Dienstag, 30. September 2014

Montag, 29. September 2014

Sinzig am Rhein

Einer der beeindruckendsten Kirchenräume am Rhein zwischen Koblenz und Bonn ist St. Peter in Sinzig am Rhein.

Unweit der Mündung der Ahr in den Rhein hatten schon die Römer auf einer Anhöhe eine Kultstätte. Wer einen Kirchenraum in voller Harmonie erspüren will, sollte sich Zeit für den kleinen Abstecher nach Sinzig nehmen.

Die Kirche ist schon von weitem zu sehen, ein großer Marktplatz hebt das Gebäude heraus. Kurz vor Beginn der Gotik wurde dieser spätromanische Bau 1225 begonnen, für das Jahr 1241 ist die Altarweihe dokumentiert.

Über der Vierung ist mit Bändern die Zahl Acht angelegt, Hinweis auf den 8. Tag, den Tag der Auferstehung. Die Acht bezieht sich auf die Schöpfung, die mit dem 6. Tag abgeschlossen war, der 7. Tag gilt der Sabbatruhe, der 8. Tag ist die himmlische Vollendung. Wer die Kirche betritt, hat bereits die Schwelle zum Himmel übertreten, zwar steht der Besucher auf der Erde, das Himmelsgewölbe nimmt ihn aber schon auf. Im „Heilig, heilig…“ der Messfeier vereint sich die Gemeinde in der Kirche mit der himmlischen Liturgie.

Weitere Religiöse Orte bei hinsehen.net hier.

Samstag, 27. September 2014

Freitag, 26. September 2014

Cortile Ottagono

Weil ich gerade ein bisschen beschäftigt bin, hab ich noch ein paar alte Bilder der letzten Romreise ausgegraben. Ist jetzt schon wieder ein halbes Jahr her. Und bevor jemand fragt, ich habe beim Herrn ganz unten nicht Modell gestanden.





Donnerstag, 25. September 2014

Johannes zu Eltz: Time to say goodbye?

Johannes zu Eltz, Stadtdekan von Frankfurt und Limburger Domkapitular, will sich eine Auszeit nehmen.

Der Frankfurter Stadtdekan hatte es schwer in den letzten Monaten. Unter Aufbietung aller Kräfte hat er sich gegen seinen Bischof gestemmt und für seine Konzeption von Kirche gekämpft. Das hinterlässt natürlich Spuren. Sowohl bei Johannes zu Eltz selber als auch im Bistum.

Zumindest für sich selber möchte zu Eltz jetzt eine Lösung finden. Um einem Burn-out vorzubeugen nimmt er sich eine "Auszeit" im Benediktinerkloster Neuburg. Für seine Erholung wünsche ich Johannes zu Eltz an dieser Stelle viel Erfolg.

Eine andere Frage ist, wie es mit den Spuren im Bistum aussieht, die zu Eltz mitgeschlagen hat. Er war ja einer der prominentesten und schärfsten Gegner des Bischofs und wusste auch des öfteren Rat, was denn Rom jetzt bitte machen sollte. Das sich Rom an des Stadtdekans Wünschen nie wirklich orientiert zu haben scheint, mag zur Auszeit beigetragen haben. Man kann sich allerdings auch fragen, ob er an der Gestaltung des Bistums weiterhin so promiment beteiligt sein sollte. Vielleicht beschäftigt ihn das auch. Aktuell scheint er jedoch wiederkommen und bis zur Rente bleiben zu wollen. Aber vielleicht kommt er im Kloster ja zur Erkenntnis, dass er ausnahmsweise dem Beispiel seines Ex-Bischofs folgen könnte: Seinem Vorgesetzten den Rücktritt anbieten.

FNP-Artikel zum Thema hier

Mittwoch, 24. September 2014

Neues aus dem Bistum Limburg: Grothe auf Achse

Auf dem Bloggertreffen wurde ich häufiger gefragt, wie es denn im Bistum Limburg aktuell aussieht.

Ich habe natürlich geantwortet, dass wir noch dabei sind, die Goldbrokatvorhänge von Tebartz abzuhängen und die Diamanten aus den Kaseln zu entfernen, um sie einer Armenküche für gescheiterte Spiegel-Journalisten zu spenden.

Aber im ernst. Aktuell ist es relativ ruhig. Der Ex-Chef ist jetzt final nach Regensburg umgezogen, das BO arbeitet mit einem normalen Klima und der Apostolische Administrator müht sich erfolgreich um Konsolidierung. Sein ruhiger Ton scheint allen nach den hektischen und stressigen Zeiten gut zu tun. Einige Querulanten, die der Meinung sind, er müsse komplett mit der Tebartz-Zeit brechen und eigentlich sollte man schon längst eine Pastoralreferentin zur Bischöfin gewählt haben, gibt es natürlich immer. Aber die wird es auch weiterhin geben.

Ein guter, weil sachlicher Artikel kann man in der FAZ lesen hier.

Autos sind religiöse Orte

Foto: WikiCommons Sovxx
In der Rubrik religiöse Orte wollen wir nicht nur klassische religiöse Orte behandeln, sondern religiöse Aspekte auch dort suchen, wo sie gemeinhin nicht vermutet werden. Zu diesen verdeckten Orten des Religiösen gehört auch ein Gegenstand, der uns besonders vertraut ist: das Auto. 

Eines der wichtigsten Gegenstände unseres alltäglichen Lebens ist das Auto. Die meisten Menschen werden ihr ganzes Leben von Autos begleitet. Sie werden mit dem Auto als Baby aus der Klinik erstmals in ihr Elternhaus gebracht, nehmen als junge Menschen stolz ihren Führerschein entgegen, kaufen sich einen Viertürer mit großem Kofferraum, wenn sie eine Familie gründen und im Alter müssen sie auch vom Auto langsam Abschied nehmen. Es gibt zugleich nur wenige Dinge in unserem Alltag, die so sentimental betrachtet werden und die so symbolisch für unsere Gesellschaft stehen. Das Auto verweist so über sich selbst hinaus und steht für Ideen und Prinzipien, die mitunter religiöse Züge annehmen.

Auto als Sinnbild für Freiheit 

Wenig ist in unserer Gesellschaft so wichtig wie die Freiheit. Sie ist eine der wichtigsten kulturellen Entwicklungen des Westens: Die Freiheit, seine Religion, seine Regierung, seine Arbeit, seinen Wohnort wählen zu können. Dieses Versprechen der Freiheit ist durch das Auto noch ergänzt worden. Denn auch wer wohnen kann, wo er will, kann nicht überall hinkommen. Das Auto ermöglicht einen viel größeren Aktionsradius. Besonders anschaulich wird das, wenn junge Menschen den Führerschein bekommen. Dann ist man endlich nicht mehr von den Eltern abhängig, um von einem Ort zum anderen zu kommen, sondern ist frei zu gehen, wohin und wann man will.

Auto als Sinnbild für Reichtum 

Kaum etwas steht in der kapitalistischen Kultur des Westens so hoch im Kurs wie Reichtum und Erfolg. Und nur wenig drückt beides so gut aus wie das Auto. Menschen mit einer schmalen Geldbörse können sich nur ein altes, oft kleines Auto kaufen, während Menschen, die reich an Erfolg und Wohlstand sind, des Öfteren in Porsche und Ferrari vorfahren. Man sieht also gleich, wie jemand materiell einzuordnen ist. Nicht umsonst gelten Sportwagen als Magnet für bewundernde Blicke und schöne Frauen.
Auto als Sinnbild für Knechtschaft 

Doch das Auto steht nicht nur für positive Werte. Es steht auch für die Knechtschaft des modernen Menschen. Durch das Auto kann und durch das Auto muss der Mensch immer längere Strecken zurücklegen, oft fährt man ein bis zu zwei Stunden zur Arbeit. Man steht im Stau oder kommt nur langsam voran, während sich die hupende und Abgase speiende Kolonne träge und doch spannungsgeladen durch die Straßen der Städte schiebt. Der Mensch ist dann in dieser Konservendose gefangen, gefangen zugleich zwischen hier und dort, zwischen Erwartungen und der Wirklichkeit.

Das Auto als Sinnbild für absolute Werte 

All diese Ideen, für die Autos stehen, können dabei in der modernen Gesellschaft absolute Werte sein. Man ist nicht mehr frei für etwas, sondern man ist nur noch frei von etwas. Die jungen Menschen werden durch das Auto nicht befähigt, sich für etwas Großes und Gutes einzusetzen, sondern nur überhaupt befähigt, ihren Radius zu erweitern. Und der Reichtum, der in den Ferrari fließt, wird nur zum eigenen Genuss ausgegeben und ist nicht mehr ein Wohlstand, der mit anderen geteilt wird. Und selbst in der Knechtschaft wird der Mensch immer mehr zum Hamster im Rad, der nur noch rennt, damit das Rad nicht stehen bleibt, aber ohne ein höheres Ziel. All diese Ideen geben also einen Deutungshorizont vor, der absolut gesetzt werden kann und oft absolut gesetzt wird. Er prägt damit das Leben der Menschen quasi religiös. Das Auto, das für all diese Ideen steht, wird damit vom Gebrauchsgegenstand zum Kultobjekt und zu einem religiösen Ort.

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Mittwoch, 17. September 2014

INA: Missions-Funktion in Blogs

New York (INA) Das katholische Institut für Internet-Mission "Windows of the Sky" hat am Mittwoch ein neues Missions-Plug-in für Blogger veröffentlicht. Das Programm untersucht bei Besuchern der Blogs den Browser-Verlauf nach religiösen Seiten. Findet das Programm eine hohe Dichte nicht-katholischer Aufrufe, werden alle Posts auf dem Blog, die zur Mission der jeweiligen Denomination dienen können, nach oben verschoben und der wichtigste Post als unverbindliche Empfehlung auf der Sidebar angezeigt. Das Programm kann die Missions-Post selbstständig suchen, der Blogger kann die Beiträge aber auch selber mit entsprechenden Tags versehen.
Das Plug in kann in alle herkömmlichen Blog-Systeme eingebaut werden und ist kostenfrei. Um Spenden wird gebeten.

2014 Ignaz' Nachrichtenagentur. Unfehlbare Satire aus aller Welt.

Dienstag, 16. September 2014

Die Scharia hat uns nichts zu sagen!

Die Scharia-Polizei hat die letzten beiden Wochen für große Aufregung in Deutschland gesorgt. Damit ist auch das Thema der Integration des Islam und der Muslime in Deutschland wieder akut geworden. Denn zum Islam gehört auch das religiöse Gesetz der Scharia. Es ist nicht ungewöhnlich, dass religiöse Systeme ihre eigenen Rechtsvorstellungen haben und in die Gesellschaft tragen. Das gilt auch für das Christentum, dem man durchaus das Recht zubilligt, in die Gesellschaft hineinzuwirken. Hat uns also auch die Scharia etwas zu sagen?

Die Scharia kommt dem Westen immer näher. Zum einen durch die wachsende Bedeutung für die islamische Welt, zum anderen durch die größer werdende Zahl der Muslime in Europa. Immer drängender wird daher die Frage, ob sie im Sinne des interkulturellen Austausches Impulse für den Westen setzen kann. Gerade für den Christen ist diese Frage wichtig. Denn zum einen hat das Christentum entscheidendes für die Entwicklung Europas geleistet. Zum anderen haben die Christen bis heute den Anspruch, dass ihre Religion die westliche, konkret die deutsche Gesellschaft mitgestaltet. Wollen wir nicht einfach mit zweierlei Maß messen, müssen die Muslime das gleiche tun dürfen. Und zum Islam gehört die Scharia. Sollte also die Scharia nicht auch in die Gesellschaft hineinwirken dürfen, wie es auch das Christentum darf? Doch gibt es zwischen dem Christentum und dem Islam einige wesentliche Unterschiede. Zwei Punkte stechen hervor.

Das Christentum sieht sich als Vollendung antiker Philosophie

Der erste bezieht sich auf den Charakter dieser Religionen im Umgang mit anderen Religionen und Philosophien. Das Christentum tendiert gegenüber spirituellen und philosophischen Ideen zum Prinzip der Vollendung, besonders, wenn es sie bei seiner Entstehung bereits vorgefunden hat. Nach christlicher Auffassung fehlt zwar anderen Religionen die Erkenntnis Jesu Christi, aber dennoch sucht das Christentum in anderen Religionen und Philosophien die Aspekte, die mit der eigenen Wahrheit übereinstimmen und findet sie auch. Das hat es dem Christentum ermöglicht, z.B. die antike Philosophie für sich nutzbar zu machen. Die Suche nach Übereinstimmung ist die Grundlage eines fruchtbaren interreligiösen Dialoges.

Der Islam sieht selbst die Buchreligionen als Verfälschung des wahren Glaubens an

Der Islam nimmt jedoch gegenüber allen anderen Religionen bestenfalls eine korrigierende Haltung ein. Judentum und Christentum sind für den Islam Abweichungen und Verfälschungen der wahren Lehre. Entsprechend scheint dem gegenwärtigen Islam seinem Charakter nach die Wertschätzung für andere Religionen und Philosophien zu fehlen. Zwar werden Christentum und Judentum im Islam geduldet, als sie in gewissen Aspekten ihm ähnlich sind oder waren. Geschätzt werden sie aber nicht. Islamisten haben es entsprechend leicht, ihre radikalen Weltanschauungen als „den Islam“ zu verkaufen. Dabei gab es in der islamischen Geschichte auch andere Phasen. Vom 9. bis ins 13. Jahrhundert, seinem „Goldenen Zeitalter“, war der Islam vergleichsweise offen für andere Ideen und war gegenüber Europa die höher entwickelte Zivilisation. Seit dieser Zeit haben sich jedoch konservative Tendenzen im Islam durchgesetzt, die seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert zunehmend radikale Ausrichtungen des Islam hervorbrachten. Verschiedene Versuche, Grundsätze von anderen Religionen oder Philosophien in die islamische Lehre zu integrieren, sind daher bisher immer fehlgeschlagen.

Europa empfing in seinem Wertesystem keine Impulse durch den Islam

Der zweite Punkt betrifft die Relevanz des Islam für das westliche Werte- und Rechtssystem. Oft wird davon gesprochen, das christliche Europa habe dem Islam viel zu verdanken. Das bezieht sich auf die Weitergabe antiker Quellen durch muslimische Gelehrte und auf den Transport von Technologien. Dies geschah überwiegend über Andalusien am Ende jenes „goldenen Zeitalter“ des Islam. Diese Leistung muslimischer Gelehrter ist anzuerkennen.

Damit erschöpft sich allerdings der positive Einfluss des Islam auf das westliche Christentum. Denn Europa hat den Islam zu oft als Bedrohung wahrgenommen. Und abgesehen von Phasen, in denen die muslimischen Mächte den europäischen unterlegen waren, war diese Einschätzung auch zutreffend. In der Folge empfing Europa in den Fragen, die für die gesellschaftliche Entwicklung wichtig waren, keine wesentlichen Impulse durch den Islam. Weder Menschenrechte, Toleranz, Gewaltenteilung oder die Unterscheidung von Religion und Staat sind Bereiche, in denen der Islam Europa bisher etwas zu sagen hatte.

Der Islam kennt keine Unterscheidung zwischen Staat und Religion

Wichtig ist besonders der Umstand, dass der Islam bis heute keine Trennung von Staat und Religion kennt. Für den Islam ist die Religion die Herrin der Gesellschaft, nicht nur eine wesentliche gesellschaftliche Kraft unter mehreren. Das darf bei den Christen keine Arroganz hervorrufen. Denn auch die Christenheit hat lange und blutig mit dieser Frage gerungen. Unterscheidung und Trennung des geistlichen und weltlichen Bereiches sind jedoch eine genuine Leistung der westlichen Zivilisation. Wo es sie in islamischen Ländern gibt, ist sie ein westlicher Import. So konnten sich säkulare Regierungen in der islamischen Welt bisher nur als Militärregime durchsetzen und halten. Selbst in der Türkei, dem westlichsten Land der islamischen Welt, zeigen sich in den letzten Jahren zunehmende konservativ-islamische Tendenzen.

Die Scharia hat uns nichts zu sagen

Die Scharia ist Teil des islamischen Prinzips, wonach sich die Gesellschaft nicht aus eigenem Entschluss ein Gesetz geben kann, sondern dieses von Gott bereits erhalten und es umzusetzen hat. Eine Unterscheidung von religiösem und weltlichem Bereich, wie sie für den Westen wesentlich ist, oder gar eine Trennung von Staat und Religion, liegt auf Basis der Scharia bisher noch nicht vor. Auch hat die Scharia als Rechtsprinzip keine Wirkung in der westlichen Kultur hinterlassen. Die Scharia widerspricht daher aktuell der westlichen Kultur! Daher hat uns die Scharia, besonders in ihrer islamistischen Auslegung, nichts zu sagen und verhindert auch jeden Ansatz interkultureller Auseinandersetzung.

Montag, 15. September 2014

Das Verhältnis zwischen Christentum und Islam. Hoffnung in der Krise?

Foto: Wiki Commons Jim Gordon
Das Verhältnis zwischen Christentum und Islam ist seit jeher eine komplizierte, spannungsgeladene Beziehung. Zu den Kristallisationspunkten der verschiedenen Aspekte dieser Beziehung gehört die Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI., die sich dieses Wochenende jährt.

2006 löste der Papst einen Proteststurm in der islamischen Welt aus, als er einen byzantinischen Kaiser zitierte, der gegenüber einem Muslim in einem Dialogschrift bemerkte, Mohammed habe nichts Gutes gebracht. Doch auf den Proteststurm folgte ein intensiver Dialog mit dem Islam, sodass das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und der islamischen Welt nie so gut war wie beim Rücktritt Benedikts. Die Regensburger Rede zeigt damit verschiedene Facetten im Verhältnis zwischen beiden Religionen. Im Wesentlichen kann man drei Aspekte unterscheiden: Ablehnung, Toleranz und gegenseitige Bereicherung.

Ablehnung und Konfrontation

Unser Bild vom Islam ist vor allem durch den ersten Punkt geprägt, die Ablehnung. Der Islam ist seit seinem Auftreten für das Christentum im Allgemeinen stark mit negativen Erlebnissen verbunden. Denn der Islam breitete sich durch Eroberung in die vormals christlichen Gebiete aus und einen erheblichen Anteil an der Mission in diesen eroberten Regionen geschah durch staatlichen Druck. Auch stand der Islam jahrhundertelang an den Außengrenzen der europäischen Christenheit, erst auf der iberischen Halbinsel, dann auf dem Balkan und drängte immer wieder nach Europa vor. Eine Befreiung von der Gefahr durch das islamische Reich der Osmanen gelang den Europäern erst im 18. Jahrhundert.

Doch während für die Europäer der Islam seit dieser Zeit immer weniger bedrohlich war, begann zugleich das große Trauma der islamischen Welt. Denn jahrhundertelang konnte man sich den Christen technologisch und kulturell überlegen fühlen. Doch seit dem 18. und besonders dem 19. Jahrhundert begann der Aufstieg Europas zum beherrschenden Kontinent der Welt. Die Muslime sanken dagegen herab zu Vasallen des Westens. Dieses Trauma eines technologisch und wirtschaftlich überlegenen Westens, der noch immer in die muslimischen Angelegenheiten hineinregiert, führt noch heute zu einer Ablehnung Europas und Amerikas in weiten Teilen der islamischen Welt.

Toleranz als Duldung

Dabei ist die Geschichte auch von einer gewissen Toleranz der beiden Religionen einander gegenüber geprägt. Toleranz meint hier wirklich Duldung. Man duldete einander, weil man miteinander auskommen musste. Die Muslime waren in den ersten Jahrhunderten ihrer Geschichte darauf angewiesen, die Christen in ihren beherrschten Gebieten zu dulden. Zum einen, weil diese zu viele waren, um sie durch eine relativ kleine Herrenschicht kollektiv und dauerhaft in brutaler Knechtschaft zu halten. Zum anderen, weil die Muslime die Christen brauchten. Ihr Staatshaushalt basierte wesentlich auf der christlichen Kopfsteuer und die geistige Elite der orientalischen Christen stellte auf Jahrhunderte die wissenschaftliche Avangarde der islamischen Länder.

Aber auch die Christen waren bereit, Muslime zu dulden, wo sie keine Bedrohung für sie darstellten. Der Bestand des Osmanischen Reiches war in den letzten Jahrhunderten wesentlich davon abhängig, dass der Westen diese zur Mittelmacht degradierte Ex-Großmacht erhielt, um sich nicht über die Verteilung der Gebiete zu zerzanken. Und auch als Handelspartner z.B. im indischen Ozean fand man nichts gegen Muslime, solange sie das Geschäft mit den anderen europäischen Staaten nicht bedrohten. Auch im Mittelalter zeigten sich z.B. die Kreuzritter zur Duldung mit den muslimischen Einwohnern der Kreuzfahrerstaaten bereit, ihre Herrschaft wäre auch sonst nicht möglich gewesen.

Kooperation und Bereicherung

Seltener in der Geschichte haben sich beide Religionen gegenseitig bereichert. Der klassische Ort dieser Bereicherung ist bis heute die iberische Halbinsel. Nirgendwo haben Christen, Muslime und Juden solange so intensiv aufeinander gewirkt. Unter den Omayaden-Kalifen und in der Taifa-Zeit war Andalusien ein wichtiger Umschlagplatz von Wissen und Techniken, von dem auch das Christentum profitierte. Später, als radikale Muslime im Süden die Macht ergriffen, wanderte dieser Umschlagplatz in den Norden, wo die kastillischen Könige bereitwillig muslimische Gelehrte aufnahmen. Aus dieser Zeit stammen z.B. die meisten Überlieferungen griechischer Klassiker, die über die islamische Welt nach Europa gekommen sind.

Noch heute kann man in Spanien die Zeugnisse dieser Befruchtung erkennen. Während der Königspalast in Sevilla eindeutig muslimische Einflüsse aufweist, rezipiert z.B. die Alhambra in Granada christlicher Stilelemente wie den Kreuzgang. Auch das “Goldene Zeitalter” der islamischen Welt im 9. bis ins 13. Jahrhundert wurde erst durch die bereits genannten orientalischen Christen möglich, die den Muslimen das Wissen der antiken Welt erst erschlossen.

Bedingungen für Kooperation

Das zeigt, dass Christen und Muslime eine wechselende gemeinsame Geschichte verbindet, die niemals so eindeutig von Gegensätzen geprägt war, wie oft dargestellt. Sie zeigt, dass trotz einer schwierigen Geschichte und großer Unterschiede in bestimmten Phasen Kooperation möglich war, dass diese aber auch immer an glückliche Bedingungen geknüpft war. Oft war sie durch Radikale bedroht oder Kräfte verschoben sich. Im Wesentlichen waren Toleranz und Bereicherung immer an folgende Punkte geknüpft: Erstens eine eindeutig dominierende Macht; zweitens die Notwendigkeit dieser Macht, mit der anderen Religion in ihrem Interesse zu kooperieren; drittens eine gewisse Wertschätzung der anderen.

Die Lage heute

Vom Grundsatz her sliegen die Bedingungen für eine solche Situation auch heute vor. Denn noch immer stellt der Westen die bedeutendere Kraft dar als die muslimische Welt und kann, bei aller Abhängigkeit vom Öl, aus einer Position der Stärke heraus handeln. Zugleich muss die westlichen Gesellschaft die Muslime in den islamischen Ländern wie in den eigenen Gesellschaften ins das vom Westen dominierte Weltsystem integrieren, damit das eigene Konzept von Gesellschaft und Wirtschaft langfristig erfolgreich ist. Auch eine gewisse Wertschätzung der Muslime besteht aktuell noch im Westen. Doch wird gerade diese Wertschätzung durch die jüngsten Entwicklungen bedroht. Auf der einen Seite sind es die radikalen Muslime, die immer mehr das westliche Bild vom Islam prägen und den Islam als finstere Gewaltreligion erscheinen lassen. Auf der anderen Seite sind es die westlichen Moralwächter, die bei jeder Kritik am Islam mit der Faschismuskeule drohen. Die Muslime im eigenen Interesse wertzuschätzen, sich aber zugleich der eigenen Stärken bewusst sein ist damit ein weg, der eine fruchtbare Kooperation aus historischer Perspektive möglich macht. Den Päpsten Benedikt XVI. und Franziskus ist das bereits gelungen.

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Sonntag, 14. September 2014

Die Wendelin-Kapelle in Dietesheim am Main

Foto: Wiki Commons Gerd Adam
Eines der Wahrzeichen der Stadt Dietesheim am Main, heute ein Stadtteil vom Mühlheim am Main, ist die Wendelin-Kapelle. Der Heilige Wendelin ist der Patron der Hirten und verweist damit auf den Zweck, den diese Kapelle hatte.

Neben den vielen Kirchen sind es vor allem kleine Kapellen, die als religiöse Orte unsere Landschaft prägen. Dazu gehören zahlreiche Marienschreine, die besonders an Wegekreuzungen zu finden sind, aber auch Kapellen am Rande einer Ortschaft oder sogar mitten in Feldern und Wäldern, deren Sinn sich heute nicht mehr erschließt. Dabei steckt hinter jeder dieser Orte eine Geschichte. Mitunter wurden sie gebaut, um eine Gelübde zu erfüllen, oft dienten sie aber auch einem praktischen Zweck. Zum letzteren Typ gehört die Wendelin-Kapelle in Dietesheim am Main.

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Pacelli: Ein totaler Miesepeter

Foto: Facebook Summer Elisabeth Miller Vining

Samstag, 13. September 2014

Kirchenquiz

Heute nochmal: Benediktinerklosterquiz.
Wo steht diese Kirche samt Kloster?


Auflösung am Montag

Freitag, 12. September 2014

Neueste Stilblüte vom Arbeitsmarkt

Neueste Stilblüte aus dem Arbeitsmarkt:

Zur Sicherung der Gleichstellung sind Bewerbungen qualifizierter Frauen besonders willkommen. Schwerbehinderte Bewerber/innen werden bei gleicher Eignung bevorzugt. Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund sind ausdrücklich erwünscht.

Heisst: Die besten Chancen hat eine Türkin im Rollstuhl.
Nichts gegen Türkinnen im Rollstuhl, die hat es schon schwer genug, aber will man wirklich so an einen Job kommen

Donnerstag, 11. September 2014

Robusta-Sondernewsticker

Wien (INA) Der Initiativ-Stuhlkreis "Anti-Robusta 2.Eintausend" hat am Donnerstag auf seiner Internet-Seite die ersten vier Kategorien des Robusta-Preises besprochen, um "die makabere Hetze der Rottweilerkatholiken aufzudecken":
Qualität: Wer kann am besten gegen die menschenfreundlichen Weltkatholiken hetzen und verbreitet am effektivsten Falschinformationen über den Katholizismus, indem er penetrant Aussagen reflektiert, die dem Geist des Konzils widersprechen.
Spiritualität: Wer vertieft sich am ausführlichsten in überholte, klerikale Frömmigkeitsformen wie Rosenkränze, Stundengebet und Beten zu Jesus als Gott. Und wer verunglimpft am widerlichsten buddhistische Zenmeditation und Tänze zur Muttererde als etwas, was Jesus nicht auch gemacht hat - obwohl Jesus voll auf buddhistische Meditation stand, er war immerhin in Indien.
Politik: Wer verbreitet nicht nur Hass gegen andere Religionen, sondern propagiert auch faschistisches Gedankengut und zeigt kein Verständnis für antifaschistische und menschenfreundliche Aktionen gegen das kapitalistische Schweinesystem.
Kultur: Wer behandelt rückständige Medienerzeugnisse am ausgeprägtesten und deutet sie im Sinne vorkonziliarer Selbstherrlichkeit am radikalsten, während er Erzeugnisse des postmodernen, antikapitalistischen und von allen Schlacken religiöses Fanatismus befreiten Kulturbetriebes am nachdrücklichsten beschimpft.  
2014 Ignaz' Nachrichten Agentur: Unfehlbare Satire aus aller Welt

Philipp Neri: Religiöse Übungen in Maßen

Die Geißelung und ähnliche Praktiken sollten nicht ohne die Erlaubnis unseres Beichtvaters angewandt werden. Der, der es aus eigenem Antrieb tut, wird entweder seine Gesundheit ruinieren oder er wird stolz, weil er sich einbildet, irgend etwas Großartiges getan zu haben.

Philipp Neri hier

Dienstag, 9. September 2014

Banken brauchen Türmen. Zwischen Machtsymbol und Abschottung

Auf dem Foto ist das Gebäude der Europäischen Zentralbank zu sehen. Es beherrscht den Frankfurter Osten. Um es auch von Süden zu erreichen, wurde eine neue Brücke über den Main gebaut, von der diese Aufnahme gemacht ist. Einige hundert Meter weiter sieht man weitere Türme. Als ob es darum ging, soviel Geld zu speichern, dass die Bank den Himmel berührt. Aber in diesen Türmen liegen kein reales Geld, keine Banknoten, schon gar keine Gold- und Silbermünzen. Es ist nur digitales Geld, auf Konten notiert, ohne einen realen Wert, nur so lange ein Zahlungsmittel, wie die Kunden den Banken und die Banken sich untereinander vertrauen. Schaffen die Türme dieses Vertrauen?

Vertrauen basiert auf Stärke und Einsicht

Vertrauen basiert unter anderem auf zwei Aspekten: Auf Stärke und auf Einsicht. Wenn ich jemandem vertraue, dann gehe ich davon aus, dass er stark genug ist, seine Versprechen wahr zu machen. Zugleich muss es für mich einsichtig sein, warum und wie er, der andere handelt, gerade, wenn er in meinem Interesse handeln soll.

Der ganze Artikel auf hinsehen.net hier.

Montag, 8. September 2014

Bischof Tebartz-van Elst zieht aus

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst scheint sich langsam aus Limburg zu verabschieden. Nachdem er bereits vor einigen Monaten aus dem Amt geschieden ist und seine Familie eine Wohnung in Regensburg angemietet hat, beginnt jetzt der Umzug. Drei Laster einer Regensburger Spedition sind heute auf den Domberg gerollt und haben mit dem Einladen begonnen. Nach unbestätigten Aussagen soll der Umzug noch bis Mittwoch dauern.

Ich persönlich freue mich für den Altbischof. In der Residenz zu wohnen, kann ja  am Ende keine Freude mehr gewesen sein. In Regensburg dürfte er deutlich mehr Bewegungsfreiheit haben und kann dort wesentlich bequemer auf eine Anschlussaufgabe warten. Die auch hoffentlich bald kommt.

HR-Artikel hier.

Pius XII. am Montag

Da ich leider gestern den ganzen Tag unterwegs war, gibt es das obligatorische Pius-Bild erst am Montag.

Freitag, 5. September 2014

Philipp Neri: Hingabe ist schön, aber Ausdauer noch mehr

In kürzester Zeit kann man jemanden zu einer glühenden Hingabe bewegen, aber eine größere Angelegenheit ist es, beständig zu sein.

Philipp Neri hier

Donnerstag, 4. September 2014

Robusta-Sondernewsticker

Wien (INA) Der Initiativ-Stuhlkreis "Anti-Robusta 2.Eintausend" hat sich am Mittwoch gegründet. INA veröffentlicht das Presse-Communique, das uns ungefragt zugesendet wurde:
Nachdem die dunkelkatholischen Hetzblogger schon vor zwei Jahren erfolglos versucht haben, die wahre Lehre Jesu Christi zugunsten romhöriger Mittelalterlichkeit zu überformen, streben die Kampfschleppenträger auch dieses mal danach, sich durch die Verleihung eigener Preise selbst zu beweihräuchern. Wie schon beim letzten mal werden aber auch diesmal engagierte Laien nicht zulassen, dass priesterhörige Ultramontane erneut das Licht verdunkeln, dass unser gleichberechtigt neben anderen lehrender geistlicher Impulsgeber Jesus von Nazareth in dieser Welt mit seiner Idee der Liebe und Menschenfreundlichkeit gesetzt hat. Wir erklären, alles zu tun, um die armseligen Kreaturen, die mit Dackelblick einem klosterneuburger Hassprediger hinterherlaufen, von ihren Irrtümern zu befreien und sie durch waffenstarrende und friedliche Initiativen zum Weg wahrer Toleranz und Akzeptanz aller Meinungen zurückzuzwingen.

2014 Ignaz' Nachrichten Agentur: Unfehlbare Satire aus aller Welt

Tugenden, wieso noch mal?

Wir sollten unseren Sinn darauf richten, Tugend zu erlangen, weil am Ende alles in größerer Freude endet als am Anfang und der Herr uns alle Vorzüge und Tröstungen verdoppelt zurückgibt.

Philipp Neri hier

Mittwoch, 3. September 2014

Alle Opfer außer Tebartz: Die Unschuld vom Lande am Seelsorgetelefon

Vor kurzem ist die neue Telefonhotline des Bistums Limburg an den Start gegangen. Mitarbeiter des Bistums, die sich von Bischof Tebartz-van Elst ungerecht behandelt fühlen, können dort anrufen. Davon dürfte es einige geben, die unter dem Bischof - nicht notwendigerweise vom Bischof - ungerecht behandelt wurden. Dennoch ist der Kreis nicht auf diese beschränkt, sondern meint alle, die sich irgendwie "ungerecht behandelt fühlen". Denn ob eine ungerechte Behandlung vorlag, ist dann nochmal ein andere Frage. Denn auch wenn es für manche schwer vorstellbar ist: Bischof Tebartz-van Elst muss nicht immer der Böse sein, nur weil sich jemand von ihm ungerecht behandelt oder sonstwie auf den Schlips getreten fühlt.

Ich denke da nur an manche Leute, die einem ernsthaft erzählen, die Augen des Bischofs seien so unheimlich und er habe sie damit sooo böse angeguckt. Da können sich zart besaitete Seelen - von sonstigen Problemen bei solchen Leuten nicht zu reden - schon irgendwie angegriffen fühlen. Darf ich da auch was beisteuern, da mir der Bischof nicht als Erster, sondern nur als Vierter in der Sakristei die Hand gegeben hat?

Daneben gibt es aber auch natürlich Personen, die bis heute nicht verstehen können, warum sie von Tebartz-van Elst eins auf den Deckel bekommen haben und sich total als Opfer klerikaler Willkürherrschaft fühlen, weil der Bischof nicht nach ihrer Pfeife tanzen wollte. So der Arnsteiner Pater Wolfgang Jungheim, über den der SWR zu berichten weiss, er sei wegen Kritik an der Bistumsleitung abgemahnt und schließlich als Seelsorger aus seiner Gemeinde abgezogen worden. Das klingt so, als habe der arme Mann nur mal einen netten Brief mit einigen Verbesserungsvorschlägen an das Ordinariat geschickt und sei daraufhin drakonisch bestraft worden.

Tatsächlich hat sich der hochwürdige Herr, der sicher nicht so genannt werden will, einiges geleistet. Weil er mit dem Bischof liturgisch im Klinsch lag - was interessiert mich nen Rituale - hat er vor dem Bischof während des Hochgebetes Laien am Altar herumspringen lassen und den Bischof in Anwesenheit desselben (!) im Hochgebet weggelassen. Die Aufregung von Tebartz-van Elst darüber schien im schleierhaft zu sein. Auch war er nicht mit dem Lob des Bischofs Roland Koch gegenüber einverstanden und hat das in einem Leserbrief der Bistumszeitung deutlich gemacht. Ansonsten fühlte er sich und seine Gemeinde auch ganz allgemein nicht genug gewürdigt. Als dann der Bischof zu einem Dienstgespräch einen Zeugen mitbrachte, stellte er ein Misstrauen seines Vorgesetzten ihm gegenüber fest - warum nur? Er wurde dann im Rahmen der Strukturreform als Seelsorger seiner Gemeinde kassiert und fand das auch unmöglich. Nach weiteren Queleren, bei denen man im Ordinariat gleichfalls etwas über das Ziel hinausgeschossen ist, hat er dann seine Arbeit für das Bistum beendet, weil man dort nicht des Paters Vorstellungen von Dialog folgen wollte.

Und jetzt? Gibt Pater Jungheim munter das unschuldige Opfer eines bösen Bischofs und macht über dem Skandal Kirchenpolitik. So fordert er umfassende Strukturreform mit mehr Beteiligung der Gemeinde vor Ort. Denn die hat ihren Seelsorger ja alles machen lassen, was er wollte.
Das scheint denn auch ein weit verbreitetes Problem bei vielen im Bistum gewesen zu sein. Auch ein Grund, sich betroffen zu fühlen.

Artikel über P. Jungheim hier und zum Hintergrund hier.
Zu meiner eigentlich positive Haltung zum Seelsorgetelefon vgl. hier.

Papst Benedikt XV. Stellvertreter des Friedensfürsten

Nachdem vor kurzem an den 100. Todestag von Pius X. erinnert wurde, feiern wir heute die Wahl von Benedikt XV., der vor 100 Jahren am 03. September 1914 gewählt wurde. Im historischen Bewusstsein eher vernachlässigt, versuchte er in einer Zeit des Krieges Frieden zu stiften.

Das Jahr 2014 ist für Europa ein denkwürdiges Jahr. Während allenthalben der 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges begangen wird, brechen an den Rändern Europas dramatisch Konflikte auf und fordern die Aufmerksamkeit des Kontinents. Ob in der Ukraine im Vorhof Europas oder ob im Nordirak, der durch den Nato-Partner Türkei und die westlichen Dschihadisten Europa näher ist, als uns lieb sein kann. In diesem Jahr ist also der Krieg Europa so nahe wie lange nicht und auch die Stimmen, die nach militärischem Eingreifen in Konfliktregionen rufen, sind lauter als sonst. Auch in der Kirche wird zumindest ein internationaler Einsatz im Nordirak in Erwägung gezogen, teilweise sogar gefordert.

Gerade in diesen Zeiten ist es nicht nur wertvoll, sich an die Kriege der Vergangenheit zu erinnern, sondern auch an die Friedensintiativen. Im kirchlichen Bereich ist es vor allem Benedikt XV., der wie kein anderer Papst für den Ruf nach Frieden steht und dessen Prinzipien das vatikanische Friedensengagement bis heute prägen.

Papst mit und ohne Kirchenstaat

Allerdings galt das Papsttum nicht immer als engagierter Kämpfer für den Frieden. Jahrhundertelang besaß es einen eigenen Staat, der sich über große Teile Mittelitaliens erstreckte. Er war die Machtsbasis des Papsttums und sicherte der übernational verfassten katholischen Kirche eine weitgehende Unabhängigkeit ihres Oberhauptes. Dadurch war der Papst aber auch des Öfteren Partei in internationalen Konflikten.

Das änderte sich mit der Eroberung des Kirchenstaates durch das Königreich Italien. Denn damit war das Papsttum seiner weltlichen Macht praktisch beraubt. Doch auf diese Weise eröffneten sich ihm ganz neue Möglichkeiten, international aktiv zu werden.

Schon Papst Leo XIII. wollte dem Papsttum nicht nur den Kirchenstaat wieder geben, sondern auch eine neue Rolle in der internationalen Politik einnehmen. Anstatt selber Partei zu sein, wünschte er sich den Vatikan als neutrale Schiedsrichterinstanz in internationalen Konflikten. Diese Tendenz zur Neutralität, besonders da, wo Katholiken gegeneinander standen, war fortan das Leitprimat der päpstlichen Krisendiplomatie.

Mahner für den Frieden

Unter Benedikt XV. nahm dieser Grundsatz päpstlicher Politik dann konkrete Gestalt an. In den ersten industriellen Massenkrieg der Geschichte hineingewählt, rief der Papst schon im September 1914 weitsichtig zum Frieden auf:
“Wir mahnen und beschwören alle Kinder der Kirche und besonders die Regierenden. Wir bitten zu Gott damit er die Geißeln der Wut, durch seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit von den Sünden der Völker entferne”
Und 1915, als in Europa die Kriegsbegeisterung abgenommen und die Fronten bereits begannen zu erstarren: “… beschwören wir euch, euch von der göttlichen Vorsehung an die Spitze der kriegführenden Völker Gestellte, endlich dieser grauenhaften Schlächterei ein Ende zu setzen, die nun schon ein Jahr Europa entehrt.” “Gesegnet sei, wer als erster den Ölzweig erhebt und dem Feind die Rechte entgegenstreckt, ihm den Frieden unter vernünftigen Bedingungen anbietet.”
Radikale Neutralität

Doch Benedikt XV. war kein idealistischer Mahner, sondern machte konkrete Vorschläge, die auch heute noch wesentliche Leitlinien für Konfliktlösungen sein können. So forderte er 1917 nicht nur ein Ende des Krieges, sondern auch gegenseitige Abrüstung, die Rückgabe besetzter Gebiete und eine vertrauensvolle Konfliktlösung. Der Papst selber verpflichtete sich bei seinen Bemühungen um Frieden zu einer radikalen Neutralität. Persönlich wohl eher Frankreich zugeneigt, war er der Überzeugung, dass der Papst selber niemals wieder Partei werden durfte, gerade da, wo Katholiken gegeneinander kämpften. Nur wenn er zu keiner der beiden Seiten gehörte, so glaubte der Papst, könne er für den Frieden und die Opfer des Krieges wirken.

“Mit dem Frieden ist nichts verloren”

Mit Benedikt XV. begann sich das Papsttum zudem von der jahrhundertealten Vorstellung des gerechten Krieges, des bellum iustum, zu verabschieden. Diese Theorie des Hl. Augustinus hatte im wesentlichen festgelegt, wann es ein Recht zum Krieg gab. Später hatte sich u.a. Thomas von Aquin damit beschäftigt, welche Mittel in einem Krieg verwendet werden dürfen. Doch angesichts des modernen Massenkrieges kam der Papst zum Schluss, dass ein solcher Krieg unrecht sein musste. Auf diesem Grund entwickelte die Kirche in den nächsten Jahrzehnten ein neues Modell, eine iustitia contra bellum, einer Gerechtigkeit gegen den Krieg. Der wird dabei grundsätzlich verurteile und nur als reiner Verteidigungskrieg auf einen direkten Angriff akzeptiert, indem der schnellstmöglichen Wege zum Frieden eingeschlagen werden muss.

Diese Haltung prägt bis heute die Kirche. Besonders Pius XII., der von Benedikt XV. als Nuntius nach Deutschland geschickt wurde, machte sich die Haltung seines Vorgängers während des Zweiten Weltkrieges zu eigen und wird dafür bis heute heftig kritisiert. Einprägsam ist bis heute der Ruf Pius XII., der am Vorabend des 2. Weltkrieges in der Tradition Benedikts XV. zum Frieden aufrief:
“Mit dem Frieden ist nichts verloren, aber durch den Krieg kann alles verloren gehen.”
Und der Hl. Papst Johannes XXIII. betonte angesichts des atomaren Vernichtungspotentiales nachdrücklich die päpstliche Friedenslinie:
In unserem Zeitalter ist es nicht mehr möglich, den Krieg als geeignetes Mittel zur Wiederherstellung verletzter Rechte zu betrachten.
Erfolglose Bemühungen

Allerdings waren die Bemühungen um Frieden weder bei Benedikt XV. noch bei Pius XII. von Erfolg gekrönt. Die kriegsführenden Staaten ignorierten die Apelle des Papstes, die Bischöfe übergingen die Enzykliken zumeist. In der nationalen Kriegsstimmung galten die Aufrufe Benedikts XV. den deutschen Bischöfen als frankreichfreundlich, den französischen als deutschlandfreundlich.

Waren seine Bemühungen um Frieden ohne Erfolg, durfte der Papst nicht einmal an den Friedensverhandlungen teilnehmen. Die Italiener hatten sich bei den Alliierten Großmächten ausbedungen, den Papst von den Versailles Verhandlungen auszuschließen. Doch nicht deswegen wurde der Vertrag von Versailles von Benedikt kritisierte. Seiner Meinung nach war es ein Diktatfrieden der Sieger, der Europa keinen langfristigen Frieden bringen konnte, sondern Keime neuer Konflikte in sich barg.Der Papst hat sich dagegen für den Völkerbund eingesetzt, da er ihn als ein Mittel langfristiger Friedenssicherung begriff. Freilich war er auch hier der Meinung, man müsse auch die Kriegsverlierer aufnehmen und wurde erneut nicht gehört.

Die Päpste in der Tradition Benedikt XV. Gegner eines “unnötigen Blutbades”

Die Geschichte Benedikts XV. zeigt damit die Grenzen und Möglichkeiten des Papsttums. Gegen die Staaten und die Gesellschaften, die den Krieg bis zum Sieg weiterführen und ihren Sieg dann zu ihrem eigenen Vorteil nutzen wollten, konnte der Papst nicht anschreiben und blieb selbst in vielen innerkirchlichen Kreisen ungehört. Zugleich prägte aber seine Haltung die langfristige Linie der Kirche zum Krieg bis heute. Wie stark dieses Erben des Papstes bis heute ist, zeigte besonders sein Nachfolger, Benedikt XVI., der anlässlich seiner Wahl an ihn erinnerte:
“Der Name Benedikt selbst, den ich am Tag meiner Wahl auf den Stuhl Petri angenommen habe, weist auf meinen überzeugten Einsatz für den Frieden hin. Ich wollte mich nämlich … auf Papst Benedikt XV. beziehen, der den Ersten Weltkrieg als ein ‚unnötiges Blutbad’ … verurteilte und sich dafür einsetzte, dass die übergeordneten Gründe für den Frieden von allen anerkannt würden.”
Seiner Kirche hat Benedikt XV. bis heute etwas zu sagen und es tut gerade in dieser Zeit gut, sich an ihn und seine Botschaft zu erinnern.

Weitere Artikel aus der Rubrik Rückblick bei hinsehen.net hier.

Dienstag, 2. September 2014

Linz am Rhein: Die Kirche St. Martin

Immer wieder kann man in der Provinz Kleinode des Kirchenbaus finden; dazu gehört St. Martin in Linz am Rhein. Die Kirche, teils romanisch, teils gotisch, ist vor allem für ihre Fresken berühmt, die den romanischen Teil der Anlage ausschmücken. Bemerkenswert ist auch, dass es sich um eine Emporenkirche handelt, ein Variante, die besonders in der Spätromanik und Frühgotik auftritt.

Einen Bericht zur Kirche gibt es auf hinsehen.net hier.

Zur Homepage der Kirche direkt geht es dort.

Montag, 1. September 2014

Erstes syrisch-orthodoxes Kloster in Deutschland

Im thüringischen Altenberg wurde vor kurzem das erste syrisch-orthodoxe Kloster in Deutschland geweiht.

Für die orientalischen Christen sind die letzten Jahre eine besonders dramatische Zeit. Denn geraden sie leiden unter dem erstarken der Islamisten im Nahen und Mittleren Osten. Zwar ist der Terror im Nordirak in seiner Qualität einzigartig, doch hat sich die Lage für die Christen in dieser Region allgemein seit dem sogenannten 'Arabischen Frühling' verschlechtert.

Da ist es für alle Christen erfreulich, wenn es auch mal gute Nachrichten gibt. Dazu gehört auch die Gründung neuer Klöster, die seit jeher Herzkammern der östlichen Christenheit sind. Und während in Nahen Osten die Klöster niederbrennen und die Mönche vertrieben werden, können sich die Christen in Deutschland über die Gründung eines syrisch-orthodoxen Klosters in Thüringen freuen.

Aktuell ist das Kloster noch relativ klein und besteht nur aus drei Mönchen, einer Novizin, dafür residiert dort aber auch der der Metropolit Syrisch-Orthodoxen Kirche von Europa, Mor Severius Moses. Das Kloster gehört zur europäischen Erzdiözese der Malankara Orthodox-Syrische Kirche, die überwiegend in Indien vertreten ist und einen von drei Zweigen der syrisch-orthodoxen Kirche bildet, die in Deutschland aktiv sind.

Zum MDR-Artikel hier.
Zur Homepage des Metropoliten und des Klosters hier.

Tipps von Philipp Neri für Menschen in ihrem Alltag

Menschen, die in der Welt leben, sollten beständig zur Kirche kommen, um Predigten zu hören, und nicht vergessen, geistliche Bücher, besonders das Leben der Heiligen, zu lesen.

Philipp Neri
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