Donnerstag, 25. Juli 2013

Bescheidenheit und Demut sind nicht das Gleiche!

Papst Franziskus: bescheiden und demütig
Bescheidenheit und Demut sind seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus wieder groß in Kommen. Kirchenvertreter müssten bescheiden und demütig sein, schallt es aus allen Ecken der Kirche entgegen und dabei wird mit großer Geste auf den Papst gezeigt, der doch auch bescheiden und demütig sei.

Interessanterweise scheint sich dieses Begriffspaar jedoch in der allgemeinen Darstellung nicht zu ergänzen, also man solle bescheiden UND demütig sein, sondern funktioniert eher im Sinne eines Kausalzusammenhangs, also jemand ist demütig WEIL er Bescheidenheit zeigt. Demnach wäre Bescheidenheit ein Anzeichen von Demut. Genauer gesagt wird es sogar das Hauptanzeichen von Demut  gehalten, ja geradezu als untrügliches Zeichen: Wer bescheiden ist, der ist auch demütig.

Daran habe ich aber meine starken Zweifel.
Der Duden kennt denn auch diese direkte Verbindung nicht. Demut wird nicht als Synonym von Bescheidenheit ausgespuckt. Er nennt vielmehrt Wörter wie Anspruchslosigkeit, Bedürfnislosigkeit, Einfachheit, Genügsamkeit, Selbstbescheidung, Unaufdringlichkeit, zurückhaltende Art, Zurückhaltung. Bei Demut nennt er hingegen als Synonyme: Ergebenheit, Hingabe, Opferbereitschaft. Nach der deutschen Sprachbibel scheinen die Begriffe also wenig bis gar nichts miteinander zu tun zu haben.

Meine Mutter fragte mich einmal, was denn ein Kennzeichen von Demut wäre. Ich (klug, herrlich und weise) meinte darauf: Das man sie nicht sieht. Und das stimmt ja auch. Der Demütige hat original überhaupt gar kein Interesse daran, das man seine Demut bemerkt. Im Gegenteil bemüht er sich sogar, dass sie nicht auffällt. Es gibt zahlreicher Erzählungen der Wüstenväter, wo ein Altvater, der eigentlich keinen Wein trinkt, es doch tut, weil er bei anderen zu Gast ist und sie ihm welchen anbieten und sich selbst auch einen einschenken. Auch gibt es den Rat eines Wüstenvaters, man möge, wenn man zu einer Gemeinschaft stoße, nur das tun, was die anderen auch machen, nicht mehr und schon gar nicht öffentlich, damit man nicht berühmt werde und sich selbst überhebe. Oder der Wüstenvater Pambo, der jahrelang im Gebet bat, es möge ihn doch bitte niemand bemerken.

Merkt ihr was?
Das klingt doch sehr nach Zurückhaltung und Unaufdringlichkeit, die Synonyme für Bescheidenheit sind. Ist das also vielleicht doch das gleiche? Immer noch nein. Betrachten wir nochmal die Synonyme, dann fällt auf, dass Bescheidenheit für den Duden eher passiv ist, aus Verzicht besteht, aus weniger machen oder haben als. Demut hingegen wird als etwas aktives verstanden, gerade Hingabe drückt das aus. Es ist demnach eine Frage des Zieles. Demut ist aktiv auf etwas ausgerichtet, Demut kann nur auf ein Ziel hin gelebt werden, nämlich auf den Größeren hin, von dem man sich beschenkt weiss, dem man dankbar ist und mit Hingabe antwortet. Bescheidenheit hingegen kann auch mit einer Egal-Einstellung zusammenhängen oder mit der Angst, irgendwie negativ aufzufallen.

Bezeichnenderweise bricht hier jedoch die Dudendefínition mit der medialen Definition. Denn die Medien definieren Bescheidenheit als etwas aktives, etwas sichtbares. Der Papst ist ja soooo demütig, er verneigt sich, fährt mit dem Bus etc. Der Pfarrer ist ja soooo demütig, er trägt ja keine Soutane, sondern läuft rum wie jedermann. Bescheidenheit ist also gerade mit Sichtbarkeit, mit Aktivität verbunden. Diese muss aber gar nicht auf ein höheres Ziel hingerichtet sein, sondern kann auch Selbstgenügsamkeit bedeuten. Als Erzbischof kann Kardinal Bergolio sowohl aus pastoralen Gründen in einer Wohnung gelebt haben - damit er die Nöte der Menschen besser nachvollziehen und keinen Wall zwischen sich und ihnen hat, was bei seinen Ausführungen als Papst nahe liegt - oder weil er einfach keinen Sinn für einen Bischofspalast hat und eine normale Wohnung mit ihrer vergleichsweisen Ruhe dem Gewusel eines Minihofes vorzieht. Nicht selten verziehen sich die Herrscher in Palästen in eine Art Klause, wo sie für sich sein wollen und Abstand zu ihrem Hof suchen.

Bescheidenheit kann sogar ein Zeichen für Hochmut sein, wenn man nämlich zeigen will, wie bescheiden, genügsam etc. man ist: Seht mich an, ich brauche nichts, außer eurer Aufmerksamkeit. Und Wilhelm Busch dichtet: Bescheidenheit ist eine Zier. Bescheidenheit ist also auch, in den richtigen Kreisen natürlich, eine Zierde, eine Auszeichnung, die man sich an die Brust wie einen Orden heftet. Und damit das Gegenteil von Demut.

Bescheidenheit und Demut, ruft die Welt der Kirche zu und schreit damit nicht mal nach dem Falschen. Doch hält sie jede Bescheidenheit auch gleich für Demut und bleibt damit oberflächlich. Denn Bescheidenheit kann auf Demut hinweisen, ist ein möglicher Hinweis dafür. Ist sie jedoch nicht der einzige Hinweis. Und wird sie überdeutlich zur Schau gestellt, weist sie auf das genaue Gegenteil hin. Dort hingegen, wo Bescheidenheit nicht auffällt, wo sie nicht ins grelle Licht der Scheinwerfer gerückt wird, da scheint sie wirklich ein guter Hinweis auf Demut zu sein. Bescheidenheit ist also die Bereitschaft, mit weniger auszukommen; Demut ist die Haltung, dass auch dieses Wenige als Geschenk von einem anderen kommt.

Kommentare :

  1. Also, es tut mir furchtbar leid wenn ich das so sagen muss, aber mir geht diese Bescheidenheits/Demuts oder wie auch immer-Agenda von Franziskus mittlerweile furchtbar auf die Nerven.

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    1. Der Heilige Vater ist wie er ist und er gefällt mir. Ich denke, diese "Bescheidenheits/Demuts oder wie auch immer-Agenda " wird von der Presse hochgespielt als angebliches "Kontrastprogramm" zu B XVI.

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  2. "Der Pfarrer ist ja so demütig, er trägt keine Soutane, sondern läuft rum wie jedermann" - wie oft habe ich den zweiten Teil dieses Zitates schon gehört, nur "demütig"und "Demut", - da finde ich eher, dass es heutzutage kaum jemand noch benutzt, schon gar nicht positiv oder lobend. Demütig ist für viele eigentlich unterwürfig, so nach dem verbreiteten Bild der kath. Kirche, die einem immer daran erinnert, wie
    schuldbeladen und minderwertig man doch ist.
    Über Pfarrer habe ich - lobend - schon eher mal das Wort "bescheiden" gehört. Aha, es ist also bescheiden, wenn man nicht durch die Kleidung als Priester erkennbar ist, sondern ein "normaler Mensch" ist. Damit verbunden ist nur nach meiner Erfahrung, dass man auch sonst jeden Eindruck, man könnte auch außerhalb der Kirchenmauern noch Priester sein, vermeiden will - was oft von vielen gelobt wird: "der Pfarrer ist so bescheiden, er würde nie über Religion mit einem reden, man kann sich mit ihm ganz normal unterhalten."
    Ach so!DAS ist Bescheidenheit bei einem Pfarrer! Dass er Leute ja nicht "missioniert",sich nicht "als etwas Besseres" fühlt, indem er Kollarhemd oder gar Soutane trägt,kurz: dass er "normal" ist.
    Ich glaube mittlerweile: eines der Probleme der Kirche ist: wir haben zu viele ach so "normale" Priester! Die erste und wichtigste Aufgabe des Priesters ist doch nicht der small-talk bei Vereinsfesten oder irgendwelche Beratung in Alltagsfragen. Und schon gar nicht, irgendwelche mainstream-Ansichten von sich zu geben. Die höre ich doch tagtäglich in meinem Umfeld! Dazu brauche ich keinen Priester.
    Einen Priester brauche ich als Vorbild, wie man den Glauben leben kann. Mit einem Priester will ich (auch) über Glaubensfragen reden. Und um mir da etwas sagen zu können, was mir weiterhilft, da darf er vielleicht doch nicht ganz so "normal" sein (oder ist es normal, seine ganze Liebe auf Gott zu konzentrieren, sein ganzes Leben auf Jesus Christus auszurichten?) Wenn das ein Priester tut, dann kann er seine "Nicht-Normalität" gerne auch durch die entsprechende Kleidung ausdrücken, ich habe nichts dagegen. Das ist dann vielleicht ein wahres Zeichen von Bescheidenheit und Demut (denn für was Besseres wird ein Priester ja heute sowieso nicht mehr gehalten, doch eher im Gegenteil!)

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