Donnerstag, 29. August 2013

Der Bischof und sein Bistum. Ein paar erste Gedanken

Bevor ich morgen über's Wochenende nach Augsburg fahre, lasse ich noch ein paar Gedanken zur momentanen Situation in Limburg hier. Denn es handelt sich ja keineswegs um ein Problem, das allein damit zusammenhängen würde, dass Tebartz-van Elst Bischof ist. Es ist auch eine Frage der spezifischen und relativ ungewöhnlichen Struktur des Bistums.

Man spricht hier landläufig vom berüchtigten Limburger System, womit vor allem eine ungewöhnlich liberale Synodalpraxis gemeint ist. Wie mir von verschiedener Stelle berichtet wurde, gilt Limburg bis heute in seinen Strukturen als weit offener als die meisten anderen Bistümern, z.B. Fulda, wie mir ein Bekannter neulich erzählte. Diese Struktur hängt mit den Geschehnissen nach dem Vatikanum II zusammen. Der Limburger Bischof Kempf war Untersekretär des Konzils und als solcher wesentlich mit der Organisation befasst. Dabei macht er die Erfahrung eines kollegialen Denkens und Handelns der Bischöfe gegenüber dem Papst. Diese Bewegung, die in Rom nach dem Ende des Konzils alsbald versandete, wollte er auf der Ebene der Diözese fortführen. So wie die Bischöfe zusammen mit dem Papst für die Gesamtkirche Verantwortung übernahmen, so sollten auch die Priester und Laien mit dem Bischof Verantwortung in der Diözese übernehmen. Dabei ging er weiter als die meisten seiner bischöflichen Mitbrüder, angeschoben zudem von seinem Weihbischof Walter Kampe und der Katholischen Aktion, die als Limburger Sondergewächs die Trägerschicht der neuen Synodalstruktur stellte. Dabei landeten erste Strukturierungsansätze, die eine sehr weitgehende Mitbestimmung auch auf der Diözesanebene vorsahen, wegen kirchenrechtlicher Bedenken im Papierkorb.

Was dann rauskam war ein Kompromiss zwischen den Vorwärtsdrängenden und den Bischof, der sich nicht von der deutschen Gesamtkirche abkoppeln wollte. Ein Kompromiss freilich, der davon lebte, das er von Kempf und Kamphaus stark zugunsten der Gremien ausgelegt wurde, was zum besagten Limburger System führte: Die schon liberale Synodalordnung wurde durch eine noch ausgeprägtere Synodalpraxis ergänzt. Eine Praxis freilich, die vom guten Willen der Bischöfe lebte, der freilich über Jahrzehnte vorlag. Bis Tebartz-van Elst kam, in die Synodalordnung guckte, nickte und meinte, damit erschöpfe sich denn auch der Einfluss der Gremien. Was die natürlich anders sahen und düpiert aus der Wäsche schauten, als der Neue auf einmal den Bestimmer statt des Moderators gab und sich auf den Standpunkt stellte, er mache, was er dürfe, wenn er meine, es sei richtig. Oder anders gesagt: Ich bin Bischof und ihr nicht. Dabei sagen viele, das der Bischof den Leuten durchaus zuhöre, auch wenn sie eine andere Meinung hätten als er und er wird daraus auch Orientierung beziehen. Aber letzten Endes entscheidet eben kein Gremium, sondern er selber. Und das wuchs sich mit der Zeit auch nicht aus, wie wohl einige gehofft hatten. Entsprechend wurde mit der Zeit die Enttäuschung immer größer, weil immer mehr sahen, dass der Bischof nicht auf Linie einschwenken würde. Und mit der Enttäuschung wuchs der Widerstand.

Ein weiterer Grund für die momentane Lage des Bischofs ist der Kontrast zu seinem Vorgänger. Dabei soll keineswegs gesagt werden, dass Bischof Kamphaus etwas für die Lage seines Nachfolgers könne. Kamphaus hat das Bischofsamt in seinem Geiste authentisch ausgefüllt und ist damit zu großer Beliebtheit und Anerkennung seines Kirchenvolkes gelangt. Dies ist bisher Bischof Tebartz-van Elst nicht gelungen. Dabei ist nicht so sehr der Unterschied zwischen dem franziskanischen Kamphaus und dem ein wenig barockfürstlichen Tebartz-van Elst entscheidend. Es geht nicht um die Frage, wieviel Geld beide für sich ausgeben. Denn der Bischof gibt ja keineswegs, wenn man einmal von der Residenz absieht, die er ja nicht nur für sich selber baut, viel mehr Geld aus als es in Deutschland für einen Bischof üblich ist. Sowohl Fahrer wie Dienstwagen sind normal, auch die sogenannte Luxusreise nach Indien geschah, soweit sie amtlich bezahlt wurde, nach den Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz. Und auch die Ausgaben für Paramente halten sich in Grenzen, da hier zwar einige neue Objekte angeschafft wurden, vor allem Mitren aufgrund der unterschiedlichen Kopfgröße, ansonsten aber weiterhin die alten Gewänder getragen werden bzw. alte Objekte aus dem Magazin herausgeholt werden. Auch die Anschuldigung, der Bischof brauche ja soviel Weihrauch, ist eigentlich absurd. Was ist denn dagegen zu sagen. Die Kosten sind minimal, da nur mehr Weihrauch und Kohle für einige Bischofsmessen gebraucht werden. Der einzige Grund, den man gelten lassen könnte, nämlich die Stimmbelastung der Sänger, habe ich noch von niemandem gehört. Ansonsten hält sich die Rauchentwicklung im Dom sehr in Grenzen. Da hab ich mit einem Weihrauchfass in einer modernen Kirche mehr Verqualmung hinbekommen, Es sind also nicht all diese Einzelpunkte, die sich im Bereich des normalen Halten und die auch durch die Spartanität von Kamphaus an ihrer Akzeptanz nichts verlieren. Auch die Behauptung der FAZ, der Bischof würde die Blicke in der Liturgie auf sich lenken statt auf den Herrn, kann ich so nicht unterschreiben. Das ist mir bisher nicht aufgefallen und solche Eindrücke sind außerordentlich subjektiv.

Es geht also um etwas anderes: Tebartz-van Elst ist gerne Bischof. Vielleicht nicht unbedingt gerade jetzt, aber vom Grundsatz her ist das schon etwas, was er gerne tut und ausfüllt. Für Kamphaus hingegen war, zumindest in den letzten Jahren, die Mitra eine Dornenkrone, die er gottergeben trug, solange er durch die Sorge um seine Gläubigen und das kirchliche Gesetz dazu verpflichtet sah. Der Eindruck wird klar, wenn man sieht, das es ihm momentan, trotz des vergangenen Jahre, besser geht als früher. Er zittert nicht mehr so stark, kann wieder unbelasteter auf die Menschen zugehen und wirkt wesentlich zufriedener. Es ist schwer vorstellbar, das Kamphaus so um die Kathedra gekämpft hätte, wie es Tebartz-van Elst momentan macht. Und das ist im Grunde das Ideal, welches man sich in Limburg von einem Bischof macht: Er soll ein guter Bischof sein, aber doch bitte nicht zu gerne dieses Amt inne haben. Und das ist Tebartz-van Elst schlicht nicht. Ob er so gerne Bischof geworden ist, ob er es wollte, kann hier nicht ermittelt werden. Das er es aber durchaus gerne macht bzw. machen würde wenn er nicht ständig eine drauf bekäme, ist doch sehr deutlich.

Wer (unter-)schreibt für Bischof Tebartz-van Elst?

Nachdem ich mich die letzten Tage ein bisschen für den Bischof ins Zeug gelegt habe, will ich jetzt auch mal ein bisschen von den anderen sprechen, die wesentlich effizienter und wirkmächtiger den Bischof unterstützten.

kathnet meldet den Besuch des Bischofs in Rom hier

die Tagespost bemüht sich um Sachlichkeit hier

Auch die FAZ kann nicht nur Negativschlagzeilen, sondern auch andere zu Wort kommen lassen, hier

Aus Frankfurt mahnt Bruder Paulus zur Mäßigung hier

Und auch die Mitblogger äußern sich, z.B.

Sophophilo hier

Auf Superpelliceum wird ein neues Schutzgebiet ausgerufen hier

und der Kreuzknappe fast mal zusammen hier

Sollte ich noch jemanden vergessen haben, kann er sich gerne melden. Er wird dann hier mit aufgenommen.

Mittwoch, 28. August 2013

Ein Nachwort zu den Schafen von Johannes zu Eltz

Wie mir von verschiedener Seite zugetragen wurde, nimmt mancher an einigen Formulierungen in diesem Post Anstoß. Dazu ist zuerst zu sagen, dass er als Tacheles-Post nicht für feinsinnige Unterscheidungen geschrieben wurde, sondern um auf den Putz zu hauen. Das hätte ich vielleicht noch dazu schreiben sollen.

Konkret Anstoß nahm man an meiner Titulierung der unterschreibenden Katholiken als Schafherde, die dem Stadtdekan blöckend hinterherläuft, anstatt kritisch und eigenständig Ideen zu entwickeln. Ob das im Einzelfall zutrifft, will ich nicht behaupten. Jeder Einzelne wird unterschiedliche Gründe haben. Als Gruppe jedoch kann man diese Behauptung durchaus aufrecht erhalten. Dabei soll hier von der soziologischen These ausgegangen werden, dass die Handlungskonzepte einer Gruppe mehr sind als die Summe oder der kleinste gemeinsame Nenner der Motivationen der einzelnen Mitglieder.

Die Unterschriftenaktion gehört in jenen Solidarisierungsprozess der Frankfurter Katholiken mit ihrem Stadtdekan, was ja offen gesagt wird. Hier scharen sich also die Frankfurter Gläubigen um bzw. hinter den Dekan. Also keine selbstständige Haltung oder Handlung, sondern eine, auf eine Person bezogen ist, die damit in Limburg auftreten kann. Dies wird auch in den Formulierungen des Briefes deutlich. Diese sind wenig anderes als eine neue Ausformulierung der Forderungen von zu Eltz. Da sie jedoch auf seine Aussagen bezogen sind bzw. sie etwas anders wiedergeben, haben sie denn auch den gleichen Inhalt wie diese. Und dieser Inhalt ist, und da sind sich mehr oder weniger alle einig: Bischof, geh! Die Frankfurter Unterschreibenden schließen sich also sowohl personal als auch inhaltlich dem Stadtdekan an.

Wie gesagt: kein selbstständiges Handeln, das sich auf eigene Ideen der beteiligten Laien stützt, sondern die Teilnahme an einer den Stadtdekan flankierenden Aktion. Nun kann man auch selbständig etwas unterschreiben. Bedenken wir aber den Rahmen, wie die besagten 500 Unterschriften geleistet wurde, nämlich gleich nach dem Gottesdienst im Rahmen eines Volksfestes in einer Schlange stehend, so erinnert dies den Historiker sehr stark an die römische Plebs, die als Klientel der Führungsschicht wunschgemäß abstimmte. Über die weiteren Unterschriften sei hier nichts gesagt, aus Mangel an Informationen.

Soweit wir also die dortigen Unterschreibenden nicht als Einzelpersonen betrachten – was bei 500 auch nicht möglich ist – sondern als Gruppe, so spricht nach Ausweis der vorliegenden Informationen alles für meine Behauptung, da habe eine Schafherde abgestimmt. Wenn irgend jemand andere Informationen hat als ich, die meiner Aussage entgegenstehen oder eine andere Interpretation vorweisen möchte, lade ich ihn hier herzlich zu einem Kommentar oder einer Mail an mich ein.

In Erinnerung an den Weltjugendtag

Bildquelle hier.

Dienstag, 27. August 2013

Tebartz-van Elst und seine Kritiker: Braucht der Bischof die Supernanny?

Nachdem ich gestern hier einen ziemlich deutlichen Rundumschlag gegen die Frankfurter Geistlichkeit und ihr Kirchenvolk gemacht habe, wollen wir heute wieder ein wenig differenziert-sachlicher werden. Ich denke, ich fange daher mit einem Witz an: In der DDR erzählte man sich folgenden: Warum sprechen wir eigentlich von unseren sozialistischen Brüdern und nicht von unseren sozialistischen Freunden? – Naja, Freunde kann man sich aussuchen.

Zu den Dingen, die man sich nicht aussuchen kann, gehört die eigene Familie. Jeder hat wohl irgendein Familienmitglied, das ihm mehr oder weniger peinlich ist, das er nicht mag, mit dem er sich in die Wolle bekommt, das aber eben zur Familie gehört und damit Teil der eigenen Identität ist. Nun kann man Familienbegriffe aber nicht nur auf Verwandtschaft anwenden, sondern auch in anderen Kontexten verwenden, z.B. im Sozialismus. Aber auch im Christentum, wo die Prediger die Beschallten zumeist mit „Liebe Brüder und Schwestern im Glauben“ ansprechen. Und der Papst gilt Katholiken nicht einfach als „Sehr geehrter Herr Papst, lieber Jorge“, sondern als Heiliger Vater. Auch Ordenspriester werden mit Pater, lat. Vater angesprochen, im Englischen nennt man die Priester Father und das Wort Abt leitet sich von Abba, hebr. Vater, ab. Auch der Bischof ist nicht nur Episkopos, Aufseher, oder Pastor, Hirte, sondern auch Vater seiner Gläubigen. Und wie einen Vater hat man bei der Person, die Bischof ist, wenig Auswahl. Meistens bekommt man ihn vorgesetzt, gleich ob Rom, das Domkapitel oder der Landesherr – wie früher – das macht. Das kann man gut oder schlecht finden, aber auch unsere Väter würden wir uns manchesmal gerne selber aussuchen. Denn mitunter sind wir mit ihnen gar nicht einverstanden, gleich, aus welchem Grund.

Dann kann es verschiedene Wege geben, das Vaterproblem zu lösen. Dazu gehört die Rebellion, beliebt in der Pubertät, in der die väterliche Autorität geleugnet wird. Dazu gehört das Ignorieren, man nimmt den Vater einfach nicht mehr wahr. Während das erste ein normaler Vorgang innerhalb des menschlichen Lebens ist, stellt die zweite Variante ein Problem dar. Wer zu seinem Vater in einem Unverhältnis steht, weist ein klares Defizit auf, wie uns die Erziehungswissenschaft sagt.

Auch hier teilen sich der Vater im biologischen Sinne und der Bischof, der Vater der Gläubigen, vieles. Auch mit ihm sind wir oft nicht einverstanden. Auch ihm gegenüber können wir die beiden genannten Methoden der Auseinandersetzung anwenden. Kritisieren oder leugnen. Kritik dem Bischof gegenüber hat durchaus etwas von Normalzustand. Irgendwer ist immer unzufrieden und macht den Bischof dafür verantwortlich und verlangt von ihm Besserung seiner Situation. Ein solcher Wunsch kann mit mehr oder weniger pubertärem Gehabe einhergehen, was der Indikator für den Reife der Forderung und des Menschen ist. Leugnen wiegt wesentlich schwerer und führt zu einem Abdriften aus der Glaubensgemeinschaft, die sich über den Bischof als Ankerpunkt zur Weltkirche wesentlich konstituiert. Leugnen kann aber auch verleugnen bedeuten, also der Aussage, dieser sei nicht mehr mein Bischof und ich will gefälligst einen anderen.

In Limburg machen wir gerade so ein Mittelding zwischen dem Versuch von sachlicher Kritik, pubertärem Aufstampfen und Verleugnen durch. Die einen möchten eine andere bischöfliche Politik und bringen mehr oder weniger sachlich Vorschläge oder zumindest geordnete Kritik vor. Die anderen knallen Türen wie ein rebellischer Teenager, fordern Beachtung, stoßen den Bischof zurück und machen ihn für das ganze Elend verantwortlich, inklusive der Pickel im Gesicht und der schwindenden Katholikenzahl. Und mancher übt sich schon mal im Verleugnen, spricht dem Bischof die Fähigkeit ab, Bischof zu sein, fordert seinen Rücktritt, distanziert sich von ihm und überlegt, wie denn sein Lieblingsbischof aussehen könnte; vielleicht eine Mischung aus Papst Franziskus, Margot Käsmann und Eugen Drewermann.

Relevant für den Umgang mit solchem Verhalten ist dabei, wie ernst man es nehmen kann. Während sachliche und zielorientierte Kritik ernst genommen werden muss – das müssen wir von einem Bischof erwarten dürfen – wird man dem pubertären Aufstampfen weniger Bedeutung zumessen. Was soll man auch anders machen, als auf Besserung zu warten und zu versuchen, dass das Kind nicht im Delirium von Alkohol oder New-Age-Spinnerten im Straßengraben liegt. Vorbei ist’s dann bei den Leugnern, die eh nur noch weglaufen, wenn man ihnen entgegenkommt und die sich selber mit ihrer Haltung den weit größeren Schaden zufügen.

Problematisch an der Limburger Situation ist dabei nicht, dass es diese drei Gruppen gibt, die gibt es immer. Sondern wie sie sich derzeit verteilen. Sachliche Kritik muss man mittlerweile mit der Lupe suchen, während die stampfenden Rumkrakeeler in der Überzahl sind und die Leugner vom Vormarsch träumen. Die sachlichen Kritiker einzuspannen, die Pubertierenden zu mildern und den Leugner die Hand gereicht zu halten ist daher die große Aufgabe, die die Bistumsführung bewältigen muss. Ob ihr das gelingt, muss hier freilich offen bleiben.

Beten ist ...

Beten ist ein Herzensgespräch mit Gott in der Gewissheit, dass er uns liebt.

Teresa von Avila

Montag, 26. August 2013

Brief der Frankfurter Katholiken gegen Bischof Tebartz-van Elst: Ein Armutszeugnis!

Nach den Ereignissen um Bischof Tebartz-van Elst in Frankfurt muss ich jetzt doch mal ein wenig mein Missfallen über die Vorgänge deutlich machen. Ensprechend mögen die Leser diesen Post nicht als ausgewogene Analyse betrachten.

Als leicht hierarchiefixierter Konservativer bin ich unsicher, ob ich mich über den Brief der Frankfurter Katholiken gegen den Bischof von Limburg aufregen oder mich zynisch freuen soll. Aufregen kann ich mich, weil man hier mit Karacho und Beifall einen weiteren Nagel in den Sarg des Bischofs schlägt. Zynisch freuen kann ich mich hingegen, weil das sogenannte Kirchenvolk damit beweist, das die Hierarchie in der Kirche immer noch super funktioniert. Denn hier solidarisieren sich keine kritisch-souverän denkenden Gläubigen mit dem Stadtdekan, hier laufen die Schafe blöckend ihrem Hirten hinterher und geben die willige Begleitmusik für den klerikalen Machtkampf.

Der Brief ist ein Armutszeugnis!
Die Autoren appellieren zudem an den Bischof zu respektieren, dass "die von Ihnen zu Recht eingeforderte Loyalität nicht heißen kann, dass Widerspruch und Kritik verboten sind".
Wenn ich jetzt böse wäre, würde ich den Autoren das Gedächtnis einer Eintagsfliege vorwerfen. Wenn ich mich recht erinnere, hat sich Stadtdekan zu Elz schon mehr als einmal kritisch zum Bischof geäußert, am deutlichsten damals in einem offenen Brief einiger Priester. Und wenn ich mich richtig erinnere, habe ich den Generalvikar nicht mit einem Nudelholz nach Frankfurt fahren sehen, um dem Stadtdekan den Hintern zu versohlen, sondern es war von einem Gespräch die Rede, das der Bischof mit seinen Kritikern führte.

Das letzte Interview von zu Elz war auch nicht nur leichter Widerspruch oder sachliche Kritik, sondern die Aufforderung an den Bischof, sich von der Kathedra zu schleichen. So hat das jeder verstanden und zu Elz ist zu intelligent, nicht genau zu wissen, wie das rüberkam. Eine solche Attacke auf den Chef bleibt nirgendwo folgenlos. Und wohl kaum einer der Unterschreibenden, die sich so etwas von seinen Untergebenen anhören müssten, würden sagen: Ja, komm, ist gut gemeint.

Eine scharfe Reaktion war zu erwarten. Man könnte sogar vermuten, sie ist von zu Elz bewusst eingeplant gewesen. Es passt alles doch sehr gut zusammen und niemand hat soviel davon wie der Stadtdekan. Denn im Spiel steht er momentan glänzend da. Wenn der Bischof nicht zu einem Kraftakt ansetzt und den Befreiungsschlag hinbekommt, ist zu Elz praktisch nicht abzusetzen und baut sich in Frankfurt sein eigenen kleines Reich, unabhängig von der Limburger Zentrale, aber mit viel Einfluss an der Lahn. Er könnte als Vorreiter der Kritiker mit Rückhalt im Kirchenvolk sogar Kandidat für den Bischofsstuhl sein, wenn Tebartz-van Elst hinschmeißt.

In diesem Licht lesen wir nochmal eine weitere Stelle des Briefes:
"Die Bistumsleitung muss umgehend einen anderen Weg einschlagen, will sie die katholische Kirche in unserem Bistum und darüber hinaus glaubhaft und glaubwürdig vertreten"
Dem Satz stimme ich sogar zu. Nur meint der Satz nicht, was er sagt. Denn was da wirklich steht ist: Der Bischof soll gehen! Denn die Bistumsleitung, das ist der Bischof mit dem Domkapitel. Und in dem sitzt, welche Überraschung, zu Elz mit drin. Und der Bischof herrscht keineswegs so autokratisch, wie manche immer denken. Was man manchmal so hört scheint er eher bemüht, Reibung zu vermeiden. Das das nicht klappt, stimmt. Warum das nicht gelingt, das dürfte nicht nur an ihm liegen, da kochen auch andere Herren an der Suppe mit. Die Leitung des Bistums als Gesamtkörper muss also einen anderen Weg einschlagen, es müssen also alle hohen Herren sich zusammenraufen und einen gemeinsamen Weg finden. Und Eskalationen helfen bei solchen Prozessen, welch Wunder, in der Regel nicht.
"Mit großer Sorge sehen wir, dass sich die Vertrauenskrise im Bistum Limburg immer weiter zuspitzt."
Noch ein Satz, den ich gerne mitunterschreibe. Aber so, wie er da steht, nicht wie er gemeint ist. Gemeint ist nämlich: Der Bischof  vertraut uns nicht! Ist momentan wohl sogar richtig. Würde ich an seiner Stelle aber auch nicht. Wie soll ich jemandem vertrauen, der auf meinen Sturz hinarbeitet? Der nicht nur kritisiert, sondern auch eskaliert. Entweder die Unterzeichner sehen nicht, wie es eigentlich gemeint ist, dann ist es ein Armutszeugnis für ihre Intelligenz. Oder sie sehen es, dann ist es ein Armutszeugnis für ihr Einfühlungsvermögen.
Gefordert wird "eine umfassende, ehrliche, schonungslose Information über alle in die Kritik geratenen Vorgänge in der Bistumsleitung".
Das Wort schonungslos ist echt der Hohn. Schongang ist nun etwas, was Tebartz-van Elst in Limburg noch nie erlebt hat. Darüber hinaus mal die Frage, wer denn informiert werden soll. Das unterschreibene Kirchenvolk? Das Domkapitel? Die Synodalräte? Die Presse?

Da das nicht da steht, ist das ziemlich platt. Allerdings ist der ganze Brief ziemlich platt. Eine Ansammlung von Formulierungen aus dem Kritikbaukasten. Kritik um der Kritik willen, ohne Lösungsansätze oder gute Ideen. Ein Rummosern zur Selbstbeweihräucherung oder -beklatschung. Eine Äußerung des Missfallens, die keiner braucht, weil es jeder weiss.  Das Blöcken der Schafe, das sich Kirchenvolk nennt. Schlicht ein Armutszeugnis.

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Quelle: katholisch.de 
Den ganzen Brief hier. Eine ergänzende Weiterführung des Posts gibt's hier.

Die Liebe ist unser Fundament

Bauen wir keine Türme ohne Fundament; denn der Herr sieht nicht so sehr auf die Größe der Werke, wie auf die Liebe, mit der sie getan werden.

Teresa von Avila

Samstag, 24. August 2013

Der Schächer und Judas

Der Altvater Xanthias sprach: Der Schächer hing am Kreuz und wegen eines einzigen Wortes wurde er gerechtfertigt (Lk 23,42). Judas ward unter die Apostel gezählt, und in einer einzigen Nacht verlor er alle Mühen, und vom Himmel herab stieg er in den Hades (Mt 27,1-10 und Apg 1,16). Darum soll keiner, der sich in guter Verfassung befindet, sich rühmen: denn alle, die auf sich selbst vertrauen, sind gefallen.
Weisung der Väter, Spruch 568.

Freitag, 23. August 2013

Der heilige Wandel

Weder Wissenschaft noch Weisheit noch Beredsamkeit bekehrt die Welt zu Christus, das kann nur ein heiliger Wandel und die Haltung seiner Gebote befördern.

Franz von Assisi

Kirchenquiz

Wo steht diese Kirche?

Auflösung am Mittwoch?

Donnerstag, 22. August 2013

Endlich geschafft in Niedertux - Des Berichtes letzter Teil

Fortsetzung von hier.

Es folgt das Vater Unser: "Oh unser Schöpfergeist, dein Name verbinde sich mit unseren Namen, dein Reich verwirkliche sich, dein Wunsch sei uns Maßstab, wie im ganzen Universum, so auch hier. Du gibst uns unsere tägliche Nahrung, wir vergeben denen, die uns gegenüber unsolidarisch waren und wir wissen, auch du wirst uns gegenüber solidarisch sein. Führe uns zum ewigen Glück und befreie uns vor allen Angriffen unredlicher Menschen. Denn dein ist der gute Wunsch, und die guten Gedanken und das Lob der Schöpfung für immer. Amen"

Zwischenzeitlich bin ich schon dazu übergegangen, das Ave Maria auf Latein zu beten um konzentriert genug weghören zu können.

Frau Müller-Schmiedt bricht das große Fladenbrot ins zwei Teile und reicht es links und rechts durch die Gemeinde. Jeder bricht sich ein kleines Stück ab und legt es auf den Teller. Auch ich nehme mir eins und hoffe inständig, das die Wandlung nicht gültig war, behalte das Brotstück aber erstmal in der Hand. "Nehmt uns esst" fordert uns Frau Schmiedt-Müller strahlend auf und alle essen ihr Brotstück, einige pur, manche tunken es in ihre Sauce oder ihren Kaffee, wie meine Banknachbarin. Eine steckt es in ihre Tasche. Wie sie mir später erzählte, gibt sie es immer ihrem Hund, der freue sich besonders über das gesegnete Brot. Dann wird auch der Kelch einmal herumgegeben, eines der Kinder trägt ihn am Ende der Bank zur Nächsten.

Die restlichen Brotstücke wandern in einen Korb und werden zu den Schmiedt-Müllers gebracht. Wir mir später versichert wird, werden sie nicht etwa nutzlos weggeschlossen wie in anderen Kirchen, sondern sie werden normalerweise an die Nachbargemeinde verteilt. Diesmal aber sollen sie als Solidaraktion an eine Demokratengruppe in Ägypten gehen, die sich für die Stärkung von Islam und Demokratie im Land am Nil einsetzt. Und der Wein? "Damit gießt der Pfarrer seine Rosen" erklärt mir die alte Dame.

Dann wird das gemeinsame Essen fortgesetzt, ein Dessert wird feierlich aufgetragen. "Schokopudding, aus der Pfarrerküche" murmelt die alte Dame andächtig und nimmt sich ganz vorsichtig mit dem Löffel einen Teil des Puddings. Still wird jetzt das Dessert genossen, eine fast spirituelle Atmosphäre kommt auf, selbst die Kinder und die Kaffeemaschinen schweigen und man hört nur das leise kratzen der Löffel.

Langsam steigt der Geräuschpegel wieder als alle aufgegessen haben und Pfarrer Schmiedt-Müller erhebt sich: "Liebe Gemeinde, wir wollen nunmehr unserem lieben Kumpel Jesus danken, das er uns diese Gemeinschaft, dieses Brot und besonders diesen Pudding geschenkt hat." "Amen" schallt es zurück.

"Zum Abschluss noch die Vermeldungen für die neue Woche: Der Liturgierat trifft sich am Montag zur Koordinationsvorbereitung des Bacchanals für den nächsten Aschermittwoch, am Dienstag findet das homosexuelle Speed-Dating für die Männer statt, am Mittwoch tagt der Dogmenausschuss zur Beschlussfassung des neuen Glaubensbekenntnisses; wir danken allen für die rege Teilnahme an der Grundsatzdiskussion. Donnerstag feiert Priesterin Matilde DuLubac hier eine Nachprimiz, sie ist von Päpstin Maria II. Lumetzberger vor einer Woche geweiht worden; Freitag findet das Grillfest statt unter dem Motto "Jesus war auch ein Prasser" und am Samstag feiern wir das Sonnenblumenfest, wo wir eine Sonnenblumenmeditation mit anschließendem Sonneblumensegen haben" - Segen mit einer Sonnenblume, wie man mir nachher erklärte.

"Damit liebe Mitmenschen, wollen wir uns hiermit im Geiste unseres neuen Papstes gegenseitig den Segen spenden." Alle heben die Hand "Der liebe Gott, die gute Schöpfungsenergie und der kosmische Allfluss bewahrt uns vor Bedrängnis, Gefahr und Genmais, er fördert unsere Liebe zu unseren Frauen, Männern, Kindern, Hunden und Goldfischen, er umarmt und wie wir die Bäume des Waldes und die Steine der Seen, er hält von uns allen Schmerz, alles Leid und jede bedrängnis, wie er durch seinen Propheten Jesus und durch mich [gemeint ist der jeweilige Spender, Anm. I], der ich dies sicher vom Geist des Göttlichen erfühlt habe, verkündet hat. So segnet uns das große Liebliche, der/die/das eine_r, Jesus und die Geist [die ist kein Grammatikfehler]." damit machen alle eine ausladende Kusshandbewegung zu beiden Seiten und das Mahl ist beendet.

Maria Himmelfahrt im Bistum Limburg: Nachlese zum Oktavtag

An Maria Himmelfahrt war im Bistum Limburg natürlich auch ordentlich was los. Ich selber war "nur" in der Liebfrauenkirche in Frankfurt, die aber immerhin Patronatsfest hatte. Habe zur 18 Uhr Messe nur noch einen Stehplatz bekommen, soviel zum Thema keiner geht mehr in die Kirche. Die richtig große Sause war aber natürlich woanders, z.B. in Marienthal, wo Weihbischof Löhr dabei war. Hierzu einige Ausschnitte aus seiner Predigt:
"Wer über Maria spricht, wird immer auch über ihren Glauben sprechen! Ebenso gilt aber auch umgekehrt: Wer über den Glauben spricht, sollte immer auch von Maria sprechen", so der Weihbischof in Limburg. In seiner Predigt ging der Theologe der Frage nach dem Verhältnis von Glaube und Wissen nach. "Eine überzeugende Antwort auf diese Frage kann nur das Leben selbst geben", sagte Löhr.
Mit Blick auf Maria werde erkennbar, wozu Gott alles fähig ist. Vom Engel bekam sie die unglaubliche Botschaft, dass sie einen Sohn gebären soll, der groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden wird. "So unglaublich uns dies alles erscheint, Maria antwortet: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe wie du es gesagt hast", so Löhr. Maria habe nicht gewusst, was dies alles bedeutet hat und sie wusste auch nicht, was die Zukunft ihr bringen wird. Sie habe sich ganz Gott anvertraut und das geglaubt, was ihr gesagt worden ist. "Glauben bedeutet, so können wir es an Maria ablesen: Von etwas so überzeugt sein, dass man das ganze Leben darauf aufbauen kann", betonte Löhr. Ihr Glaube lässt sie leben. Darauf baue sie ihr ganzes Leben auf. Der Glaube sei ihre Orientierung. Er gebe Maria Halt und lasse sie für ihren Sohn zum Äußersten gehen.
Außerhalb des Bistums weilte an diesem Tag Bischof Tebartz-van Elst, der Maria Vesperbild besuchte:
Das Hochfest der Himmelfahrt Mariens ist in dieser Welt ein Wegweiser dafür, wie der Mensch an sein Ziel kommt. Erst im Horizont des Himmels begreift der Mensch, wie oft wir zu klein und kurzsichtig von dieser Erde denken.
In seiner Predigt machte der Bischof deutlich, dass Maria allen Menschen ein großes Vorbild im Leben und im Glauben sein kann. Ihr Leben mit dem Sohn Gottes begann mit dem Wort des Engels. Sie bewahrte alles im Herzen und dachte darüber nach. "Die Stille bei der Geburt entspricht dem Schweigen unter dem Kreuz", so Tebartz-van Elst. Am Anfang und am Ende des Lebens brauche es dieses Bewahren im Herzen, damit Gott als Herr über Leben und Tod nicht aus dem Blick gerate und der Mensch das Gut des Lebens nicht seinen Forschungs- und Freiheitsinteressen unterwerfe. Gott im Herzen zu bewahren, heiße, den Glauben für die Bildung des Gewissens zu gewinnen und für den Zusammenhalt der Gesellschaft zu begreifen. Wo Menschen mit ihren Worten nicht mehr im Herzen wahren, was den Wert des Nächsten betrifft, werde Gott mundtot gemacht. Wo der Mensch mit dem Herzen höre, könne Gott dazwischen kommen.
Maria habe immer schützend die Hände über ihren Sohn gehalten. "So, wie Maria in Bethlehem ihr Kind wiegt, zeigt sie uns, wie Gott den Menschen hält und was unsere Gesellschaft zusammenhält. Es ist die Bereitschaft zum Kind und die Zeit, die wir für Kinder aufbringen. Es ist das treue Ja zu Ehe und Familie in ihrer Unverwechselbarkeit, das schon in Nazareth den Himmel aufleuchten lässt und uns bleibend Orientierung gibt", sagte der Bischof. So, wie Eltern ihre Kinder halten, bewegt das Bemühen um Familie die Gesellschaft zur Verantwortung der Generationen füreinander. "Wer Zeit und Zuwendung erfahren hat, kann Anderen lebenswerte Ziele und Zuversicht vermitteln", betonte Tebartz-van Elst.
Der Bischof verwies darauf, wie wichtig die Suche nach dem Ursprung und nach der Quelle des Lebens und der Gesellschaft ist. "Die geistliche Wurzel der Kultur unseres Kontinents ist seine Kraft. Wo Glaube und Kirche nicht in das Projekt der Moderne zu passen scheinen und deshalb entweder angepasst oder ausgeschlossen werden sollen, wird jener Nerv abgeschnitten, der in der Geschichte nachweisbar und nachhaltig Erneuerung gebracht hat", sagte Tebartz-van Elst. Quellen seien immer Zukunft. Wo man sie trockenlege oder versiegen lasse, verdurste der Mensch. Gottes Geschichte mit den Menschen und mit Europa sei auf eine gemeinsame Zukunft angelegt. Wo Gott am Anfang stehe, so wie bei Maria, komme der Mensch an sein Ziel.
Quellen hier und hier.

Dienstag, 20. August 2013

Gutes tun

Wenn die eitle Ruhmsucht sich beim Gutes-Tun bemerkbar macht, dann zerstört sie nicht. Aber nur wenn sie wie eine Dienerin zurücktritt, ist das Gute vollkommen.

Philipp Neri

Der Pfarrer ist noch besser geworden, seid er geheiratet hat - Des Berichtes zweiter Teil

"Liebe Freunde, wir wollen jetzt das Wort Gottes hören." erklärt Schmiedt-Müller in den Trubel. "Heute liest die Tochter unserer Pfarrsekretärin aus dem Paulusbrief, genutzt wird wie immer die Bibel in Gerechter Sprache." Die kleine Tochter steht auf, nimmt ein großes Buch in ihre Hände und liest stockend aus dem Römerbrief vor. Alle applaudieren und loben die Kleine. Anschließend singen wir ein weiteres Lied, mit dem Titel: "Jesus, wir lieben dich und du liebst uns." Es folgt der Vortrag des Evangeliums, das von Frau Müller-Schmiedt und ihren Kindern vorgetanzt wird. Die Predigt hält Pfarrer Müller-Schmiedt zum Thema: "Jesus, Retter, nicht Richter". Die Predigt schließt mit dem selbstgedichteten Lied: "Jesus ist so lieblich, Jesus ist so ungefährlich".

Dann wird das gemeinsame Essen fortgesetzt. Zwischenzeitlich unterhalte ich mich der Damen neben mir. "Wir freuen uns so über unseren Pfarrer. Er war schon immer ein super Seelsorger. Wir hatten hier nie Probleme mit Wiederverheirateten Geschiedenen oder der Trauung von Homo-Ehen. Da hat er immer die Menschen gesehen, nie das Gesetz. Aber seit er Frau Müller geheiratet, ist es noch viel besser geworden." Sie macht eine ausgreifende Handbewegung mit der Gabel durch den Raum. "Er hat die Kirche so schön renoviert. Er hat die Kreuze rausgeschmissen, die immer so deprimierend waren und den Kasten an den Stirnseite. Das restliche gesegnete Brot wird immer nach dem Mahl an die Armen im Nachbarort verteilt."

Dann läutet eine kleine Glocke "Die Fürbitten" erklärt sie, während ich schon mal überlege, wo ich genug Weihwasser für meine Badewanne herbekomme, um mich nachher zu waschen. Das Ehepaar Schmiedt-Müller beginnt: "Lieber Gott, wir bitten dich für diese ganze Gemeinde und für alle Gemeinden und alle Menschen auf der Welt - das du sie in deiner Liebe erhältst und sie wie versprochen in dein Reich führst." Die Gemeinde "Wir bitten dich" Ich warte auf die nächsten Fürbitten, doch es kommt nichts und die beiden setzen sich wieder. Plötzlich steht eine Frau auf und beginnt "Liebes göttliches Wesen, wir möchten dich bitten, sende uns deine Engelinnen, das sie uns beschützen." Die Gemeinde wieder "Wir bitten dich." Noch 11 andere Gemeindemitglieder tragen dann eine Fürbitte vor, wobei der Längenrekord bei einem sechs Minuten langem Gebet liegt, indem wechselnd der liebende Gott, die gute kosmische Kraft, das liebe Jesulein und die universale Güte angerufen und um Beistand vor der Genindustrie, falschem Vollkornmüsli, Funkwellentürmen und dem Ortsbischof angerufen wird.

Ich denke mir langsam, schlimmer kann es nicht mehr werden. Immerhin bringen zwei junge Mädchen - nach der alten Dame die Kinder des Pfarrerehepaares - Brot und Wein zu ihrem Vater.

Pfarrer Schmiedt-Müller nimmt den Kelch, seine Frau das Brot - ein großes Fladenbrot:

Er beginnt: Ja, du bist gut, Gott, und alle deine Werke verkünden das Lob deines lieben Wunsches. Denn durch deinen Sohn, Jesus und durch den Geist, der uns heilig macht, erfüllst du uns und das ganze Universum mit Leben und Geschenken. Bis alles dich trifft versammelst du uns, damit in deinem Namen das gemeinsame Mahl gefeiert werde vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang. Darum bitten wir dich, allgütiger Gott: Wir leben vor dir mit allen Menschen diesen Tag als den Tag, an dem Jesus mit uns feiert. Mit ihm, den du liebst wie einen Sohn, bitten wir dich, lieber Schöpfergeist: wir erinnern uns in diesem Mahl an den ganzheitlichen Menschen Jesus, unseren lieben Freund und Bruder, der uns gebeten hat, dieses Mahl zu feiern.

Sie setzt fort: Denn damals nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngerinnen und Jüngern und sprach: NEHMET UND ESSET ALLE DAVON: DAS IST MEIN LEIB, den ich euch gebe.

Wieder er: Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngerinnen und Jüngern und sprach: NEHMET UND TRINKET ALLE DARAUS: DAS IST DER KELCH DES EWIGEN BUNDES, MEIN WASSER des Lebens, DAS FÜR EUCH UND FÜR ALLE ENTSTRÖMT. TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS. Es folgt der Ruf der Gemeinde: Über dein Leben, Jesus, freuen wir uns, weil du immer bei uns bist.

Die restliche Wiedergabe des Hochgebetes soll dem Leser erspart werden.

Montag, 19. August 2013

"Sind wohl die ollen Messen von früher gewohnt" - Ein Pfarreibesuch

Vor einiger Zeit hat unser Redakteur Ignaz die Pfarrei St. Maria in Niedertux besucht. Dort wirkt Reinhold Schmiedt-Müller, nach eigenen Worten einziger kirchlich beauftragter verheirateter katholischer Pfarrer in Deutschland. Pfarrer Schmiedt war lange Jahre normaler, zölibatär-lebender Pfarrer der kleinen Gemeinde. Dann jedoch traf er Elisabeth Müller, Physiotherapeutin, und verliebte sich in die bekennende Buddhistin. Nachdem sie zwei Jahre gemeinsam ohne Trauschein gelebt haben, wollten sie endlich ihre Liebe mit einer Hochzeit besiegeln. Der Ortsbischof reagierte jedoch ablehnend auf die Anfrage des Paares und forderte Pfarrer Schmiedt auf, sich entweder zu trennen oder sein Amt aufzugeben. Auch ein Protest des Pfarrgemeinderates half dem engagierten Seelsorger nichts, der Bischof bestand auf seinem Entschluss. Vor die Wahl gestellt stand Schmiedt zu seiner Lebenspartnerin und schied aus dem Pfarrdienst aus. Dadurch verlor die Pfarrei jedoch nicht nur ihren Hirten, sondern auch ihre Eigenständigkeit, da sie mit der Pfarrei St. Bonifazius in Obertux zusammengelegt wurde. Aus Rache wegen dem solidarischen Verhalten der Pfarrangehörigen ihrem Priester gegenüber, ist sich Pfarrgemeinderatsvorsitzende Gisela Müller sicher. Doch hatte man mit dem neuen Pfarrer Otto Bauer Glück, wie Müller sagt. Der habe nämlich die Qualitäten des Vorgängers erkannt und ihn offiziell als Pastoralreferenten weiterbeschäftigt, praktisch aber die Leitung der Gemeinde Schmiedt, nach seiner Heirat Schmiedt-Müller, übertragen.

Als ich für den Sonntagsgottesdienst um 10:30 in die Kirche komme, bin ich zunächst überrascht. Das von außen barocke Gebäude ist innen vollständig umgestaltet worden. Die Wände sind besch-weiss und es hängen einige abstrakte Gemälde neben Mandalas. Einen Tabernakel sehe ich nicht. Auch gibt es kein normales Gestühl. Hier stehen drei lange Tische in U-Form im Kirchenraum, die mit weißen Tüchern bedeckt sind und an denen Gartenstühle stehen. Hinter mir kommt eine Familie mit zwei Kindern in die Kirche, der Vater trägt einen Picknickkorb. Sie nehmen vier Plätze in Beschlag und die Mutter packt die Mitbringsel aus, inklusive von Tellern, Tassen und Besteck. Neben Äpfeln, Bananen auch Vollkornbrot, Butter und Nutella. Langsam füllt sich der Raum und ich sehe mich um, wirke wohl ziemlich überfordert. Da kommt mir eine ältere Dame zu Hilfe "Kennen sie wohl nicht, wie's bei uns ist" grinst sie "Sind wohl die ollen Messen von früher gewohnt" dann bugsiert sie mich auf den Stuhl neben sich "Essen sie bei uns mit, das passt schon". Ein Angebot, das ich dankbar annehme, während sie mir einen Teller - Plastik - reicht und mit etwas Nudelsalat draufschebbt.

Ein Mädchen, etwa sechs Jahre alt, kommt aus einer Tür - Sakristeitür? - und verteilt kleine Flyer an die Leute. "Das singen wir heute" erklärt mir die resolute alte Dame. Dann tritt ein Paar aus der gleichen Tür, beide tragen eine Albe, er eine Stola dazu, sie einen bunten Schal. Sie begrüßen die Leute, an denen sie vorbeikommen und setzen sich in die Mitte des oberen Tisches. Er ergreift das Wort: "Liebe Gemeinde, ich freue mich alle, euch hier zu unserem gemeinsam Mahl begrüßen zu dürfen. Wir wollen das Eingangslied singen"Allen Menschen wir zuteil Gottes Heil "singen." Zu den Klängen einer Gitarre, die von einem der Mahlteilnehmer gespielt wird, wird das Lied abgesungen. "Wir wollen Gott für die Gaben danken" erklärt nun Frau Müller-Schmiedt - die mit dem Schal - und betet "Lieber Gott, wir danken dir für deine reichen Gaben, die du uns geschenkt hast und bitten dich, auch weiterhin mit uns solidarisch zu sein und uns mit den Gaben der Natur reich zu bedenken." "Guten Appetit" schallt es im Chor zurück und alle beginnen zu essen. Dabei reicht man die mitgebrachten Speisen herum. Als Gast werde ich besonders gedrängt, mir doch etwas zu nehmen und komme so zu zwei Brötchen, einem Apfel, einer Orange, Mandarinen, und einem Käsekuchenstück. Drei Gemeindemitglieder haben sogar Kaffee- und Cappochinomaschinen mitgebracht und schließen sie mittels Verlängerungskabeln an. Man unterhält sich, Kinder laufen durch den Raum, die Stimmung ist familiär ausgelassen. Ich frage die alte Dame: "Hab ich mich vllt. in der Zeit geirrt, ich dachte es wäre hier der Gottesdienst?" "Ist es, ist es" erklärt sie mir.

Habe das Schicksal lieb

Habe das Schicksal lieb, denn es ist der Gang Gottes durch deine Seele.

Thomas von Aquin

Samstag, 17. August 2013

Dem Körper in Maßen genüge tun

Beim Essen, Trinken, Schlafen und gegenüber den anderen Bedürfnissen des Leibes soll der Knecht Gottes mit weisem Maße dem Körper Genüge leisten, damit Bruder Leib nicht aufbegehren könne.

Franz von Assisi

Samstäglicher Newsticker

Rom: Die "Marianische Gemeinschaft der Gerechtigkeit" feierte am Donnerstag ihr Patrozinium. Auf der Internetseite wwwm.marian-equity.it wird erklärt: Das Bild Mariens wurde über Jahrhunderte verdunkelt und verkitscht. Aus der lebenslustigen Rebellin und Fürsprecherin der sozialen Gerechtigkeit wurde eine überhöhte und duldende Mutter- und Herrscherinnengestalt. Die Gemeinschaft hat das Ziel, die wahre Maria wieder in den Vordergrund zu rücken, die unsere Schwester im Kampf für Solidarität und Gerechtigkeit ist im Kampf gegen die Macht des kapitalistischen und klerikalen Teufels.

Die "Marianische Gemeinschaft der Gerechtigkeit" hat ein neues Ave-Maria entworfen: Hallo, Maria, mít den Menschen verbunden, wir sind mit dir und du mit uns. Du bist unter den Menschen oft genannt, und auch der Sohn deiner Liebe, Jesus. Maria, Mutter Jesu, sei solidarisch mit uns, jetzt und wenn das Paradies auf Erden kommt.

Berlin: Die EU-Kommission für Antidiskriminierung und Gleichheit wanrte nach den Ausschreitungen in Ägypten vor einer Welle der Islamophobie in Europa. Sie rief die Medien auf, sich mit Berichten über Angriffe auf Christen und Kirchen zurückzuhalten oder diese noch besser ganz bleiben zu lassen. In einem Pressecommunice erklärt die Kommission: "Die Ausschreitungen in Ägypten seien rein soziale Konflikte und haben mit Religion rein gar nichts zu tun. Es muss daher strikt vermieden werden, die Worte Christentum, Islam, Muslime, Kirche oder Moschee zu verwenden." Zur Sicherheit sollte eine Berichterstattung über Ägypten minimiert werden. Als Ersatz bot die Kommission den Nachrichtenagenturen einen Bericht über die Fortschritte der demokratischen Entwicklung in Ostanatolien an.

Die FIZ berichtet über ein Interview mit Erzbischof Gänswein: "Kurienerzbischof Georg Gänswein, Sekretär des Papstes und Präfekt des päpstlichen Hauses, hat die Notwendigkeit bestätigt, zwischen Benedikt XVI. und Papst Franziskus aufgrund der großen Unterschiede zu vermitteln. Er sagte: "was ich tue, ist eine Brücke." Er sprach auf von den großen und zahlreichen Veränderungen in Rom, z.B. " Es ist einiges anders, was Stil betrifft, es ist einiges anders, was bestimmte Schwerpunkte betrifft."

Donnerstag, 15. August 2013

Maria Himmelfahrt gab's doch gar nicht? - eine kleine Apologie

Wenn man sich mit Mitchristen, gerade Protestanten, unterhält und ihnen erzählt, man sei katholisch und dann mit Maria um die Ecke kommt, spätestens da runzeln sie die Brauen. "Maria hm ... ja, die ... also ... mit der habt's ihr Katholiken ja." Und wenn sie dann auch noch ein bisschen theologisch was drauf haben, schieben sie was nach wie: "Mh ... also das mit der jungfräulichen Empfängnis und der Himmelfahrt ... also das steht ja nicht in der Bibel."

Was soll man da sagen. Stimmt. Steht nicht in der Bibel. Da hab ich als Katholik aber kein Problem mit. Wenn der Gegenüber dann mit dem Luftschnappen fertig ist, kann man dann ein freundlich-wohlwollendes (Protestanten haben noch Welpenschutz, da muss man behutsam mit umgehen): "aber die Himmelfahrt ist ein biblisches Motiv" hinzufügen.

Es sind vor allem zwei Himmelfahrten, die uns in der Hl. Schrift beschrieben werden: Henoch und Elija.
Über Henoch sagt die Schrift: "Henoch war seinen Weg mit Gott gegangen, dann war er nicht mehr da; denn Gott hatte ihn aufgenommen." (Gen 5,24) Das hier wirklich eine Himmelfahrt vorliegt, bestätigt der Hebrärerbrief: "Aufgrund des Glaubens wurde Henoch entrückt und musste nicht sterben; er wurde nicht mehr gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; vor der Entrückung erhielt er das Zeugnis, dass er Gott gefiel." (Hebr 11,5).
Auch über Elija berichtet das Alte Testament eine Himmelfahrt. So steht im 2. Buch der Könige: "An dem Tag, da der Herr Elija im Wirbelsturm in den Himmel aufnehmen wollte ... Während sie miteinander gingen und redeten, erschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor." (2. Kön 2,1-18).

Himmelfahrten hat es also in der Schrift bereits vor Maria gegeben. Immer waren es besonders außergewöhnliche Gestalten, die von Gott damit geehrt wurden. Henoch als derjenige unter den Patriarchen, dessen Glaube an Gott besonders groß und dessen Beziehung zu Gott besonders eng war. Und Elija als der größte der Propheten nach Mose.

Nun könnte man sich auf den Standpunkt stellen, Maria sei ja gar nicht so außergewöhnlich. Sie sei ja "nur" die Mutter Jesu (sagt das mal eurer Mutter). Quasi ein rein biologischer Vorgang. Dabei wird allerdings übersehen, dass Maria mit Ehrungen geradezu überschüttet wird. Es fängt schon an beim Gruß des Engels: "Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir." (Lk 1,28). Maria wird hier als Begnadete bezeichnet. Einer anderen Übersetzung nach als "voll der Gnade" und ihr wird von einem Engel bestätigt, dass Gott mit ihr ist. Solcherlei trifft nicht mal auch die Apostel in dieser Weise zu. Und weiter geht es mit den Worten Elisabeths: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes." (Lk 1,42) Mehr als alle anderen Frauen ist Maria gesegnet, denn sie ist die Mutter des Herrn. Aus ihrer Mutterschaft leitet sich also ein besonderer Segen über Maria ab, damit auch eine besondere Stellung. Und vom Hl. Geist erfüllt sagt Maria selber: "Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter" (Lk 1,48) Wer sagt dies noch in der Schrift über sich aus? Doch nur Maria.

Aber so mancher nörgelt noch immer und meint, so toll könne Maria ja gar nicht sein, immerhin habe Jesus selber sie nie als besonders bezeichnet. Hat er nicht? Hat er wohl. Aber lassen wir doch, da wir so viel den Protestanten in den Mund legen, den Kirchenvater dieser Gemeinschaft zu Wort kommen, Augustinus. Denn Luther war ja Augustiner-Eremit und hat in seiner Lehre wesentlich Augustinus (über-)rezipiert. Was sagt also dieser Lehrer zu den Worten Jesu über Maria:

Gebt acht auf das, was der Herr Christus sagt, während er mit seiner Hand auf seine Jünger zeigt: „Das sind meine Mutter und meine Brüder“. Und dann: „Wer den Willen meines Vaters erfüllt, der mich gesandt hat, der ist für mich Bruder, Schwester und Mutter.“ (Mt 12,49-50). Hat etwa die Jungfrau Maria nicht den Willen des Vaters erfüllt, sie, die geglaubt hat durch den Glauben und die empfangen hat durch den Glauben?... Die heilige Maria, ja, sie hat den Willen des Vaters getan und war deshalb selig, eben weil sie, bevor sie den Meister geboren hat, ihn in ihrem Schoß tragen durfte. Seht, ob das, was ich sage, stimmt oder nicht. Als der Herr vorüberging, gefolgt von den Menschenmassen und göttliche Wunder wirkend, begann eine Frau zu rufen: „Selig, ja selig der Schoß, der dich getragen hat!“ Und was hat der Herr geantwortet, um zu verhindern, dass man die Seligkeit dem Fleisch zuordnet? „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen!“ Maria also ist auch deshalb selig, weil sie das Wort Gottes gehört hat und es befolgte: Ihre Seele hat die Wahrheit in größerem Maße befolgt, als ihr Schoß das Fleisch dauerhaft umschließen konnte. Die Wahrheit ist Christus; das Fleisch ist Christus. Die Wahrheit ist Christus in der Seele Mariens; das Fleisch ist Christus im Schoß Mariens. Was in der Seele ist, bedeutet mehr, als das, was im Schoß ist. Heilige, allerseligste Maria!
Als Historiker ist für mich in diesem Kontext ein Detail von großem Interesse. Nämlich das wir keine Körperreliquien von Maria haben. Wir haben zwar angebliche Teile ihres Gewandes und ähnliches. Aber einen Körper oder wenigstens ein kleines Knöchelchen gibt es nicht. Niemals hat irgendwo irgendwer behauptet, er habe irgendetwas vom Körper Mariens. Selbst die größten Reliquienjäger kennen nichts vom Leib Mariens. Und wir haben sonst von jedem Heiligen irgendwas. Selbst ein Bartholomäus, der immerhin in Indien das Martyrium erlitten haben soll, liegt offizieller Lesart nach in Rom. Nur von Maria gibt's nicht. Das teilt sie als einzige mit ihrem Sohn, von dem wir logischerweise auch keine Körperreliquien haben. Ist doch schon ein bisschen auffallend, oder?

Fassen wir unsere Überlegungen zusammen: Himmelfahrt ist ein biblisches Motiv, selten, aber bei besonderen Personen vorhanden. Maria ist eine besondere Person, viel wichtiger als alle anderen Menschen in der Hl. Schrift, von den Urvätern und Jesus mal angesehen, da sie dem Erlöser Mutter war, nicht nur biologisch, sondern auch vermittels einzigartiger Gnaden. Und wir hatten und haben, ebenfalls einzigartig, keinerlei Hinweise auf einen sterblichen Körper Mariens. Das alles ist noch kein Beweis und wer auf dem Standpunkt steht "Was nicht explizit in der Bibel steht, darf nicht geglaubt werden", den wird das alles nicht beeindrucken. Aber sie geben doch schon ein ziemlich schlüssiges Bild und undogmatisches Bild, warum an der Himmelfahrt Mariens was dran sein dürfte.

Prozession in Santa Maria Maggiore

Mittwoch, 14. August 2013

Jesus im Kreis seiner Jünger - Eine besondere Anbetung


Vor einigen Monaten habe ich an Exerzitien im Zisterzienserkloster Bochum-Stiepel teilgenommen (zur I-Seite des Klosters hier). Es waren sehr fruchtbare Exerzitien und sehr schöne Messen und wer einmal Zeit hat und aus der Gegend kommt, dem empfehle ich sehr einen Besuch an diesem Ort.

Besonders ist mir aber eine sakramentale Aussetzung in der Klosterkapelle im Gedächtnis geblieben, die schon sehr ungewöhnlich war. Dies war bedingt durch die Form des Raumes. Die Kapelle ist nämlich rund. In der Mitte steht ein achteckiger Altar, der Zelebrant liest die Messe in Richtung Tabernakel, hinter dem Zelebranten steht eine Muttergottes, vor dem Zelebranten - versus populum - und links und rechts vom Tabernakel steht das Chorgestühl. Jesus ist also in der Mitte der im Chor versammelten Mönche.

Das wurde bei der Aussetzung besonders deutlich. Als Exerzitanten durften wir die Kapelle und das Chorgestühl benutzen und konnten so in einem sehr privaten und originellen Rahmen die Anbetung feiern. Wobei ich zugeben muss, am Anfang etwas irritiert gewesen zu sein. Normalerweise ist Anbetung ja was frontales, das Allerheiligste und man selber stehen bzw. knien sich gegenüber, man hat eine klare Frontperspektive. Der Blick auf das Allerheiligste ist bei der Aussetzung entsprechend wichtig, selbst wenn man nicht fortdauernd hinschaut, sondern den Blick oft nach innen senkt. Da ist es natürlich schwierig, wenn der Tabernakel quasi am Kopf eines Halbrundes steht und es außerdem, wir sind ja bei den Zisterziensern, keine Kniebänke gibt. 

Entsprechend sieht man sich genötigt, in einer etwas eigenwilligen Stellung im Chorgestühl zu sitzen. Bei mir selbst ging es noch relativ gut, weil ich am Ende der Bänke saß und damit noch einen leichten Blick hatte. So saßen wir alle im Gestühl und schauten gelegentlich zum ausgesetzten Allerheiligsten. Den Rest der Zeit waren wir eher ins uns versunken. Und mit der Zeit gewöhnten wir uns auch daran. Und es stellte sich ein neues Gefühl ein, nicht Irritation oder Versuche der optimalen Sitzhaltung, sondern Besonderheit, Einmaligkeit. Der Herr war Mitten unter uns, das war nicht nur eine Redeweise, es war eine wirkliche Raumgegebenheit. Wie mag es damals gewesen sein, in Galiläa, wenn der Wanderprediger Jesus von Nazareth Abends mit seinen Jüngern im Freien saß oder zu Gast in einem Haus war? Auch da saß er Mitten unter ihnen, hat mit ihnen geredet, hat sie gelehrt, wenn sie ihm zugehört haben. Auch wir wollten ihm zuhören, wollten uns von ihm lehren lassen, wollten mit ihm reden.

Es war ein sehr intimes, sehr reiches Erlebnis. Eines, das auch gut zu Exerzitien passt. Ich gebe zu, für eine normale Anbetung kann ich mir das nicht als Rahmen vorstellen. Da hat man oft auch nicht genug Zeit dafür oder es ist zu viel kommen und gehen. Für Exerzitien, in denen es ja darum geht, Jesus zuzuhören, ihm zu lauschen, neu seine Jünger zu werden, war es ein sehr guter Rahmen und eine sehr segensreiche Anbetung, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Franziskus mal anders

Passt nicht, sieht aber trotzdem gut aus.

Dienstag, 13. August 2013

Montag, 12. August 2013

Päpstliche Impressionen

Verborgene Übung

Der Altvater Apollonios sagte: Alle Übungen der Enthaltsamkeit sollen verborgen geschehen, damit zwar der Leib durch Fasten gedemütigt, aber nicht Lob von Menschen, sondern der Lohn vom Herrn gesucht werde.
Weisung der Väter, Spruch 965.

Samstag, 10. August 2013

Die Mittel gegen die Laster

Abbas Elegrius sprach: Einen unruhigen und ausschweifenden Geist bestärkt das Lesen, Wachen und Beten. Die Glut der Begierde aber löscht der Hunger, die Arbeit und der Fleiß. Und den erregten Zorn unterdrückt der Psalmengesang, die Geduld und die Barmherzigkeit, jedoch alles zur rechten Zeit und in rechtem Maß. Denn unzeitig oder maßlos getan, hilft es nur wenig und bringt mehr fast mehr Schaden als Nutzen.
Weisung der Väter, Spruch 973.

Samstäglicher Newsticker

Den Haag: Die "Gemeinschaft für eine gewaltfreie Welt" plant den Papst vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu verklagen. Grund: Indem er in seiner Tasche den Schlüssel zum Atombombenarsenal des Vatikans mit sich herumtrage, gefährde er in signifikanterweise den Weltfrieden. Zwar habe der Papst geleugnet, in der Tasche wäre besagter Schlüssel. "Aber dadurch beweist er doch erst, dass es ihn gibt." Auf die Frage, wie denn der Vatikan zu Atomwaffen komme, erklärte die Gemeinschaft: "Warum hat der Vatikan denn damals Leonardo DaVinci umgebracht? Er war der der Chefentwickler der Bombe und musste sterben, damit er es niemandem verrät."

Rom: Auf ihrer Internetseite lehnen die "Katholischen Freunde Israels" (KFI) die Heiligsprechung Pius XII. ab. Es sei unzumutbar, dass der größte Feind der Juden nach Hitler heilig gesprochen werden solle. Kritik, Pius XII. habe doch aktiv an der Rettung von Juden gewirkt, widersprach die Gruppe. Pius XII. habe eindeutig die Hilfe für Juden unterbunden und nur wenigen Katholiken, die Vorläufer der KFI, hätten sich gegen den Willen des Papstes, der die Rattenlinie installiert habe, für den Kampf eingesetzt. Das Pius XII. Antisemit und Faschist gewesen sei, könne man schon daran sehn, dass er Antikommunist war. Was der deutlichste Hinweis für Faschismus sei.

Berlin: Die Initiative "Inklusion für alle" warf der katholischen Kirche Hass gegen Behinderte vor. Folge man dem Abtreibungskonzept der Kirche, werde sich die Zahl der behinderten Menschen deutlich erhöhen. Damit seien aber die Kosten für eine vollständige Inklusion der Behinderten, z.B. in Schulen, nicht mehr zu stemmen. Daher müssten behinderte Föten abgetrieben werden, damit behinderte Menschen optimal integriert werden könnten.

Berlin: Die Grünen freuen sich über die positive Aufnahme ihrer Idee eines Veggi-Day in Deutschland. "Noch nie hatte jemand mal die Idee, einen Tag in der Woche mal auf Fleisch zu verzichten. Mit dieser grandiosen und einmaligen Idee, das Leben des Menschen in der Woche zu gestalten, zeigt die Partei B90/Grüne mal wieder ihre gesellschaftliche Vorreiterrolle." Gerüchten zufolge denken die Grünen nunmehr über die Einführung eines arbeitsfreien Ruhetages einmal in der Woche nach.

Donnerstag, 8. August 2013

Gott wird durch Schweigen geehrt

Gott wird durch Schweigen geehrt - nicht weil wir von ihm nichts zu sagen oder zu erkennen vermöchten, sondern weil wir wissen, dass wir unvermögend sind, ihn zu begreifen.

Thomas von Aquin

Tebartz-van Elst, der FAZ-Artikel und mein Erleben. Eine kleine Apologie

Nachdem ich gestern an den limburger Mitdiözesanen herumgemosert habe, bin ich natürlich aufgerufen, mich mal ein wenig für unseren Bischof ins Zeug zu legen. Und das will ich hiermit in aller Unvollkommenheit tun.
Der FAZ-Artikel beruht ja zu großen Teilen auf Eindrücken. Und wenn die FAZ Eindrücke veröffentlichen kann, kann ich das auch. Daher will ich mal ein paar Stellen im genannten Artikel mit eigenem Erleben kommentieren.
Das bedeutet in der Tat großen Kummer, nicht nur für den Bischof selbst, sondern auch für die Gläubigen; ganz besonders für die wenigen höhergestellten Katholiken im Bistum, die ihm noch die Stange halten - ehrenwerte Männer und Frauen, die nicht gut finden, wie manche Medien mit Tebartz-van Elst umgehen, aber im Vieraugengespräch dann doch darauf zu sprechen kommen, dass es ein Elend sei mit diesem Mann, und am meisten für ihn selbst. Sie schauen nicht zu ihm auf, sondern auf ihn herab, und er tut ihnen leid: Weil er nicht mitbringe, was ein solches Amt verlangt.
Nun möchte ich nicht behaupten, zu den höhergestellten Katholiken im Bistum Limburg zu gehören, möchte aber trotzdem ein paar Worte dazu sagen. Die FAZ hat vollkommen recht, es ist wirklich ein Elend für den Bischof momentan. Ständig bekommt er einen drauf. Dabei soll er hier gar nicht glorifiziert werden. Natürlich macht er Fehler. Die mach ich aber auch. Wenn ich allein an die Fehler denke, die ich in der letzten Woche gemacht habe .... Dann seh ich keinen Grund, auf den Bischof herab zu schauen oder zu meinen, er können seinen Job nicht. Natürlich sind seine Fehler viel schwieriger, einfach wegen der Position, die er innehat. Aber überlegen wir mal, welche er gemacht hat, dann fallen einem gar nicht mal so viele ein. Ob das Haus St. Nikolaus jetzt Kois, Karpfen oder Seeallgen hat, ist mir doch Wurscht. Mit dem Spiegel hat er natürlich grandios danebengegriffen. Aber da steht die genaue Entscheidung drüber auch noch aus. Ihm aber zu unterstellen, er könne es einfach nicht, würd ich nie. Bin aber auch kein höhergestellter Katholik.
Schon wie er seine Wohnung als junger Weihbischof in Münster ausstattete, hat ihr dort bis heute den Namen „Kronprinzenpalais“ eingetragen. In Limburg wird derselbe Habitus als „fürstbischöflich“ apostrophiert - er passt nicht zu einem so kleinen Bistum und wohl auch nicht in die Zeit.
Fürstbischöflich ist durchaus ein Wort, mit dem Mann den Bischof beschreiben kann. Er hat durchaus was Feudales. Aber warum soll das nicht in ein kleines Bistum passen, es gibt doch auch kleine Feudalherren? Und eine Zeit, in der stundenlange Sondersendungen über irgendwelche englischen Prinzen laufen und in der man Fussballern und B-Promis hinterherrennt wie Halbgöttern, da soll man mal nicht so egalitär tun. Natürlich folgen wir alle Führungsfiguren, zumindest die meisten. Eine gewisse feudale Note in einem Charakter, der immerhin als Bischof ein Kirchenfürst ist, darf also durchaus sein, wenn die Mischung stimmt. Und viele Menschen, die ihn persönlich kennen, sehen das zumindest nicht als Manko im persönlichen Umgang.
Etwa bei der Limburger Kreuzesfeier 2009, während die Priester des Domkapitels vor der Reliquie des Kreuzes Christi knieten. Der Bischof trat an den Ambo und verkündete unversehens die Entlassung des Generalvikars Geis und die Bestallung des Nachfolgers Kaspar. So wurde die Personalnachricht von den Beteiligten und Betroffenen kniend entgegengenommen; der Bischof hatte eine Ergebenheitsgeste vor Gott in einen Akt persönlicher Unterwerfung verwandelt.
Interessante Interpretation. Also ich war damals dabei, und ich habe weder das Gefühl gehabt, mich dem Bischof persönlich zu unterwerfen, noch fühlte ich meine Andacht aus den Angeln gerissen. Und ich kann mich auch nicht erinnern, bei den Teilnehmern tiefes Entsetzten über diesen Schritt zu sehen. Man nahm es halt zur Kenntnis, wie man Verlautbarungen in Gemeinden halt zur Kenntnis nimmt. Denn die Nachricht wurde nicht etwa während der Kreuzfeier selber verkündet, sodass der Bischof in die allgemeine Anbetung reingebrettert wäre, sondern nach dem Segen. Also war schon halb Schluss, so wie Gemeindenachrichten halt auch vor der Messe - halb angefangen - oder danach - halb vorbei - angekündigt werden.
Es war ein Samstag im November. Joachim Kardinal Meisner war zur Weihe der neuen Bischofskapelle aus Köln angereist, einige ausgewählte Gäste waren geladen. Das Ganze sollte im Geheimen vonstattengehen, die Messdiener waren nachdrücklich vergattert worden. Die kleineren Domsingknaben jedoch hatten das Ereignis in Limburg dann doch schnell herumgezwitschert.
Zufällig traf ich mich am gleichen Abend, kurz nach der Weihe, mit ein paar Leuten im kirchlichen Dienst. Von Geheimhaltung hab ich da original gar nichts gemerkt. Frank und frei wurde da über die Weihe gesprochen. Von geheimen dunkelkatholischen Kulten war da nichts zu vernehmen, höchstens von einer etwas suboptimalen Planung. Und von blutrünstigen Hunden hab ich da auch nichts gehört.

Mittwoch, 7. August 2013

Tebartz-van Elst: Tacheles an die Diözesanen

Es gibt so Momente, da muss ich mich einfach mal ganz unfair aufregen. Dafür gibt es das Label Tacheles, und das hier ist ein Tacheles-Post. Wer also einen differenzierten Post lesen möchte, der hört hier am besten auf.

Also die Sache mit Bischof Tebartz-van Elst, dem FAZ-Artikel und seinen treuen Diözesanen:

Auf der Bistumsseite schweigt man den Artikel ja geflissentlich tot. Was natürlich niemanden interessiert und wer den Text selber noch nicht gelesen haben sollte, der erfährt als Limburger Katholik natürlich über die sozialen Medien, was los ist.

Dort scheint mir jedoch folgende Stimmung vor allem vorzuherrschen: Och komm, er liegt schon am Boden, treten wir nochmal bisschen drauf. So las ich neulich eine Facebook-Kommentarreihe, die sich damit beschäftigte, dass das BO die FAZ abbestellt hat. Muss man nicht gut finden, tue ich auch nicht. Würde mir einen offensiveren Umgang wünschen. Was liest man (zwecks Anonymität paraphrasiert): Man werde sein Abo nicht kündigen, wann dürfe denn das ZDF noch ausstrahlen, Armutszeugnis für alle, Kamphaus soll zurückkommen, aber nicht in den Palais, Kleingeisterei etc.

Ist das hilfreich? Nein!

Oder: heute unterhielt ich mit einer Freundin, die immerhin Theologie studiert und auch mit vielen Priestern und anderen hohen Herren zu tun hat (mehr als ich), die diesen Artikel doch irgendwie neutral-sachlich fand - ich weiss nicht ob wir wirklich den Gleichen gelesen haben - und die auch nicht wirklich der Meinung war, jetzt mal ordentlich pro-Bischof ausrücken zu müssen.

Mir scheint, das die meisten Diözesanen, auch oder gerade diejenigen, die eng mit der Kirche verbunden sind, sich schon mal innerlich auf einen neuen Bischof einstellen oder aber ihre eigene Großartigkeit gegenüber dem Bischof und dem BO pflegen. Oder beides.

Man könnte ja auch sagen: Natürlich hat der Bischof viel falsch gemacht - sei gar nicht in Abrede gestellt - aber wer bin ich, dass ich über ihn richte. Reden wir aber mal über die Erfolge und die positiven Signale und zeigen wir den lahmen Pressestellenhengsten mal, wie eine Pro-Tebartz-Kampagne aussieht.
Aber nein, kritisieren ist doch viel schöner. Wie hat neulich ein Pater zu mir im Beichtstuhl gesagt: Wenn man über andere redet, ist das entspannend, denn man lenkt von sich selber ab.

Also mal ehrlich: Wer solche Diözesanen hat, der braucht fast keine Feinde mehr.

Franziskus am Mittwoch

Bildquelle hier.

Dienstag, 6. August 2013

Arme und Sünder, Franziskus und Schüller


Armut und Sünde haben viel gemeinsam.

Zum einen sind sie für diejenigen Leute, die in diesem Zustand leben, ein Problem.
Die meisten Menschen halten Armut nicht für erstrebenswert und selbst diejenigen, die das etwas anders sehen, meinen die freiwillige Armut. Unfreiwillige Armut aber ist ein Problem, das wird jeder so sehen.
Das gleiche gilt für die Sünde, nur das sie doppelt schlimm ist, wenn sie freiwillig geschieht. Unfreiwillige Sünde ist es, wenn ich unter einem psychologischen Zwang, Abhängigkeiten, Verwicklungen etc. stehe. Das mildert das Maß der Sünde. Freiwillige Sünde, die ich bewusst begehe, ist hingegen dramatisch und, wenn sie eine schwere Materie betrifft, eine Todsünde. In beiden Fällen ist Sünde aber für die Sünder ein Problem, auch darin werden mir sicher alle zustimmen.

Zum anderen sind jedoch beide nicht nur ein Schwierigkeit für die Träger, sondern auch für die Gemeinschaften, in der diese leben.
Armut ist für die Gesellschaft ein Problem. Wenn es zuviel Armut gibt, hinkt die Wirtschaft, moralische und ethische Normen verlieren an Bedeutung, es kommt zu sozialen Spannungen und im schlimmsten Fall zu Aufständen, Revolten etc.
Auch die Sünde ist für die Gemeinschaft problematisch, in der die Sünder leben, im konkreten Fall die Kirche. Je mehr Sünder es gibt und je mehr sie sündigen, umso schwieriger wird es, den Laden zusammenzuhalten und den Menschen die frohe Botschaft glaubhaft zu verkünden. Denken wir nur an Nietzsche und sein Wort, er würde ja an Gott glauben, wenn die Christen nur erlöster aussehen würden.

Aufgrund der Gemeinsamkeiten sind auch die Wege des Umgangs mit ihnen, vom Prinzip her, ähnlich. Im Wesentlichen gibt es zwei: Ignorieren und Aufheben.

Ignorieren heisst dabei nicht nur, etwas einfach nicht Kenntnis zu nehmen, sondern versuchen, es zu relativieren und dialektisch aufzulösen. Ein beliebtes Argument gegen Armut in der westlichen Industriegesellschaft ist die Aussage, es gebe hier ja gar keine unfreiwilligen Armen im eigentlichen Sinne, denn hier könne ja jeder sein Dach über dem Kopf und seine Mahlzeit haben, dafür Sorge der Staat ja. Armut wird also definiert als existentielle Not, die das physischen Überleben des Menschen durch Verhungern, Erfrieren etc. bedroht. Und diese Not gibt es in der Tat in den westlichen Industriegesellschaften so gut wie nicht mehr.
Ein ähnliches Argument gibt es für die Sünde. Demnach ist Sünde hochgradig relativ, Todsünde schon gar und hängt davon ab, wie der Mensch, der sie begeht, drauf ist, welche Absicht er hat etc. Das sind zutreffenderweise Punkte, die Sünde abmildern können, jedoch wird hier das ganze, wie bei der Armut, weitergesponnen, indem jemand sogar nicht sündigt, auch wenn er etwas objektiv schlechtes tut, wenn er nicht meint, es sei etwas schlechtes. Ein schönes Beispiel ist Ehebruch. Ein Ehebrecher sündigt, wenn er doch nur seinen Spass haben will und er mit der Situation glücklich ist, solange die Handlung nicht gegen seine Ehefrau gerichtet ist und er sie weiter gut leiden kann.

Die andere Möglichkeit des Umgangs ist, aktiv gegen das Problem vorzugehen.
Gegen Armut vorzugehen heisst optimalerweise, die Armut aufzuheben, also den Armen auf ein finanzielles Niveau zu heben, dass er nicht mehr arm ist. Je nach Umgebungssituation ist es möglich, mittels staatlicher oder caritativer Leistungen Armut abzuschaffen, indem man einem Menschen, der aus eigener Kraft zu wenig erwirtschaftet, soviele Mittel ergänzt, wie er braucht, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Die andere Möglichkeit, Armut aufzuheben, ist einen Menschen mit einer Arbeit zu versehen, mit der er aus eigener Kraft die Armut überwinden kann.
Vom Grundsatz her ist es bei Sünden ähnlich. Nur das es den zweiten Fall nicht gibt. Denn der Mensch ist nicht in der Lage, aus sich selbst heraus seine Sünden zu überwinden, er bedarf immer des Geschenkes, der Gnade, um aus dem Kreislauf seiner Sünden herauszukommen, damit seine Sünden ihm vergeben werden. Wesentlich für die Wirksamkeit dieser Vergebung ist aber die Umkehr, also die Erkenntnis der eigenen Sünden. Hierzu ist es mitunter nötig, die Sünden beim Namen zu nennen und auf die Gnade Gottes sowie die Sakramente als Instrumente des Heiles aufmerksam zu machen.

Auf diese Gedanken kam ich, als ich neulich einen Post las, indem Papst Franziskus und Helmut Schüller miteinander verglichen wurden. Beiden, so die Mitbloggerin, ginge es um das gleiche Anliegen, beide gingen dafür an die Ränder. Zwar möchte ich Pfarrer Schüller nicht absprechen, das gleiche Fernziel wie Papst Franziskus zu haben und über die Ränder kann man sicherlich streiten. Was aber beide fundamental unterscheidet ist die Frage, wie man mit den beiden Problemen, Armut und Sünde, umgeht. Für Papst Franziskus, der sich die Armen besonders zur Aufgabe gemacht hat, haben Armut und Sünde viel gemeinsam. So wie er die Armut anprangert, so prangert er die Sünde an. So wie er für die Armen da sein will, so will er es für die Sünder. Der Hl. Vater liebt die Armen und die Sünder und will daher, dass sie aus ihrer negativen Situation befreit werden. Daran mitzuwirken ruft er uns alle auf. Helmut Schüller geht ganz anders vor. Er äußert sich wenig zu Armut, sie ist ja auch nicht sein Hauptthema. Aber er hat auch ein ganz anderes Verhältnis zu Sünde. Wer seinen Blog auch nur kursorisch liest (zu finden hier) wird vieles finden, jedoch nicht Sünde als Problem des Einzelnen. Zwar spricht er sehr viel von Verfehlungen, dann sind damit ausschließlich die Verfehlungen der Kirche, vulgo der Amtskirche, gemeint. Alles Unglück scheint Schüller von diesem Ort zu kommen, während die Menschen sonst gut sind. Auf Fragen, wie man mit Homosexuellen, Wiederverheirateten Geschiedenen und anderen Personen, die von Sünde massiv betroffen sind, umgehen soll, scheint Schüllers Antwort immer die gleiche zu sein: Die Sünden der anderen ignorieren, ganz konzentriert auf die Sünden der Kirche gucken. Dann wird alles gut.

Ist das die gleiche Methode wie Franziskus? Offensichtlich nicht. Auch Papst Franziskus spricht über die Probleme der Amtskirche. Aber für ihn sind das vor allem Menschen, der einzelne, der sich ändern muss, aufgerüttelt werden muss aus dem Tran der Selbstgerechtigkeit, dem Ignorieren von Problemen. Für Schüller scheint das lediglich System vergiftet und durch die Veränderung des Systems könne auch das Problem der Sünder gelöst werden.

Vergleicht man Schüller und Franziskus miteinander, dann treffen zwei Personen aufeinander, die eine grundverschiedene Auffassung von Problemen und Lösungen haben. Papst Franziskus will die die Sünder am geistlichen Reichtum der Kirche beteiligen und ruft daher alle, Sünder und Heilige, zur Mitarbeit auf. Schüller will nur die Macht an möglichst viele Sünder verteilen, in der Hoffnung, das dadurch das System besser wird. Auf die Armut gewendet nennt man das erste Wohlstand für alle, das zweite Sozialismus.

Und alle: Oooooh ...


Die Geschichte zum Bild gibt's hier.

Montag, 5. August 2013

Kongress Freude am Glauben

Diesen Jahres werde ich am Kongress "Freude am Glauben" in Augsburg teilnehmen, sodass hier vom 30.08. zum 01.09. nix läuft.

Wenn ich mich rechtens erinnere, gab es schon beim letzten Kongress die Frage, ob währenddessen die anwesenden Blogger ein inoffizielles Treffen abhalten oder nicht.

Da ich diesmal betroffen bin wollte ich mal in den Raum fragen, ob diesbezüglich was geplant ist?

Tebartz-van Elst. Einfach unfähig?

Auch die FAZ nimmt sich jetzt des Problems Bischof Tebartz-van Elst an und posaunt das Thema ins Sommerloch hinein, zu lesen hier.

Dabei versucht sie - wohlgemerkt versucht sie es nur - so zu tun, als ginge es ihr nicht nur um Polemik, sondern als wollte sie auch die Leute sachlich informieren. Deswegen setzt sie erst gar nicht Daniel Deckers hinter eine Tastatur, da weiss ja jeder gleich, was Sache ist.

Was die FAZ liefert ist denn auch wirklich ein Bravour-Stück an feinfühliger Einflussnahme. Stück für Stück füttert sie den Leser mit Informationen, das meiste bekannt, so manches aber nur den Insidern.

Daneben mischt sie persönliche Erfahrungen von Redaktionsmitarbeitern ein, die mit Personal im Kontext der Baustelle, na sagen wir mal, so ihre Erlebnisse hatten. Unmöglich nachzuprüfen, wie viel hier Fakt ist und wie viel hier persönlich stark gefärbter Eindruck.

Sie zeichnet dabei ein Bild eines Mannes, den man nur mit einem Wort beschreiben kann: Überfordert. Der Bischof kann es schlicht nicht, so die Aussage der FAZ. Der Bischof kann sein Personal nicht richtig auswählen, der Bischof kann nicht richtig mit den Medien kommunizieren, der Bischof kann die Menschen nicht verstehen, der Bischof kann nicht von seiner Prunklust lassen, der Bischof kann nicht über seinen Schatten springen, der Bischof kann sich nicht beraten lassen etc.

Die FAZ fährt damit eine Schiene, die viel gefährlicher ist, als die des Spiegel. Der Spiegel wirft dem Bischof alles mögliche vor, nur Unfähigkeit nicht. Das aber ist das einzige, was einem Bischof gefährlich werden kann. Wenn die Leute meinen, er kann es nicht. Ein Bischof, der ein Sünder ist, den können die Menschen wohl ertragen, sie sind es ja selbst. Doch vor nichts hat der Deutsche mehr Angst, sowenig Respekt, wie vor einem Mann, der seinen Job nicht machen kann.

Sonntag, 4. August 2013

Pius XII. endlich heilig?

Nach CNA-Angaben denkt Papst Franziskus über die Möglichkeit nach, Pius XII. ohne Seligsprechung und ohne Wunder direkt heilig zu sprechen. Damit würde er seinem Vorgehen beim Sl. Johannes XXIII. folgen.

Artikel hier.
kathnet berichtet hier.

Pius XII. Ein echter Griesgram

Samstag, 3. August 2013

Himmel oder Hölle - auf Erden

In diesem Leben gibt es kein Fegefeuer (Zwischenzustand). Entweder ist es Hölle oder Paradies. Denn für den, der Gott wahrhaftig dient, führt jede Schwierigkeit und jede Schwäche in Tröstungen und durch alle Arten von Schwierigkeiten hat er das Paradies in sich selbst auch in dieser Welt. Der aber, der Gott nicht wahrhaftig dient und sich der Sinnlichkeit überläßt, der hat eine Hölle in dieser Welt und eine in der anderen.

Philipp Neri

Samstäglicher Newsticker

Rio/Frankfurt: Die FIZ (Freie Intelligente Zeitung) zieht ein gemischtes Fazit des Weltjugendtages. Dieser sei nicht annährend so erfolgreich gewesen, wie die Kirche gehofft hatte eingedenk des Umstandes, dass ein südamerikanischer Papst nach Südamerika kam. "Zu Beginn der Veranstaltung waren es nur ein paar Tausend, die an den Veranstaltungen teilnahmen, wenngleich sich die Zahlen im Laufe der Zeit verbesserten. Die Zahl der Teilnehmer überschritt aber die Halbe Millionen Grenze nicht."

Berlin: Die Gemeinschaft Homosexuelle Katholik_Innen" freut sich über die Worte von Papst Franziskus. Endlich habe ihnen ein Papst wirksam die Absolution erteilt, erklärte ihr Sprecher Mark DeRosa. Morgen werde man geschlossen mit dem Partner zur Kommunion gehen und sich dann Trauen lassen. Das Erzbistum Berlin war für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Irgendwo auf der Donau: Erzpäpstin Maria II. begrüßte den Vorstoß von Papst Franziskus für das Frauenpriestertum: "Wir laden Franziskus ein, zur wahren Kirche der Christ_innenheit überzutreten. Wir freuen uns, ihn schon bald in unseren Reihen begrüßen zu dürfen. Erzpäpstin Maria II. bietet an, ihn als Bischof von Rom unter ihrer Jurisdiktion neu zu weihen."

Wien: Die Österreichische Priesterinitiative freut sich über die Maßregelung der Franziskaner der Immaculata: "Endlich gebietet Rom dem offenen Ungehorsam einer Gemeinschaft gegen den Geist des Zweiten Vatikanums einhalt."

Freitag, 2. August 2013

Wo steht diese Kirche?


Auflösung:
Es handelt sich um die Antoniusbasilika in Padua.

Anzeichen für die Demut

Die Anzeichen für die Demut aber bestehen darin, daß man, obwohl man jegliche leibliche und seelische Tugend besitzt, der Meinung ist, man schulde Gott (nur) umso mehr, da man aus Gnade viel erhalten hat und doch unwürdig ist. Und wenn eine Versuchung von Seiten der Dämonen oder der Menschen an einen herantritt, hält man sich solcher Dinge und anderer mehr für würdig, damit auch nur ein kleiner Teil der Schuld weggenommen werde und man beim Gericht Erleichterung erfahre in den zu erwartenden Strafen. Und wenn man solches nicht erleidet, härmt man sich sehr ab und strengt sich an, da man etwas finden will, um sich selbst Gewalt anzutun. Erlangt man aber so etwas, nimmt man es hinwiederum als ein Geschenk aus den Händen Gottes entgegen; und darum verdemütigt man sich und, da man nichts zu finden vermag, was man seinem Wohltäter vergelten könnte, bleibt man stets tätig und hält sich nur noch mehr für einen Schuldner.
Petros von Damaskos: Erstes Buch unseres heiligen und Gott-tragenden Vaters Petros von Damaskos des heiligen Märtyrers, aus: Philokalie III, S. 142.                                         

Donnerstag, 1. August 2013

Das Kopernikanische Weltbild

Fortsetzung von hier.

Nun könnte man meinen, dem teleologischen Anthropischen Prinzip ist mit dem Kopernikanischen Weltbild ein naturwissenschaftliches und damit neutrales Weltbild gegenübergestellt. Das dem nicht so ist, soll im folgenden beschrieben werden. Das Kopernikanische Prinzip wurde 1973 auf einer Tagung zu Ehren des Kopernikus (eines Preußischen Domherren) formuliert. Nach diesem Prinzip besitzt der Mensch keine ausgezeichnete, spezielle, sondern nur eine typisch durchschnittliche Stellung im Kosmos, kosmische Mittelmäßigkeit, sozusagen.

Das führt zu zwei Folgerungen.
Die erste ist eine psychologische, die gerade die Wissenschaftler betreffen, aber auch uns normale Menschen. Jaques Monod (1910-1976) hat bereits vor der Formulierung des Kopernikanischen Weltbildes in dessen Sinne gemeint: "Wir sind Zigeuner am Rande eines Universums, das taub ist für unsere Musik, unempfindlich für unsere Hoffnungen, Leiden und Verbrechen." Den kopernikansichen Schock, den dieses Weltbild mit sich bringt, hat die Menschheit nie wirklich verkraftet, wie Peter Sloterdijk schreibt und ich meine, kein Mensch hat den Schock, so zu denken, wirklich jemals verkraftet.

Die zweite Folgerung behandelt die Frage, wie man physikalisch die enorme Unwahrscheinlichkeit dieses Phänomens unseres Universums erklären will. Die Antwort ist einfach: Gar nicht. Physikalisch ist das nicht zu erklären. Das wissen die Verfechter dieser These auch und geben zu, keine Ahnung zu haben. Im besten Fall. Oder sie weichen auf die These der Multiversen aus. Nach dieser These gibt es unendlich viele unterschiedliche Universen und in jedem dieser Universen haben die Konstanten andere Werte. Aber nur in unserer Welt sind die Werte so vorhanden, dass sich komplexe Materie bilden kann, die wiederum Leben ermöglicht, das sich zu Menschen entwickelt, die über das Problem nachdenken können. Schlaue Menschen haben ausgerechnet, das man für dieses Modell ca. 10 Hoch 500 Paralleluniversen brauchen würde.

Das klingt doch alles durchaus sehr naturwissenschaftlich. Ist es aber nicht!
Denn die Multiversenthese verletzt das Grundlegende Prinzip der Naturwissenschaft: Sie lässt sich nicht Verifzieren oder Falsifizieren, nicht experimentell nachweisen oder sonst irgendetwas. Denn die Naturwissenschaft kann über den Horizont des Beobachtbaren Universums nicht hinausgreifen. Alles was jenseits des Universums ist, ist daher auch nicht mehr Gegenstand dieser Wissenschaft. Ob ich etwas, was hinter der Grenze ist, Gott oder Multiversen nenne, ist für einen Naturwissenschaftler vollkommen egal. Es ist nicht Teil seines Beschäftigungsgebietes. Die Multiversenthese hat also nix mit Naturwissenschaft zu tun, sondern ist eine Lückenthese, die allein Sache des Glaubens ist. Religion, Weltanschauung oder Weltbild also.

Der Physik-Nobelpreisträger Brian Schmidt meinte entsprechend: "Ich weigere mich, auf naturwissenschaftlichem Gebiet Vermutungen über Dinge anzustellen, die ich nicht nachprüfen kann. In dieser Hinsicht sehe ich mich als einen militanten Agnostiker. Ich spekuliere nicht."

Heilige dich selbst

Heilige dich selbst und du wirst die Gesellschaft heiligen.

Franz von Assisi
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