Dienstag, 31. Dezember 2013

Das Jahr 2013 - Eine Rückschau von und mit Ignaz

Das Jahr 2013 begann am 1. Januar und endet am 31. Dezember. Am 1. Januar lag ich noch faul am Strand von Reunion auf dem Zwischenjahresurlaub der Redaktion, heute sitze ich in einem zugigen Sakristeikeller und schreibe den Jahresrückblick. Es war also kein gutes Jahr, das mich hierhin geführt hat. Aber vielleicht gilt das ja nur für mich und für alle anderen lief es besser. Schaun wir doch mal:

Das wichtigste zuerst. GroKo ist das neue Wort des Jahres 2013. Also fangen wir mit der Bundesregierung an. Die ist immer noch die Gleiche wie letzten Jahres. Also, nur das jetzt halte andere Nasen neben Mutti am Kabinettstisch sitzen und darauf warten, von ihr in vier Jahren ausgesaugt zu sein, wissend, dass sie damit in guter Gesellschaft sein werden. Denn das Land wird genauso aussehen wie die Sozialdemokraten: Muttifiziert, unselbstständig, ausgelaugt, planlos, mit soviel Vision wie ein Eimer Fischköpfe und nur noch am Leben gehalten von der Hoffnung, das es auf der anderen Seite des Schwarzen Loches ein besseres Universum gibt.

Eine Hoffnung, die trügt. Fragen sie die ... die ... wie hießen sie nochmal, diese Leute in blau-gelb. Ach ja, die FDP. Die sind ja jetzt raus aus der Bundesabstellkammer und müssen sich jetzt draußen mit uns, den normalen Menschen, rumschlagen. Gut nur, dass es Christian Lindner gibt. Der hat seiner Partei nicht nur zugesehen, wie sie mit Karacho gegen die Wand fuhr, nein, der Mann hat auch ein Landtagsmandat. Und damit genug Zeit für den Bundesvorsitz. Also ideal für den Job des Vorsitzenden der bedeutendsten Splitterpartei Deutschlands, gleich nach der AfD. Das sind die Leute nur in blau, die nach einem fulminanten Start und einem fast Hechtsprung in den Bundestag daran sind, sich gegenseitig die graumelierten Köpfe einzuschlagen, um dafür die Kanzlerin-Merkel-Ehrennadel für herausragende Verdienste um die CDU zu erhalten.

Aber wir wollen über der APO natürlich nicht die parlamentarische Opposition vergessen. Die hat immerhin 20%. Das ist viel. Die erste GroKo hatte nur 9,5% Opposition, die damalige FDP. Also komme mir keiner mit: "Diese Opposition ist zu klein, um etwas zu bewegen." Diese Opposition ist toll. Gregor Gysi ist mit passendem Format ihr Chef, eine Wahlverliererin und ein unbekannter Öko führen bei den Grünen und Claudia Roth hat sich in die Hängematte des Bundestagsvize verabschiedet. Gerüchten zufolge soll der Bundestag jetzt bund angestrichen werden, damit er schrill .... ähm freundlicher wirkt.

Verlassen wir also die noch düsteren Gefilde des Berliner Regierungsviertels und widmen uns den wirklich wichtigen Dingen des Lebens: Miley Cyrus ist die einflussreichste Musikerin der Saison. Nicht etwa aufgrund ihres irgendwie freizügigen und für manche wohl auch abreißenden Auftritte. Sondern weil die Frau eben gut singen kann und eine geniale Musikerin ist. Zumindest haben mir das die Jungs mit den Nude-Miley-Postern an der Wand erklärt. Was immer noch besser ist als Helmut Kohl als Poster zu haben. Was auf eine gewisse Ministerin zutreffen soll, die mittlerweile aus der Politik ausgeschieden ist. Warum nur?

Aber wir wollten ja nicht mehr über Politik reden. Sprechen wir lieber über Prinz George, das berühmteste, schönste, glücklichste, wonneproppigste und tollste Baby diesseits der Andromeda-Galaxie ever. Entsprechend hat man um das kleine Goldkerlchen auch eine riesen Berichterstattung aufgefahren, in der jede Bewegung in 200 Meter-Radius um den Fötus so akribisch besprochen wurde wie sonst nur Goethes Faust. Ihr denkt sicher, ich meine das ironisch. Im Gegenteil. Immerhin ist es den Windsors nach Jahrhunderten mal so langsam aufgefallen, das Inzucht genetisch doch nicht der Qualitätserhaltung dient. Schließlich war auch die olle Diana, Gods own Angel of Journalists, ne Hochadlige und die Hochzeit die Idee der Oma, ihres Zeichens beste Sherry-Schwester von Queen Mum. Also hat sich William dafür entschieden, ins gehobene Bürgertum einzuheiraten und endlich mal einen gescheiten Thronfolger zu zeugen, der in ca. 70 Jahren direkt nach seiner Uroma König wird. Von daher ist es total berechtigt, 1.000 Kamerastunden eine Tür anzustarren.

Nur knapp dahinter liegt die Papstwahl, bei der man lediglich 850 Stunden einen Kamin angestarrt hat. Den man allerdings auch eigens für diesen Zweck installiert hat. Also um angestarrt zu werden. Denn eigentlich hatten ja alle angenommen, die Papstwahl würde endlich zeitgemäß getwittert. Leider haben die altmodischen Menschen im Vatikan dann allen Smart-Phonern - also solchen, deren Phones smarter sind als sie selber - einen Strich durch die Rechnung gemacht und die die Message über Cloud bekannt gegeben. Dafür pfeifen es jetzt die Spatzen von den Dächern, dass in der katholischen Kirche nach 2000 Jahren ein neues Zeitalter angebrochen ist, weil der neue Papst sich Franziskus nennt, keine Mozetta trägt und überhaupt ganz anders ist, denkt, glaubt und redet als sein Vorgänger. Nämlich Italienisch und Spanisch. Unterdessen senden die Medien niedliche Bilder von Franziskus um die Welt, in denen er Kinder knuddelt, Behinderte umarmt und einfach nur nett aussieht. Währenddessen predigt Franziskus von Buße, Rosenkranz und Mission.

Es gibt also noch Hoffnung in Kirche und Welt. Auch für mich gibt es die. Denn vielleicht darf ich beim nächsten Betriebsurlaub wieder mit und ein anderer macht dann den Jahresrückblick. Schreibt also ganz viele Mails an die Redaktion, wie unglaublich schlecht dieser Jahresrückblick war und das ihr unbedingt wollt, dass Sherona ihn wieder schreibt.

Danke an alle und ein gutes neues Jahr 2014 wünscht euch eure Redaktion:

D.D. Abbas Makarius - Chefredakteur und Verantwortlicher für die Geschichtsredaktion
Christopherus - 1. Stellvertreter und Redakteur für Kirchensachen
Philibert - 2. Stellvertreter und Redakteur für Bilder und Photos 
Ignaz - Chef-Lektor und Redakteur für Satire, Humor und Atheistenhetze
Sr. Maria Clementia - Redakteurin für Spirituelles und Extremerosenkranzing
Antonia Richardis - Sekretärin
Sherona - Außenreporterin und Sonderbeautragte für Büroreinigung und Sexismus

Die geistliche Schau sei von Glaube, Hoffnung und Liebe geleitet

1) Jede geistliche Schau, Brüder, sollen Glaube, Hoffnung und Liebe leiten, vor allem jedoch die Liebe. Die ersten beiden nämlich lehren die Verachtung der sichtbaren Güter; die Liebe aber verbindet die Seele unmittelbar mit den Tugenden Gottes, indem sie mit geistiger Wahrnehmung dem Unsichtbaren nachspürt.

Montag, 30. Dezember 2013

Psychologie der Beichte

Aus der Reihe Psychotherapie und Beichte ist der Vortrag von Raphael Bonelli. Bonelli ist Psychotherapeut und behandelt das Thema aus psychologischer Sicht, wobei er viele interessante Einblicke in die psychologische Praxis und die Einstellung der Gesellschaft gibt und zugleich die psychologischen Wirkungen der Beichte ausleuchtet.


Video hier.

Raphael Bonelli spricht über die Psychologie der Beichte. Damit greift er zwei Themen auf, nämlich Beichte und Psychotherapie, die oft gemeinsam genannt werden. Doch weist Bonelli schon zu Beginn auf einen fundamentalen Unterschied zwischen beiden Formen hin, der heute jedoch oft verwischt wird: Das Seelenheil ist nicht die Befindlichkeit. Es geht in der Beichte nicht darum, sich besser zu fühlen, das ist nur ein Nebenaspekt. Entsprechend sind Psychotherapeuten und Beichtväter nicht das gleiche.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Beichte und Psychotherapie

Nach dieser Grundsätzlichen Unterscheidung widmet sich Bobelli den Ähnlichkeiten zwischen den beiden. 
Er sieht im Wesentlichen fünf Gemeinsamkeiten: Ritualisiertes Gespräch. Subjektiver Leidensdruck. Asymetrische Beziehung. die Person Experte wird inhaltlich aus dem Gespräch ausgeklammert. Und klarer Auftrag. 

Dann geht er nochmal im Detail auf die Unterschiede zwischen Psychotherapie und Beichte ein.
Beichte ist aufgrund der transzendentalen Ausrichtung dreidimensional, Psychotherapie zweidimensional, kennt also nur inter- und intrapersonale Kommunikation. Unterscheidung zwischen Taten und Symptomen. Unterschiede zwischen Experten: zum Psychotherapeuten geht man, weil er etwas kann, zum Priester, weil er etwas ist. Auch die Aufgabe des Experten unterscheiden sich: Der Priester sollte immer da sein, der Psychotherapeut soll so schnell wie möglich nicht mehr nötig sein. In der Beichte geht es um Objektivität, in der Psychotherapie um Subjektivität. Zum Psychotherapeuten geht man, weil man dem Experten vertraut, zur Beichte, weil man der Kirche vertraut. Sittlichkeit ist in der Beichte relevant, in der Psychotherapie irrelevant. In der Beichte muss nur die bewussten Sünden beichten, in der Psychotherapie ist das Unbewusste hingegen das Hauptthema. Beichte ist was für Gesunde, zum, Psychologen sollten nur die Kranken gehen. Psychotherapie beschäftigt sich nicht mit Schuld, die Beichte hingegen intensiv

Das Wichtigste ist das Gefühl

Nachdem er diesen breiten Kontext hergestellt hat, kehrt Bonelli zu seinem Ausgangspunkt zurück. Seiner Meinung nach gibt es heute eine Tendenz,  psychotherapeutischen Elemente auf die Beichte anzuwenden, und zwar sowohl von Beichtenden als auch vom Beichthörenden. Zentrales Element der Psychotherapie ist das Gefühl. Auch in der Beichte werden die Gefühle zunehmend überschätzt. Gefühle sind lediglich die Begleitmusik unseres Lebens, nicht die Hauptsache, werden aber gerne dafür gehalten.

Für manchen Psychotherapeuten ist auch nicht richtig frei, sondern determiniert, sodass alles erklärt werden kann. Außerdem tendieren in diesem Geist wir dazu, ein hohes Selbstbewusstsein zu haben, unabhängig von der Realität, weil wir uns eben toll fühlen. Und toll ist man dann, wenn man keine Fehler hat.
Aber wozu sollte man beichten, wenn man eigentlich keine Schuld und keine Fehler hat?

Erkenne deine Fehler

Denn die Beichte ist ein Instrument, in dem man sagt: "Ich habe gesündigt!" ohne herum- und ausreden. Psychologisch gesehen ist das aber nicht irgendwie grausam, sondern im Gegenteil gut für die Selbstreflexion. Denn durch das Bekennend der eigenen Schuld wird der Weg frei, um auch andere Fehler, die man noch nicht erkannt hat, zu erkennen und damit Selbsterkenntnis zu wagen. Dieses Wagnis kann man aber nur dann eingehen, wenn es am Ende die Lösung durch die Absolution gibt. Hinge alles von einem selbst und der eigenen Meinung ab, wäre eine solche Selbsterkenntnis katastrophal. Denn die meisten Menschen nehmen kaum 30% der eigenen Defekte war, viele sogar noch weniger. Diese Unterscheidung zwischen einem Selbstbewusstsein, das ganz vom eigenen Ich abhängt und einem, das von Gott abhängt, fasst Bonelli in den Satz (paraphrasiert): Der Atheist muss das Zentrum der Welt oder der Größte sein, um sich gut zu fühlen, der Christ kann sich als Kind Gottes wissen.

Drei psychologische Stufen der Beichte

Bonelli spricht psychologisch von drei Stufen: Besinnen, Bereuen, Bekehrung.
Das typische Beispiel ist der Verlorene Sohn. Aus psychodynamischer Sicht passiert folgendes: Der Sohn hat einen Hype, indem er sich durch sein Erbe in Reichtum und Verschwendung ergeht. Dann folgt der Absturz, der notwendig ist, um sich die Problematik der eigenen Lage bewusst zu machen. Dann bereut er und beschließt, demütig zu seinem Vater zurückzukehren und seine Schuld einzugestehen. Das ist psychosomatisch die Heilung. Und der Vater kommt ihm entgegen und schenkt ihm wirkliche Verzeihung.

Und das unterscheidet das christliche Gottesbild von einem psychotherapeutischen Gott. Der erklärt alles weg und nimmt den Menschen nicht für voll und frei. Der barmherziger Gott schenkt und Freiheit und verzeiht uns wirklich, was wir getan haben uns heilt uns, indem er uns wieder aufnimmt und sich darüber freut. S.G. Jung sagte entsprechend gegenüber katholischen Patienten: Gehen sie beichten und kommen sie zurück, wenn sie es dann noch brauchen.

Beichte führt zu einem gesunden Selbstvertrauen

Der Mensch braucht, um sich selbst zu entdecken und auch seine Defekte, klare sittliche Normen, an denen er sich orientieren kann. Das Wesen der Sünde als kurzfristige Befriedigung wird aufgedeckt, das eigene Leben wird nicht mehr als schicksalhaft erlebt, eine rationale Beurteilung und Steuerung ist möglich. Das führt zu einem gesunden Selbstbewusstsein im Bewusstsein der Gotteskindschaft und Dankbarkeit gegen einen Gott, der verzeiht.

Die Ziele der Tugenden nach Diadochos von Photike

Diadochos war Bischof von Photike im 5. Jh. Bekannt ist er vor allem aus seiner Hundert-Spruch-Lehre über die christliche Vollkommenheit, das Eingang in die Philokalie gefunden hat.

Diadochos definiert die Ziele des tugendhaften Strebens folgendermaßen:

1 Das Ziel des Glaubens ist leidenschaftslose Vorstellung von Gott.
2 Das Ziel der Hoffnung ist Auswanderung des Geistes zu dem Erhofften.
3 Das Ziel der Geduld ist ununterbrochene Standhaftigkeit, indem man den Unsichtbaren mit den Augen des Denkens sieht, als sei er sichtbar .
4 Das Ziel der Freiheit von Habsucht ist derWille, nichts zu besitzen, wie ein anderer besitzen will.
5 Das Ziel der Erkenntnis ist, sich nicht zu kennen, sobald man aus Gott getreten ist.
6 Das Ziel der Demut ist aufmerksames Vergessen seiner guten Taten.
7 Das Ziel der Freiheit von Zorn ist großes Verlangen danach, nicht zu zürnen.
8 Das Ziel der Reinheit ist stets mit Gott vereintes Empfinden.
9 Das Ziel der Liebe ist Vermehrung der Zuneigung zu denen, die einem Schmach antun.
10 Das Ziel der vollendeten Verwandlung im Genuß Gottes ist es, die Düsternis des Todes als Freude zu betrachten.

Samstag, 28. Dezember 2013

Neue Finanzverwaltung in Limburg

Nach Meldungen des SRW will das Bistum Limburg seine Finanzverwaltung reformieren. Kernpunkt dieser Reform ist die Transparenz: "Um es klar zu sagen: Das Bistum Limburg hat keine geheimen Kassen, keine geheimen Haushalte. Intern, auch in den Gremien, liegen alle Daten vor". Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Überführung des Haushalts und der Bauverwaltung des Bischöflichen Stuhles in die Fachabteilungen des Finanzdezernates. Das sei "der erste, zentrale Schritt, um Fehler wie in der Vergangenheit zu verhindern - und die Voraussetzung für Transparenz". Der Finanzdezernent Sobbeck hofft zudem, die Offenlegung der Finanzen werde von den allen deutschen Bistümern gemeinsam erfolgen.

Samstäglicher Newsticker

Wien: Die "Initiative für Ungehorsam und Dauerrevolution wie Jesus sie gewollt hat" möchte dem Papst bei seinem Kampf gegen Hierarchie und Drohbotschaft unterstützen. Deswegen will sie 2014 Pfarrkommittees gründen, in denen alle Punkte besprochen werden sollen, die von der Kurie in der Umfrage unterschlagen wurden wie die polygame Ehe, die Einführung der Bibel in gerechter Sprache für den Gottesdienst, die Priesterinnenweihe und die Entfernung der Kreuzigung aus der Heiligen Schrift.

Köln: Die "Gemeinschaft für eine menschenwürdige Kirche" verteidigte die Aktion der Femen-Aktivistin im Kölner Dom. Die Menschen müssten endlich aus ihrer Trägheit aufgerüttelt und zum konkreten Taten gegen die patriarchale Gewaltherrschaft motiviert werden. Die Gemeinschaft hofft daher, dass bald ein Sturm von Femen über die deutschen Bistumskirchen kommen werden. Sie kritisiert daneben Kardinal Meisner: Anständigerweise hätte er die Freundin der Freiheit verdammen und exkommunizieren müssen, statt für sie zu beten. Wie soll denn die Schlagzeile aussehen: Kardinal vergibt Femen. Das geht doch nicht, das ist doch keine Drohbotschaft."

Brüssel: Der Kommissar für Menschenrechte, Gleichmacherei und Vernichtung ungegenderten Denkens verlange die Umbenennung von Weihnachten in "Fest der Vertrautheit". Als neue Traditionen sind gedacht: Das Beschenken von diskriminierten Menschen wie Homosexuellen, Polygamisten, Frauen, Ausländern und EU-Beamten. Das öffentliche Absingen von Liedern wie "Heller Tag, strahlende Morgenröte", "Oh Gleichheitsbaum, oh Gleichheitsbaum" und der gemeinsame Gang zu einem Zentrum für Geschwisterlichkeit. Besagte Zentren sollten in nicht sinnvoll genutzten Gebäuden wie Kirchen eingerichtet werden.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Auch wer verletzt ist, kann barmherzig sein. Weihnachtsgruß von Weihbischof Löhr

Im Zeichen der Ereignisse im Bistum Limburg steht der Weihnachtsgruß, diesmal von Weihbischof Löhr.

Limburg und Berlin

In Limburg gibt ein Bischof 31 Millionen aus, um ein Diözesanes Zentrum zu bauen und fertig zu stellen. In Berlin gibt ein Oberbügermeister 60 Millionen pro Monat aus, um einen Flughafen zu bauen, der irgendwann mal fertig werden wird. Der Bischof wird in's Exil getrieben, der Oberbürgermeister wird als Aufsichtsratvorsitzender wieder gewählt.

Schlussfolgerung: Entweder halten wir sehr viel von unseren Bischöfen oder sehr wenig von unseren Politikern. Das erste wäre zumindest eine gute Nachricht.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Rückkehr von Tebartz-van Elst wäre für viele eine Provokation

Nach Generalvikar Rösch wäre die Rückkehr von Bischof Tebartz-van Elst für viele ein Problem: „Das wäre für viele Menschen eine Provokation. .... Viele Leute, die nicht unmittelbar damit beschäftigt waren, würde es in eine große Spannung reinführen zur Kirche.“, meinte er in hr1.
Doch könne man in dieser Frage keine Willkür herrschen lassen und dürfe die Gerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.
Entsprechend sei die Entscheidung des Papstes, den Bischof zu beurlauben, "sehr klug".
Der Generalvikar sieht auch die persönlichen Schwierigkeiten des Bischof, für den es momentan auch harte Zeiten seien: „Ich glaube, dass der Bischof sich ungerecht behandelt fühlt auch in der menschlichen Verletzung, die er erfahren hat.“

Quelle: RadioVatikan hier.

Montag, 23. Dezember 2013

Wonach sollen wir streben?

Abbas Poimen sagte: Mit allen Kräften trachte danach, keinem Böses zu tun und dein Herz rein gegen jeden zu bewahren. 
Weisung der Väter, Spruch 1172.

Die Wirkungen der Liturgie

In der Vortragsreihe Liturgie und Psyche spricht Pater Karl Wallner über die Wirkung der Liturgie auf die Seele. Wie schon beim letzten mal gibt es unter dem Video eine kurze Zusammenfassung. Um Weihnachten herum ist es ja mitunter etwas hektisch.


Pater Wallner stellt in seinem Vortrag drei Wirkungen von Liturgie vor: Sie wirkt sich entlastend, weitend und vergeistigend auf die Seele aus.

Fehlentwicklungen im liturgischen Verständnis

Zuvor geht er jedoch auf einige Fehlentwicklung in der Liturgie ein: Zuerst auf den Rubriszismus: Damit bezeichnet er die peinlichste Befolgung der liturgischen Formen und Gesten und die dadurch entstehende liturgische Skrupulösität. Diese Idee macht die Wirkung der Liturgie auf die Seele alleine von der äußeren Form abhängig. Sie war jedoch vor allem eine Erscheinung vor dem Vaticanum II und kommt heute kaum mehr vor.
Zum Zweiten geht er auf den Antiästhetizismus ein: Dieses Misstrauen in das Schöne ist vor allem durch die kulturellen Bewegungen des Westens in den späten 60er Jahren, zeitlich mit dem Konzil, in die Kirche eingedrungen. Es handelt sich dabei aber eher um eine zeitliche Kausalität als um ein konziliares Phänomen. Denn das Konzil wollte die Liturgie lediglich von Formalismus reinigen und dem Gottesdienst seine ursprüngliche geistige und geistliche Dimension wiedergeben. Die Destruktion nach dem Konzil war daher nicht nachkonziliar, sondern antikonziliar. Sinnfälliges Zeichen dieses Phänomens war die stilistische Profanisierung der Kirchenbauten.

Rückkehr zur Schönheit

Doch der Antiästhetizismus ist mitterweile gleichsam an sein Ende gekommen. Eine junge Generation von Priestern tritt neu mit dem Anspruch einer schönen Liturgie auf, was, weil oftmals noch die Sackalben vorherrschen, nicht als Akt der Servilität, sondern als Produkt einer geistigen Reife betrachtet werden kann.
Diese neue Bewegung führt die Liturgie wieder zurück auf das Schöne. Dabei handelt es sich aber nicht um eine oberflächliche Form. Denn die Theologie vermutet das Schöne zuerst in Gott. Daher soll gerade die Liturgie, die Gott auf Erden präsent machen soll, schön sein.

Wirkungen der Liturgie auf die Seele 

Nach dieser längeren Einführung kehrt P. Wallner zu seinen drei Thesen zurück.

1. Entlastung: Gott tritt in die Geschichte des Menschen ein. In der Liturgie wird diese Initiative Gottes erlebbar. Sie ermöglicht es daher dem Menschen, mit Gott in Kontakt zu treten, ohne umfangreiche Vorbereitungen, ohne das er zahlreiche Voraussetzungen erfüllen oder etwas leisten muss. Durch diese Entlastung wird es dem Menschen ermöglicht, frei und leicht auf Gott zu antworten.

2. Erhebung: Die Erhebung der Seele in der Liturgie ist nicht eine emotionale Ekstase, keine Einbildung, sondern eine wirkliche, eine substantielle Erhebung. Ihr Ziel ist die Verbindung mit dem unsichtbaren Gott, indem der göttliche Logos nicht nur unseren momentanen Gefühle, sondern unser ganzes Leben auf Gott hin erhebt.

3. Vergeistigung: Liturgie hat die vergeistigende Kapazität. Das hängt mit ihrem Ursprung zusammen. Dieser Ursprung ist das Kreuzesopfer Jesu auf Golgatha. Nach diesem gibt es keine vor Gott wirkmächtigen Opfer mehr, nur noch das eine und auch nicht mehr die Priester, sondern nur noch den einen Priester Jesus Christus. Entsprechend lehrt das Konzil von Trient, das die Hl. Messe das eine und einzige Opfer Christi gegenwärtig setzt. Das sinnliche ist daher immer in Pflicht genommen, das Geistige darzustellen. Unsere Seele soll durch das sichtbare auf das unsichtbare hingeordnet werden.

Was folgt daraus?

Gerade heute, in einer Kultur des Events und der Ich-Bezogenheit, brauchen wir eine Liturgie, die dem Zwang des Selbst-Schaffen-Wollens des Menschen und der Ichbezogenheit des menschlichen Handelns widersteht. Eine liturgische Form, durch Gott dem Wesen nach begründet und durch die Kirche ausgedrückt, befreit die Seele hin zum Übernatürlichen. Durch die Einhaltung der liturgischen Form öffnen sich zwei Linien. Sie verbindet uns erstens horizontal mit allen Gläubigen auf der Welt und zweitens vertikal mit Gott und den Heiligen.

Samstag, 21. Dezember 2013

Generalvikar Rösch: "Ich persönlich kann mir alles vorstellen."

Quelle: bistumlimburg.de
Gestern gab der Limburger Generalvikar Rösch der Tagespost ein Interview über die aktuelle Lage des Bistums Limburg.

Darin skizziert er seine Gedanken zu einem Wiederherstellung des Friedens im Bistum und vertieft die Gedanken, die er schon in seinem Brief an die Gemeinden vorgetragen hat. Zentral ist dabei der Gedanke des bischöflichen Einigungsdienstes. Ein Bischof muss einen doppelten Dienst ausführen: Seine Diözese zu einigen und die Einheit mit der Weltkirche herzustellen. Rösch lässt aber offen, ob Bischof Tebartz-van Elst diese Aufgabe wahrnehmen kann. Genauso wie er nachdrücklich jede Unterscheidung zwischen der katholischen Kultur im Bistum Limburg und der Weltkirche abstreitet. Für ihn scheint es eher ein Leitungskonflikt zu sein, dessen Gründe er aber nicht genau bestimmt. Er spricht eher vom Prozess der Problem- und Lösungsfindung und lehnt Schnellschüsse ab. Für den Bischof zeigt er dabei Verständnis, lobt seine aktuelle Zurückhaltung und will ihn über Weihnachten besuchen.

Mit seinem Interview setzt sich Rösch zwischen die Stühle. Zum einen widerspricht er Erzbischof Gänswein, der einen Richtungskonflikt in Limburg ausgetragen sieht und Erzbischof Müller, der nur von einem korrekten Verhalten des Limburger Bischofs spricht und nicht von der Voraussetzung eines Einigungsdienstes.
Zugleich lehnt er auch das Konzept eines Rätebistums ab, das manche Liberalen momentan fordern und sieht auch den Lajolo-Plan noch nicht als beendet an, wie Stadtdekan zu Eltz.
Gleichzeitig gibt er jede der beiden Seiten etwas, worüber sie sich freuen kann. Der Einigungsdienst beruhigt die Progressiven, denn Bischof Tebartz-van Elst kann ihn nicht ausüben, wenn sie sich ihm verweigern - was sie tun wollen. Und die Konservativen werden mit verständnisvollen und positiven Worten über den Bischof beruhigt, während er Befürchtungen über einen Kirchenstreit gegen ein traditionelles, romorientirtes Modell zu zerstreuen sucht.

Interessant ist auch, wem er das Interview gab. Der Tagespost als kirchlich-konservative Zeitung. Man kann daher davon ausgehen, dass er mit dem Interview besonders auf diese Gruppe abzielt. Und die verschiedenen Aussagen, die gerade die Konservativen beruhigen und für seinen Kurs gewinnen sollen, deuten darauf hin.

Tagespost-Artikel hier.

Samstäglicher Newsticker

Limburg: Der Laien-Rat "Nach-Tebartz-Kirche", (NAK-Kommission) fordert den Vatikan in einem öffentlichen Brief auf, Bischof Tebartz-van Elst "sofort, augenblicklich und auf der Stelle" von seinem Dienst im Bistum Limburg zu entbinden, ihn zu laisieren und als Mitarbeiter eines Architekturbüros im Vatikan anzustellen: "Auf diese Weise werden alle Probleme gelöst: Wir sind in los, er macht keinen Unsinn mehr und dafür etwas, was er kann." Sollte sich der Vatikan nicht den Forderungen des Kirchenvolks beugen, werde man einen Volksaufstand anzetteln und den Dom niederbrennen.

Washington: Ein junger Mann verklagte das Benediktinerkloster St. Maria in Monteville, weil ihm die Aufnahme verweigert wurde. Der Mann argumentierte vor Gericht, die Gemeinschaft habe sich an seiner Homosexualität gestört, die er weiterhin offen praktizieren wolle. Das Gericht gab der Klage statt, weil der Mann wegen seiner Homosexualität diskriminiert worden sei. Die Argumentation des Ordens, ein Mann, der seine Homosexualität praktizieren wolle, könne nicht in einen dem Zölibat verpflichteten Orden eintreten, sah das Gericht als vorgeschoben an. Es verpflichtete das Kloster zur Aufnahme des Mannes. Abt George Dense gab daraufhin die Auflösung des Kloster bekannt.

Brüssel: Die EU-Kommissarin für Menschenrechtsdurchsetzung, Vollendung des Menschen und Unterwerfung niederer Völker protestierte gegen die Begnadigungen Putins zum 20. Jahrestag der Staatsgründung. "Es ist nicht hinnehmbar, dass Putin sein Unrechtsregime mit Gnadenakten verschleiert. Wir werden weiter darauf dringen, jede Diskriminierung in Russland oder der EU öffentlich zu machen und jeden Feind der Menschlichkeit solange verfolgen, bis er zur Strecke gebracht ist."

Freitag, 20. Dezember 2013

Kirchenquiz

Wo steht diese Kirche?

Weil es bisher kaum jemand gefunden hat, gibt's einen Tipp:
Die Kirche hängt besonders mit dem Rosenkranzgebet zusammen.
Auflösung feiertagsbedingt am Donnerstag

Demut ist notwendig für die Fruchtbarkeit

Papst Franziskus gestern über die Demut:
Demut ist notwendig für die Fruchtbarkeit. Hochmut macht steril. Dies unterstrich Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe am Donnerstag der dritten Woche im Weihnachtskreis in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ .
„Die Demut ist notwendig für die Fruchtbarkeit“, so Franziskus abschließend: „Wie viele Menschen glauben, gerecht zu sein wie jene Frau, und am Ende sind sie doch nur armselige Leute. Die Demut, dem Herrn zu sagen: ‚Herr, ich bin unfruchtbar, ich bin eine Wüste’, und das in diesen Tagen jener schönen Antiphone wiederholen, die uns die Kirche beten lässt: ‚O Schlüssel Davids, o Herr, o Weisheit, o Wurzel Jesse (heute), o Immanuel, Gott mit uns, komm und schenke uns Leben, komm, um uns zu retten, weil nur du es vermagst, ich allein vermag es nicht!’. Und mit dieser Demut, der Demut der Wüste, der Demut der unfruchtbaren Seele, die Gnade empfangen, die Gnade, zu blühen, Frucht zu geben und Leben zu schenken“.
kathnet-Artikel hier.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Hurra, wir sind das Volk! Oder irgendwie sowas

"Wir sind das Volk" skandierten damals in der DDR hunderttausende Menschen in den Straßen. So etwas ähnliches versuchen jetzt auch einige Katholiken in Köln. Nur ohne Hunderttausende und ohne Straßen, dafür aber mit bereits 900 Unterstützerunterschriften und einer Facebookseite. Die sage und schreibe 209 Leute gut finden. Wahnsinn! Da werde ich doch sofort im demokratischen Fieber zum linken Reformkatholiken. Und Rom entsendet einen Kardinal, der sich vor dem versammelten Kirchenvolk (besagten 900) niederwirft und erklärt, es möge selbst über seinen Oberhirten entscheiden.

Oder ein gelangweilter Monsignore in Rom ruft mal in Germanien an und erfragt die aktuelle Kirchensteuerlistenstatistik. Um rauszufinden, dass es in Deutschland etwa 25 Millionen Katholiken gibt. Dann nickt er bedächtig, nimmt einen Bleistift und schreibt an den Rand: Numero marginale.

Blume: Säkularisierung und religiöse Vielfalt

Vor Kurzem habe ich diesen sehr interessanten Vortrag auf Youtube zum Thema Säkularisierung gesehen. Für alle meine Leser, die nicht die Zeit haben, sich das ganze Video oder nur den Vortrag von ca. einer Stunde anzuhören, habe ich unten eine kurze Zusammenfassung geschrieben.


Keine lineare Säkularisierung

Blume stellt die Modernisierungsthese einer linaren Säkularisierung in Frage. Denn schon im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden die christlichen Kirchen von zahlreichen, vor allem gebildeten Teilen der Bevölkerung tot gesagt. Wenn man z.B. an den Monistenbund denkt oder verschiedene religiöse freikirchliche Bewegungen in den USA.

Säkularisierung ein Wohlstandsphänomen

Säkularisierung ist zudem kein universelles Phänomen, sondern vor allem dort anzutreffen, wo Wohlstand und Sicherheit über einen längeren Zeitraum vorliegen. Ein aktuelles Beispiel hierfür sind die von schweren Erdbeben betroffenen Regionen Neuseelands, in denen der Gottesdienst-Besuch angestiegen ist, während er in anderen Gebieten stabil blieb. Doch ist dieser Trend nicht absolut. Die Mormonen z.B. sind überdurchschnittlich wohlhabend und gebildet, dabei aber stabil sehr religiös. Es scheint also Gruppen zu geben, die nicht von dem beobachtbaren Trend betroffen sind.

Nicht alle Bereiche des Religiösen sind betroffen

Auch betrifft Säkularisierung nicht alle religiösen Bereiche. Der Glaube an Engel etwa ist seit 1997 gestiegen. Besonders weit verbreitet ist der Glaube an Schutzengel. Das betrifft auch die Frage nach einem Leben nach dem Tod. Der Anteil der jungen Menschen zwischen 18-29, die daran in welcher Form auch immer glauben liegt bei 26 %, bei den 30-39 Jährigen sind es nur 19 %. Auch bei den großen Religionen sind die Lage weniger dramatisch aus, als allgemein angenommen. In Deutschland bleibend stellt er fest, dass hier die Zahl der Muslime wächst, während die der christlichen Kirchen zurückgeht. Der evangelischen Kirche aber schneller als der Katholischen. Das aber vor allem deswegen, weil die katholische Kirche, ebenso wie die Muslime, von Zuwanderung profitieren kann. Zudem haben diese überwiegend religiösen Einwandererfamilien überdurchschnittlich viele Kinder, was ihre Präsenz auf Dauer verstärken wird.

Demographische Entwicklung spricht gegen globale Säkularisierung

Damit wendet sich Blume dem Hauptthema seines Vortrages zu, nämlich der Verbindung von Säkularisierung und Demographie. Weltweit steigt nämlich der Anteil der Menschen in säkularisierten Gesellschaften nicht, sondern geht zurück, wie ein Vergleich mit 1970 zeigt. Gleichzeitig steigt die Zahl der Menschen mit hoher Religiosität. Das hängt damit zusammen, das in Europa, als dem am stärksten säkularisierte Kontinent, die Bevölkerung zurückgeht. Das Bevölkerungswachstum der Menschheit tritt vor  in religiösen Gesellschaften auf.

Zunächst scheint es eine Binsenweisheit, das Menschen außerhalb des Westens mehr Kinder bekommen. Doch auffälligerweise haben religiöse Menschen überall mehr Kinder im Verhältnis zum Gesellschaftsdurchschnitt als eher Säkularisierte. So steigt statistisch gesehen die Zahl der Kinder mit der Häufigkeit des Gottesdienstbesuches an. Dazu passen Erhebungen von Allensbach: Junge Menschen, die religiös sind, sind weniger auf Spaß fixiert als andere und vertreten eher Werte wie Familienbildung, Caritas und Verantwortung für den Nächsten. Damit ist ein erster Grundstein geleckt für Familienbildung. Denn kinderreiche, demographisch erfolgreiche Glaubensgemeinschaften fordern nicht nur Familien, sie fördern sie auch, etwa durch Kinderbetreuung, Schule etc. Außerdem führen religiöse Gemeinschaften Menschen zusammen, fördern intensive Kooperation und schaffen damit einen Rahmen, indem Leben gedeihen kann. Diese Gemeinschaften können es sich dann sogar leisten, einzelne Mitglieder von der Fortpflanzung freizustellen, damit sie die Gemeinschaft in anderer Weise unterstützen können, z.B. die Familien im Bildungsystem. 

Säkulare Gesellschaften können eine ausreichende Geburtenrate nicht halten

Ein Beispiel für demographische Verbreitung sind die Amishe, die sich alle 15 bis 20 Jahre durch eine sehr hohe Geburtenrate etwa verdoppeln. Dadurch wird auch der Abzug von einzelnen mehr als ausgeglichen. Interessanterweise geht die Zahl derer, die sich abwenden, sogar zurück. Ähnlich sieht es bei den ultraorthodoxen Juden aus, deren Bevölkerungsanteil in Jerusalem zunimmt, während die säkularisierten Juden weniger werden. Das korrespondiert mit einer anderen, historischen Beobachtung. Soweit feststellbar hat es bis heute keine nicht-religiöse Population gegeben, die es geschafft hätte, zwei Kinder pro Frau als erhaltendes Minimum über 100 Jahre aufrecht zu erhalten. Wenn Religiosität stark abnimmt, scheint daher die Geburtenrate einzubrechen. Religion stirbt also nicht aus. Im Gegenteil neigen säkulare Gesellschaften zum Aussterben.

Multireligiöse Gesellschaft

Doch wie kann man das das Phänomen beschreiben, das wir im Westen beobachten können. Es handelt sich weniger um eine Säkularisierung als Abnahme von Religiosität, sondern eher von einer multipolaren religiösen Landschaft. Religionsmonopole durch eine dominierende Religion oder Konfession brechen dabei zusammen zusammenbrechen und machen einer Vielfältigkeit an religiösen Angeboten Platz. Diese Vielfältigkeit führt bei aller Kooperation und Betonung von Gemeinsamkeiten auch zu einer Konkurrenzsituation. Erfahrungsmäßig wird in einer solchen Situation jene Religion demographisch am erfolgreichsten sein, die die besten Bedingungen für Familienbildung bieten kann und missionarisch jene, die ausreichend junge Mitglieder hat. Mission und Demographie hängen also eng zusammen.

Fazit: Die klassische Säkularisierungsthese hat sich überlebt

Blume fasst dann seine Überlegungen in einigen Kernthesen zusammen: 1. Säkularisierung findet weiter statt, besonders dort, wo es Menschen lange Zeit gut geht, führt aber ein eine demographische Sackgasse. 2. Religionen schaffen Gemeinschaft und Werte. 3. Frieden entsteht nicht von allein: Begegnung, Dialog und Zusammenarbeit müssen gewollt und eingeübt werden. 4. In der multireligiösen Gesellschaft sind Akzeptanz statt Toleranz (Duldung) gefragt: Interessierte Religionsfreiheit. 5. Die klassische Säkularisierungserzählung hat sich überlebt. Religiöse Vielfalt wird zur Zukunft jeder freiheitlichen Gesellschaft gehören.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Neues aus Limburg

Nachdem ich das Thema der Limburger Kirchenkrise in letzter Zeit ein wenig habe links liegen lassen - man muss sich auch mal mit was anderem beschäftigen - will ich mich dem doch wieder etwas stärker widmen. Kurz vor Weihnachten plane ich nochmal einen längeren Post dazu. Nunmehr aber erstmal eine kleine Presseschau über die aktuellen Ereignisse:

Laut einem Bericht des Cicero sieht Erzbischof Gänswein die Diskussion um die Baukosten der Limburger Bischofsresidenz als nur vorgeschoben an. In Wahrheit gehe es um einen Richtungsstreit in Limburg zwischen einem römischen Kurs und einem kirchenpolitischen Sonderweg. Zudem stellte der Erzbischof klar, dass die Deutsche Bischofskonferenz nicht die Aufgabe habe, einen Bischof zu rügen. Entsprechende Äußerungen seien als private Meinungen aufzufassen. Artikel hier.

Für die FAZ gibt es einen gewissen Dissens zwischen Erzbischof Müller und dem Limburger Generalvikar Rösch in der Frage der Rückkehr von Bischof Tebartz-van Elst. Für Müller kann der Limburger Bischof zurückkehren, wenn ihm keine Verfehlung nachgewiesen wird. Er sieht auch das Vertrauen der Limburger Gremien nicht als konstitutiv für den Bischofsdienst an, denn ein Bischof sei nicht der Angestellte des Kapitels. Rösch hingegen betone den Einigungsdienst eines Bischofs. Für die FAZ, auch wenn sie das nicht explizit sagt, wird die Rückkehr des Bischofs durch Rösch damit quasi ausgeschlossen. Der Artikel hier.
Nebenbei kann sich Dr. Deckers natürlich nicht verkneifen, über Erzbischof Müller herzuziehen, zu lesen hier.

Von einer Gebetsinitative für die Einheit im Bistum berichtet kathnet. Diese hat ein Fürbittgebet an 115 Limburger Gemeinden verschickt, mit der Bitte, sie im Gottesdienst zu verlesen. Artikel hier.

Eine Zusammenfassung der Ereignisse bietet die NNP. Sie nennt sowohl die Fürsprecher des Bischofs, vor allem Meisner und Müller, als auch die Gegner, die er in den Gremien des Bistums hat. Während man im Bistum den Bischof nicht wieder haben wolle, seien entsprechend einige ranghoge Bischöfe außerhalb noch für ihn. Erzbischof Zollitsch hingegen nehme eine neutrale Haltung ein und gehe von einem Bericht der Untersuchungskommission im Januar aus. Derweil versuche sich der neue Generalvikar darin, die Wogen zu glätten und eine gewisse Einheit und ein christlicheres Miteinander zu fördern. Artikel hier.

Den Brief des Generalvikars kann man hier lesen.

Santo Padre, ha'm Sie mal die Uhrzeit

Dienstag, 17. Dezember 2013

Byzantinische Gottesdienste in Rhein-Main

Da mich vor kurzem eine Anfrage über byzantinische Gottesdienste in Limburg und Umgebung erreichte, möchte ich hier auf eine Website hinweisen, die dankbarerweise diese Liturgien in der Region Frankfurt/Main aufführt:


Zur Seite hier.

Montag, 16. Dezember 2013

Rufe Gott an am Tag deiner Drangsal

Ein Bruder bat einen Altvater: Lehre mich, Vater! Jener sagte: Geh hin und tu dir selbst Gewalt an. Ziehe dein Schwert und geh in den Kampf! Der Bruder darauf: Meine Gedanken lassen das nicht zu! Darauf sagte der Greis: Es steht geschrieben: Rufe mich an am Tag deiner Drangsal, so will ich dich retten, und du sollst mich preisen! (Ps 49,15). Rufe also Gott an, und er wird dich erretten.
Weisung der Väter, Spruch 1132.

Benedikt am Montag. Nachgereicht

"Wo war denn jetzt unser sonntägliches Advents-Papsting" werden sich sicherlich viele Leute gestern gedacht haben. Da ich gestern auf einer Adventsfeier war, wird das Photo hiermit heute nachgereicht.


Samstag, 14. Dezember 2013

Sie wagen es, weil ... Mediennutzung durch Christen

Kollege Geistbraus schrieb neulich hier einen sehr interessanten Artikel zum Thema innerchristliche Kommunikation. Ausgehend von 1. Kor 6, 1: "Wie kann jemand von euch wagen, wenn er einen Streit hat mit einem andern, sein Recht zu suchen vor den Ungerechten und nicht vor den Heiligen?" stellt er die Frage, warum manche Glieder der Kirche die Unterstützung der Medien suchen und nicht die der Christen/Heiligen.

Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. Hier will ich drei Aspekte behandeln: eine funktionale, eine missionarische und eine moralische Antwort.

Womit kann ich wen erreichen?

Als erstes zum funktionalen Aspekt: Man wendet sich als Christ für den innerchristlichen Disktus an säkulare Medien, weil man sonst die Heiligen nicht erreicht.
Vom Grundsatz her richten sich Initiativen wie die in Köln an alle katholischen Christen. Das sind dieser Tage so ca. 25 Millionen. Wenn ich diese 25 Millionen mit meinen An- und Absichten erreichen will, muss ich dafür Medien benutzen, die von diesen 25 Millionen oder zumindest dem größten Teil benutzt werden. Damit fallen für die Kommunikation aus: Pfarrblätter, Kirchenzeitungen, Sonntagspredigten, Spatenzeitschriften und Blogs. Denn die erreichen höchstens einen Bruchteil der angepeilten Großgruppe.

Wie erreiche ich also diesen Personenkreis? Indem ich meine Botschaft in die nationalen Medien einspeise. Nun sind aber solche Initiativen eigentlich nicht besonders bedeutend, wenn die Namen auch etwas illuster klingen. Sie können also nicht aus sich selbst die großen Medien auf sich aufmerksam machen. Daher bedienen sie sich des Medienhypes als Tricks. Sie wenden sich an Zeitungen, die ihrem eigenen Profil etwa entsprechen und ein wenig Interesse an kirchlichen oder lokalen Themen haben - hier Spiegel und KStA - und hoffen darauf, dass andere große Medien den Impuls aufnehmen. Das hat zwar jetzt nicht so super funktioniert, aber der Gedanke war systematisch schonmal richtig.

Die Botschaft soll nicht nur zu den Christen

Nunmehr zur missionarischen Antwort: Man wendet sich als Christ an die säkularen Medien, damit Nicht-Christen es mitbekommen. Gehen wir mal davon aus, das die Initiatoren nicht den Untergang der Kirche und des Christentums wünschen, sondern nur das beste für die Kirche wollen. Natürlich sind sie der Meinung, dass ihre Ideen das Beste für die Kirche sind. Das sind die Konservativen ja auch. Wenn ihre Ideen aber so toll sind, dann überzeugen sie vielleicht nicht nur die Gläubigen,  sondern vermitteln ein positives Bild der Kirche und wirken daher missionarisch auf die Leute außerhalb, die ja vielfach ein negatives Bild haben. Auch Paulus hat sich ja auf den Areopag gestellt und ist nicht im kleinen Gemeindesaal geblieben.

Ehrlich sein als moralischer Grundsatz

Moralisch ist eine Nutzung der Medien dann, wenn sie auf Fairness und Wahrhaftigkeit abzielt. Hier ist eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen christlichen Medien = gut bei kirchlichen Themen und säkulare Medien = schlecht bei kirchlichen Themen nicht zu machen. Denn es ist immer eine Frage des Einzelfalles, weil es nicht nur auf die Medien, sondern auch auf die Nutzer ankommt. Um beim Beispiel der Kircheninitiative zu bleiben, ist diese moralisch etwas fragwürdig. Denn sie erklären zwar offiziell, ihr Ansuchen richtet sich an das Domkapitel und den Papst. Praktisch aber machen sie über die Medien Stimmung, um sich möglichst gut zu positionieren und möglichst viel Unterstützung zu sammeln. Dabei nutzen sie den Umstand, als progressive Katholiken ein per se besseres Verhältnis zu den säkularen Medien zu haben als eher konservative Kreise. Sie nutzen also ihren strategischen Vorteil aus, um ihre Ideen nach vorne zu bringen, wissend, dass andere das nicht in gleicher Weise können und setzen damit von Anfang an auf eine Verzerrung der Medienberichterstattung.

Das Problem ist oft der moralische Grundsatz

Auf die Frage, warum manche Christen die Unterstützung der Medien suchen, können also drei Antworten gegeben werden: Weil es die einfachste Art ist, alle Christen zu erreichen; weil man damit auch die Nicht-Christen erreicht; weil eine faire und wahrhafte Berichterstattung theoretisch möglich ist. Besonders die letzte Frage bietet jedoch häufig Anlass zur Kritik, so wie bei der Kölner Kircheninitiative.

Samstäglicher Newsticker

Berlin/Moskau: Bundespräsident Gauck erklärte, er werde nicht nach Russland reisen, solange dort die positive Haltung zur ausgeübten Homosexualität nicht öffentlich geäußert darf. Präsident Putin erklärte daraufhin, er werde nicht nach Deutschland kommen, solange dort die negative Haltung zur ausgeübten Homosexualität nicht öffentlich geäußert werden darf.

Köln: Die Kölner Kircheninitiative freut sich über den enormen Zulauf für ihre Ideen und Visionen. Man sei zuversichtlich, bis Februar die bessere Mehrheit der Kölner Katholiken hinter sich gebracht zu haben. Dann werde sich der Papst auf die Ideen des guten Kirchenvolkes einlassen und endlich die Mitbestimmung desselben einführen, denn "wenn die 1000 bis 5.000 interessierten Katholiken in Deutschland, die das Kirchenvolk repräsentieren, uns zustimmen, dann müssen wir ähm sie gehört werden."

Rom: Papst Franziskus fordert in seinem Schreiben Evangelium Gaudium die Gläubigen auf, missionarisch zu sein und den Glauben zu verkünden. Vertreter der Initiative "Mehr Demokratie in der Kirche" freuen sich darüber: "Der Papst ruft die Laien auf, Grundvollzüge der Kirche mitzugestalten und darüber mitzubestimmen. Unsere Initiative formuliert daher z.B. ein neues Credo, das für die modernen Menschen besser geeignet ist als das Alte, das zuviel von Jesus als Heiland und zu wenig von Jesus als duftem Typen spricht."

Freitag, 13. Dezember 2013

Kirchenquiz

Wo steht diese Kirche?

Da die Antworten bisher eher schleppend sind, geb ich noch einen Tipp: Diese prominente Kirche liegt in der Nähe von Rom

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Acht geben auf ...

Die jungen Menschen sollen auf das Fleisch achten, die Alten auf den Geiz, dann werden wir alle miteinander Heilige sein.

Philipp Neri

Dienstag, 10. Dezember 2013

In Krankheit sollten wir Gott um Geduld bitten

In Krankheit sollten wir Gott um Geduld bitten, weil es oft geschieht, daß ein Mensch nach seiner Genesung, nicht nur das Gute, das er sich auf dem Krankenlager vorgenommen hat, nicht tut, sondern seine Sünden und Undankbarkeit nur noch vervielfacht.

Philipp Neri

Montag, 9. Dezember 2013

Chrysostomos Liturgie

 
 
Die restlichen Videos hier und hier,

Ein Lob der Kircheninitiative: Kommentar zur Medienstrategie

Die Kölner Kircheninitiative kann momentan unter drei Aspekten betrachtet werden: Erstens der inhaltlichen Ebene, zweitens der Ebene des Umgangs mit den Medien, drittens dem Umgang mit Kommentaren bei Facebook. Nachdem ich sie inhaltlich bereits hier behandelt habe, möchte ich mich heute dem Umgang mit den Medien zuwenden.

Während die inhaltlichen Forderungen der Initiative momentan noch ziemlich unausgegoren sind oder aber die wahren Ziele bisher nicht mitgeteilt werden, haben sich die Beteiligten über die Medienstrategie schon ordentlich Gedanken gemacht. Diese besteht aus drei Komponenten: Einer Medienkampagne, einem Medienhype und der direkten Verbreitung der Botschaft unter möglichst viele Leute per Mail.

Die Medienkampagne ist auslösendes Moment

Die Medienkampagne bestand aus Absprachen mit SpiegelOnline, Kölner Stadt-Anzeiger und Christ in der Gegenwart. Die ersten beiden sollten zuerst mit online Artikeln und dann mit einer Schlagzeile im KStA die Lawine ins Rollen bringen. Von einer Medienkampagne können wir hier sprechen, weil die Planung mit diesen drei Zeitungen abgesprochen war. Es war auch klug gemacht, denn wenn man zuviele Personen oder Medien in eine Kampagne involviert, droht aufzufliegen, dass es eine Kampagne ist. Das befördert aber nicht die Glaubwürdigkeit, denn wenn man sich mit Journalisten auf solche Weise ins Vernehmen setzt, dann spricht das nicht für eine objektive oder faire Berichterstattung.

Der Medienhype setzt durch Abschreiben ein

Das war dann der Start den Medienhype, die ca. 12 - 24 Stunden später anlaufen sollte, indem andere Medien die Meldungen "abschreiben". Da die Medien untereinander stark vernetzt sind und ständig Meldungen der anderen ungeprüft wiedergeben, konnte damit gerechnet werden. Zumal mit dem Spiegel als einem bundesweiten Leitmedium und der KStA als einem Kölner Leitmedium die richtigen Verbreiter angesprochen wurden.

Um die Medien mit weiterem Material zu füttern, sollte zuerst eine Pressemitteilung herausgegeben werden. Dann hääten hilfreiche Mitarbeiter Medienanfragen beantworten sollen, denn Journalisten sind für Kooperation dankbar, besonders wenn man ihnen gleich die richtigen Häppchen für den Artikel liefert. Auf einer anschließenden Pressekonferenz wären sich dann weitere geballte Infos und Medienmacht begegnet und so hätte man den Start gut abgeschlossen. Für diejenigen mit etwas mehr Niveau sollte am gleichen Tag Christ in der Gegenwart die Story als Titel bringen. Auf diese Weise hätte sich die Zeitschrift den Ruf als topinformiertes Medium ebenso sichern können wie häufige Verweise durch die Journalistenkollegen. Die Kircheninitiative wiederum hätte sich eine wichtige Zeitschrift des kirchlichen Diskurses gesichert, die für Qualität steht und die eigene Seriösität erhöht hätte.

Emails fördern Wohlwollen

Mit dem dritten Schritt sollten zugleich wichtige Resonanzkörper innerhalb des kirchlichen Dienstes direkt angeschrieben werden. Denn diese fühlen sich gleich viel besser informiert und damit gewürdigt, wenn sie persönliche eine Mitteilung bekommen und nicht "alles aus den Medien" erfahren müssen. Wohl nur wenige würden wohl denken, dass dafür die Mail-Listen des Generalvikariates nicht gedacht sind.

Eine erfolgreiche Medienstrategie

Man sieht also, wie geschickt der ganze Vorgang eingefädelt wird. Zuerst sichert man sich die Unterstützung einiger Leitmedien, dann befördert man den Hype und gewinnt das Wohlwollen vieler kirchlicher Mitarbeiter durch die Mail. Hätte auch super funktioniert, wenn nicht ein gewisser Theologe aus Österreich das ganze auf seinem Blog aus Versehen (wie hat er das nur geschafft) verraten und einige katholische Blogger (Dank an die Kollegen) es aufgedeckt hätten.

Doch trotzdem bezeuge ich der Initiative meinen Respekt. Nicht für den Inhalt, wie gesagt. Auch nicht für die Frage der moralischen Benutzung der Medien bei einem Transparenzanspruch. Sondern für den funktionalen Umgang mit den Medien. Denn sie hat gezeigt, wie man es richtig macht bzw. gemacht hätte. Sie hatten dabei zwar den Vorteil, auf das wohlwollen einschlägiger Pressevertreter bauen zu können. Dennoch zeigt sich hier, im Plan, ein hervorragendes Verständnis für die Mechanismen von Medien und die Umsetzung für eine erfolgreiche und positive Platzierung in ihnen. Und ich füge hinzu: Ob man es gut findet oder nicht, so kann man sich erfolgreich in den öffentlichen Diskurs einbringen und eigene Akzente setzten.

Samstag, 7. Dezember 2013

Samstäglicher Newsticker

Rom: Die Initiative Mehr-Franziskus-wagen protestiert gegen das neue Papstmosaik, das bald in St. Paul vor den Mauern aufgehängt werden soll: "Der Goldhintergrung steht im krassen Gegensatz zur armen Haltung des Papstes; zudem wird Bruder Franziskus im Messgewand und nicht in schlichter Soutane wiedergegeben. Das Bild muss sofort zerschlagen und ein Neues gemacht werden, oder, was noch besser wäre, gar keins. Stattdessen soll das Bild einer diskriminierten Femen-Aktivistin aufgehängt werden, denn das sind die Armen, um die sich die Kirche kümmern muss."

Köln: Die Kölner Kircheninitiative fordert die Beteiligung des Volkes an der Bischofswahl. Zu diesem Zweck soll das Kirchenvolk ein Vorwahlkomitee wählen, das neun Kandidaten nach Rom schickt, aus denen der Papst drei auswählen kann. Dann wählen die Pfarrgemeinderäte einen Wahlausschuss von 15 Mitgliedern, die zusammen mit dem Domkapitel bei einer Stimme pro Kopf den Bischof bestimmen. Dieser wird dann von der Bischofskonferenz und dem ZdK bestätigt und erhält den päpstlichen Segen. Im Rahmen der Inthronisation muss er dann vom anwesenden Kirchenvolk akklamiert werden.

Köln: Die Kölner Kircheninitiative fordert den freien Dialog aller Laien im Zusammenhang mit der Wahl des neuen Erzbischofs. Sie fordert außerdem den von ihnen zensierten Dialog über die Kölner Kircheninitiative. Außerdem die Abschaltung der katholischen Blogger und von kathnet, um den Dialog frei von Meinungsunterschieden durchführen zu können.

Rom: Der Gesandte der Kölner Kircheninitiative in Rom, Karl-Heinz Müller, versicherte der Redaktion auf Nachfrage, der Papst unterstütze die Initiative im vollen Umfang. Er selber habe dazu ein Papst-Bild intensiv betrachtet. Eine entsprechende Nachfrage im Apostolischen Palast blieb bisher unbeantwortet. Gerüchten zufolge kommuniziert der Papst aber nicht telepathisch mit deutschen Profilneurotikern.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Wir wollen ...!!! Ein Kurzkommentar zur Kölner Kircheninitiative

Die Kölner Kircheninitative, aufgrund eines Lapsus bereits gestern durch Blogger und kathnet aufgedeckt, geht schon heute (geplant war Donnerstag) an die Öffentlichkeit. Sie fordert eine stärkere Beteiligung des Kirchenvolkes an der Bischofswahl und macht dafür auch einen konkrete Vorschlag: Die Domkapitulare sollen so wählen, wie das Volk es will.

Nun sind diese Ideen durchaus ganz interessant und zeugen auch von einer gewissen Kreativität. Haben aber nichts, wie es behauptet wird, mit alten Formen der Volksbeteiligung zu tun, die nebenbei schon im hohen Mittelalter kaum mehr als Formalien waren. Die Kirche kannte früher nämlich die Akklamation. Das Volk bestätigt die Wahl des Kandidaten. Das Prinzip dahinter kommt aus der Zeit der römischen Republik, wo die Volksversammlungen dem zustimmen durften, was der Senat sich ausgedacht hatte. Beteiligung in unserem Sinne war das also nicht.

Das mal zur historischen Situation. Jetzt zum aktuellen Fall. Wenn das Volk dem Domkapitel vorschlägt, wen von den aus Rom Übersandten es zu wählen hat, dann wählt faktisch nicht mehr das Domkapitel, sondern das Volk, genauer die Gremien, den Kandidaten aus. Aber was würde denn dadurch besser. Faktisch müssen sich dann die drei in Frage kommenden einer Art Wahlkampf stellen und erklären, warum sie denn Bischof werden sollten. Es wird also nicht der Gewählt, der am besten geeignet ist, es aber eigentlich nicht will, sondern derjenige, der es will und sich am Besten verkaufen kann. Wie in der Politik eben. Anstatt Hofschranzen kriegt man dann medienkompatible Rampensäue und der Bischof würde bald das gleiche Ansehen haben wie andere Politiker auch. Wie vertrauensvoll ist diese Berufsgruppe nochmal?

Man kann die Forderung allerdings auch so verstehen, dass das Domkapitel das Volk bei der Auswahl der Kandidaten beteiligt. Das ist dann aber auch nicht besser, sondern eher noch schlimmer. Zum einen weil dann auch die große Show abgezogen wird, wie schon im vorherigen Absatz beschrieben. Und danach, wenn die Liste aus Rom kommt: Dann kann zweierlei passieren: Erstens: Der Papst schickt eine Terna mit dem Wunschkandidaten, der dann natürlich auch gewählt wird. Dann heisst es aber bald, dass nicht mehr der Papst, sondern das Volk den Bischof wählt und der Papst darf nur noch absegnen. Dann koppelt sich Deutschland noch weiter von der Weltkirche ab. Zweitens: Der Papst schickt eine Terna ohne Wunschkanididaten, dann respektieren "die in Rom" das Kirchenvolk nicht und noch bevor der neue Bischof da ist, gibt es Clinch.

Wenngleich ich kein Experte für Konkordatsrecht bin, habe ich trotzdem mal für Spass das Konkordat nachgeschlagen. Da steht: "Unter Würdigung dieser Listen benennt der Heilige Stuhl dem Kapitel drei Personen, aus denen es in FREIER, GEHEIMER Abstimmung den Erzbischof oder Bischof zu wählen hat." Wenngleich ich die genaue Definition von frei und geheim nicht kenne: Wenn das Domkapitel sich verpflichtet, den zu wählen, den die Gremien bzw. das Volk will, ist diese Wahl dann noch frei und geheim? Ich würde doch eher nein sagen.

Gerne winken die Beteiligten natürlich mit Evangelium Gaudium und vereinnahmen Papst Franziskus. Der natürlich beim Schreiben seines Textes exakt an die deutschen Strukturen gedacht hat, wenn er von Dezentralisierung spricht. Das Deutschland bei der diözesanen Mitbestimmung bei der Bischofswahl in der Weltkirche ganz weit vorne liegt, muss man nicht unbedingt wissen als prominenter Theologe bzw. muss es nicht laut sagen.

Fassen wir also nochmal zusammen: Die These ist ahistorisch, züchtet Politikertypen in der Kirchenleitung heran, stiftet unfrieden und verleidet Rom das deutsche Mitsprachemodell in der Weltkirche. Tolle Idee also, echt!

Update: Nachdem ich mich dank eines freundlichen Hinweises in der Kommentarspalte noch einmal in das Strategiepapier der Gruppe auf deren Internetseite vertieft habe, stelle ich fest, dass Möglichkeit zwei: Vorschlagsliste wird mitbestimmt, korrekt ist. In diesem Zusammenhang erklärte ich, ein Klick auf der besagten Internetseite ist von mir und man möge das nicht als Unterstützung der Initiative verstehen.

Ksta-Bericht hier.
Der Kreuzknappe deckte auf hier.
Pro spe Salutis berichtete hier .
kathnet-Artikel hier.

Mit zehn Menschen die Welt verändern

Gib mir zehn Menschen, die wirklich losgelöst von der Welt sind, und ich habe die Stirn zu behaupten, ich könnte mit ihnen die Welt bekehren.

Philipp Neri

Wer meldet sich freiwillig?

Montag, 2. Dezember 2013

Vom Monolog zum Dialog: Bericht aus Bad Homburg

Am 28. November gab es erneut eine Diskussionsveranstaltung über die Zukunft des Bistums, diesmal in Bad Homburg. Schon die Besetzung versprach einen besseren Stil als die letzte und man wurde auch nicht entäuscht. Aufgrund eines ausgefüllten Wochenendes reiche ich heute den Bericht nach.

Für meine Leser scheue ich keine Kosten und Mühen und bin daher mit meiner Goethe-Card nach Bad Homburg rausgefahren, das etwa eine 3/4 Stunde von meiner Wohnung entfernt liegt. Die dort abgehaltene Diskussionsveranstaltung am Donnerstag letzter Woche konnte Aufgrund der Besetzung als interessanterwartet werden und wurde es dann auch weitgehend. Denn aufgrund der Besetzung war der Verlauf und Ausgang nicht so vorhersehbar wie beim letzten Mal in Frankfurt. Anstatt Deckers und zu Eltz saßen Kalteier als Vorsitzender des Priesterrates und Generalvikar Rösch in der Runde, daneben Dr. Freiling als Mitglied der Diözesanversammlung, Sigrid Düringer als Pastorin und Coacherin sowie Britta Baas vom Publik-Forum. Dazwischen saß Meinhard Schmidt-Degenhard.

Schon der Moderator war besser

Schond er Moderator machte eine wesentlich bessere Figur. Zum einen weil er nicht zugleich Veranstalter war und somit nicht selber direkt beteiligt oder gar parteilich, zum anderen weil er die Teilnehmer auf und vor dem Podium wesentlich besser im Griff hatte und einen zügigen und fairen Ablauf des Abends sicherstellte.

Zweigeteiltes Podium

Auf dem Podium konnte man dabei tatsächlich eine Zweiteilung erkenne, in deren Mitte der Moderator saß und die zugleich die Geschlechtertrennung wiedergab. Auf der rechten Seite (vom Publikum aus) saßen zwei Frauen, eine protestantische Pastorin und eine, die vllt. gerne katholische Pfarrerin geworden wäre, auf jeden Fall zwei, die eine Protestantisierung der Hierachie empfahlen. Auf der rechten Seite zwei Kleriker, die davon nun nicht gar so viel hielten und auch nicht der Meinung waren, als Priester sei man per se abgehoben und verschroben. Dazu mit Freiling ein Jurist, der sich eher in Zustandsbeschreibung erging und tendentiell meinte, man müsse mit dem arbeiten, was da ist, anstatt sich einen Bischof und eine Hierarchie zu backen.

Rösch: Wen wollen wir mit unserem Verhalten evangelisieren?

Am besten kam, wen wundert es, der Generalvikar an. Nicht nur, das er nicht gegen den Bischof gestänkert hat, er hat auch ganz explizit freundliche Worte gefunden und gemeint, man könne auch ruhig mal die positiven Seiten des Pontifikates erwähnen, wie du bisher gut organisierte Strukturreform. Auch machte er darauf aufmerksam, dass es nicht nur den einen Flügel in der Kirche gebe. Man brauche verschiedene Meinungen und das sei auch gut so. Auch wehrte er sich gegen ein negatives Priesterbild. Er finde es gut, als Priester einen Vertrauensvorschuss zu bekommen, das erleichtere ihm seine Arbeit. Natürlich bedeute das aber auch Verantwortung. Verantwortung bedeute auch, der Priester und die Kirche müssten den Menschen das Evangelium bringen. Aber wenn wolle man mit dem jetzigen Bild von Kirche, die nur auf sich selbst bezogen ist, denn evangelisieren?
Daher gelte es, jetzt aufzuhören, Nabelschau zu betreiben. Zum einen um die Aufforderung aufzunehmen, die Papst Franziskus in Evangelium Gaudium gibt. Zum anderen, damit sich die Lage entspannt und die Entscheidung Roms in eine gewisse Freiheit hineinfalle und nicht in eine Erstarrung und Verkrampfung.

Das System ist schlecht, weil ich als Theologin Laie bin

Am wenigsten konnte in der Diskussion die Dame ganz rechts überzeugen, die eigentlich ganz links stand: katholische Theologin und Journalistin von Publik-Forum Britta Baas. Sie war eindeutig als "linke Stimme" in der Runge eingeplant und hat diese Rolle auch gut ausgefüllt. Mehrmals wies sie auf die Probleme der hierarchischen Kirche hin, nahm den Papst in Pacht und erklärte, der Bischofsbegriff des Kollegen Freiling sei nicht mehr aktuell - der aus dem CIC vorgelesen hatte. Einen schwachen Moment hatte sie aber, als sie über ihre eigene Lage ins Jammern kam und dabei die persönlichen Motive für ihre Forderungen aufdeckte: Sie als Theologin sei in der Kirche Laie, weil sie nicht geweiht werden könne.

Keine Maximalforderungen, aber realistische Einschätzungen der Lage

Konziliante Töne hörte man vom Mitglied der Diözesanversammlung Freiling. Konziliant, wenn man das Papier der Versammlung gelesen hat und die Vermutung haben konnte, hier messe einer schonmal die Höhe des Schaffotts aus. Er wollte das Papier nicht als Forderung verstanden wissen, sondern als Beschreibung des momentanen Zustandes. Man könne sich in der Versammlung eben nicht vorstellen, dass Tebartz-van Elst zurückkommen könnte und wollte das auch offiziell festgehalten haben. Was Rom dann damit mache, sei freilich des Papstes Sache. Er machte auch auf die Problematik aufmerksam, die eine überbordene Änderungswut im Bereich der Hierarchie mit sich bringe. Denn das Amt in der Kirche sei theologisch, nicht organisatorisch bestimmt und eine Änderung bedeute damit eine Wandlung in der Theologie, die nach dem Kirchenverständnis bis zu den Aposteln zurückreiche.

Hofheimer Kreis ist Selbsthilfegruppe

Priesterratssprecher Kalteier war vor allem als Stimme jener Priester, die sich vom Bischof nicht genug eingebunden fühlen, vor Ort. Von dem gleichen Bischof, dem andere wieder Klerikalismus vorwerfen. Die Priester fühlten sich von ihrem Bischof vom Dialog ausgeschlossen und in ihrem Bemühen um Mitverantwortung nicht ernstgenommen. Entsprechend haben sich Frustrationen aufgebaut, die sich im Hofheimer Kreis entluden, die Kalteier als eine Art Selbsthilfegruppe verstand. Ein Bischof müsse den Dialog nicht nur gezwungenermaßen mitnehmen, sondern er müsse ihn auch wollen. Nur dann könne er missionarisch Bischof sein. Doch zuerst gelte es, die Flügel, die sich kirchenpolitisch gezeigt hätten, zu analysieren und die entstandenen Verletzungen zu heilen.

Desakralisierung als Lösung

Als Außenstehende mit eigeme Konzept agierte die Evangelische Pastorin Sigrid Düringer. Sie vertrat, entsprechend ihrem Hintergrund, eher ein protestantisches Kirchenkonzept und empfahl dieses auch als Lösungsansatz für die Probleme in Limburg. Damit war sie aber tendentiell Partei. Denn sie machte in Limburg zwei Kulturen von Kirche aus, die Tebartz- und die Kamphaus-Kultur. Nach ihrer Meinung überforderte das katholische Konzept einer Sakralisierten Hierarchie die Beteiligten, auch daran sei Tebartz-van Elst gescheitert. Da sie sich bewusst war, das ihr Konzept der Desakralisierung und Strukturveränderung tiefgreifend ist, sah sie die aktuelle "Hängepartie" auch weniger dramatisch als Journalistin Baas. Denn die momentane Unsicherheit könne heilsam sein, weil es zu einem intensiven Nachdenken anrege.

Es besteht Hoffnung

Wenngleich die Diskussion nicht der große Wurf war, so fiel doch die große Fairniss auf, die alle Beteiligten den Mitdisputanten und auch dem Bischof gegenüber an den Tag legten. Das dabei die üblichen Konzepte nach weniger Bischofsmacht und mehr Laienmacht vorgetragen wurde, ist nicht verwunderlich und ja auch legitim. Daneben tauchte aber auch die andere Meinung auf, dass die vorliegenden Ideen und Strukturen an sich gut sind und man nun mit diesen Arbeiten müsse, wenngleich ein wenig nachkorrigiert werden muss. Bessere Informationen für die Domkapitel bei den Bischofswahlen wurden hier genannt, wobei der Generalvikar auf die Komplexität der Verfahrensfestlegung aufmerksam machte und vor Schnellschüssen - an wen hat er dabei wohl gedacht? - warnte. Alles in allem also ein gelungener Abend, der für eine sich beruhigende Situation im Bistum spricht und Hoffnung gibt, dass wir uns bald wieder weniger mit uns selbst und mehr mit der Evangelisierung beschäftigen können.

Das Bistum Limburg berichtet hier.

Das Herz hat eine große Vollkommenheit erlangt, wenn ...

Das Herz hat eine große Vollkommenheit erlangt, wenn es maßvoll ist und nicht die Grenzen des Anstands und dessen, was sich schickt, überschreitet.

Philipp Neri

Sonntag, 1. Dezember 2013

Adventszeit: Neue Farbe, neuer Papst

Adventszeit ist eine besondere Zeit. Das soll sich auch auf diesem Blog wiederspiegeln.
Entsprechend pausiert an dieser Stelle der wöchentliche Pius XII. In der Advents- und Weihnachtszeit wird uns stattdessen der Papa em. Benedikt XVI. am Sonntag begleiten. Viel Vergnügen.

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