Dienstag, 30. Oktober 2012

Bischof Tebartz-van Elst im Interview

Nachdem Bischof Tebartz-van Elst aus Rom zurückgekehrt ist, hat er kath.net ein umfangreiches Interview über seine Eindrücke und die Theman der Bischofskonferenz gegeben. Im Folgenden einige meiner liebsten Auszüge, das ganze Interview hier.
"Heute haben wir es eher mit der Besorgnis darüber zu tun, wie der Glaube im inhaltlichen Bewusstsein verdunstet ist. Es ist erkennbar, wie notwendig es für die Glaubensidentität in einer bisweilen nachchristlichen Gesellschaft ist, dass einzelne Christen in der Lage sind zu sagen, wo ihnen das inhaltliche Bekenntnis unseres Glaubens zur persönlichen Erfahrung geworden ist. Vorrangig ist heute, die Auskunftsfähigkeit im Glauben zu erlernen und bezeugen zu können, wo der Glaube einen selbst getragen hat. In diesem Sinne werden dann auch diejenigen, die auskunftsfähig sind, zu Orientierung für Suchende. Hinsichtlich des großen Themas der vergangenen Synode – Neuevangelisierung – ist deutlich geworden: Neuevangelisierung hat dann eine Chance, wenn diejenigen, die den Glauben weitergeben wollen, selbst evangelisiert worden sind, wenn sie die Erfahrung persönlicher Umkehr und des persönlichen neuen Aufbruchs bezeugen und weitergeben können.
Die intensive persönliche Beschäftigung mit dem Wort Gottes ermöglicht es, auch anderen Orientierung zu geben. Deswegen ist für jede katechetische Predigt die Betrachtung eine Grundvoraussetzung. Wo ich selbst immer aus dem Gebet komme, kann ich von Gott her weitergeben, was durch den Dienst – in diesem Fall den bischöflichen Dienst – von Gott auch weitergegeben werden soll.
Papst Benedikt XVI. hat in diesem Zusammenhang von der „Ökologie des Menschen“ gesprochen: zu sehen, was ihm gut tut an Seele und Leib. In diesem Sinne braucht es eine Vernunft, die um den Menschen weiß, wie er als von Gott Geschaffener ist. Neben der vielfältigen wissenschaftlichen Reflektion über den Menschen braucht es auch die Wachsamkeit und Offenheit für das, was seine Seele ausmacht.
Es ist in allen Veränderungen unserer Zeit notwendig, den Blick mehr auf das richten, was aufbricht, wo etwas – auch wenn es noch kleine Pflänzchen sind – zu wachsen beginnt. Das hat mit Morgenröte, mit Zukunft zu tun. Der frühere Kardinal von Paris, Jean-Marie Lustiger, hat gesagt: „Das Christentum hat seine große Zeit noch vor sich.“ Der Blick auf die frühe Kirche der ersten Jahrhunderte zeigt deutlich, wie sehr die Entschiedenheit im Glauben die Christen in einer gänzlich anders gearteten Gesellschaft zu Orientierungspunkten und „Leuchttürmen“ gemacht hat.
In diesem Sinne gibt es in einer säkularisierten Welt eine große Orientierungssuche. In dieser Situation stehen Christen als Verweis auf den Weg mit Gott. Wo Gott vorkommt, steigt auch die Würde und der Wert des Menschen. Gott im Blick zu behalten ist so ein elementarer Dienst am Leben der Menschen.
Die Kirche in unserer Zeit braucht unbedingt die eucharistische Anbetung, bei der sie ganz beim Herrn ist. Je mehr sie dort ist, desto näher ist sie auch bei den Menschen: Das ist die Hinwendung in Nächstenliebe an den Menschen aus dem Geist des Evangeliums. Beides lässt sich nicht voneinander trennen. Es bedarf dieses Bewusstseins, damit es nicht zu gefährlichen Entwicklungen kommt, bei denen das eine gegen das andere ausgespielt wird. Es ist katholisch, dies gemeinsam zu sehen. Dass die Liebe zu Gott sich in der Liebe unter den Menschen widerspiegelt, macht das Zeugnis der katholischen Kirche an vielen Orten der Welt so kraftvoll.
Es müsste noch viel mehr Anstrengung geben, den großen Reichtum des Konzils weiterzugeben. Dazu gehört auch, die Beschlüsse und Konstitutionen in der Gänze zu lesen und dann umzusetzen. Es kommt zu Problemen, wenn man „steinbruchartig“ an das Konzil herangeht und herausbricht, was passt und das andere nicht liest. Benedikt XVI. hat nachdrücklich darauf verwiesen, dass das Konzil eine Erneuerung in der Kontinuität wollte. Es wird noch einige Zeit beanspruchen, diese Kontinuität der Erneuerung immer mehr zu rezipieren und zu verstehen, um im Sinne des Konzils weiterzukommen.
Mir ist die Liturgie sehr wichtig. ... Die Liturgie hat von Anfang an in der Kirche eine enorme katechetische Kraft. In diesem Sinne bin ich immer dafür eingetreten, ihre mystagogische Kraft stärker zu beleben."

Aus der Geschichte lernen?

Der Herr Alipius hat gestern eine Zeitungsüberschrift von 1963 gepostet, die den Priestermangel in der Diözese Passau ausruft. Dazu passend las ich neulich einen Artikel einer links-liberalen Zeitung, in der diese sich äußerst zufrieden damit zeigt, dass die Zahl der katholischen Theologen und besonders die Zahl der Seminaristen in Deutschland stetig sinkt. Da immer weniger Priester geweiht werden, hofft sie, dass man den Klerikalismus der Kirche aus Mangel an Priestern schon bald loswerden würde. Dann ginge entweder die Kirche unter oder aber sie würde sich für neue Ideen öffnen und endlich bürgerlich-konform werden.

Nun werdet ihr mich fragen, was denn das mit dem Artikel von 1963 zu tun hat?
Eigentlich gar nichts. Denn der Zeitungsartikel ist vom 17. Mai 1873.

Den Untergang der Kirche rief die Frankfurter Zeitung damals aus, weil im Erzbistum Freiburg 1872 "nur" 19 Priester geweiht wurden. Da können wir heute nur von träumen. Allerdings nahm die Zahl der Neugeweihten seit den 80er Jahren in Freiburg auch wieder drastisch zu. Warum? Nach erfolgreicher Ultramontanisierung des Klerus und der Priesterausbildung konnte das Erzbistum Freiburg nach dem Kulturkampf wieder seine steigende Seminaristenzahlen vorweisen. Und wie ich höre, nimmt die Zahl der Seminaristen z.B. im Frankfurter Priesterseminar wieder zu, seit wir unseren neuen Bischof haben. Aber da kann man ja keine Parallelen ziehn, gelle.

Montag, 29. Oktober 2012

Die Kathedrale von Toledo



Teresa von Avila und die Kirche

Teresa über sich selbst:
"Aufgrund der Liebe zum Glauben ... versucht sie immer, sich an das zu halten, was die Kirche lehrt, indem sie diesen und jenen fragt wie eine, die in diesen Glaubenswahrheiten schon eine starke Grundlage hat, so daß selbst alle nur vorstellbaren Offenbarungen ... sie auch nicht in einem Punkt von dem wegbrächten, was die Kirche lehrt."
Quelle: Vida, 25,12; entnommen aus: Sondermann, Maria Antonia: Teresa von Avila begegnen, S. 103.

Samstag, 27. Oktober 2012

Die Macht der Kanzel

"Tausende von Kanzeln sind unser. Tausende Menschen umlagern sie. jeden Sonn- und Festtag werden Tausende von Predigten gehalten. Und wir zeifeln, ob die Predigt eine Macht sei? Wenn sie es nicht wäre, läge die Schuld an uns und an unseren Zweifeln, daran daß wir zweifeln, wo wir nichts sollten als hoffen, beten, arbeiten und wirken, daß wir zaghaft, ohne Mut, ohne Kraft, ohne Freudigkeit predigen. anstatt jeden Sonntag, mit aller Freimütigkeit zu unserem Volk zu reden"
Quelle: Bischof Paul Wilhelm von Keppler: Homiletische Gedanken und Ratschläge, Freiburg 1910, S. 107.

Man darf sich sehr wohl eigene Meinungen bilden

Heiliger Vater, manche werfen der Kirche vor, sie verbiete ihren Gliedern eine eigene Meinung. Stimmt das?

Christus der Herr hat seinen Aposteln und durch sie ihren Nachfolgern die Wahrheit anvertraut, die den Menschen mitzuteilen er auf die Erde kam. Deshalb gehört das Lehramt in seiner Kirche, wie alle wissen, dem Bischof von Rom, seinem Stellvertreter auf Erden, für die Gesamtheit der Gläubigen und den einzelnen Bischöfen für die von diesem Stellvertreter ihrer Hirtensorge anvertrauten Schar der Kirchenmitglieder.

Was aber Fragen angeht, in denen die gottbestellten Lehrer kein Urteil ausgesprochen haben - und dieses Feld ist ausgedehnt und vielgestaltig, ausgenommen das der Glaubens- und Sittenlehre - wird die freie Auseinandersetzung völlig berechtigt sein. Und jeder darf seine eigene Ansicht haben und verteidigen. Doch tragen Sie eine solche Meinung mit geziemender Zurückhaltung vor! Dann wird keiner den anderen einfach deshalb verdammen, weil er nicht seiner Ansicht zustimmt, viel weniger noch seine Treue zur Kirche in Frage stellen.

Quelle: Soziale Summe Pius XII.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Ideele Unterschiede zwischen Kirche und Moderne II

Fortsetzung von hier.
Vielleicht müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass das Christentum und die Moderne das Gleiche wollen. Vielleicht auch von der Vorstellung, dass das Christentum in ein Schema passen muss. Denn es kennt anders als die Moderne zwei Welten, die Diesseitige und die Jenseitige. Es muss daher das Ziel des Christentums sein, die Menschen nicht nur für ein gutes Leben in dieser, sondern auch für ein gutes Leben in der anderen zu wappnen. Der Zentralbegriff des Christentums ist daher nicht wie in der Moderne das gute Leben, sondern die Heiligkeit. Das Christentum will nicht primär den guten oder glücklichen Menschen, es will den heiligen Menschen. Es ist dies nicht etwa ein Widerspruch zur modernen Auffassung, aber es ist eine grundsätzlich andere Perspektive. Der moderne Mensch, soweit er überhaupt an Gott und ein Leben nach dem Tod glaubt, geht von einer diesseitigen Perspektive aus. Ich will hier ein glückliches und erfüllendes Leben führen und in diesem Rahmen die Möglichkeiten für ein Leben im Jenseitigen, optimal im Paradies, schaffen. Der auf die Heiligkeit ausgerichtete Mensch geht den umgekehrten Weg. Er will im Jenseits, im Paradies ein glückliches und wahrhaft erfülltes Leben bei Gott führen und aus seinem Streben das zu tun, das zu erreichen, entsteht ein diese Freuden andeutendes Leben im Hier und Jetzt. Die berühmte Forderung Benedikts XVI., dass Glaube und Vernunft im Menschen zusammen wirken und sich überprüfen müssen, ist in diesem Kontext der Heiligkeit zu sehen. Das Maß der Vernunft ist eben nicht das hier, sondern das dort, nicht der Mensch, sondern Gott. Was wir heute bereits erleben, ist durch diese Größe relativiert, ist nur Wiederschein und ist als solcher auch zu bewerten.
Denn wer den Himmel erlangen will, für den gilt das Schriftwort: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Für den Gläubigen muss daher der Gott des Gewissens und der Gott der Offenbarung, der Christus ist, zusammenfallen. Wer von dem einen abfällt, der verleugnet auch den anderen. Die Autonomie des Gewissens, die Gewissensfreiheit, ist daher für den Glaubenden eingeschränkt. Indem er sich auf Gott einlässt, indem er die liebende Hingabe Gottes annimmt und sie gleichsam erwidert, setzt er sich in eine Beziehung, die ihm Möglichkeiten verschließt, um ihm eine noch größere Option zu öffnen. Wenn ich im Himmel die Freuden der Schau Gottes genießen will, so muss ich auf Erden auf gewisse Genüsse verzichten, wenn diese im Widerspruch zur Botschaft Christi stehen. Auf dieser Kernerkenntnis beruht die Kirche. Die Tatsache, dass sie seit über 2000 Jahren damit funktioniert und mehr noch floriert, dass sie die größte Gemeinschaft der Welt geworden ist obwohl sie auf einem so weltfremden Konzept beruht, muss die Frage aufwerfen, ob sich vielleicht nicht die Kirche, sondern die Moderne irrt, wenn sie das Diktum aufstellt, man könne dem Menschen nichts zumuten, was ihn existentiell einschränkt.
Wir können an dieser Stelle dieser Frage nicht nachgehen, sie würde uns zu weit führen und in allzu spekulative Gewässer. Wir wollen uns am Ende dieses Kapitels darauf beschränken, folgendes festzuhalten: Die verschiedenen Standpunkt von Moderne und Kirche beruhen auf grundlegend verschiedenen Antworten auf die Frage, welche Freiheiten das Gewissen hat und nach welchen Perspektiven, welchen Maßstäben sich das Gewissen zu richten hat. Während die Moderne das autonome Gewissen ausgerufen hat  und dessen Bewertungsgrundlage im guten Leben des Diesseits sieht, erklärt die Kirche die Bindung des Gewissens an die Offenbarung aus dem Endziel der Heiligung des Menschen heraus. Das Gewissen ist darin nicht der alleinige Maßstab meines Handelns, sondern mein praktisches Ausdeutungsorgan der frohen Botschaft. Diese Botschaft aber wird von der Kirche durch die Zeiten tradiert.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Was ist mit eurer Ehre geschehen?

Das erste Männerkloster des Teresianischen Karmels wurde 1568 in Duruelo gegründet. Es bestand zu Anfang lediglich aus zwei Patres: dem später berühmten Johannes vom Kreuz und Antonio de Heredia, der formals Prior des Karmels von Medina del Campo war. Drei Monate nach der Gründung der kleinen Gemeinschaft in ärmlichsten Verhältnissen besuchte die Heilige die beiden überraschend auf einer Reise nach Toledo und fand den ehemaligen Prior beim Kirchputz. Hierüber schrieb sie:
"Was ist das, mein Vater? Was ist mit eurer Ehre geschehen? Er gab mir zur Antwort und brachte darin die große Zufriedenheit zum Ausdruck, die er verspürte: "Ich verfluche die Zeit, in der ich sie hatte."
Quelle: Fundaciones 14,6; entnommen aus: Sondermann, Maria Antonia: Teresa von Avila begegnen, S. 64.

Montag, 22. Oktober 2012

Ideele Unterschiede zwischen Kirche und Moderne I

In seinem empfehlenswerten Post Glauben nach Gutdünken? Teil 1 hat Pro spe salutis von einer anthropolischen Wende gesprochen. Seiner Meinung nach liegt ein Kernproblem der Diskussion um den Katechismus darin, dass hier zwei Perspektiven aufeinanderprallen: Eine anthropologische Perspektive, die den Glauben vom Menschen her denkt und eine theozentrische Perspektive, die den Glauben von Gott her denkt. Ob ich jetzt den geistesgeschichtlichen Abriss in allen Details teile sei einmal dahingestellt, doch seine Analyse der Folgen ist stichhaltig. Daher habe ich mich entschlossen, diesen Aspekt aufzunehmen und  damit meine bisherigen Ausführungen zum Thema Katechismus zu ergänzen. Die vorherigen Posts gibt's hier, da und dort.

Zu diesem Zwecke wollen wir uns zum einen mit der Gewissensfrage auseinandersetzen, also der Frage nach der Bewertung unseres Lebens wie unserer Einzelentscheidungen, zum anderen mit den Zielen des Christen und des modernen Menschen. Hierfür wollen wir mit der Moderne beginnen.

Sie fusst ihrem Kern nach auf der Vorstellung von der Freiheit oder Autonomie des Gewissens. Diese Autonomie kann auf zweierlei Weise verstanden werden: 1. als eine Autonomie gegenüber Dritten, dass also meine Gewissensentscheidungen durch Dritte nicht anfechtbar sind soweit sie sie nicht tangieren und 2. der Autonomie gegenüber der Wahrheit. Beide Verständnisformen hängen eng miteinander zusammen. Denn ich kann meine Autonomie gegenüber Dritten nur dann konsequent herausstellen und mich in diesem Punkt von ihnen unabhängig machen, wenn ich davon ausgehe, dass es kein objektives Prinzip gibt, dass meiner subjektiven Entscheidung zuwiderläuft. Meine Gewissensentscheidung wird in diesem Kontext durch Dritte unhinterfragbar und unanfechtbar und entzieht sich, konsequent gedacht, damit jeglicher Begründungsnotwendigkeit. Volle Autonomie bedeutet, dass meine Gewissensentscheidung richtig ist, weil ich sie getroffen habe, unabhängig, was ein anderer davon denkt, denn es ist ja auch seine autonome Entscheidung, meine abzulehnen. Es handelt sich demnach bei meiner Gewissensentscheidung um einen originär subjektiven Akt. Jedwede vernünftig-objektive Argumentation ist für die Begründung der Entscheidung überhaupt nicht von Belang, weil ich sie nicht begründen muss. Solche Argumentationen dienen also entweder zur Vorbereitung des Prozesses oder zur postumen Vermittlung der Gewissensentscheidung.

Doch ist eine Aussage, die sich nur auf meine eigenen subjektiven Wünsche stützt, natürlich nicht diskursfähig, weil sie sich der Nachprüfbarkeit entzieht. Besonders brisant wird sie dann, wenn ich, was auf die meisten Menschen ja zutrifft, so inkonsequent bin und meine Gewissenentscheidung an eine höhere, objektive Autorität rückkopple. Diese Autorität nennen gläubige Menschen Gott. Dieser Mensch muss nun also seine Entscheidung zu begründen suchen. Hierfür gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: 1. Möglichkeit: weil er mit Gott ein absolutes Prinzip anerkennt, was die schwächere Form der Inkonsequenz ist, und seine Entscheidung gegenüber Dritten damit auf Wahrhaftigkeit überprüfbar ist. 2. Möglichkeit: weil er Gott, der ja für das Ich ein Du ist, begründen muss, warum er dies oder jenes getan hat, wofür er sich einer expressis verbis christlichen Position schon sehr weit angenähert hat. Letzteres kann er auf zwei Weisen zu erreichen trachten. Er versucht es entweder objektiv zu begründen, indem er auf Folgen seines Handelns oder ähnliches verweist oder er erklärt es, was zutreffender und ehrlicher wäre, durch sein Bedürfnis.

Für Personen, die Gott als Prinzip oder als Du anerkennen, aber aus einem atheistisch-agnostischen Denkhintergrund kommen, bedeuten diese Überlegungen, dass eine subjektive Bedürfniserfüllung als Begründung für eine bewusstseinstranszendentale Realität herhalten muss. Einfach gesagt: Ich fühle es, also ist es wahr. Für Christen hat das zur Folge, dass der Gott des Gewissens nicht zum Gott der Offenbarung wird, sondern zum Gott des Ichs. Das Du Gottes löst sich im Ich des Menschen auf, sodass, ein Wort Bultmans aufgreifend, vom Menschen reden heisst, von Gott zu reden.

Eine solche, zutiefst emotionale und personale Argumentation kann sich natürlich keine Institution zu eigen machen, schon gar nicht, wenn sie davon ausgeht, dass es eine ewige Wahrheit gibt, nach der sich der Mensch ausrichten muss und nicht eine wandelbare Wahrheit, die sich nach dem Menschen auszurichten hat. Es gibt somit nur eine einzige Wahrheit, die durch Jesus Christus den Menschen geoffenbart worden ist. Natürlich war und ist es nicht möglich, diese Wahrheit vollständig, in ihrer ganzen Fülle niederzulegen, hat doch schon der Evangelist Johannes gesagt, dass alle Bücher der Welt nicht ausreichen würden, alles aufzuschreiben, was Christus getan und verkündet habe. Folglich ist es nicht so, dass das katholische Lehramt einfach nur Wahrheiten predigen würde, die alle mal vor 2000 Jahren aufgeschrieben wurden und danach nie mehr neu eingefasst wurden. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, die Gegenwart in der Offenbarung zu spiegeln und auf konkrete sich stellende Fragen Antworten zu finden, die sich mit dieser Offenbarung decken. Da sich Geschichte in Aspekten wiederholt, kann und muss das Lehramt dabei die Aussagen vergangener Zeiten mitrezipieren und aus dieser 2000 Jährigen Tradition seine Antworten schöpfen. Grundsätzlich gilt dabei, dass es auf ein und dieselbe Frage nicht zwei verschiedene Antworten geben kann, ohne dass eine von beiden irren würde. Denn etwas kann nicht heute wahr sein und morgen falsch, es sei denn, es ist einer seinsmäßigen Veränderungen unterworfen worden. Wenn aber alle Wahrheit von Gott kommt, dann müsste Gott, vom Hl. Thomas als unbewegter Beweger beschrieben, sich verändern, eine Vorstellung, über die dem Menschen jedes Urteil entzogen ist. Folglich ist die streitende Kirche der Moderne an die Antworten der Kirche früherer Zeiten rückgebunden und kann ihr nicht dort widersprechen, wo diese schon immer eine bestimmte Meinung vertreten hat. Vielmehr wird sie stets auf diese Meinung rekurrieren, um aus dieser Stärke heraus die Lösungen für neue Herausforderungen zu finden. Diese Fähigkeit der Kirche, Neues im Bewusstsein des Alten vernünftig und organisch zu integrieren und somit objektiv unbewusst aber von göttlicher Hand geführt die Einzelgründe zur Gesamtüberzeugung zusammenwachsen zu lassen, ist der Kern ihrer Dauer und ewigen Modernität. Modern insoweit, als sie sich ständig anpasst und ewig soweit, dass die Anpassungen in der Ewigkeit verhaftet sind.

In diesem Spannungsfeld der Kirche lebt auch der Christ mit seinem Gewissen. Denn der Grundsatz der Kirche, das das Neue immer aus dem Alten schöpfen muss, das die Wahrheit nicht situationspassend erfunden werden kann, ist in der heutigen Zeit, in der neu gut ist, natürlich höchst problematisch und schwierig zu verstehen. Wer will, wer kann heute noch mit Hinweis auf Aussagen von Personen, die vor Jahrhunderten gelebt haben, begründen, das z.B. Empfängnisverhütung eine Sünde ist, um ein populäres Thema zu nehmen. Das Maximum, um beim Thema zu bleiben, dass ein Katholik heute zulassen kann, ist eine Ablehnung des Benutzens eines Kondoms ohne einen Grund außer dem Bedürfnis nach dem Geschlechtsakt. Wenn sich zu diesem aber noch der Wunsch nach Gesundheit hinzugesellt, etwa weil eine konkrete Gefahr der Ansteckung von Aids vorliegt oder um einem von Geburt an mit Aids infizierten Menschen den Liebesakt zu ermöglichen, dann stößt der Wille des Katholiken, dem kirchlichen Lehramt zu folgen, endgültig an seine Grenzen. Dann ist die Kirche wirklichkeitsfremd. Dann mutet sie einem Menschen etwas zu, was er nicht leisten kann oder zumindest etwas, was er sicher nicht leisten wird. Daher sollte Rom doch besser etwas Realistisches fordern, etwas, was die Menschen auch umsetzen werden und sie daher in ihrem Seelenfrieden und ihrer Gesundheit fördert und sie in beidem nicht belastet. Jesus hätte das so gewollt!

„Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel genannt werdet.“ (Mt 5,43-45) Wo bitte ist denn das realistisch und wirklichkeitsnah? Wo stellt das eine Forderung an die Gläubigen, die sie umsetzen werden. Legt nicht Jesus uns hier eine Last auf, die wir unmöglich erfüllen können und die unserem Seelenfrieden damit nur nicht förderlich sein kann, von unserer Gesundheit ganz zu schweigen. Was sind das also für merkwürdige Forderungen, die da durch Christus und die Kirche an uns gestellt werden, die wir nach unserem eigenen Ermessen gar nicht erfüllen können und die wir auch niemand anderem aufbürden wollen. Denn diese Forderungen sind offensichtlich für eine konkrete Lebensführung, für ein gutes, gerechtes und gesundes Leben alles andere als förderlich. Wer will schon seine Feinde lieben. Oder ihnen gar noch die andere Wange hinhalten. Gut für die Gesundheit ist das auch nicht grade. Sind also die Päpste, die Kirchenväter, Christus und die Autoren des Alten Testaments alle weltfremde Elfenbeinturmbewohner gewesen. Bei Jesus zumindest ist es unwahrscheinlich, der war Handwerker. Bodenständiger geht’s nicht mehr.

Samstag, 20. Oktober 2012

Katechismus? Nein, Danke - Versuch einer kritischen Würdigung II

Fortsetzung von hier
Der Post bezieht sich auf eine Serie von Ameleo hier, da und dort.

Im Folgenden möchte ich kurz auf jene Argumente eingehen, die Ameleo gegen die Verwendung des Katechismus als Lehrbuch für die Gläubigen eingewendet hat:

I. Der Katechismus ist für die Praxis unbrauchbar, andere Materialien eignen sich besser.

Unbestreitbar ist der Katechismus nicht dazu geeignet, einem im Glauben vollkommen unerfahrenem Menschen in die Hand gedrückt zu werden nach dem Motto: Lies und Glaube! Aufgrund der ziemlichen Verdunstung von Glaubenswissen in der heutigen Zeit in Europa kann man das sicher kritisieren. Nur besteht zum einen die Katholische Kirche nicht nur aus Europäern, zum anderen ist das auch nie die Intention des Katechismus gewesen. Genausowenig wie übrigens die Bibel einfach mal so gelesen werden sollte. Beide Quellen sind eindeutig dazu gedacht, innerhalb des Lebensraumes Kirche gelesen zu werden. Das mag dadurch illustriert werden, dass Katechismen in der Geschichte primär dazu eingesetzt wurden, das Glaubenswissen zu vertiefen, nicht es komplett neu aufzubauen. Und wer sich den Katechismus durchliest, wird auch genau darin seinen Sinn erkennen. Indem er Einzelfragen behandelt, dient er als Stütze für diejenigen, die zwar bereits ein Glaubensgrundwissen haben, das aber noch weiter ausgestalten wollen.
Wer den Katechismus so einsetzt kann durchaus Erfolg für sich und mit anderen haben. Daneben gibt es natürlich noch andere Materialien, die für den Unterricht der Gläubigen geeignet sind und die sehr viel spezifischer auf die Situationen eingehen, in denen diese sich befinden. Es ist aber dem Hl. Vater kaum zuzumuten, alle diese Materialien aufzuzählen. Indem er auf den Katechismus verweist, zeigt er den bereits im Glauben Lebenden ein Hilfsmittel zum Wachsen und für diejenigen, die zum Unterricht berufen sind ein Instrument zur Bewertung der spezifischeren Materialien.

II. Der Katechismus geht nicht ausreichend auf die Lebenswirklichkeit der Leser ein.

Es gibt insgesamt 1,16 Milliarden Lebenswirklichkeiten der Katholiken, nämlich genauso viele wie es Katholiken gibt. Auf sie alle einzugehen wäre dann doch etwas zu viel verlangt. Zwar kann man die Zahl der Lebenswirklichkeiten dadurch eindampfen, indem man bestimmte Typen zugrundelegt, aber damit wird man dann auch nicht jedem Mitglied dieses Betrachtungsraumes gerecht. Es ist also effektiv unmöglich, für jeden Katholiken ein genau auf ihn passendes Verkündigungsinstrument zu generieren. Daher hat es die Kirche für gut befunden, sich auf die Inhalte zu konzentrieren, die, da sie objektiv sind, für jeden Katholiken die gleichen sind und es den Lesern bzw. den Vermittlern zu überlassen, wie sie damit en detaille umgehen. Ich halte dies nicht etwa für eine Schwäche des Katechismus, sondern für seine Stärke. Denn hier geht man nicht davon aus, dass die Katholiken alle Kinder sind, die an die Hand genommen werden müssen, sondern man nimmt sie für voll in der Lage und Willens zu sein, sich mit den Inhalten der Lehre der Kirche auseinanderzusetzen und diese dann selbstständig anzuwenden. Wer dies, und davon geht der Katechismus natürlich aus, zusammen mit einem aktiven kirchlichen Leben und besonders der Teilnahme der Liturgie, die ja auch Lehrerin der Gläubigen ist, tut, wird sicherlich nicht alle Fragen mundfertig serviert bekommen. Er wird aber sicherlich gesunde und belastbare Leitlinien in Leben und Glauben entwickeln können. Wie lange das dann dauert und wie schwierig das dann ist, darüber steht mir ein Urteil nicht zu. Aber Christentum hat ja auch nicht den Anspruch, leicht und bekömmlich zu sein.

III. Der Katechismus geht nicht auf theologische Entwicklungen ein.

Ein ehemaliger Kommilitone erzählte mir neulich, er habe im Religionsunterricht das Sähmanngleichnis durchgenommen. Dabei hat er zuerst das Gleichnis lesen, die Schüler dann das Gleichnis interpretieren und sie dann Jesu Auslegung nachschauen lassen. Dafür bekam er von seinem Ausbilder einen Einlauf, weil es gar nicht sicher sei, dass die Auslegung wirklich ein authentisches Jesuswort sei. Damit soll (völlig überspitzt) das Problem mit der so genannten theologischen Entwicklung dargestellt werden. Die ist nämlich vollkommen unbrauchbar für die Praxis. Denn wenn du 50 Theologen fragst, was denn ein authentisches Jesuswort sei, dann kriegst du 10 Antworten. Das es nur zehn sind liegt daran, dass Theologiestudenten die mit weitem Abstand unselbstständigsten Denker innerhalb der Universiätslandschaft sind, sich aber witzigerweise für superkritisch und aufgeklärt halten. Kurz: Komplexe theologische Fragen kannst du den Normalbürger gar nicht vorlegen, weil der sich gar keine ausführlich begründete Meinung bilden kann, schon aus Zeitgründen. Also beruht seine Meinung entweder wie bisher auf Halbwissen oder er hat gar keine Meinung mehr. Beides kann nicht als Verbesserung angesehen werden. Der Katechismus dient also nicht nur dazu, hauptamtlichen Theologen als Quelle zu dienen, sondern auch ganz normalen Katholiken, die von ihrer Kirche zu recht erwarten, ihnen Antworten zu geben, nach denen sie sich in etwa richten können. Wer sich darüber hinaus noch en detaille mit Fragen auseinandersetzen will, der wird daran nicht gehindert.

IV. Der Kontakt mit anderen Menschen ist wichtiger als der Katechismus.

Ohne Zweifel muss der Glaube nicht nur im Katechismus nachgelesen, sondern auch konkret gelebt werden und zum christlichen Leben gehören auch immer andere Menschen. Somit versteht es sich von selbst, dass der eigene Glaube sich auch an anderen Menschen reibt, prüft und durch den Umgang mit ihnen vertieft wird. Ohne Zweifel kommen dadurch wieder Fragen auf, die dann nachgelesen werden müssen, denn kein Mensch hat ja den kompletten Katechismus oder die komplette Glaubenslehre im Kopf - zumindest kenne ich keinen. Dieser Satz zeigt schon, dass es wichtig ist, die Auseinandersetzung mit den anderen auch mit der Lehre der Kirche abzugleichen, wofür der Katechismus hilfreich ist. Denn wenn man sich z.B. wie ich häufig mit Evangelikalen unterhält, dann kommt man schon ziemlich ins Grübeln, denn die haben in aller Regel mehr Feuer als die meisten Katholiken. Da denkt man dann schon, man könne ja auch dieses und jenes glauben, die tun es ja auch und sind tolle Christen. Dann greift man zum Katechismus und guckt und denkt: Ah ja, aber die Kirche lehrt das so. Gut zu wissen.

V. Bilder und Symbole sind wichtig bei der Entfaltung des eigenen Glaubens. Sie aber fehlen im Katechismus.

Zutreffen wird festgestellt, dass im Katechismus jene machtvollen Bilder fehlen, an denen andere Quellen der christlichen Tradition so reich sind. Besonders die Bibel wird hier angeführt. Und damit ist das Problem auch eigentlich schon gelöst. Denn der Katechismus steht ja nicht solitär, als wäre die einzige Quelle der christlichen Lehre, sondern er ist eine der Quellen, aus denen der Christ in seiner Glaubensbildung schöpfen kann. Nun empfiehlt uns der Hl. Vater Bibel und Katechismus besonders zur Lektüre während des Jahres des Glaubens. Während die Bibel nun jene großen Bilder, Symbole und Erzählungen aufweist, die von der Autorin eingefordert werden, dient der Katechismus dazu, diese Bilder richtig zu interpretieren. Dafür ist eine abstrakte, formelhafte Sprache aufgrund der damit einhergehenden Klarheit des Ausdruckes gut geeignet.

Zuletzt sei auf den ausführlichen zweiten Teil der Antwort von Frischer Wind hingewiesen, der sehr zu empfehlen ist und der hier gelesen werden kann.

Samstäglicher Newsticker

Berlin: Nachdem die sogenannte Punkband "Pussy Riot" für den Lutherpreis vorgeschlagen wurde, fordern führende Vertreter des deutschen Katholizismus nicht abseits zu stehen. Nach unbestätigten Gerüchten überlege die deutsche Bischofskonferenz, den Bandmitgliedern eine Auszeichnung zur Förderung des Dialogs zukommen zu lassen. Die Gemeinschaft Wir-sind-Kirche-und-ihr-nicht nominierten die Band und besonders ihre Bandleaderin Nadeschda Andrejewna Tolokonnikowa für den Verantwortungs-Preis, die Initiative "Papstweg Jetzt!" für den Friedensnobelpreis und die Sprecherin der Organisation Opus Hominis forderte die Verleihung des Christusordens für die Sängerinnen sowie die Exkommunikation des Patriarchen Kyrill.

Paris: Nachdem sich der Oberrabiner von Frankreich Gilles Bernheim gegen gleichgeschlechtliche Ehen ausgesprochen hat forderte der Verband der Lesben und Schwulen in Frankreich seinen sofortigen Rücktritt wegen Diskriminierung einer Minderheit. In Deutschland hingegen hält sich die "Gemeinschaft der Homosexuellen für eine gerechte Welt" mit Kritik zurück. Man bedauerte aber die Haltung. Man habe gehofft, das die diskreminierten Minderheiten untereinander mehr Solidarität zeigen würden.

Essen/Berlin: Die Initiative "Gleichheit für alle in der Kirche Jetzt!" widerspricht Bischof Overbeck in seiner Beurteilung, praktizierende Katholiken hätten tiefergehende Fragen als die nach Frauenpriestertum und Zölibat. Die Initiative setze sich ausschließlich aus praktizierenden Katholiken zusammen, die wenigstens einmal pro Jahrzehnt einen Gottesdienst mit Priester besuchten und regelmäßig zur ewigen Schöpfergöttin beteten. Und man könne versichern, das die Mitglieder der Initiative genau diese Fragen hätten und keine anderen. Die restlichen könnten sie sich nämlich Mittels ihrer Empfindungen auch unfehlbar selbst beantworten.

Freitag, 19. Oktober 2012

Katechismus? Nein, Danke - Versuch einer kritischen Würdigung I

Heute möchte ich wie angekündigt den Versuch machen, Ameleos Postserie über die Katechismen(erster Post hier) einer kritischen Würdigung zu unterziehen. 

Beginnen wir dabei mit einem Lob.
Denn wer sich mit einem Text beschäftigt, der muss zunächst einmal fragen, was der Text eigentlich will. Und hier macht uns Ameleo gleich zu Anfang ganz klar, was der Text will und was er von der Systematik her leisten kann.
 
Der Titel lautet
"Warum ich Katechismen für wenig geeignet halte zur Glaubensweitergabe und -vertiefung"
und in der Einleitung erklärt sie ihr Vorgehen folgendermaßen:
"Vielleicht, indem ich versuche, auf der Erfahrungsebene zu bleiben und weitestgehend theoretische Überlegungen zu vermeiden ... Ich gehe davon aus, dass andere Personen andere Erfahrungen mit einem Katechismus gemacht haben und das von mir im folgenden Angesprochene anders sehen und/oder anders bewerten"
Und damit ist dieser Kommentar eigentlich schon am Ende. An dieser Stelle könnte ich dem Leser den Text noch einmal als interessenaten Einblick in die Haltung von Ameleo empfehlen und Schluss machen. Wenn, ja wenn dann nicht die Frage des Lesers käme: Ja, wieso das denn? Willste dich denn mit dem Text nicht kritisch auseinandersetzen. Und meine Antwort ist: Nein, mit dem Text kann ich mich nämlich gar nicht kritisch auseinandersetzen.

Denn die Erfahrung ist heutzutage das letzte, was noch als unfehlbar anerkannt wird. Gegen Erfahrung kann man heutzutage schlicht nicht mehr andiskutieren. Wahr ist etwas, weil ich es so empfinde und damit basta! Jeder Versuch, diese Erfahrung argumentativ auszuhebeln ist vollkommen fruchtlos, weil man ja überhaupt keinen Ansatzpunkt hat. Denn da der andere nicht einsehen will, das er falsch erfahren hat (vollkommen verständlich) und man auch kaum die Möglichkeit hat, ihm das Gegenteil zu beweisen, kann man entweder eine spekulative Wahrnehmungstheorie aufbauen oder aber die Erfahrung des anderen als falsch abtun. Beides bringt nichts.

Wenn also Ameoleo darlegt, was sie selbst mit die Katechismen erfahren hat, dann ist es vollkommen sinnlos, darüber mit ihr zu diskutieren. Man kann höchstens eigene Erfahrung ergänzend oder widersprechend danebenstellen. Doch dann vergleicht man sprichtwörtlich Äpfel mit Birnen. Denn es gibt keine gemeinsame Grundlage, da Erfahrungen etwas subjektives sind. Eine Argumentation beruht aber darauf, dass die Argumente grundsätzlich von beiden Parteien nachvollzogen werden können.

Daher kann man den vorliegenden Text sinnvoll über den Katechismus lediglich als das lesen, was er ist: Ein Erfahrungsbericht, der weder Anspruch erhebt, allgemeingültig zu sein noch objektiv recht zu haben. Denn dem Katechismus wird ja hier keine grundsätzliche Unbrauchbarkeit bescheinigt, sondern lediglich, das die Verfasserin ihn nicht gebrauchen kann. Das ist dann aber ihr Problem. Zwar kann man jetzt versuchen, dieses Problem einer detaillierten Analyse zu unterziehen und Lösungsvorschläge zu machen. Dafür halte ich mich aber nicht für kompetent genug und lasse es daher.

Allerdings gibt es natürlich auch in einem Text, der sich vor allem auf die Erfahrungsebene stützt, Punkte, die durchaus einen allgemeingültigen Charakter haben und die dazu dienen, die subjektive Erfahrung durch Argumente zu unterfüttern, die mehr oder weniger von jedem nachvollzogen werden können. Mit diesen Punkten möchte ich mich im in einem zweiten Teil befassen, der in Kürze folgen wird.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Diskussion? Ja, bitte

Einigen ist die Blogoezese zu katholisch, zu einheitlich. Stimmt irgendwo, denn in ihr sind die konservativen, papsttreuen Katholiken eindeutig im Verhältnis zum normalen Kirchenvolk überrepräsentiert. Ob das daran liegt, dass sie engagierter sind oder das sie in die Blogwelt ausweichen müssen, weil sie von den etablierten Medien nicht veröffentlicht werden bzw. sich ihre Meinung dort nicht wiederfindet, sei dahingestell.

Aber es gibt natürlich auch in dieser Szene eine gewisse Spanne und prominente Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist unsere geschätzte Mittbloggerin Ameleo, die mit ihrem Blog Frisch, Fromm, Frau eher einem liberalen, progressiven Katholizismus anhängt (die Aussage ist doch neutral, oder?). Und während die Blogoezese sich in ihrem überwiegenden Teil für das Jahr des Glaubens rüstet und den Katechismus aus dem Regal holt, erklärt Ameleo frank und frei, sie könne mit dem Katechismus nichts anfangen (hier, da und dort).

Diese Haltung stößt natürlich nicht überall auf Gegenliebe. Zu einer umfassenden Antwort hat nun Frischer Wind ausgeholt.

Nun sei es mir fern, mich hier in die Diskussion von Leuten einzumischen, die vom Glauben und von Erfahrung mit dem Glauben sicherlich viel mehr verstehen als unsereins mit seiner säkularen Erziehung bei 25 Lenzen.

Ich denke aber das Problem, welchem wir hier begegnen, hängt mit etwas verschiedenen Ansätzen von Kirchlichkeit und kirchlicher Bindung zusammen. Wie gesagt besteht die katholische Blogoezese überwiegend aus Katholiken, die ein ähnliches Deutungsmuster auf kirchliches und weltliches Handeln besitzen. Wir können hierbei durchaus von einer ultramontanen Einstellung sprechen. Man richtet sich nach Rom aus, lauscht auf den Papst und beurteilt das Handeln der deutschen Kirche und der Umwelt danach, wieweit es diesen Aussagen ent- oder widerspricht. Zugleich werden die Worte des Papstes in einem (soweit sichtbar) starken Maße als Leitimpulse für das eigene Leben wahrgenommen. Diese Mehrheit der Szene stellt damit eine Kernformation eines katholischen-kirchlichen Milieus dar.

Das führt naturgemäß zu reibungsfläche mit Personen, die nicht dieser Formation angehören. Das wird dadurch verstärkt, das man wenig voneinander weiss und damit die Hintergründe, aus denen der andere spricht nur schwer verstehen kann. Entsprechend führt dies, gerade bei einer intensiven Auseinandersetzung, zu Missverständnissen. Man kann auch sagen man wird einander nicht wirklich gerecht. Schon öfter's ist mir aufgefallen, dass es zwischen dem Kern der Szene und der Peripherie mitunter einen recht scharfen Ton gerade in den Komboxen gibt und man sich wechselseitig Glaubensabfall und Versteinerung vorwirft.

Da wir nun das seltene Vergnügen haben, aufeinander aufbauende Posts lesen zu dürfen, die von verschiedenen Seiten argumentieren, können wir nicht nur eine hervorragende, sondern auch eine emotionale Debatte erwarten. Daher gilt es von Anfang an Ruhe zu bewahren, höflich zu bleiben und zu versuchen, die Argumentation des anderen nicht nur inhaltlich, sondern auch von seinem Hintergrund zu verstehen. Wenn man erstmal anfängt sich, pardon, anzukeifen, ist der Ofen aus.

In diesem Zusammenhang denke ich feststellen zu können, das die meisten meiner Leser in dieser Diskussion mit Frischer Wind sympathisieren dürften. Umso mehr ist es eine gute Idee, sich für die Diskussion mit Ameleo auseinanderzusetzen. Hilfreich fand ich die Lektüre der Darlegung ihrer Beziehung zur Kirche (hier und da).

Santa María la Blanca in Toledo




Dienstag, 16. Oktober 2012

Was wichtig ist

Teresa von Avila
"Solange wir uns auf dieser Erde befinden, gibt es nichts, was für uns wichtiger wäre als die Demut."

Pius XII. an die katholische Blogoezese

Die ganze Kirche begeht seit kurzem das Jahr des Glaubens aus Anlass der Eröffnung des II. Vatikanums. Gerade als katholische Blogger überlegen wir uns (so nehme ich mal an), wie wir an der Neuevangelisation mitwirken können. Um ein wenig nach Antworten zu suchen befragen wir daher einen der bedeutendsten Väter des Konzils, der wie nur wenige, wenngleich bereits verstorben, auf es Einfluss nahm, seine Heiligkeit Papst Pius XII.

Heiliger Vater, die Lage, in der sich der deutsche Katholizismus befindet, kann als dramatisch bezeichnet werden. Ist es in dieser Situation denn überhaupt lohnend, sich bloggend für die Kirche einzusetzen?

In einer solchen Lage wären Verzagtheit und Mutlosigkeit für den katholischen Blogger die schlimmsten Übel. Schaut auf die Kirche: seit fast zwei Jahrtausenden hat sie sich durch die Schwierigkeiten oder Gegenreden, das Unverständnis, die offenen und versteckten Verfolgungen niemals entmutigen, niemals niederdrücken lassen. Nehmen sie sich an ihr ein Beispiel.

Wir sollte die katholische Blogoezese beschaffen sein?

In der ganzen Art ihres Seins und Wirkens muß sie dem zunehmenden Verfall und dem Schwinden der Grundbedingungen für eine gesunde öffentliche Meinung ein unüberwindliches Hindernis entgegensetzen und das, was von ihr noch übrig geblieben ist, sichern und stärken.

Und welche Anforderungen sollte ein Blogger erfüllen?

Diese heikle Aufgabe setzt bei den katholischen Bloggern Sachwissen, eine gute allgemeine, vor allem philosophische und theologische Bildung, stilistische Begabung und psychologischen Takt voraus. Was ihnen an erster Stelle nicht abgehen darf, ist der Charakter. Der Charakter besagt ganz einfach die tiefe Liebe und unwandelbare Achtung gegenüber der göttlichen Ordnung, die alle Bereiche des Lebens umschließt und beseelt, eine Liebe und Achtung, die der katholische Blogger nicht nur im innersten seines eigenen Herzens fühlen und nähren, sondern darüber hinaus auch in den Herzen der Leser pflegen soll.

Wenn der katholische Blogger einen solchen Charakter besitzt, dann wird er sich ebenso vor stummer knechtischer Gesinnung hüten wie vor hemmungsloser Kritik. Er wird mit sicherer Klarheit zur Bildung einer katholischen Meinung innerhalb der Kirche beitragen, gerade wenn diese Meinung wie heute hin- und herschwankt zwischen den beiden gleich gefährlichen Polen eines trügerischen und unwirklichen Spiritualismus und eines defaitistischen und mit dem Materialismus liebäugelnden Realismus.

Könnt Ihr das noch etwas näher ausführen?

Wir geben zu, daß der Erfolg in diesem Apostolat drei Forderungen an die Blogger stellt:

Erstens müssen sie ihre Beschlagenheit beweisen, die durch ernsthaftes Studium und eine sichere Kenntnis der Hauptgrundsätze der christlichen Philosophie und Theologie erworben und durch den klaren und geübten Ausdruck gesunder Urteile über die wichtigsten Tagesprobleme sichtbar gemacht wird.

Zweitens müssen sie in dem, was sie schreiben, die Einheit der Kirche in ihrem Glauben und in ihrer Sittenlehre aufstrahlen lassen. Christus der Herr hat seinen Aposteln und durch sie ihren Nachfolgern die Wahrheit anvertraut, die den Menschen mitzuteilen er auf die Erde kam. Deshalb gehört das Lehramt in seiner Kirche, wie alle wissen, dem Bischof von Rom, seinem Stellvertreter auf Erden, für die Gesamtheit der Gläubigen und den einzelnen Bischöfen für die von diesem Stellvertreter ihrer Hirtensorge anvertrauten Schar der Kirchenmitglieder. Den Bischöfen werden die Blogger wie alle Gläubigen treuen Gehorsam leisten.

Dieses hochersehnte, von der Gerechtigkeit und Liebe gesicherte und besiegelte Band der Einigkeit wird unzerreißbar sein, wenn - und dies ist die dritte Aufforderung an die Blogger - wenn alle sich des einen erhabenen Zieles, das ein jeder von ihnen zu erreichen strebt, stets bewußt sind. Es ist die Ausbreitung des Reiches Christi, des Reiches der Wahrheit und der Erlösung unter den Menschen. Dieses Ziel ist in der göttlichen Schöpfungsordnung enthalten.
Sie, die Sie nach ihm streben, haben eine Wesensart, die Sie aus der Reihe der gewöhnlichen Schreiber herausstellt. Die konkreten Probleme nicht einer idealen, sondern dieser Welt, in der sie hier und jetzt Leben und sich abmühen, rufen nach Lösungen. Und sie müssen mit ihnen ringen.

Aber wie können wir diese Lösungen finden?

Keine Lösung, die nicht in den von der unendlichen Wahrheit und Güte klar gezogenen Grenzen liegt, wird - Sie wissen es - hundertpozentig oder unangreifbar sein. Man muss also den inneren Blick von den dunklen, verwirrenden Verwicklungen einer vergänglichen Welt emporheben, um beständig das helle, strahlende Licht der Ewigkeit vor Augen zu behalten. Die katholische Blogoezese ist Gott geopfert und geweiht mit der Bitte, er möge sich herablassen, sie als ein brauchbares und wirksames Werkzeug zu benützen, um allen Menschen den Weg zum ewigen Leben zu bahnen und zu erleichtern, von dem die göttliche Weisheit erklärt hat, daß es darin besteht, ihn, den einen, wahren Gott zu erkennen und den er gesandt hat, Jesus Christus.

Ein Wort zum Jahr des Glaubens?

Dieses Jahr wird, wie Wir innig hoffen und beten, eine große Rückkehr der Welt zu Gott durch Christus bedeuten, und diese Rückkehr muß, wenn sie wirklich erreicht werden soll, auf dem Wege der Wahrheit erfolgen.

Aber kenn denn die katholische Blogoezese dabei etwas tun?

Ja, gewiß! Denn die Wahrheit braucht eine Stimme, und eine dieser Stimmen, die das Publikum erreicht, ist heute die Stimme der Blogger.

Danke, Heiliger Vater.

Die Texte sind mit geringen Veränderungen entnommen aus: Soziale Summe Pius XII., Band I-III.

Montag, 15. Oktober 2012

Durch die Demut lässt sich Gott alles abringen

"Demut, Demut. Durch sie lässt sich der Herr alles abringen, was wir von ihm wollen. Wenn ihr diese Tugend habt, so erkennt ihr dies zuerst daran, daß ihr nicht denkt, ihr hättet diese Gnaden und Wonnen des Herrn verdient, und auch nicht meint, ihr könntet sie je in eurem Leben verdienen."
Quelle: Teresa von Avila: Die innere Burg, S. 70.

Grab des Hl. Johannes vom Kreuz bei Segovia


 






Sonntag, 14. Oktober 2012

Ein Rückblick

Während ich in Spanien gefühlte 100 Kirchen besuchte, ging hier in Deutschland nicht nur der Tag der Deutschen Einheit vorbei, sondern auch - viel bedeutsamer - der erste Jahrestag der Eröffnung dieses Blogs.
Jahrestage sind die Zeit zurück und nach vorne zu blicken und so will ich die Gelegenheit nutzen, mit Verspätung einmal über diesen Blog nachzudenken.

Zunächst aber einmal ein paar Zahlen:

Statistisch gesehen wurde Demut Jetzt! 40.334 mal aufgerufen,
dabei lag der Spitzenmonat bei 5.670 Aufrufen
und der schlechteste bei 442 Aufrufen.

Beliebtester Post war der Mitrapost mit 1003 Aufrufen
weit abgeschlagen dahinter Limburgleaks deckt auf mit 333 Aufrufen (kein Witz)

Häufigste Zugriffsquelle war der Klosterneuburger Marginalien mit 4074 malen (Dank und Verbeugung vor dem H.H. Alipius hierfür)
undicht gefolgt von der Katholischen Bloggerliste mit 750 malen.

Am meisten wurde ich in Deutschland beachtet - 27458 mal.
Interessanterweise wurde ich auch 100 mal aus der Ukraine aufgrufen.

Mittlerweile habe ich auch 27 Leute gewinnen können, die offen zugeben, meinen Blog regelmäßig zu lesen.

All das für läppische 597 veröffentliche Posts,
die 432 mal kommentiert wurden.

Und was ist unser Ziel?
270 regelmäßige Leser, 5000 Aufrufe pro Tag oder wenigstens eine halbe Millionen im Jahr.

Aber Spass beiseite. Ich bin froh und dankbar, es überhaupt ein Jahr lang durchgehalten zu haben und in der Blogoezese angekommen zu sein. Für dieses Jahr, das zugleich Jahr des Glaubens ist, strenge ich mich natürlich noch mal ein bisschen mehr an, um die Brüder und Schwestern zu Stärken und die Neuevangelisation voranzutreiben.

Dabei stellt sich natürlich die Frage, welche Schwerpunkte das Blog setzen soll. Ich habe ja mit der Demut als Rahmenthema angefangen. Leider bin ich im Laufe der Zeit etwas davon abgekommen. Ich bin halt noch nicht demütig genug, um viel und klug über die Demut zu schreiben. Dennoch möchte ich mich vermehrt diesem Thema widmen und wenigstens an einem Tag der Woche, wahrscheinlich ein Montag, etwas dazu posten. In diesem Zusammenhang soll der ewige Schandfleck dieses Blogs, die unbeendete Besprechung der 12 Stufen der Demut beendet werden. Im Weiteren wird es natürlich auch weiterhin zahlreiche Bilder und Videoposts geben. Am Mittwoch und Sonntag sind weiterhin Benedikt XVI. und Pius XII. gesetzt. Auch der Samstägliche Newsticker wird wieder aufgenommen. Weitergeführt werden  natürlich die Weisungen der Väter, die mit anderen geistlichen Zitaten großer Männer und Frauen - Philokalie, Theresa von Avila, Kirchenväter etc. - ergänzt werden. Ansonsten gibt es die übliche Gemenenlage von Polemik, Historischem und Spirituellem, die ich hier seit einem Jahr so abziehe.

Zum Ende hin noch ein paar organisatorische Anmerkungen. Da mein Blogroll mittlerweile total überläuft und ich da gar nicht mehr durchblicke, habe ich mich schweren Herzens entschlossen, die Liste zu teilen. In der ersten Liste "Profis und Lieblingsblogs", also die Leithammel und die von mir besonders häufig gelesenen Blogs. Daneben wird der alte Blogroll weiter laufen und natürlich von mir auch weiterhin durchforstet. Auch gibt es passend zum Jahr des Glaubens einen eigenen Blogroll dazu, der aber momentan noch sehr klein ist. Hoffentlich wird er bald länger.

Wirklich zuletzt bleibt mir euch, meinen Lesern, zu danken. Ohne euch wäre dieses ganze Blog noch sinnfreier, als es ohnehin schon ist und ohne euch, da wollen wir ehrlich sein, würde ich mir die Mühe auch nicht machen. Daher ein herzliches Vergelt's Gott und auf ein gutes weiteres gemeinsames Jahr.

Pius XII. on Tour

Samstag, 13. Oktober 2012

Samstäglicher Newsticker

Rom: Der Präsident der Bewegung "Geist des Vatikanums" rief in Rom vor begeisterten Anhängern das "Jahr des Neuglaubens" aus. Die große Zahl (120 Teilnehmer) und deren jugendliches Alter (Durchschnitt 66) mache ihm Mut, dass es möglich sei, dem "Jahr des Dogmas und der Intolleranz des Oberknüpplers von Rom" eine wirksame, freie und lebenoffene Initiative entgegenzusetzen. Kernveranstaltungen seien der "Bacchantentanz am Nordpol", die "Weisheit des Volkes"-Vorträge von ausgewählten praktischen Theologen mit Lehrstuhl sowie der "Gottesdienst für alle" in Klein-Kleckersdorf-Ost (keine öffentlichen Verkehrmittel).

Wien: In einem Vortrag bezog sich Frau Wilhelmine Küsselbecker auf eine Aussage Kardinal Schönborns, wonach Glaube nicht quanitativ messbar sei. Hier könne sie dem "Statthalter des römischen Gewaltherrschers" ausnahmsweise zustimmen. Es sage nämlich überhaupt nichts über die Glaubensintensivität der Teilnehmer aus, wenn in der von ihr gehaltenen Wort-Gottes-Feier 14 Gläubige, im Lateinischen Hochamt im Kloster Maria-Gottesgebärerin im Nachbarort aber 400 Personen säßen.

Washington: Das "Institute for new religious music" bringt in diesem und im kommenden Jahr eine Vortragsreihe zum Thema Kirchenmusik. In ihrem Eröffnungsvortrag legte die Musikwissenschaftlerin Bernadette Pennyprice dar, welcher Auftrag der Kirchenmusik heute zukomme: Die Besucher des gemeinsamen Mahles müssen in die Stimmung versetzt werden, ihre Einheit in Vielheit wahrzunehmen und in Kontakt mit der Schöpfungsenergie, die in Brot und Wein symbolisiert wird, zu treten. Zu diesem Zweck sind sowohl einschmeichelnde Gitarrenmusik als auch Mitklatschlieder geeignet. Gregorianischer Choral müsse hingegen abgelehnt werden, da er eine unmoderne Chormusik sei. Auf die Frage eines renitenten Teilnehmers, das Vatikanum II habe den Gregorianischen Choral aber empfohlen wies sie darauf hin, dass es sich dabei um ein bedauerliches Zugeständnis der guten gegenüber den rückständigen Konzilsvätern handle. Der bessere Mehrheit der Konzilsväter sei für lauschige Gitarrenmusik gewesen. (Übersetzung Sr. Maria Clementia Sturmhauberta)

Freitag, 12. Oktober 2012

Bischof Dr. Tebartz-van Elst zum Konzilssjubiläum

"50 Jahre Konzil bedeuten auch 50 Jahre der Vergewisserung und Vertiefung unseres christlich-kirchlichen Glaubens. Wenn wir uns heute dankbar an das großartige Ereignis des Zweriten Vatikanischen Konzils erinnern, wird auch erkennbar, wie sehr jede Zeit immer neu "nach den Zeichen der Zeit forschen muss, um sie im Licht des Evangeliums zu betrachten" (vgl. Gadium et spes, Art. 1).
Es wird auch erkennbar, dass wir mit der Vergewisserungen unseres Glaubens nicht einfach "fertig werden", sie bleibt unser aller stete Aufgabe. Vieles, was das Konzil angestoßen hat ist bereits kirchliche Realität geworden - zum Beispiel, wenn man an die Ökumene oder an den Dialog der Religionen untereinander denkt. Am zweiten Tag der Synode betonte der anglikanische Erzbischof von Canterbury Rowan Williams in einer Ansprache, wie wichtig die Kontemplation auch als Quelle für die Ökumene ist. Je näher die verschiedenen Konfessionen bei Christus sind, desto näher sind sie auch beieinander.
Vom Auftrag des Konzils gilt es aber auch noch viel einzuholen. Was heißt es, wenn die Kirche das Licht der Völker sein soll, was heißt es wenn die Kirche Sakrament und Zeichen für die Welt sein soll. Besonders das sakramentale Wesen der Kirche ist hier wichtig: Die Kirche hat weiterzugeben und abzubilden, was allem im Glauben verheißen ist."
Quelle hier.

Prälatenquiz

Wer ist dieser Prälat?

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Zehn Punkte zum Jahr des Glaubens

Bei uns in Deutschland ist Jahr des Glaubens mäßig wenig los. Zwar gibt es hier und da Bemühungen, etwas auf die Beine zu stellen, aber das scheint auch nur vereinzelt der Fall zu sein. Verbreitet scheint die Meinung vorzuherrschen, die ein mir bekannter Priester in die Worte gefasst hat: <Wir machen jedes Jahr ein Jahr des Glaubens, da müssen wir dieses mal auch nichts besonderes machen.> Eine ähnliche Haltung scheint man auch in der Deutschen Bischofskonferenz zu vertreten.

Anders hingegen die US-amerikanischen Bischöfe. Hier hat man für das Jahr des Glaubens ein Zehn-Punkte-Programm erarbeitet, das dem Gläubigen als Orientierung für eine intensive Glaubensauseinandersetzung und eine Vertiefung des Christenlebens dienen soll. Kathnet hat dankbarerweise den englischen Text übersetzt:
1. Nehmen Sie an der Messe teil.
Das Jahr des Glaubens soll die persönliche Begegnung mit Jesus fördern. Dies geschieht am unmittelbarsten in der Feier der Eucharistie. Regelmäßiger Messbesuch stärkt den eigenen Glauben durch die Schriftlesungen, das Credo und andere Gebete, durch Kirchenmusik, die Predigt, den Kommunionempfang und durch Teilhabe an einer Glaubensgemeinschaft.
2. Gehen Sie zur Beichte.
Wie beim Messbesuch finden Katholiken Kraft und wachsen weiter in den Glauben hinein, indem sie das Sakrament der Buße und Versöhnung empfangen. Die Beichte ermutigt die Menschen, zu Gott zurückzukehren, ihr Bedauern darüber auszudrücken, dass sie nachgelassen haben, und ihr Leben Gottes heiligender Gnade zu öffnen. Die Beichte vergibt die Fehler der Vergangenheit und rüstet mit Kraft für die Zukunft aus.
3. Lernen Sie das Leben von Heiligen kennen.
Die Heiligen sind nie veraltende Beispiele dafür, wie man das christliche Leben führen kann und sie geben endlose Hoffnung. Zum einen waren sie Sünder, welche versuchten, näher zu Gott zu wachsen, zum anderen dienen sie als Beispiele für die Wege, mit denen ein Mensch Gott dienen kann: durch Lehren, Missionieren, Nächstenliebe, Gebet und durch das schlichte Bemühen, Gott in den normalen Handlungen und Entscheidungen des Alltagslebens zu gefallen.
4. Lesen Sie täglich in der Bibel.  
Die Heilige Schrift bietet den direkten Zugang zum Wort Gottes und erzählt die Geschichte der Erlösung der Menschen. Katholiken können die Heilige Schrift beten (mittels der lectio divina oder anderer Methoden), um sich mehr auf das Wort Gottes einzustimmen. Auf jeden Fall ist die Bibel ein „Muss“ für das Wachstum im Jahr des Glaubens.
5. Lesen Sie die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils.
Das II. Vatikanische Konzil (1962-65) hat zu einer großen Erneuerung in der Kirche geführt. Es hat Einfluss auf die Art, wie die Messe gefeiert wird, auf die Rolle des Laien, darauf, wie sich die Kirche selbst versteht und auf ihr Verhältnis mit anderen Christen und mit Nichtchristen. Um diese Erneuerung weiterzuführen, müssen die Katholiken verstehen, was das Konzil gelehrt hat und wie es das Leben der Gläubigen bereichert.
6. Studieren Sie den Katechismus.
Der Katechismus der Katholischen Kirche, der genau 30 Jahre nach Konzilsbeginn veröffentlicht wurde, fasst den Glauben, die Morallehre, die Gebete und die Sakramente der katholischen Kirche in einem einzigen Band zusammen. Er ist eine Quelle, um im Glaubensverständnis zu wachsen. Eine andere wertvolle Quelle ist der „U.S. Catholic Catechism for Adults“ (US-Katholischer Erwachsenenkatechismus].
7. Beteiligen Sie sich ehrenamtlich in der Gemeinde.
Das Jahr des Glaubens soll sich nicht nur um Studium und Reflexion drehen. Die gesunde Grundlage der Bibel, des Konzils und des Katechismus muss in Handlung umgesetzt werden. Ein hervorragender Ort, um damit zu beginnen, ist die Gemeinde, und die Gabe jeder Person hilft, die Gemeinschaft aufzuerbauen. Menschen sind willkommen als Begrüßungsdienste, als Musiker und Lektoren in der Liturgie, als Katecheten und in anderen Aufgaben des Gemeindelebens.
8. Helfen Sie denen, die Hilfe brauchen.
Der Vatikan bittet die Katholiken, im Jahr des Glaubens für wohltätige Zwecke zu spenden und sich in der Hilfe für Arme einzubringen. Dies bedeutet, Christus im Armen, im Ausgegrenzten und Verletzlichen persönlich zu begegnen. Anderen zu helfen ermöglicht Katholiken die Begegnung mit Christus von Angesicht zu Angesicht und gibt der restlichen Welt ein Beispiel.
9. Laden Sie einen guten Freund zur Messe ein.
Das Jahr des Glaubens mag zwar globale Reichweite haben und auf eine Erneuerung des Glaubens und der Evangelisierung der gesamten Kirche abzielen, aber die wirkliche Veränderung vollzieht sich auf der lokalen Ebene. Eine persönliche Einladung kann viel verändern bei jemandem, der vom Glauben weggeglitten ist oder der sich der Kirche entfremdet hat. Jeder kennt solche Leute, also kann auch jeder ein für ein herzliches Willkommen sorgen.
10. Integrieren Sie die Seligpreisungen in das Alltagsleben.
Die Seligpreisungen (Mt 5,3-12) stellen eine reichhaltige Vorlage für das christliche Leben zur Verfügung. Ihre Weisheit kann helfen, demütiger, geduldiger, gerechter, transparenter, liebevoller, vergebender und freier zu leben. Dies ist genau das Beispiel gelebten Glaubens, welches benötigt wird, um im bevorstehenden Jahr des Glaubens Menschen in die Kirche zu holen.
Nachtrag:
Einen schönen Post zu den Punkten mit persönlichem Zeugnis findet ihr hier.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Teresas Spanien

Ich war ja in Spanien und habe dort auch ein paar Tage in Avila verbracht. Und jetzt weiss ich warum Teresa von Avila eine der größten Mystikerinnen der Christenheit war. Das hälste da sonst nämlich nicht aus. Ich habe noch nie eine derartige Anhäufung von deprimierenden Kirchen gesehen. Dagegen ist der Escorial ein Rokkoko-Lustschloss. Alles Dunkel, finster, bedrückend, nackter harter Stein und in Finsternis getauchte Goldaltäre mit Brockatmarias und grausigen Schnörkeln.

Aber zumindest hat uns diese Gegend die Heilige Teresa beschert, von der wir hier in nächster Zeit viele schöne Zitate bringen wollen.

Übrigens war ich auch in Alba de Tormes, dem Sterbeort der Heiligen. Hierzu ein paar Tips:
1. Der riesige Torso an der Hauptstraße ist nicht die Kirche, wo sie begraben liegt.
2. Die geschlossene Kirche mit der Friedenstaube ist es auch nicht.
3. Die Kirche mit dem Grab der Heiligen steht praktisch unausgeschildert an einem Platz, der über eine fussgängerzonenmäßige Nebenstraße erreicht werden kann.
4. Die beiden Hauptreliquien der Heiligen Teresa sind nicht im Altar, sondern im Museum gleich daneben untergebracht - zwecks Verehrung wird das Mitführen von ausklappbare Betstühlen empfohlen.
5. Wenn das einer der wichtigsten Pilgerorte Spaniens sein soll will ich nicht wissen, wie es bei den anderen aussieht.
6. Der Hl. Johannes vom Kreuz hat (in Segovia) ein viel schöneres Grab.
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