einer traditionsorientierten Auslegung des II. Vatikanischen Konzils folgen. Damit liegen die Mönche ganz auf der Linie des Papa emeritus. Auch in ihrer barock-monastischen Liturgie entsprechen sie dem Stil, den der Papst - zu meiner persönlichen Freude - in Rom gepflegt hat. Gerade die hochkirchlichen Konservativen haben unter Benedikt XVI. einen Auftrieb erlebt, von dem auch das Stift Heiligenkreuz profitiert.

Glück mit dem Führungspersonal

Eine selten glückliche Personalkonstellation hat den Erfolg des Stiftes weiter befördert. Gregor Henckel Donnersmarck, Abt zwischen 1999 und 2011, ist nicht nur seiner Persönlichkeit nach eine beeindruckende Führungsfigur. Er ist als Mitglied der Adelsfamilie von Donnersmarck auch hervorragend vernetzt. Besonders in der katholischen Kirche sind Familienverbindungen wie diese noch immer Gold wert. Neben dem Altabt ist Pater Karl Wallner der charismatische "Außenminister" des Konvents. Nach Figur (sooo ein Kreuz) und Geist ein PR-Genie, ist er zudem ein Schaffer vor dem Herrn.

Chant schlägt ein wie ein Bombe

Einige weitere Ereignisse haben die Situation für das Stift zudem noch verbessert. Der Neffe des Abtes, Florian Henkel von Donnersmarck, spielte 2006 mit dem Film "Das Leben der anderen" einen Oscar ein. Auch auf das Stift viel dabei etwas Glanz aus Hollywood, denn der Neffe entwickelte den Film unter anderem in der Ruhe des Wienerwaldes. Dazu kam 2008 der Hype um die "Singenden Mönche" mit ihrer CD "Chant", die derart einschlug, dass die Zisterziesener sogar auf das Sofa von "Wetten dass ..." gezerrt wurde.

Den Mönchen ist es bislang gelungen, den Erfolg maßvoll zu verwalten. Der Ausbau der Hochschule ist dafür ein Zeichen. Er wurde nicht leichtfertig begonnen und Pater Karl legt wert darauf, man habe für den Ausbau keine Schulden machen müssen. Das ist wichtig. Denn wie jeder Boom wird auch dieser eines Tages vorbei sein. Das kann aber ruhig noch eine Weile dauern.

Dazu:
Wenn Mönche bauen (Demut Jetzt)

Donnerstag, 7. Mai 2015

Wenn Mönche bauen

Die Hochschule Heiligenkreuz hat den Ausbau ihres Campus fast abgeschlossen.


Seit drei Jahren sind die Hochschule und das Stift dabei, die alten Gebäude zu modernisieren, zu erweitern und Neue zu bauen. Denn Heiligenkreuz hat ein Luxusproblem: Zu viele Studierende. Schon der Konvent würden aus allen Nähten platzen, wenn nicht viele Mitbrüder als Seelsorger in den Pfarren leben würden. Bei der Hochschule kann man die Studierenden aber nicht so einfach auslagern.

1992 waren es noch 62 Studenten, dieses Jahr hat sich die Zahl mit 274 mehr als vervierfacht. Die Lage ist so dramatisch, das man einige Seminaristen schon in Containern unterbringen muss. Während das Hochschulgebäude fertig ist, bleiben die Blechhütten aber noch eine Weile stehen. Erst im November soll das neue Seminaristenheim eingeweiht werden. Mit dem Ausbau wächst die Hochschule auch räumlich in die Stellung eines führenden Theologenseminars im deutschen Sprachraum hinein.

Ankündigung: Morgen folgt hier mein Kommentar, warum das Stift so boomt.

Dazu:
Heiligenkreuz: Hochschule zu modernem Campus ausgebaut (kath.net)
Heiligenkreuz: Hochschule zu modernem Campus ausgebaut (kathweb.at)
Hochschule Heiligenkreuz zu Campus ausgebaut (ORF)
Bildmaterial: Kardinal weihte den erweiterten Campus der Phil.-Theol. Hochschule ein (Stift Heiligenkreuz)

Dienstag, 5. Mai 2015

Bartgade: Der Limburger Protzbischof is back

Tebartz-van Elst hat sich nicht verändert. Er trägt nur einen arroganten Hipster-Bart. Findet die Zeit.


Der Limburger Altbischof steht nach wie vor unter intensiver Beobachtung der Medien, die jede Handlung und jedes Haar genau sezieren. So hat sich die "Zeit" Anfang der Woche die Mühe gemacht, über die neue Bartmode von Tebartz-van Elst zu philosophieren und ihn als arroganten Modetypen in pseudo-büßer-Gewandung zu enttarnen.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Mensch sich nach einer Krise auch optisch verändern will, weiss auch der geneigte Zeit-Redakteur. Und wer den Altbischof am Ende seiner Zeit in Limburg kannte, der kann einen Bart in diesem hageren Gesicht nur begrüßen, zumal ihm das, nach einhelliger Meinung, gut steht. Das scheint den Neid des geneigten Redakteurs auszulösen, der findet, dass Tebartz-van Elst eine "vergleichsweise kecke und eitle Interpretation fand", um seinen neue Stil auszuleben. Weil am bischöflichen Bart aber wenig super-modisches zu erkennen ist, vergleicht der geneigte Redakteur die episkopale Haarpracht noch schnell mit dem Barte der alten Wüstenväter, die natürlich wesentlich weniger gepflegt waren.

Für den Christen hat der Bart aber noch eine andere Bedeutung, die der geneigte Zeit-Redakteur aber nicht kennt. Bärte sind auch Zeichen der Missionare. Wann immer sich früher der gewöhnliche katholische Geistliche einen Bart wachsen ließ, wurde gemunkelt, er plane zu den Heiden zu ziehen. Auch so kann man Tebartz-van Elst neue Mode lesen, denn er ist ja für die Neuevangelisation zuständig, was ein netteres Wort für die Mission des vormals christlichen Abendlandes ist. Der Limburger Altbischof zeigt damit seinen Willen, sich voll in seine Aufgabe reinzuhängen. Also keine Arbeitsstrafe, wie der geneigte Zeit-Redakteur vermutet, sondern voller Einsatz in einer Stelle, für die der Pastoraltheologe Tebartz-van Elst gut geeignet ist. Hoffentlich hängt sich der geneigte Zeit-Redakteur auch so rein.

Dazu:
Über Bartmoden (Zeit)
Die neuesten Verschwendungen des Tebartz-van Elst (Geistbraus)

Montag, 4. Mai 2015

Gemeinsam Beten im Netz. Geht das?

Gebetsgemeinschaften sind eine uralte Tradition im Christentum. Die digitalen Medien schaffen neue Formen gemeinsamen Betens. Oder? 


Das Internet revolutioniert unsere Kommunikation. Fast alle sind heute schnell und immer erreichbar, egal ob altmodisch via Telefon oder neuerdings über Whatsapp. Doch unser Beten scheint sich kaum verändert zu haben. Noch immer ist die Kirche oder das stille Kämmerlein Ort des Gebetes.

Dabei ist Beten Kommunikation. Mit Gott, aber auch mit anderen Mitmenschen. Am deutlichsten wird das in der Messe, wenn die Besucher gemeinsam beten und sich dabei auch beeinflussen. Die Andacht der anderen kann die eigene fördern, Nachbarn, die auf ihren Smartphones herumspielen, sind hingegen dem Gebet wenig förderlich. Beten ist ein sozialer Akt, oft auch mit Abwesenden. Wenn ich für jemanden anderen bete, begebe ich mich in eine Gemeinschaft mit ihm. Und wenn ich die Psalmen singe, tue ich das zusammen mit zahllosen anderen Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen.

Füreinander, aber nicht gemeinsam beten

Doch auch das Beten kommt immer mehr im digitalen Zeitalter an. So kann ich heute das Stundengebet kostenlos als App auf mein Smartphone herunterladen.
Es entstehen auch neue Gebetsgemeinschaften, die den Geist des Internets in sich tragen: Anonym, flexibel und jederzeit erreichbar. Eine der größten Gemeinschaften in Deutschland ist amen.de. Fast 3.500 Menschen haben dort mittlerweile für 27.000 Anliegen 661.596 gebetet, stand Samstag Abend. Jeder kann einfach anonym ein Gebet eingeben, das geprüft und an verschiedene Mitglieder weitergemeldet wird. Die haben sich registriert, für eine bestimmte Zahl Anliegen pro Woche zu beten und schreiben mitunter auch "Ermutigungs-Mails", wenn man seine Mail-Adresse hinterlässt.

So trägt das Internet seine Werte und Mechanismen in das Beten hinein. Ich muss mich nicht schämen, weil jemand mich in meinen Sorgen erkennen könnte, kann aber ein Feedback auf mein Anliegen bekommen. Dennoch fehlt der Charakter der unmittelbaren Gemeinschaft, in der Versammlung an einem Ort mit den Mitbetenden. Zeitlicher und räumlicher Zusammenhang fallen bei amen.de auseinander. Wie so häufig überbrückt das Internet zwar diese natürlichen Grenzen des menschlichen Erlebens. Wie so häufig kann es sie aber nicht aufheben.

Leserfrage:
Kennen Sie weitere Plattformen von Gebetsgemeinschaften?

Dazu:
amen.de
Beten 2.0: Ein Selbstversuch (Radio Vatikan)

Samstag, 2. Mai 2015

7 Tage - im Kloster

Sympathischer Film über das Leben im Kloster Münsterschwarzach. Es fehlt ein wenig der Tiefgang im Film, aber gerade für Einsteiger geeignet, denn die Mönche kommen durchweg gut rüber.

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