Samstag, 31. März 2012

Kurz vor der Karwoche noch ein paar Bilder


Was heisst hier pompös - das Mantum hat keinen einzigen Edelstein


Neue Stola - Nee, neue Sonnenbrille


Wasser ist das natürliche Element des Nachfolgers Petri


Nicht weglaufen - ihr habt's nötig


Da denkt er wohl grade an Schüller


Eine Frage Hl. Vater - Nein, sie kriegen meine Mozetta nicht

Segen der Zweite

Freitag, 30. März 2012

Der Hl. Pfarrer von Ars und die Demut





Roger legt momentan eine Reihe schöner Zitate des Hl. Pfarrers von Ars zum Thema Demut auf. Hierfür sei ihm herzlich gedankt und sein Blog allen empfohlen. Zum selbigen kommt man hier

Donnerstag, 29. März 2012

Frei nach Newman



Einen inhaltlich schönen Satz habe ich im Essay of Development des Sl. John Henry Kardinal Newman gefunden. Weil er aber sehr sperrig, reichlich verschachtelt und in einer etwas eigenwilligen Form in einer frühen und unsicheren Phase des Essays geschrieben ist, will ich ihn mal paraphrasieren:

Es gibt im Christentum eine Gestalt, die sich über die ganze Welt erstreckt. Es besteht eine Stimme, auf deren Entscheidung die Völker inmitten ihrer Wirren und Ängste mit Zuversicht harren. Es gibt einen Stuhl und einen Namen, nach denen die Hoffnung Ausschau hält. Dieser Name ist Petrus und dieser Stuhl ist Rom.

Segen

Mittwoch, 28. März 2012

Lerne erst zu denken, dann lerne zu beten

"Lerne erst zu denken, dann lerne zu beten" erzählte mir neulich eine Kommilitonin, die Philosophie studiert hatte. Der Spruch ist allerdings nicht von ihr, sondern von einem alten Jesuiten.

Bei allem Respekt vor meiner Kommilitonin, die ich sehr schätze, und dem alten Jesuiten, der weit mehr Erfahrung hat als ich Jungspund von 24 Jahren, halte ich das für Unsinn. Ich würde es eher umdrehen: Lerne erst zu beten, dann lerne zu denken; zumindest, wenn man unter Denken Philosophie studieren verstehen will. Denn die Philosophen nehmen ja für sich in Anspruch, die Wissenschaft zu sein, die den Geist des Menschen schult und ihn zum selbsständigen Denken anregt. Zwar kann man da geteilter Meinung sein, wenn man sich manche Philosophen ansieht, aber grundsätzlich möchte ich das der Philosophie nicht in Abrede stellen. Ich schätze auch Philosophen hoch, wenn sie denn in der Lage sind, mir verständlich zu erklären, was sie so denken und nicht nur Fremdwörter dreschen. Und ich bin auch der Meinung, dass man eine philosophische Bildung haben sollte, wenn man Theologie studiert. Beide hängen ja eng miteinander zusammen, beide sind heute auch nicht mehr ohne die andere vorstellbar und wer ein wirklich guter Theologe sein will, muss auch ein guter Philosoph sein. Weshalb ich auch kein wirklich guter Theologe bin, weil ich zu wenig Philosophie belegt habe.

Der Vorstellung aber, dass meine Qualität als Christ davon abhängt, ob ich Philosophie studiert habe, lehne ich dann doch ab. Die Begründung der Kommilitonin, dass es für das eigene Christentum gut sei, wenn man Philosophie studiert habe, war, dass man dann freier in seinem Denken sei und nicht so sehr an Dogmen hängen würde. Man könne sich dann besser seine eigene Meinung bilden und sei undogmatischer, mithin offener und toleranter. Wie gesagt, ich kann sie gut leiden, aber ich halte ihre eigenen Toleranzschwelle für geringer als meine.

Überhaupt sind die meisten Leute, die nach Tolleranz rufen und sich für mortz tolerant halten genau das nicht, sondern nur in die Richtung offen, die ihnen in den Kram passt. Ich persönlich kenne keinen aufgeschlossenen Jesuiten, der sich jemals mit einem Piusbruder unterhalten hätte. Aber Altkatholiken sind natürlich toll. Aber ich komme vom Thema ab.

Ach ja, der Philosoph als guter Christ. Also ich kenne ja so viele Philosophen nicht und ich gelte ja auch als latent intolerant; und bin es wahrscheinlich auch. Aber wo das so tolle Christen sein sollen, bin ich mir nicht sicher. Ohne Zweifel gibt es großartige Christen unter den großartigen Philosophen. Der in der Blogozene hochgeschätzte Thomas von Aquin ist das beste Beispiel dafür. Aber ich frage mich doch, was Menschen wie Antonius der Große oder der Hl. Pfarrer von Ars gesagt hätten, wenn man ihnen mitgeteilt hätte, es wäre besser gewesen, wenn sie erstmal Philosophie gründlich studiert hätten, bevor sie mit dem Beten angefangen hätten. Sie wären natürlich sofort darauf eingegangen und der Hl. Antonius hätte seine Klause verlassen, um sich in Alexandria Vorlesungen über Platon anzuhören und wäre anschließend ein viel besserer Christ und viel großartigerer Heiliger gewesen. Oder ich denke an jenen Pförtner in einem namenlosen Kloster, der sein halbes Leben vor dem Allerheiligsten verbrachte. Auch er wäre sicher ein viel besserer Christ gewesen, wenn er zuerst Nietzsche gelesen hätte, anstatt sich gleich ins Gebet zu versinken und seinem tumben Abt zu glauben, während der ihm Dogmen einflößt.

Man merkt, ich halte wenig von einer solchen Einstellung. Vor allem aber aus einem Grund: Eine solche Religion, die Qualität nach philosophischen Fähigkeiten bemisst, ist eine Elitereligion. Eine Religion, für die Gebildeten, die Akademiker, kurz für die besser gestellten. Die Armen, ob geistig oder materiell, bleiben zurück und können nur die Brotkrumen der "guten" Christen aufsammeln und hoffen, dass Gott ihnen ihren fehlenden Magister in Philosophie nachsehen wird. Und Christus hat ja auch am Museion von Alexandria gewirkt und nicht etwa in Galilea und sein Apostel waren ja auch alle große Philosophen und mit dem Schwerpunkt Plato und nicht etwa Fischer. So jemand kann doch nicht denken, der kann doch nur beten. Da kann doch nichts bei rauskommen. Wenn solche Leute an der Stiftung einer Religion mitwirken, überlebt die doch keine 100 Jahre. Gott sei Dank hat Christus gelehrt: Selig sind die Reichen im Geiste, denn ihnen gehört das Himmelreich.

Ein Beispiel eines Bauchdieners

An dieser Stelle überspringen wir einige Kapitel. Denn Tertullian bewegte sich zum Zeitpunkt, als er diese Schrift abfasste, in den Kreisen der Montanisten, einer häretischen Splittergruppe in Afrika. Die Kapitel 10 und 11 beschäftigen sich mit der Verteidigung der Fastenpraxis der Montanisten. Daher werden sie hier übergangen und wir machen gleich mit Kapitel 12 weiter:
"Ihr seid auch in dieser Hinsicht voll und satt zur Herrschaft eingegangen; ihr fallt in keine Sünden, die man mit Fasten austreiben müßte; ihr habt keine Offenbarungen nötig, die man durch Xerophagien erzwingen muß; ihr fürchtet auch keine besonderen Anfechtungen, die man mit Hilfe von Stationsfasten durchkämpfen müßte. ... Auf diese Weise wird der Christ gleich so in den Kerker eintreten, wie er aus ihm heraustreten soll, als einer, der dort keine Strafe leiden, sondern nur eine Schule durchmachen, nicht die Foltern dieser Welt erdulden, sondern nur einen schuldigen Dienst verrichten soll, als einer, der um so zuversichtlicher aus dem Gefängnis zum Kampfe schreitet ..."
"Eure Mode ist es freilich, für unsichere Märtyrer in den Gefängnissen Garküchen zu errichten, damit sie nicht aus der Gewohnheit kommen, des Lebens nicht überdrüssig werden und sich an der Disziplin der ihnen ungewohnten Entbehrungen nicht stoßen. Diese hatte auch jener euer neulicher Märtyrer, der nicht einmal Christ war, noch nicht einmal angerührt. Nachdem ihr ihn, den ihm bewilligten freien Gewahrsam benutzend, eine Zeitlang gemästet und durch alle möglichen Bäder, als wären sie besser wie die Taufe, durch alle Erholungsarten der feinen Welt, als wären dies die verborgenen Schätze der Kirche, und durch alle Reize des diesseitigen Lebens, als stände es über dem ewigen ..."

Dienstag, 27. März 2012

Verteidigung der Enthaltung von einzelnen Speisen und der Xerophagie.

9. Kapitel der Schrift Tertullians über die Demut.
Bei der darin wesentliche thematisierten Xerophagie handelt es sich um ein strenges Fasten, ein sogenanntes trockenes Essen, bei dem nur Brot, Salz, Gemüse und Früchte sowie Wasser erlaubt waren, hingegen keinerlei tierische Produkte und auch kein Wein. Zudem aß man an diesen Tagen nur einmal, meist am späten Nachmittag oder am Abend.
"Diese Hauptart der Kasteiungen in Bezug auf Speise und Trank kann in Betreff der kleineren Betätigungen der Abstinenz bereits das Urteil begründen, daß auch sie in ihrer Weise nützlich und notwendig seien. Denn die Enthaltung von einigen bestimmten Nahrungsmitteln ist ja ein teilweises Fasten. Sehen wir uns also die Xerophagien auf ihre angebliche Neuheit und Torheit einmal an, ob nicht auch in ihnen ein ebenso alter als heilsamer Religionsgebrauch geübt werde. Ich kehre zurück zu Daniel und seinen Gefährten, welche Gemüse als Kost und Wasser als Trank den Schüsseln und Weinkrügen des Königs vorzogen. Infolgedessen sahen sie, damit ja niemand für ihr leibliches Aussehen bange, noch schöner aus und waren außerdem auch noch geistig geschmückt. ... Als er dann im dritten Jahre des Cyrus, des Perserkönigs, in die Betrachtung einer Vision verfiel, ersah er sich noch eine andere Art der Verdemütigung aus. "In jenen Tagen", heißt es, "trauerte ich, Daniel, drei Wochen hindurch, feines Brot aß ich nicht, Fleisch und Wein kamen nicht in meinen Mund, und ich salbte mich nicht mit Öl, bis die drei Wochen um waren". Nach deren Verlauf wurde der Engel ausgesandt, der ihn also anredete: "Daniel, du bist ein erbarmenswerter Mann, fürchte dich nicht; denn vom ersten Tage an, wo du deine Seele der Betrachtung und der Verdemütigung vor Gott hingegeben, wurde dein Wort erhört, und ich bin gekommen wegen deines Wortes". So vertreiben also die erbarmenswerte Übung und die Verdemütigung der Xerophagie die Furcht, neigen das Ohr Gottes herab und machen der Erkenntnis verborgener Dinge teilhaftig."
"... zu Aaron sprach der Herr: "Wein und Meth sollt ihr nicht trinken, du und dein Sohn nach dir, wenn ihr das Gezelt betretet oder zum Altar hinaufsteiget, damit ihr nicht sterbet". Also werden die des Todes sterben, welche in der Kirche Gott nicht in Nüchternheit dienen. Darum macht er auch Israel, seinem Sohne, den Vorwurf: "Meinen Geheiligten habt ihr Wein als Trank gegeben". Auch diese Beschränkung des Trankes ist ein Teil der Xerophagie."
"Indessen, wo die Enthaltung vom Weine durch Gott vorgeschrieben oder vom Menschen gelobt wird, da muß auch eine Verminderung der Speisen vorausgesetzt werden, welche dem Trank die Ordnung vorzeichnet. Wie die Speise, so der Trank. Es ist nicht wahrscheinlich, daß jemand das Opfer seines Gaumens Gott halb bringen, bei Wasser nüchtern und im Essen schwelgerisch sein sollte. Daß auch der Apostel die Xerophagie gekannt habe, er, der Größeres durchgemacht hatte, Hunger, Durst und vieles Fasten, der Trinkgelage und Schmausereien verworfen hatte, dafür kann man einen hinlänglichen Beweis schon auf seinen Schüler Timotheus gründen. Indem er denselben ermahnt, wegen seines Magens und seiner anhaltenden Schwäche ein wenig Wein zu gebrauchen, dessen sich dieser nicht wegen einer Vorschrift, sondern aus Andacht enthielt (sonst würde es für den Magen besser gewesen sein, bei der Gewohnheit zu bleiben), hat er die Enthaltung von Wein als etwas Gottgefälliges anempfohlen und sie nur infolge einer Notwendigkeit widerraten."

Montag, 26. März 2012

Das Beispiel der Prophetin Anna und das Fasten Christi

Heute schon zum zweiten mal Tertullian mit dem 8. Kapitel seiner Schrift über das Fasten:
"An der Schwelle des Evangeliums steht die Prophetin Anna, die Tochter Phanuels, welche den Knaben Jesus erkannte und vieles über ihn weissagte zum Nutzen derer, die das Heil Israels erwarteten. Nach dem herrlichen Lobestitel einer langjährigen Witwenschaft nach einmaliger Ehe wird sie durch das Zeugnis geschmückt, daß sie fastete. Sie zeigt uns, mit welchen Werken man in der Kirche ausharren müsse, und daß niemand leichter Christum erkenne, als die einmal Verheirateten und die öfters Fastenden. Sodann leitete der Herr selbst seine Taufe, und in seiner Taufe die Taufe aller, mit Fasten ein, obwohl er imstande war, zu bewirken, daß Steine Brot würden, ja sogar, daß die Fluten des Jordan eventuell Wein seien, wenn er nämlich wirklich ein Fresser und Säufer gewesen wäre. Im Gegenteil, er ließ den neuen Menschen zur Beschämung des alten auftreten mit der Fähigkeit, Speisen zu verschmähen, um dadurch dem Teufel, der ihn aufs neue durch die Eßlust zu versuchen strebte, zu zeigen, daß er jedem Appetit überlegen sei. Er schrieb sodann für das Fasten als Gesetz vor, daß man es ohne Traurigkeit verrichte. Denn warum sollte ein Heilsmittel etwas Trauriges sein? Auch lehrte er, daß die schlimmsten Dämonen durch Fasten zu bekämpfen seien. Wie sollte es auch auffallend sein, daß der böse Geist durch dasselbe Mittel verjagt wird, durch das der Hl. Geist zur Einkehr bewogen wird?! So lesen wir auch in Betreff des Hauptmannes Cornelius, sein Fasten habe Erhörung gefunden, so daß die Gnade des Hl. Geistes mit der Gabe der Prophetie über ihn zu kommen sich beeilte, bevor er getauft war. Soviel ich weiß, zählt auch der Apostel im zweiten Briefe an die Korinther unter seinen Mühen, Gefahren und Beschwerden neben Hunger und Durst häufiges Fasten auf."

Das Alte Testament über das Fasten

Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit dem 7. Kapitel der Schrift Tertullians über das Fasten:
"So sind wir denn nunmehr bereits bei den Beispielen angelangt, bei denen wir die Macht dieser Dienstleistung an dem hervorgebrachten Nutzen erwägen können, da sie sogar die Wiederaussöhnung des erzürnten Gottes mit dem Menschen bewirkt. Israel, das Samuel beim Wasserschöpfen zu Maspha versammelte, hatte gesündigt; aber es sühnte seine Sünde mit solcher Geschwindigkeit durch Fasten, daß es zugleich die Gefahr des Kampfes zerstreute. ... Das ist die Stärke derer, die Gottes wegen fasten. Der Himmel streitet für sie. Da hast du eine Norm für die Erhaltung des Schutzes, die auch in den geistigen Kämpfen notwendig gilt."
"Ebenso als Sennacherib, der König der Assyrier, nach der Einnahme mehrerer Städte, Israel Lästerungen und Drohungen durch Rhapsakes entbot, war es nichts anderes, was ihn seinem Vorsatze entgegen nach Äthiopien trieb. Was war es anders, was die 184.000 Mann von seinem Heere durch einen Engel wegraffte, als die Verdemütigung des Königs Ezechias? Nachdem diesem die Grausamkeit des Feindes berichtet war, zerriß er sein Kleid, zog einen Sack an und befahl durch Isaias den ältesten Priestern, in demselben Anzuge Gott anzugehen; Fasten begleitete natürlich die Gebete. Denn in der Gefahr nimmt man sich keine Zeit zum Essen, und im Bußsacke denkt man nicht an Sättigung. Immer ist Nichtessen im Gefolge der Trauer, so wie Lustigkeit sich zum Wohlleben hinzugesellt. Durch diese Folge der Trauer, nämlich durch das Fasten, wurde auch die sündige Stadt Ninive vom angedrohten Untergange befreit."
"Dieses Hilfsmittel kannte auch Achab, Als ihn Elias nach seiner Übertretung, seinem Götzendienst und der Ermordung des Naboth, der wegen des Weinberges von Jezabel umgebracht worden war, zur Rede stellte: "Du hast gemordet und das Erbe in Besitz genommen. An dem Orte, wo die Hunde Naboths Blut geleckt haben, werden sie auch das deinige lecken" - da verdemütigte er sich selbst, hüllte seinen Leib in einen Sack, fastete und schlief auf einem Sacke. Da erging das Wort des Herrn an Elias: "Hast du wohl gesehen, wie Achab vor meinem Angesichte Ehrfurcht hatte. Deswegen, weil er mich gefürchtet hat, werde ich kein Unheil herbeiführen in seinen Tagen, sondern in den Tagen seines Sohnes werde ich es heraufführen", der nicht fastete. So ist das Fasten ein Werk der Ehrfurcht gegen Gott, durch welches auch Anna, die früher unfruchtbare Gattin des Elkana, ihre Bitten an Gott richtete, und mit Leichtigkeit erlangte, daß ihr von Speise freier Leib mit einem Sohne erfüllt wurde, der noch dazu ein Prophet war."
"Allein nicht bloß eine Umkehrung der Natur, Abwendung von Gefahren oder Vergebung für Vergehungen, sondern auch Erkenntnis der Geheimnisse wird das Fasten bei Gott verdienen. Schau hin auf das Beispiel Daniels. Das Traumgesicht des Königs setzt alle Weisen in Verwirrung; sie gestehen, daß durch menschliches Vermögen das darüber Hinausliegende nicht erkannt werden könne. Bloß Daniel, der auf Gott vertraut und weiß, was er zur Erwerbung der göttlichen Gnade tun muß, fordert einen Zeitraum von drei Tagen, fastet mit seinen Mitbrüdern und, nachdem er so seine Gebete verstärkt hat, wird er über den Verlauf und die Bedeutung des Traumgesichtes vollständig belehrt, die Weisen des Tyrannen werden verschont, Gott verherrlicht, Daniel geehrt."

Freitag, 23. März 2012

Ein gefüllter Magen macht den Menschen zu göttlichen Dingen unlustig

Heute nun das 6. Kapitel der Schrift Tertullians über das Fasten

"Jetzt wollen wir das allgemeine Bewußtsein darüber befragen, falls es ein unmotiviertes Verfahren von uns war, die Gründe, warum Kasteiungen in Speise und Trank von Gott gewollt und von uns um Gottes willen zu üben seien, in den beim Uranfang gemachten Erfahrungen zu suchen. Die Natur selbst wird uns sagen, wie sie uns vor dem Genuß von Speise und Trank, so lange als die Zunge sozusagen noch jungfräulich ist, in Bezug auf jene Dinge hinzustellen pflegt, die nur mit dem Sinne vollführt werden dürfen, womit man das Göttliche behandelt: ob wir nicht viel kräftigeren Geistes, ob wir nicht viel lebhafteren Herzens sind, als dann, wenn das ganze Gebäude des inneren Menschen, mit Speisen vollgestopft und von Wein überschwemmt, mit der Bereitung der Auswurfstoffe sich abarbeitet und so zu einem Orte geworden ist, wo nur an die bevorstehenden Stuhlentleerungen gedacht wird, und es nichts gibt, was näher läge, als das Sinnen auf Lüsternheit."
"Wie wenige übrigens werden aber an Religion denken, wenn die Stätte des Erinnerungsvermögens in Beschlag genommen ist und die der Weisheit dienenden Glieder behindert sind!? Niemand wird, wie es sich gehört, gebührt und nützlich ist, Gottes eingedenk sein zu einer Zeit, wo es die Gewohnheit mit sich bringt, daß der Mensch sich selbst abhanden kommt. Essen und Trinken bringt der ganzen Sittenzucht Tod oder Wunden bei. ... So befiehlt er [Gott, Anm. d. R.] denn auch in demselben Buch Deuteronomium, diese Ursache zu meiden, und sagt: "Wenn du issest und trinkest und schöne Häuser bauest, bei der Vermehrung deiner Schafe und Rinder, deines Goldes und Silbers, soll sich dein Herz nicht überheben und du des Herrn deines Gottes nicht vergessen!" Er hat der Verderbnis durch den Reichtum noch die gewaltige Gier der Eßlust vorangestellt; ihr dienen selbst die Reichtümer. Durch sie nämlich war das Herz des Volkes verhärtet worden, so daß es mit den Augen nicht sah und mit den Ohren nicht hörte und mit dem Herzen, das von fetten Speisen umstrickt war, nicht dachte; er verbot deren Genuß mit Nennung der Namen, indem er den Menschen anleitete, nicht auf zu volle Nahrung bedacht zu sein."
"Wessen Herz erschien dagegen weit mehr aufwärts gerichtet als durch Fett beschwert? Es war das Herz dessen, der über die Kräfte der menschlichen Natur hinaus vierzig Tage und ebensoviel Nächte das Fasten fortsetzte, indem ihm der geistige Glaube die Kraft verlieh, der mit seinen Augen die Herrlichkeit Gottes sah, mit seinen Ohren die Stimme Gottes hörte und in seinem Herzen das Gesetz Gottes überdachte, welches schon damals lehrte, daß der Mensch nicht allein vom Brot lebe, sondern in jedem Worte Gottes, während das besser genährte Volk selbst den Anblick des Moses, der von Gott selbst ernährt und dessen Hunger durch seinen Namen gestillt worden war, nicht andauernd zu ertragen vermochte. Verdienterweise also zeigte sich ihm der Herr auch im Fleische, ihm, dem Genossen seiner Fasten, und ebenso auch dem Elias. Denn auch Elias hatte sich zuerst dadurch, daß er die Hungersnot herabrief, dem Fasten bereits hinlänglich geweiht. "So wahr der Herr lebt", sagt er, "vor dessen Angesicht ich stehe, es wird kein Tau oder Regen fallen in diesen Jahren". Darauf, nach einer einzigen Mahlzeit und einem Trunk, den er, von einem Engel aufgeweckt, gefunden hatte, floh er vor den Drohungen der Jezabel und kam, nachdem vierzig Tage hindurch sein Magen leer und sein Mund trocken gewesen, zum Berge Horeb, wo er in einer Höhle einkehrte. Zu welchem freundschaftlichen Verkehr mit Gott wurde er da zugelassen! "Was tust du hier, Elias?" Klingt dieser Ruf nicht viel freundlicher als: "Adam, wo bist du?" Dieser Ruf war dem Menschen, der gegessen hatte, eine Drohung, jener dem fastenden eine Schmeichelrede. So große Bevorzugung bewirkt der Abbruch an Speise und Trank; er macht den Menschen zu einem Hausgenossen Gottes, gesellt den Gleichen in Wahrheit dem Gleichen zu."

Der Philosoph und der Christ

Sl. John Henry Kardinal Newman:

"Der Philosoph bekennt, daß er unvollkommen ist, der Christ weiß sich sündhaft und verderbt."
Quelle: Roman Siebenrock: Wahrheit, Gewissen, Geschichte, S. 396.

Donnerstag, 22. März 2012

Newman und die Piusbrüder

In der letzten Zeit hat man ja viel zum Thema Piusbrüder gehört. Da ich mich momentan prüfungsbedingt mit dem Sl. Kardinal Newman beschäftigen darf, lese ich auch das Essay of Development. Darin habe ich ein interessantes Zitat zum Thema gefunden, das ich einfach mal in den Raum stelle:
„Bei der Religion ist es sogar eine der Ursachen einer Korruption, sich zu weigern, dem Fortgang der Lehre zu folgen, so wie sie sich weiterbewegt, und hartnäckig an den Begriffen der Vergangenheit hängenzubleiben.“
Quelle: John Henry Kardinal Newman: Essay of Development, S. 158.

Die jüdischen Speisegebote

Machen wir weiter mit dem 5. Kapitel der Schrift Tertullians über das Fasten.
"Sobald die Auserwählung des Gott befreundeten Volkes begann und die Wiederherstellung des Menschen eingeleitet werden konnte, wurden sofort alle jene Gesetze und Gebräuche auferlegt, auch solche, welche Einschränkungen in Bezug auf Speise und Trank enthielten. Einiges wurde als unrein ganz untersagt, damit der Mensch einst um so eher die Fasten ertrüge, wenn er gegenüber gewissen Dingen eine beständige Enthaltung geübt hätte. Denn auch das erste Volk hatte den Fehltritt des ersten Menschen wieder aufgefrischt und sich mehr dem Bauche als Gott zugetan gezeigt, da es, durch die mächtige Hand Gottes und seinen hohen Arm aus der harten Sklaverei Ägyptens befreit und zum Herrn jenes Landes, das da von Milch und Honig floß, bestimmt, sich sofort am Anblick der vorratslosen Wüste ärgerte, über den Verlust der Fülle Ägyptens seufzte und gegen Moses und Aaron murrte: "O, daß wir doch gestorben wären, getroffen von der Hand des Herrn im Lande Ägypten, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot in Fülle aßen! Warum hast du uns herausgeführt in diese Einöden, so daß diese ganze Menge vor Hunger stirbt?" In derselben Bevorzugung des Bauches wollte es über seine Führer, diese Vertrauten Gottes, sich beklagen, die es durch sein Verlangen nach Fleisch und seine Rückerinnerung an die Fülle Ägyptens sehr erzürnte. "Wer wird uns Fleisch zu essen geben; es kamen uns in den Sinn die Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, sowie die Kürbisse und Melonen, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch. Aber jetzt ist unsere Seele dürr und nichts als Manna sehen unsere Augen". So mißfiel auch ihnen die Xerophagie des Engelsbrotes; der Duft von Knoblauch und Zwiebeln war ihnen lieber als der himmlische Wohlgeruch. Darum eben wurde ihnen, da sie so undankbar waren, alles Angenehmere und Schmackhaftere entzogen, um zugleich die Gaumenlust zu züchtigen und die Enthaltsamkeit zu üben, damit erstere gestraft, letztere ihnen beigebracht werde."

Mittwoch, 21. März 2012

Die Schwäche des Menschen nach dem Sündenfall

Kommen wir nun zum 4. Kapitel der Schrift Tertullians über das Fasten:
"Dieser Grund wurde bei der Vorsehung Gottes, die alles nach den Zeiten passend einrichtet, wohl aufbewahrt, und es möge niemand von der Gegenpartei, um unsere Proposition umzustoßen, fragen: Warum hat denn Gott nicht sofort irgendeine Kasteiung in Bezug auf Speise und Trank angeordnet, sondern vielmehr die Einräumungen noch ausgedehnt?"
"Darauf geben wir zur Antwort, es paßte sich nicht, den Menschen, der soeben sogar das so leichte Verbot einer einzigen Frucht nicht hatte halten können, noch mit irgendeinem Gebote der Enthaltsamkeit zu belasten. Da er schlaff war, so mußte er eben durch die Freiheit erstarken. Ebenso genügte nach der Sintflut bei der Wiederherstellung des Menschengeschlechtes vorläufig das einzige Gebot der Enthaltung von Blut, während alles andere erlaubt war. Denn der Herr hatte bereits seine richtende Tätigkeit in der Sintflut gezeigt und außerdem auch noch Drohungen ausgesprochen, indem er das Blut von der Hand des Bruders und von jedem wilden Tiere zurückforderte. So hat er denn, die Gerechtigkeit des Gerichtes vorbereitend, der Freiheit Spielraum gegeben, durch Nachsicht die Sittenzucht angebahnt, alles gestattet, um einiges hinwegzunehmen, mit der Absicht, mehr zu fordern, wenn das Anvertraute größer sein würde, Enthaltung zu befehlen, nachdem Einräumung vorausgegangen wäre, damit, wie gesagt, die Ursünde durch Übung größerer Enthaltsamkeit bei Gelegenheit größerer Freiheit desto mehr gesühnt würde."

Zwei Mönche und eine Zisterne

Zwei Mönche, ein Karmenliter und ein Benediktiner, sitzen mit nacktem Oberkörper auf der Mauer einer Zisterne. Neben ihnen liegen ihre Habite, die sie zum trocknen ausgezogen haben.
Ein Mann kommt vorbei: "Holla, Brüder, was ist denn da passiert?" wundert er sich.
Der Karmeliter: "Während ich zu Gott gebetet habe und über die Liebe Christi meditierte bin ich in die Zisterne gefallen."
Der Benediktiner: "Während ich zu Gott gebetet habe und über die Liebe Christi meditierte habe ich einen Karmeliter aus der Zisterne geholt."

Dienstag, 20. März 2012

Der Mann und der Dieb

Heute will ich mal eine Geschichte erzählen:
Ein wohlhabender Mann ging eines Abends die Straße entlang. Ein anderer kam ihm entgegen. Er war ärmer und als der den Reichen sah, ergriff er sogleich seine Gelegenheit. Auf gleicher Höhe schleuderte er den Reichen an die Wand, nahm ihm dabei seine Börse ab und entschwand anschließend in der Dunkelheit.
Doch der Dieb hatte kein Glück. Er lief in eine Polizeistreife hinein und wurde, da die Beamten das Rufen des Opfers hörten, festgehalten. Der Reiche kam sogleich herangeeilt, denn er hatte keine körperlichen Schäden davon getragen.
Anklagend fragte er den Räuber, warum er ihn beraubt habe und ob er nicht wisse, dass das unrecht sei?
Darauf antwortete der Dieb ihm, er wisse gar nicht, worüber sich der Reiche denn so aufrege. Habe er ihn denn verletzt? Nein. Sei der andere reicher als er? Ja. Er könne daher nichts dabei finden, ihn ausgeraubt zu haben. Denn nach seinen Grundsätzen habe er sich vollkommen rechtens verhalten, habe er doch dem Reichen nicht wirklich geschadet und sich sogar bemüht, ihm keinen Schaden durch Verletzungen zuzufügen. Daher sei es ungerecht und anmaßend, ihm nun etwas vorzuwerfen und er sehe ihn als gewalttätigen Tyrannen an, da erder Ärmere, unter seinen Gesetzen zu leiden habe.

Hat nun der ärmere Mann korrekt gehandelt, weil er nur einen Reichen bestohlen und ihm nicht körperlich geschadet hat, obwohl er wusste, das er es nach den allgemeinen Gesetzen nicht durfte? Ist es also angemessen, wenn der Dieb nach seinen eigenen Gesetzen beurteilt wird und ist es dem Reichen vorzuwerfen, dass er ihn nach anderen Gesetzen anklagt?

Ich will noch eine zweite Geschichte erzählen:
Ich saß einmal mit einer Evangelikalen und einem Atheisten zusammen am Tisch. Die beiden kannten sich noch nicht und so versuchte sie ihn vom Glauben energisch zu überzeugen. Was er zur Kenntnis nahm, aber ablehnte. Er begründete das folgendermaßen: Er versuche, hier auf Erden ein anständiges Leben zu führen und nach Maßgabe seiner Mittel ein guter Mensch zu sein. Wenn es einen Gott geben würde, dann könne er erwarten, dass dieses Verhalten von ihm honoriert werde. Würde dieser Gott aber weigern, sein Bemühen anzunehmen und ihn zur Hölle schicken, dann sei ein solcher Gott ein bösartiger Tyrann und er weigere sich, vor einem solchen zu kriechen.

Wie unterscheidet sich nun unser Atheist von unserem Dieb?
Beide erklären sie doch, sich nach Maßgabe ihrer eigenen Möglichkeiten und Vorstellungen gut und richtig zu verhalten oder es wenigstens zu versuchen. Beide kennen sie das allgemeine Gesetz, nach dem sie sich ausrichten sollen, wollen es aber nicht annehmen. Beide erwarten sie, dass man ihre Bemühungen um rechtes Verhalten akzeptiert, honoriert und sie nach ihren Vorstellungen richtet. Und beide erklären sie jene zu Tyrannen und Gewaltherrschern, die sich erlauben, sie nach den bekannten Gesetzen zu beurteilen.

Nun kann man zwar argumentieren, der Dieb würde etwas stehlen, der Atheist aber nicht. Doch auch der Atheist stiehlt im übertragenen Sinne, nicht indem er Gott etwas nimmt, sondern indem er ihm etwas vorenthält, was ihm rechtens zusteht: Die schuldige Verehrung.

Ist nun der Atheist mehr im Recht, weil er "nur" Gott etwas vorenthält und sich "nur" gegenüber Gott auflehnt, als der Dieb, der "schließlich" einen Menschen beraubt und sich "schließlich" diesem Menschen gegenüber unrechtmäßig verhält?

Warum die Gaumenlust gezügelt werden muss

Heute widmen wir uns dem 3. Kapitel von Tertullians Schrift über das Fasten.

"Daher ist es unsere erste Pflicht, zu befestigen, was in Gefahr ist, heimlich untergraben zu werden, nämlich wieviel gerade diese Leerheit bei Gott gilt, und vor allem, woher gerade der Grund dafür, daß man sich Gott auf diese Weise geneigt machen kann, hervorgegangen ist. ...Hier also sollte der Psychikerglaube schon seinen Samen erkennen und seine Begierde nach den fleischlichen Dingen sowie seinen Widerwillen gegen geistige von da ableiten. Denn dann wird die Notwendigkeit der Befolgung anerkannt werden, wenn das Gewicht des Grundes, der auf die Schöpfungsgeschichte zurückzuführen ist, ins rechte Licht gestellt wird. Adam hatte von Gott das Gesetz empfangen, nicht zu kosten vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen; er sollte sterben, wenn er davon kostete. Aber auch er wurde damals nach der geistigen Ekstase, worin er jenes große Sakrament in Christus und in der Kirche geweissagt hatte, zum Psychiker, faßte nicht mehr, was des Geistes war, gab lieber dem Bauche nach als Gott, achtete mehr auf das Futter als auf das Gebot und verkaufte sein Heil um eines Gaumengenusses willen."
"Ich halte also fest, daß die Gaumenlust, die von Anfang an ein Mörder ist, durch die Peinen und Qualen der Leerheit des Magens bestraft werden müßte, auch wenn Gott gar keine Fasten vorgeschrieben hätte. ... Nach Belieben essen, wie und wann ich könnte, das sollte ich für Gift halten und demgemäß den Hunger als Gegengift nehmen, mich dadurch von der uranfänglichen Todesursache, die auch auf mich mit der Abstammung selbst übergegangen ist, reinigen, in der festen Überzeugung, daß Gott das wohlgefällig sei, dessen Gegenteil ihm mißfällig war, und in dem festen Vertrauen, daß das Streben nach Enthaltsamkeit dem gefallen werde, von dem ich erfahren hatte, daß er die Unenthaltsamkeit als schuldbar verdammte. Ferner, da er selbst auch das Fasten empfiehlt und eine schlotternde Seele - nämlich eine im eigentlichen Sinne durch Entbehrung von Speise schlotternde Seele - ein Opfer nennt, wer kann da noch zweifeln, daß der innere Grund aller Abtötungen in Bezug auf Speise und Trank der gewesen sei, daß durch abermaliges Verbot einer Speise und Beobachtung der Vorschrift die Erbsünde gesühnt würde, und so der Mensch Gott in derselben Sache und durch denselben Gegenstand Genugtuung leiste, durch den er ihn beleidigt hatte, d. h. durch Versagung der Speise."

Montag, 19. März 2012

Die Argumente der Gegner des Fastens

Da die Schrift Tertullians über das Fasten eine gewisse Länge aufweist, ich sie aber noch in der Fastenzeit zu Ende kriegen will, gibts nun schon Kapitel 2:
"Im übrigen sei also, wie man es beliebe, nach freiem Ermessen zu fasten, je nach der Zeit und den Umständen eines jeden, nicht aber nach Vorschrift, wie eine neue Disziplin es wolle. So hätten es die Apostel auch gehalten; sie hätten kein weiteres Joch bestimmter Fasten, das von allen gemeinschaftlich gehalten werden müsse, auferlegt, demnach auch keine Stationen, die zwar ihre bestimmten Tage, die Mittwoche und Freitage, haben, aber nach Belieben ihren Verlauf nehmen sollen, nicht nach einer gesetzlichen Vorschrift und nicht über die letzte Tagesstunde hinaus, da ja auch das Gebet in der Regel mit der neunten Stunde schließe, entsprechend dem in der Apostelgeschichte berichteten Beispiele des Petrus"
"Sie schleudern uns dabei auch den Ausspruch des Isaias entgegen: "Nicht ein Fasten wie dieses hat sich der Herr auserkoren", d. h. keine Enthaltung von Speisen, sondern die Werke der Gerechtigkeit, die er darauf folgen läßt, und daß der Herr selbst gegenüber aller Ängstlichkeit in Betreff der Nahrung im Evangelium die kurze Antwort gegeben habe, "nicht durch das, was in den Mund eingeht, werde der Mensch verunreinigt, sondern durch das, was aus dem Munde kommt,"da er auch selbst aß und trank, so daß er sogar die Zensur erhielt: "Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Säufer". Auch der Apostel lehre, daß nicht die Speise uns Gott wohlgefällig macht, so daß wir weder einen Vorzug haben, wenn wir essen, noch einen Verlust erleiden, wenn wir nicht essen."
"Durch diese und ähnliche derartige Ideen gelangen sie mit aller Schlauheit sogar schon dahin, daß jeder seinem Bauche willfähriger wird und die Pflicht der vollständigen oder teilweisen Enthaltung von Speisen oder des auf eine spätere Zeit verschobenen Essens für überflüssig und nicht so sehr notwendig hält; denn Gott stelle ja die Werke der Gerechtigkeit und Unbescholtenheit höher. Wir kennen die Künste der Überredung zum fleischlichen Wohlleben recht gut; wir wissen, wie leicht sich sagen läßt: Es ist nur notwendig, aus ganzem Herzen im Glauben zu bekennen: Ich will Gott lieben und den Nächsten wie mich selbst; denn an diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten, nicht aber an der Leerheit des Magens und der Eingeweide."

Tertullian über das Fasten

Bevor die Fastenzeit zu Ende geht, wollen wir uns noch einmal diesem Thema widmen. Hierfür habe ich einen schönen Text des Tertullian gefunden: Über das Fasten, gegen die Psychiker. Um der besseren Lesbarkeit wird er auf die wesentlichen (bzw. von mir als solchen angesehenen) Teile eingedampft. Beginnen wir heute, sinnvollerweise, mit dem ersten Kapitel:  
"Ich würde mich wundern, wenn jene Psychiker bloß in den Banden der Sinnenlust lägen, infolge derer sie öfters heiraten, und sie nicht auch von der Gefräßigkeit beherrscht würden, infolge derer sie Feinde des Fastens sind. Etwas Unerhörtes wäre Wollust ohne Gaumenlust; denn diese beide sind so miteinander vereint und verwachsen, daß sie überhaupt nicht getrennt werden können"
"Ich erkenne also den bloß psychischen Glauben an der Beflissenheit, mit der er auf das Fleisch gerichtet ist. In ihm geht er ganz auf, da er ebenso zu vielem Fressen wie zum vielen Heiraten geneigt ist. So kommt es, daß er, von diesem Standpunkt aus mit Recht, gegen die pneumatische Disziplin, die ihm ihrer Wesenheit nach feindlich gegenübersteht, auch in Bezug auf diesen Punkt ihrer Enthaltsamkeit Anklagen erhebt, deshalb nämlich, weil sie der Gaumenlust Zügel anlegt, zuweilen durch gänzliche Enthaltung von Speisen oder durch spätes Essen oder durch trockene Speisen, gerade so wie sie es hinsichtlich der Sinnenlust durch Gestattung nur einer Ehe tut."
"Sie erheben gegen uns die Anklage, daß wir besondere Fasten beobachten, daß wir die Stationen sehr häufig bis zum Abend ausdehnen, daß wir sogar Xerophagien halten, indem wir die Speisen trocken bereiten, ohne alles Fleischwerk, ohne alle Brühe und saftige Früchte, und daß wir in Speise und Trank uns jedes Weinsaftes enthalten. Dazu kommt die Enthaltung vom Bade, welche zu der trockenen Nahrung stimmt. Sie werfen uns also Neuerung vor, und hinsichtlich ihrer Unerlaubtheit erheben sie die Einrede, sie sei von vornherein entweder für Häresie zu halten, wenn sie auf bloß menschlicher Anmaßung beruhe, oder für Pseudoprophetie zu erklären, wenn sie sich als Befehl des Geistes ausgebe. So bekommen wir von beiden Seiten das Anathem zu hören, wenn wir anders lehren."

Freitag, 16. März 2012

Die vierte Stufe der Demut III

Heute wollen wir die vierte Stufe der Demut abschließen.
"Um zu zeigen, dass wir unter einem Oberen stehen müssen, sagt sie weiter: "Du hast Menschen über unser Haupt gesetzt."Selbst bei Widrigkeiten und Unrecht erfüllen die Mönche in Geduld die Weisung des Herrn: Auf die eine Wange geschlagen, halten sie auch die andere hin; des Hemdes beraubt, lassen sie auch den Mantel; zu einer Meile gezwungen, gehen sie zwei. Wie der Apostel Paulus halten sie falsche Brüder aus und segnen jene, die ihnen fluchen."
Nachdem Benedikt uns im vorhergehenden Teil gemahnt hat, auch in den Widrigkeiten treu zu bleiben, setzt er noch einmal einen drauf. Er erinnert uns daran, das Jesus selber nicht zur Einhaltung der Gesetze aufgefordert hat - was ja schon schwierig genug war - sondern die Latte sogar noch höher gehängt hat. Während im mosaischen Gesetz das Opfer seinem Angreifer nur soviel nehmen durfte, wie ihm selber genommen wurde, so soll man jetzt freiwillig noch größeres Unrecht ertragen. Selber hat Jesus uns hierfür zahlreiche Beispiele gegeben. So hat er noch am Ende seines irdischen Lebens für jene um erbarmen gebeten, die ihn ans Kreuz brachten. Dem Beispiel seines Herrn folgte Stephanus, der um Vergebung für seine Steiniger bat. Man könnte diese Liste beliebig verlängern.

Doch man muss nicht einmal so radikal sein um mit den Worten Jesu seine Probleme zu haben. Fällt es uns schon schwer genug, Unrecht zu ertragen, wie viel schwerer fällt es uns, dieses Unrecht auch noch zu vergeben. Aber gerade diese Vergebung, dieses mehr geben ist ein wesentlicher Akt der Bewältigung. Denn wenn wir nur ertragen würden, blieben wir an uns selbst haften. Ich ertrage etwas, ich erleide, ich erdulde, ich armes armes Opfer und ganz zuletzt ich toller toller Kerl, der ich das alles erdulde ohne dem anderen zu schaden. Merkt ihr was? Selbstmitleid führt zu Selbsterhöhung führt zu Hochmut. Und genau davor warnt uns der Hl. Benedikt. Denn wie wir schon wissen ist der Hochmut der Anbeginn der Sünde. Wenn wir mit Hochmütiger Haltung etwas über uns ergehen lassen, erreichen wir nicht nur nichts, wir fallen sogar noch weiter zurück, obwohl wir scheinbar den Anforderungen Christi entsprechen.

Doch diesen Hochmut können wir nur überwinden, indem wir nicht in den Spiegel schauen, sondern unseren Blick auf den anderen richten. Blicken wir auf ihn, dann sehen wir mehr als nur einen Angreifer, einen Gegner. Wir sehen einen Menschen, der in die Sünde ebenso verstrickt ist wie wir. Wir haben ihm nichts voraus, beide sind wir der Liebe Christi und der Gnade Gottes bedürftig. In diesem ersten Schritt verdemütigen wir uns selbst.

In einem zweiten Schritt gilt es, diese demütige Haltung noch zu stärken und zu festigen. Denn dieser Mensch, der uns als Gegner gegenüber tritt, ist ja in den meisten Punkten wie wir und sozusagen unser Bruder. Unser Bruder in der Sünde, unser Bruder in der Bedürftigkeit und unser Bruder als von Gott geliebtes Kind. Zürnen wir aber unserem Bruder und wollen unsere Rache an ihm stillen? Nein. Vielmehr wünschen wir ihm das gleiche, was wir auch uns wünschen: Gottes Gnade und die Überwindung unser Fehler. Haben wir diesen zweiten Schritt der Verdemütigung getan, folgt der dritte, die aktive, ausgerichtete Handlung.

Entreißt uns jemand unseren Besitz, so überlassen wir es ihm. Denn dafür gibt es viele gute Gründe: Zum einen werden wir uns der Vergänglichkeit unserer Besitzes bewusst und erfahren, über wie wenig wir doch wirklich verfügen. Wir werden damit freier und demütiger. Zugleich gibst du damit deinem Bruder ein Beispiel, wie man handeln sollte. Denn wie der Hl. Johannes Chrysostomos sagt:
"Denn Zorn wird durch Zorn nicht gezähmt, sondern noch mehr gereizt"
Ersticken wir aber den Zorn unseres Bruders wie unseren eigenen, haben wir die überhaupt die Chance, die Probleme die uns beide umtreiben und in diese Situation geführt haben, zu lösen. Freilich dürfen wir nicht erwarten, dass sich der anderen wegen unserer Haltung bessert. Denn damit treten wir ihm wieder Hochmütig entgegen. Vielmehr dürfen wir nichts erwarten und sollen uns unserer eigenen Schwachheit bewusst sein. Wie immer der Gegenüber dann reagieren wird, ob im guten oder im schlechten, werden wir es in demütiger Haltung erfahren.

Unbestreitbar klingt das, was ich geschrieben habe, eher wie eine fromme Luftnummer. Wer macht denn auch sowas? Nun, einige wurden bereits oben genannt. Zwar sind das wirklich außergewöhnliche Fälle, aber sich am Mittelmaß zu orientieren, an den Lauen und Feigen war zu keinem Zeitpunkt eine Tugend.
Daran erinnert uns auch der Hl. Hieronymus, wenn er schreibt:
"Viele schätzen die Gebote Gottes nach ihrer eigenen Schwachheit ein, nicht nach den Kräften der Heiligen, und deshalb glauben sie, daß diese Vorschriften unerfüllbar seien. Und sie sagen, daß es für die Tugend ausreiche, seine Feinde nicht zu hassen; sie darüber hinaus auch noch zu lieben, dies sei für die menschliche Natur eine zu schwere Vorschrift. Man muß aber wissen, daß Christus nicht etwas Unmögliches vorschreibt, sondern Vollkommenes."
Und Remigius lehrt:
"Weil aber die vollkommene Liebe über die Feindesliebe nicht hinausgehen kann, fügt der Herr also hinzu, nachdem er vorgeschrieben hat, die Feinde zu lieben: Wie auch euer himmlischer Vater vollkommen ist. Er selbst freilich ist vollkommen wie auch allmächtig, der Mensch aber ist vom Allmächtigen unterstützt."

Donnerstag, 15. März 2012

Eine mutige Christin

Wir freuen uns heute wieder einmal mit Frau Prof. Dr. Dr. Wilhelmine Küsselbecker sprechen zu können.

Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker, sie haben uns ihr hervorragendes neues Buch mitgebracht "Jesus und ICH. Die Geschichte einer Beziehung." Die Kritiken waren fast alle außerordentlich positiv. So schrieb z.B. das OOPO (Omni-oekumenisches Publikationsorgan): "Ein herausragendes und mutiges Buch einer heroischen Anhängerin des wahren Menschen Jesus." Und die "Reform" schreibt: "Ein großer Wurf, durch den die Anhänger der wahren Reform in ihrem heldenhaften Kampf gegen die verkrustete Amtskirche und ihr falsches Jesusbild bestärkt werden." Hingegen schreibt Pater Winfried Supplicius in seinem Blog "Hurra Ecclesia": "Wie leider nicht anders zu erwarten ist auch dieses Buch von Frau Wilhelmine Küsselbecker wieder einmal eine beeindruckende Anhäufung von Häresien, Selbstbeweihräucherung und historischer Unwissenheit." Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker, wie sagen sie zu dieser Kritik?

Nun wissen sie, ich kenne Pater Winfried. Im persönlichen Umgang ist er ein außerordentlich höflicher, zurückhaltender und demütiger Mensch. Woran sie erkennen können, dass es ihm sowohl an Charakter, Kompetenz und dem rechten Verständnis der Jesus-Botschaft mangelt. Solche Sekundärtugenden, wenn man das mal so nennen will, haben Menschen meiner Persönlichkeit und Fähigkeit ja nicht nötig. Deswegen fühle ich mich auch durch die Kritik Pater Winfrieds nicht getroffen. Wenn ein Mensch wie er, der so an den überkommenen Vorstellungen der Kirche hängt, mir Häresie unterstellt, betrachte ich das als Auszeichnung. Zum Thema Beweihräucherung muss ich ja wohl nichts sagen. Und zur Frage der historischen Dummheit behaupte ich doch mehr Ahnung zu haben als der gute Pater in seiner Klosterzelle.

War Pater Winfried nicht Professor für alte Kirchengeschichte an der Gregoriana, bevor er Mönch wurde?

Ja und? Nur weil er darüber promoviert hat und nur weil er Griechisch, Hebräisch, Aramäisch, Syrisch und Latein spricht heisst das nicht, das er mehr Ahnung davon hat als ich. Immerhin erschließt sich mir Jesus auf einer viel tieferen Ebene durch meine Arbeit als praktische Theologin mit den lebendigen Menschen, weshalb ich Kenntnisse dieser ganzen toten Sprachen auch nicht nötig habe.   

Selbstverständlich. Aber sagen sie, ihre Theorien stoßen ja offensichtlich nicht überall auf Gegenliebe. Sie müssen wahrscheinlich viele Beschwernisse durch die offizielle Kirche auf sich nehmen?

Davon können sie aber ausgehen. Ich sage ihnen, es gehört schon viel Mut dazu, die Kirche so offen zu korrigieren wie ich das tue. Es ist wirklich unglaublich, welches Märtyrium mir von den Schergen des römischen Bischofs bereitet wird und es zeugt von wahrer heroischer Größe, dass ich das alles aushalte.

Können sie uns vielleicht ein Beispiel nennen?

Aber ja. Zum Beispiel weigert man sich in Rom partout, mich zur Apostolischen Protonotarin zu ernennen, obwohl ich diesen Rang nun wirklich mehr verdient habe als alle anderen.

Aber ist das nicht eine Würde, die nur Priester erhalten?

Ja und? Für mich könnte man ja mal eine Ausnahme machen. Und warum tut man es nicht? Weil ich diesem Tyrannen in weiss nicht nach dem Mail schwätze.

Das ist wirklich ungerecht und ...

Aber es geht ja noch weiter. Stellen sie sich vor, dass man mich, MICH nach wie vor weder in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften noch in die Akademie für Sozialwissenschaften berufen hat. Mich, die ich doch wirklich mehr drauf habe als diese ganzen verstaubten Greise zusammen. Und warum? Weil es diese grausigen Knopflochentzündungsapparatschniks und ihr Chef, der Möchtegern-Nachfolger des verheirateten Berufsfischers Simon bar Jona, dieser großkotzigen Diktator mit Plüschkäppi und weltfremde Aushilfserlöser mit Vize-Gott-Phantasien, dieser [aus Jugendschutzgründen geschwärzt; der verantw. Redakteur], weil die es nicht ertragen können, wenn man ihnen mal sachlich die Meinung sagt.

Es ist wirklich traurig, wie wenig größe doch in Rom walltet. Aber wie steht es denn in ihrem näheren Umfeld?

Auch da haben meine mutigen Versuche um eine Kirchenreform mir schon viele Schwierigkeiten gemacht. So weigert sich z.B. nicht nur die Universitätsleitung, meine berechtigen Forderungen zu erfüllen, nein, meine Studenten lassen sich auch nicht dazu bewegen, mir mit einer Unterschriftenkampagne zu helfen.

Welche Forderungen sind das denn?

Eine 70 % Gehaltserhöhung, eine zweite Sekretärin, ein größeres Büro, wenigstens 60 qm, drei weitere HiWi-Stellen, vier weitere Assistentenstellen, einen Privatdozenten für die Betreuung meiner Dokoranten, ein eigener Wagen mit Fahrer, eine eigene Toilette mit Bad und einen Ruheraum. All das wird mir verweigert, nur weil ich der Kirche nicht nach dem Mund rede.

Und in ihrer Pfarrei?

Auch da gibt es Probleme über Probleme. Sicher, die Mehrzahl der Gläubigen ist auf meiner Seite, immerhin bin ich Pfarrgemeinderatsvorsitzende und damit die natürliche Anführerin der Pfarre, und auch der Pfarrer ist ein großer Fan von mir. Aber leider haben wir da einen neuen Kaplan, der total verbohrt ist. Stellen sie sich vor, der hat mich doch tatsächlich mal des Altarraums verwiesen während des Hochgebetes, nur weil ich nicht geweiht sei. Und auch sonst fährt er mir dauernd in die Parade. Er weigert sich z.B. mir den Ambo zur Predigt zu überlassen, wenn er der Messe vorsteht und einmal hat er mir sogar nicht den Speisekelch gegeben, damit ich die Kommunion nicht mit austeilen konnte, obwohl sieben Leute in der Kirche waren. Alles Schikane.
Doch ich bin bereit, all diese Verfolgungen auf mich zu nehmen, um der Wahrheit zu dienen und eine echte Reform der Kirche anzustoßen. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass mein neues Buch viele Unentschlossene zum rechten Weg führen und das mein Beispiel sie ermutigen wird, zum wahren Glauben zu finden, wie einst die Märtyrer im Kolosseum durch ihre standhafte Haltung die römische Welt bekehrt haben.

Vielen Dank Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker und viel Glück bei ihrem heroischen Kampf.

Mittwoch, 14. März 2012

Mit brennender Sorge - Eine Enzyklika als Wunschkonzert

"Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten Wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat treubleibenden Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes, dem St. Bonifatius einst die Licht- und Frohbotschaft von Christus und dem Reiche Gottes gebracht hat."
So leitete Papst Pius XI. seine Enzyklika ein, in der er die Verbrechen des Nationalsozialismus geißelte und der Ideologie Hitlers die Maske herunterriss. Es war das erste mal, dass eine internationale Organisation von Bedeutung, ein Staatsoberhaupt oder ein bedeutender Vetreter einer der großen Weltreligionen die Stimme erhob, um Hitler zumindest im Wort, zumindest in der Idee Einhalt zu gebieten. Zu einem Zeitpunkt, wo die Vertreter der evangelischen Kirchen - die meisten - diskret in den Himmel guckten und die Staats- und Regierungschefs der Welt Hitler noch für einen seriösen Verhandlungspartner hielten, da erhob sich einsam die Stimme Petri, um der Welt ins Gesicht zu sagen, was sie selber hätte wissen können: Das der Nationalsozialismus ein Monstrum und chronischer Rechtsbrecher ist.

Ihre größte Würdigung hat die Enzyklika bezeichenderweise von ihren Gegnern erfahren. Das NS-Regime reagierte regelrecht panisch, um ihre Verbreitung zu verhindern. Der Sicherheitsapparat wurde angeworfen, um katholische Druckereien zu durchsuchen und zu beschlagnahmen, Pfarrern, die die Enzyklika vorlasen wurde der Text von eifrigen Parteisoldaten aus der Hand gerissen und die Repressalien, die die Kirche über sich ergehen lassen musste, wurden erneut verschärft. Der Wutanfall, den der Choleriker Hitler bei Kenntnisnahme der Enzyklika bekommen haben soll, scheint gewaltig gewesen zu sein. Das man von Seiten des Regimes auf päpstliche Enzykliken auch im weiteren nicht gut zu sprechen war, lässt sich daran ersehen, dass viele Deutsche von weiteren päpstlichen Verlautbarungen per Flugblatt Kenntnis erhielten - abgeworfen von Alliierten Flugzeugen.

Heute jedoch blickt man mit Wehmut auf diese Enzyklika zurück. Nicht etwa ob der Schwierigkeiten, die sie für die Kirche und die Katholiken bedeutet hat. Nein. Diese sind den heroischen Nachgeborenen nichts mehr wert. Sondern weil sie der Meinung sind, die Enzyklika hätte noch mehr enthalten sollen. Man war zwar die einzige Macht, die sich gegen Hilter überhaupt mal irgendwie gewandt hat. Aber trotzdem hätte die Kirche doch bitte auch noch weitere Punkte erwähnen sollen. Deren bedeutendster waren natürlich die Juden. Schwam drüber, dass die westlichen Staaten zu der Zeit ihre Grenzen dicht gemacht haben, sodass die jüdischen Auswanderer kaum mehr rauskamen aus der Falle NS-Reich. Aber das Pius XI. die Juden nicht erwähnt hat macht ihn natürlich zu einem latenten Antisemiten und einem egozentrischen Kirchenherrscher. Hat der sich doch nur um die Katholiken gekümmert. Sauerei. Gut, vieles von dem, was gesagt wurde, lässt sich auch auf Juden anwenden und die Sittenlehre, die Pius XI. hier einschärft verurteilt auch das Verhalten des Regimes gegen die Juden mit. Aber das er es nicht expliziet gesagt hat macht die Enzykika unwirksam und böse. Wenigstens defizitär.

Natürlich bestreitet keiner, dass wir es im nachhinein gut finden würden, hätte Pius XI. aus noch so etwas geschrieben wie:
Auch verurteilen wir alle Aktivitäten die sich gegen die Anhänger des Alten Bundes richten, sei es in diskreminierender oder physischer Form als dem Naturrecht, der Sittlichkeit und den Regeln der Heiligen Kirche widersprechend und fordern euch, liebe Brüder, auf, gegen solches vorzugehen und jenen zu helfen, die der Hilfe bedürfen, über die Schranken der Rasse und der Religion hinweg.
Würde ich auch toll finden. Aber sich im Nachhinein hinzustellen und darüber zu lamentieren, was alles nicht gemacht wurde, ist historischer Unsinn und moralisch billig. Es erinnert mich an eine Szene aus meiner Schulzeit, als ein Mitschüler erklärte, wie Stauffenberg bei der Ermordung Hitlers hätte vorgehen und der Meinung war, der Graf hätte gefälligst den Selbstmörder geben sollen. All das mit der Pose des "Ich hätte es so gemacht."

Ich weigere mich daher, mir als Katholik ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen, weil mein ehemaliges Oberhaupt "nur" den Nationalsozialismus aus der Perspektive der Kirche verurteilt hat. Vielmehr bin ich stolz darauf, dass überhaupt mal jemand den Mund aufgemacht hat und ich verneige mich vor allen Priestern, Ordensmitgliedern und Laien, die an der Verbreitung der Enzyklika beteilit waren. Solchen Mut brauchen wir auch heute und nicht das Nachtreten von irgendwelchen Hätte-schon-Helden.

Neues von der Sidebar

Heute habe ich mir mal meine Sidebar angesehen und mir ist dabei aufgefallen, dass mein Blogroll schon ziemlich lang ist. Durchgezählt mehr als 50 Blogs habe ich mitlerweile darin aufgenommen. Aber das führt natürlich auch zu Problemen. Denn wenn man sich nicht die Mühe macht, sich durch alle bis nach unten zu scrollen, werden viele gute Beiträge übersehen, weil sie einfach zu alt sind. Ein steigendes Tempo und eine größere Masse an Informationen geht halt auch an der katholischen Blogozene nicht vorbei. Um dieses Problem zumindest organisatorisch zu bewältigen, habe ich beschlossen, eine neue Liste aufzumachen. Deswegen haben die englishsprachigen Blogs jetzt einen eigenen Blogroll bekommen. Vor weiteren Unterteilungen schrecke ich noch zurück, weswegen ich es erstmal dabei belasse, bis es auch auf der überarbeiteten Liste wieder unübersichtlich wird.

Dienstag, 13. März 2012

Die vierte Stufe der Demut II

Heute wollen wir mit der vierten Stufe der Demut fortfahren:
"Um zu zeigen, dass der Glaubende für den Herrn alles, sogar Widriges aushalten muss, sagt die Schrift durch den Mund derer, die das erdulden: "Um deinetwillen werden wir den ganzen Tag dem Tode ausgesetzt, behandelt wie Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind." Doch zuversichtlich und voll Hoffnung auf Gottes Vergeltung fügen sie freudig hinzu: "All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat." Und ebenso sagt die Schrift an anderer Stelle: "Gott, du hast uns geprüft und uns im Feuer geläutert, wie man Silber im Feuer läutert. Du hast uns in die Schlinge geraten lassen, hast drückende Last unserem Rücken aufgeladen."
Schon in der Schrift werden wir davor gewarnt, dass wir um des Namens Christi willen werden leiden müssen. Dabei geht es nicht um irgendwas, wir werden nicht einfach nur verunbequemt. Den ganzen Tag in Todes Gefahr zu schweben und wie Schafe behandelt zu werden ist keine Kleinigkeit. Und die meisten von uns haben auch das Glück, dass ihnen so etwas nicht passiert. Zugleich handelt es sich aber auch bei dem Anlass um keine Kleinigkeit. Es geht nicht darum, dass wir keine Prada-Schuhe tragen und deswegen gemobbt werden. Sondern es geht um den Widerstand der Welt gegen Gott, der an uns ausgelassen wird. Unser Erdulden dieses Widerstandes hat daher eine mehrfache Dimension.

Zum einen geht es darum, dass wir selbst durch das gehorsame Erdulden wachsen. Darauf weist Benedikt noch einmal hin, wenn er den Psalm 66,10 zitiert: "Gott, du hast uns geprüft und uns im Feuer geläutert, wie man Silber im Feuer läutert." Ähnliches finden wir auch z.B. bei Hiob 23,10:  "Doch er kennt den Weg, den ich gehe; prüfte er mich, ich ginge wie Gold hervor." Das erinnert mich an eine Geschichte. Ich sprach einmal mit einer Kommilitonin über die Frage des Gehorsams gegen Gott. Sie selbst ist eine Evangelikale und meint, sie sei erlöst. Ich wandte damals ein, dass man eine solche Aussage, wenn man nicht nur subjektive Eindrücke sondern auch objektiv Sichtbares zugrunde legen wollte, erst am Ende des Lebens treffen könne. Denn keine Prüfung, die uns normalen Mitteleuropäern aufgelegt wird, eignet sich ja dazu, unsere Liebe und Erlöstheit unter Beweis zu stellen. Doch sie meinte, wenn der Tag kommen würde, an dem sie für Christus in den Tod gehen müsste, würde sie es bereitwillig tun. Hut ab, habe ich mir gedacht. Ich kann das nicht von mir sagen. Ich kann nicht von mir sagen, dass ich als Gold hervorgehen würde, wenn es darauf ankäme. Aber glücklicherweise röstet uns Gott auch nicht alle tagtäglich mit dem Bunsenbrenner. Die meisten von uns können sich damit begnügen, auf einen leichten Kohlenrost gelegt zu werden und die kleinen Widrigkeiten des Alltags aushalten zu müssen, die uns unser Christsein bietet. Doch das ist nicht schlimm. Denn von uns wird ja nicht verlangt, dass wir nach dem Martyrium streben, sondern es reicht, wenn wir jene Aufgaben bewältigen, demütig erdulden, die uns aufgetragen sind.

Und ein zweiter Punkt. Denn wie gesagt leiden wir ja nicht für irgendwas. Sondern wir tun es um des Namens Christi willen, ausgelöst oft durch Menschen, die diesen Namen ablehnen. Das kann im Alltäglichen viel sein. Es fängt damit an, das man schief angeschaut wird, wenn man in der S-Bahn betet (nicht mal laut). Das man gewisse Freundschaften nicht pflegen kann, weil die anderen einen für einen religiösen Spinner halten - aber ansonsten ganz nett sind. Manche Kommilitonen bekommen auch mit den Professoren Probleme, wenn sie allzu offen ihren Glauben zeigen. Damit hat unser Verhalten aber nicht nur eine Wirkung nach innen, sondern auch nach außen. Zu allen Zeiten war das Erdulden von Leiden, war das Blut der Märtyrer die Saat des Christentums. Wie viele Menschen haben zum Glauben an Christus gefunden, weil sie zusahen, wie Christen hingeschlachtet wurden, während sie für ihre Mörder um Vergebung baten. Auch heute noch können standhafte Menschen eine Außenwirkung entfalten. Einfach nur dadurch, dass sie authentisch sind. Der steht zu dem, was er sagt. Der macht auch noch, was er predigt. Das kann einem Respekt einbringen und Vorbildfunktion entwickeln. Ich will auch authentisch sein, echt sein.

Doch das ändert natürlich nichts daran, dass uns hier Schwernisse aufgeladen werden. Aufgaben, die für uns nicht leicht sind und bei denen wir allzu leicht scheitern können. Denn es wäre doch viel leichter, es einfach zu lassen und sich mit seiner Religion ins stille Kämmerlein zurückzuziehen. Den Probleme aus dem Weg zu gehen. Sicherlich, als Christ habe ich eine Aufgabe, aber die ist doch so schwer. Und das man uns erzählt, andere hätten es noch schwerer, macht es auch nicht einfacher. Wie kann ich den mit meinen Mühen Erfolg haben, wenn scheinbar die ganze Welt gegen mich steht? Auch hierauf antwortet der Hl. Benedikt, wenn er uns wieder an ein Wort der Schrift erinnert: "All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat." Wenn das fehlen würde, dann hätten wir ein Problem. Denn wir selber können all das nicht leisten, was uns da präsentiert wird. Es ist uns praktisch unmöglich, selbst in unserer konfortablen Situation, den Verlockungen und den Bedrohungen der Welt gegen unseren Glauben stand zu halten. Wie oft denken wir an den Psalm 22:  "Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe." Doch der Apostel Paulus erinnert uns daran, das wir es auch gar nicht selber schaffen müssen. Durch den, der uns geliebt hat, Jesus Christus, können wir standhaft bleiben in der Welt. Wie der Psalmist rufen wir: "Du aber, Herr, halte dich nicht fern! Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe" Wenn wir nicht auf unsere Stärke vertrauen, sondern auf die Stärke des Herrn, so werden wir auch überwinden, was er an Widrigkeiten zugelassen hat. So sind denn die Worte Benedikts nicht nur Warnung und Mahnung, sondern auch Verheißung. Folgen wir dem Weg, den er uns zeigt, können auch wir am Ende rufen wie der Psalmist: "Vom Herrn wird man dem künftigen Geschlecht erzählen, seine Heilstat verkündet man dem kommenden Volk; denn er hat das Werk getan."

Voll, voller, päpstlich

Mal ein Bild vom vollen Petersdom zur Zeit Pius XI.

Montag, 12. März 2012

Basilius der Große über die Demut: Zum letzten

Ein letztes mal, denn wir sind mitlerweile beim siebten und letzten Kapitel abgekommen, lesen wir den Hl. Basilius in seiner Predigt über die Demut:
"Wie werden wir nun die giftige Schwulst des Hochmutes los werden und zur heilsamen Demut gelangen? Wenn unser ganzes Tun und Lassen darauf gerichtet ist und wir nichts übersehen - im Wahn, ein Versehen könnte uns nicht schaden. Denn die Seele gleicht sich ihren Bestrebungen an, bildet und gestaltet sich nach dem, was sie tut. Deine Haltung, Kleidung, dein Gehen und Sitzen, deine Lebensweise, Lagerstätte, Wohnung, all dein Hausrat sei einfach; auch in Rede, Gesang, im Verkehre mit dem Nächsten zeige dich mehr bescheiden als stolz! Deine Rede verrate nicht eine Allerweltsweisheit, dein Gesang keinen übertriebenen Wohllaut, dein Gespräch keine hochmütige, spitzfindige Dialektik; halte dich von aller Großtuerei frei! Sei gefällig gegen den Freund, mild gegen den Diener, nachsichtig mit den Ausgelassenen, leutselig gegen die Niedrigen; tröste die Betrübten, besuche die Leidenden, verachte auch nicht einen ausnahmsweise! Sei freundlich in der Anrede, gefällig in der Antwort, artig, allen leicht zugänglich! Verkündige nicht dein eigenes Lob, noch bestelle andere, es zu verkünden; dulde keine ungeziemende Rede, verbirg soviel als möglich deine eigenen Vorzüge! Dagegen klage dich selbst deiner Sünden an, und warte nicht erst die Vorwürfe anderer ab, damit du jenem Gerechten gleichst, der sich im Eingange seiner Rede selbst anklagt, damit du dem Job gleichst, der sich nicht abhalten ließ, vor einer großen Menge Volkes aus der Stadt seinen Fehler zu bekennen. Sei nicht hart im Tadeln; sei nicht rasch und leidenschaftlich im Zurechtweisen, das verrät Anmaßung. Verdamme auch nicht wegen Kleinigkeiten, wie wenn du die Gerechtigkeit selbst wärest! Nimm dich der Fehlenden an und weise sie geistig zurecht, wie der Apostel uns mahnt, „auf dich selbst sehend, damit nicht auch du versucht werdest”. Wende ebenso großen Fleiß auf, bei den Menschen nicht gerühmt zu werden, als andere aufwenden, um gerühmt zu werden! Du brauchst ja nur an Christus zu denken, der da sagt, daß man seinen Lohn bei Gott verliere, wenn man geflissentlich Ruhm und Ehre bei den Menschen suche, und wenn man das Gute tue, um von den Menschen gesehen zu werden. Denn „sie haben”, sagt er, „ihren Lohn schon empfangen.” Schade dir also nicht selbst dadurch, daß du dich bei den Menschen in Ansehen setzen willst! Da Gott der große Zeuge ist, so suche Ruhm bei Gott; er gibt ja herrlichen Lohn. - Wurdest du aber eines Vorganges gewürdigt und ehren und rühmen dich die Menschen, so mache dich den Untergebenen gleich, und „behandle die Anbefohlenen nicht von oben herab”, wie es heißt, oder nach Art der weltlichen Herrscher! „wer der erste sein will, sei der Diener von allen”, hat der Herr befohlen. - Kurz gesagt: Strebe so nach Demut, wie einer, der sie liebt! Liebe sie und sie wird dich ehren. So wirst du herrlich die Bahn zur wahren Ruhme wandeln, der bei den Engeln und bei Gott ist. Christus aber wird dich vor den Engeln als seinen Jünger anerkennen und dich verherrlichen, wenn du Nachahmer seiner Demut wirst. Er sagt ja: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen: Und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.” Ihm sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen."

Sonntag, 11. März 2012

Basilius von Caesarea

Heute wollen wir uns mit Kapitel 6 der Predigt über die Demut des Basilius von Caesarea beschäftigen:
"Dies und Ähnliches wollen wir jedesmal gegen den Hochmut uns vorsingen und uns selbst erniedrigen, damit wir erhöht werden und den Herrn nachahmen, der aus dem Himmel zur tiefsten Erniedrigung herabstieg und dann umgekehrt aus der Niedrigkeit zur höchsten Höhe erhoben wurde. Wir finden, daß alles, was der Herr tat, zur Demut erzieht: Schon als Kind lag er in einer Höhle, nicht einmal in einem Bette, sondern in einer Krippe. Im Hause eines Zimmermanns und einer armen Mutter war er untertan der Mutter und ihrem Verlobten. Er lernte und hörte, was er nicht nötig hatte; er fragte, erregte aber zugleich durch die Weisheit der Frage Bewunderung. Er ordnete sich dem Johannes unter, und er, der Herr, empfing vom Knechte die Taufe. Er leistete keinem seiner Gegner Widerstand, machte keinen Gebrauch von der unaussprechlichen Macht, die er hatte, sondern gab ihnen nach, als wären sie mächtiger und ließ der weltlichen Macht ihre Gewalt. Er wurde als Verbrecher vor die Hohenpriester gestellt und zum Landpfleger geführt, unterzog sich dem Gerichte, und, obschon er die falschen Ankläger hätte widerlegen können, nahm er stillschweigend die falschen Anklagen hin. Angespien von Knechten und feilsten Buben, wurde er dann dem Tode übergeben, einem Tode, der unter Menschen als schmachvollster gilt. So traf ihn alles, was einem Menschen von der Geburt bis zum Tode treffen kann. Nach solcher Erniedrigung offenbarte er dann auch die Herrlichkeit und macht auch die Teilnehmer seiner Schmach zu Teilnehmern seiner Herrlichkeit. Die ersten von ihnen sind seine seligen Jünger, die arm und nackt durch die Welt zogen, nicht in der Weisheit der Rede, nicht mit großem Gefolge, allein, ohne bleibende Stätte, verlassen, bald zu Land, bald zu Wasser, gegeißelt, gesteinigt, verfolgt, zuletzt getötet. Dies sind für uns väterliche, göttliche Lehren. Diesen wollen wir nachleben, damit uns aus der Erniedrigung ewiger Ruhm, die vollkommene und wahre Gabe Christi erblühe!"

Kardinal Burke

Samstag, 10. März 2012

Basilius von Caesarea über die Demut

Nach einer kurzen Pause fahren wir mit Basilius von Caesarea und seiner Predigt über die Demut fort; heute Kapitel 5:
"Glaubst du etwas getan zu haben, so danke Gott! Erheb dich aber nicht über den Nächsten! „Ein jeder”, mahnt Paulus, „prüfe sein eigenes Werk; dann wird er den Ruhm bei sich behalten und andere damit verschonen.” Was hast du denn dem Nächsten genützt, wenn du den Glauben bekannt oder um des Namens Christi willen Verbannung erduldet oder die Beschwerden des Fastens auf dich genommen hast? Keinem andern wurde der Nutzen, sondern dir. Fürchte dich davor, ähnlich zu fallen wie der Teufel, der sich stolz gegen den Menschen erhob, aber vom Menschen gestürzt und dem zum Fußschemel gegeben wurde, den er sich zum Fußschemel machen wollte. - Ähnlich verhielt es sich mit dem Fall der Israeliten. Sie erhoben sich stolz gegen die Heiden als Unreine, wurden dann aber in Wirklichkeit unrein; die Heiden aber rein. „Ihre Gerechtigkeit wurde wie das Tuch einer Blutflüssigen.” Die Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit der Heiden aber wurde durch den Glauben getilgt. Kurz: denk an den wahren Spruch: „Gott widersteht den Hoffärtigen, den Demütigen aber gibt er seine Gnade.” Halte bereit das Wort des Herrn: „Jeder, der sich selbst erniedrigt, wird erhöht, und wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden.” Werde nicht dein eigener ungerechter Richter, und richte nicht nach Gunst! Meinst du etwas Gutes getan zu haben, und willst du das aufzählen und geflissentlich die (einstigen) Fehler vergessen, werde ja nicht stolz auf deine guten Handlungen von heute, und vergib dir nicht, was du gestern und längst vorher gesündigt, vielmehr ruf dir die Vergangenheit ins Gedächtnis, wenn die Gegenwart dich stolz macht, und dein törichter Stolz wird sich legen. - Und siehst du den Nebenmenschen sündigen, so sieh nicht nur dies an ihm, sondern denk' auch an das Gute, das er getan oder vollbringt, und du wirst nach allseitiger, reiflicher Prüfung ihn oft besser einschätzen als dich selbst. Gott prüft ja den Menschen nicht einseitig. - „Ich komme,” heißt es, „ihre Werke und Gedanken zu sammeln.” Als er einst den Josaphat wegen seiner Sünden tadelte, gedachte er auch seiner guten Werke, da er sprach: „Doch es sind auch gute Werke an dir gefunden worden.”

Paul VI. zu Anfang

Freitag, 9. März 2012

Büchertisch

Heute möchte ich einige Werke über Pius XII. vorstellen:

Der Klassiker:
Das relativ dünne Buch gibt einen konzentierten Einblick in den Charakter und die Arbeit des Papstes aus der Sicht eines seiner engsten und treuesten Mitarbeiters. Dominico Kardinal Tardini war unter Pius XII. Substitut des Staatssekretariats. Das Buch zeichnet den Menschen und den Papst in hervorragender Nahsicht, stellt aber keine Hagiographie dar, sondern benennt auch die Fehler des Papstes.
Leider ist das Buch nur noch antiquarisch erhältlich.





Der Kämpfer:
Michael Hesemann, auch durch andere populärwissenschaftliche Bücher in der deutsch-katholischen Szene bestens bekannt, legt hier eine Studie vor, die viele populäre Maßstäbe über den Papst zurechtrückt. Als einführendes Buch zum Thema Pius  und Nationalsozialismus sehr zu empfehlen und mit einer großen Literaturliste eine weitere Beschäftigung erleichternd. Negativ ist aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten, dass dem Autor die Distanz zum Gegenstand fehlt und er bei seiner, zumeist zutreffenden Kritik anderer Autoren keine Belegstellen angibt, was den eigenständigen Umgang erschwert. Durch seinen regelmäßigen Verweis auf, bisweilen unbekannte, wichtige Literatur zum Thema lassen sich die meisten seiner Ausführungen jedoch gut nachverfolgen und laden zur weiteren Lektüre der genannten Bücher ein.



Aus jüdischer Sicht:
Pinchas Lapide kann vom Verdacht freigesprochen werden, unkritisch und besonders papstfreundlich zu sein. Er gehört zur Shoa-Generation unter den Juden, wodurch seine Aussagen im allgemeinen Diskurs ein besonderes Gewicht haben. Sein Werk dreht sich im wesentlichen um Pius XII. und sein Verhältnis und Verhalten zu den Juden. Neben kritischen Worten, die besonders des Papstes zögerliche Haltung in Fragen des theologischen Verhältnisses der beiden Religionen betreffen, findet hier auch eine umfassende Würdigung der Rettungsaktionen von Juden durch Katholiken, besonders auf Initiative des Papstes, statt. Das Buch besticht besonders durch seine genauen und gut recherchierten Rechungen und Zahlen, durch die die Dimension der Hilfe der Kirche klar wird.

Paul VI. in Montecassino

Donnerstag, 8. März 2012

80. Geburtstag Pius XII.

Da ich in den letzten Tagen krank war, gab's hier keine Posts. Da ich aberimmer noch nicht wieder auf der Höhe bin, verzichte ich jedoch auf umfangreiche Artikel. Aber dafür muss ich es mit dem Fasten ja auch nicht so genau nehmen und daher gibt's unter der Woche ein Video. Wieder mal mit Pius XII.

Montag, 5. März 2012

Typisch Limburg





Morgen, am Dienstag den 6. März, gibt es bei Bibel TV um 20:15 eine Sendung über Limburg.

Hier der Link

Fasten und genießen

Predigt des Seligen John Henry Newman am Karfreitag des Jahres 1841:
"Nur jene können wahrhaft diese Welt genießen, die mit der unsichtbaren Welt beginnen. Nur jene genießen sie, die zuerst auf sie verzichtet haben. Nur jene können wahre Fest feiern, die zuerst gefastet haben; nur jene können die Welt gebrauchen, die gelernt haben, sie nicht zu missbrauchen; nur jene erben sie, sie sie als einen Schatten der kommenden Welt betrachten und um jener kommenden Welt willen verlassen."
Quelle: Biemer: John Henry Newman, S. 60.

Sonntag, 4. März 2012

Papale Mitren - heute Pius XII.



Die Wagnisse des Glaubens

Predigt des Seligen John Henry Newman vom 21.2.1836:
"Jeder meiner Hörer möge sich die Frage vorlegen, was er auf die Wahrheit der Verheißung Christi eingesetzt hat. Wir wissen, was es heißt, in irgendein Unternehmen dieser Welt zu investieren. Wir riskieren unseren Reichtum bei Projekten, die Erfolg versprechen. ...
Was haben wir für Christus gewagt? Ich hege die tatsächliche Befürchtung, bei einer etwaigen Überprüfung stellt sich heraus, daß es nichts gibt, wozu wir uns entschließen, nichts, was wir unterlassen, nichts, was wir meiden, nichts, was wir wählen, nichts, was wir aufgeben, nichts, was wir unternehmen, nichts, wozu wir uns entschließen würden, was wir nicht täten, nicht unterließen, vermieden, wählten, aufgäben und unternähmen, wenn Christus nicht gestorben und der Himmel uns verheißen wäre. Ich fürchte wirklich, daß die meisten sogenannten Christen, wie immer ihr Bekenntnis sein mag, was sie immer an Gefühlen zu haben glauben, was sie immer an Wärme und Erleuchtung und Liebe für sich in Anspruch nehmen mögen, dennoch so leben, fast wie sie leben würden, weder viel besser noch viel schlechter, wenn sie das Christentum für eine Fabel hielten.
In jungen Jahren überlassen sie sich dem Trieb oder jagen wenigstens weltlichen Vergnügen nach; mit fortschreitenden Jahren arbeiten sie sich in das Geschäftsleben ein oder betreten einen anderen Weg, um Geld zu verdienen; dann heiraten sie und gründen eine Familie; und da sich bei ihnen Interesse und Pflicht paaren, scheinen sie ehrsame und religiöse Menschen zu sein und halten sich auch dafür. Sie lieben die Verhältnisse wie sie sind; sie beginnen, Eifer gegen Laster und Irrtum zu entwickeln, und bestreben sich, mit allen Menschen in Frieden zu leben. Solches Verhalten ist insoweit recht lobenswert. Nur behaupte ich, hat es mit Religion nicht notwendigerweise etwas zu tun. Es enthält nichts, was in seinen Trägern irgendwie vom Vorhandensein religiöser Grundsätze zeugte. Es gibt nichts, was sie nicht weiterhin täten, obwohl sie nichts anderes davon profitieren, als was sie jetzt auch gewinnen. Etwas springt auch jetzt für sie heraus. Sie befriedigen ihre Wünsche, sie führen ein ruhiges und geordnetes Leben, denn das ist ihr Interesse und ihr Geschmack. Aber sie wagen nichts, riskieren nichts, opfern nichts, geben nichts auf um des Glaubens willen an Christi Wort."  
Quelle: Biemer: John Henry Newman, S. 47f:

Papale Mitren


Samstag, 3. März 2012

Der Selige John Henry Newman über das Fasten

"Wir können die Mittel nützen - Gott allein aber ist es, der sie segnet ... Streben wir nach jener beharrlichen Geisteshaltung, die auf Gott schaut und sich auf seine Herrlichkeit freut, die offenbar wird ..."
Quelle: Biemer: John Henry Newman, S. 53

Petrus und Maria

Ein Witz von Pater Pio:
"Eines Tages beschwerte sich Petrus beim Herrn. 'Jeden Tag muss ich viele abweisen an der Himmelspforte, denn Du hast mir doch die Schlüssel für das Himmelreich gegeben; aber kaum habe ich sie abgewisen, öffnet deine Mutter das Seitenfenster und lässt sie doch rein'."
Quelle: hier

Päpstlicher Thron

Freitag, 2. März 2012

Der Hierarch Basilius über die Demut

Schreiten wir weiter mit dem großen Basilius in seiner Predigt über die Demut. Heute Kapitel 4
"Warum nun, sag' es mir, erhebst du dich, als wären es deine Güter, anstatt dem Geber für die Gaben zu danken? „Denn was hast du, das du nicht empfangen hast? Hast du es aber empfangen, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?” Nicht du hast Gott erkannt durch deine Gerechtigkeit, sondern Gott erkannte dich durch seine Güte. „Da ihr Gott erkannt habt,” sagt Paulus, „oder vielmehr von Gott erkannt wurdet.” Nicht du hast Christus durch deine Tugend ergriffen, sondern Christus hat dich durch seine Ankunft ergriffen. „Ich strebe darnach,” heißt es, „ob ich es wohl ergreife, worin ich auch von Christus ergriffen worden bin.” „Nicht ihr habt mich erwählt,” spricht der Herr, „sondern ich habe euch erwählt.” - Doch, weil du geehrt worden, bist du stolz darauf und machst die Barmherzigkeit zum Anlaß deiner Hoffart? Dann brauchst du nur dich selbst zu erkennen, wer du bist! Ein aus dem Paradies verstoßener Adam ein vom Geiste Gottes verlassener Saul,ein von der hl. Wurzel abgeschnittenes Israel. „Durch den Glauben”, heißt es, „stehst du; sei nicht hoffärtig, sondern fürchte!” Ein Gericht folgt der Gnade, und der Richter wird prüfen, wie du die Gnadengaben ausgenutzt hast. ...
Jener strenge und ungemein hochmütige Pharisäer aber, der nicht nur kühn auf sich selbst vertraute, sondern auch den Zöllner vor Gott schmähte, verlor ob seines verdammenswerten Übermutes den Ruhm der Gerechtigkeit. Und der Zöllner ging statt seiner gerechtfertigt nach Hause, weil er dem hl. Gott die Ehre gab und nicht einmal aufzublicken wagte, sondern nur Verzeihung suchte, durch seine Haltung und sein Klopfen an die Brust dich als Schuldigen bekannte und nichts anderes als Barmherzigkeit begehrte. - Sieh dich also vor und laß dich gewarnt sein durch das Beispiel einer schweren Bestrafung des Hochmuts! Der Übermütige büßte seine Gerechtigkeit ein; der Selbstbewußte verlor den Lohn, wurde dem Demütigen und Sünder nachgesetzt, weil er sich über letzteren erhob, nicht das Urteil Gottes abwartete, sondern sein eigenes fällte.
Du erhebe dich nie über jemand, nicht einmal über den größten Sünder! Oft rettet die Demut den, der viele große Sünden begangen hat. Halte dich nicht für gerechter als den Nebenmenschen, damit du nicht einmal mit deiner Rechtfertigung aus eigenem Munde durch Gottes Urteil verdammt wirst! „Ich richte mich nicht selbst”, sagt Paulus. „Ich bin mir ja nichts bewußt, aber deshalb noch nichts gerechtfertigt; der mich richtet, ist der Herr”

Donnerstag, 1. März 2012

Basilius von Caesarea über die Demut

Fahren wir heute fort mit dem zweiten und dem dritten Kapitel der Predigt des Basilius über die Demut:
"Doch auch das, was unter den sonstigen Gütern der Menschen das höchste und verläßlichste zu sein scheint, die Weisheit und Klugheit, auch das gibt Anlaß zu eitler Überhebung und verschafft keine wahre Größe; fehlt diesen Eigenschaften die Weisheit Gottes, dann gelten sie nichts. Es mißlang ja selbst dem Teufel sein listiger Anschlag auf den Menschen, und was er dem Menschen zugedacht hat, hatte er, ohne es zu merken, gegen sich selbst erwirkt. Denn er schadete nicht so sehr dem Menschen den er Gott zu entfremden und um das ewige Leben zu bringen hoffte, wie er sich selbst verraten hat, da er Gott abtrünnig und zum ewigen Tode verdammt wurde. Auch wurde er mit der Schlinge, die er dem Herrn legte, gefangen, gekreuzigt an dem Kreuze, an dem er (ihn) zu kreuzigen hoffte, und dem Tode überantwortet, den er dem Herrn zugedacht hatte. Wenn nun der Fürst der Welt, der erste und größte sichtbare Meister in weltlicher Weisheit in seinen eigenen Sophismen gefangen wird und zur größten Torheit sich verleiten läßt, wie viel mehr sind dann seine Schüler und Jünger, mögen sie tausend Spitzfindigkeiten ersinnen und sich für weise ausgeben, Toren geworden!"
"Daher wird kein Vernünftiger auf seine Weisheit stolz sein noch auf die anderen erwähnten Vorzüge sich etwas einbilden, sondern der herrlichen Ermahnung der seligen Anna und des Propheten Jeremias folgen: „Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke, und der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums.” Worin besteht dann der wahre Ruhm, und wodurch ist der Mensch groß? „Wer sich rühmen will”, heißt es, „der rühme sich, daß er erkenne und wisse, daß ich der Herr bin.” Darin besteht die Hoheit des Menschen, darin sein Ruhm und seine Größe, daß er das Große wirklich erkennt, ihm anhängt und seine Ehre beim Herrn der Herrlichkeit sucht. Es sagt ja der Apostel: „Wer sich rühmt, der rühme sich im Herrn!” - wo er nämlich sagt: „Christus ist uns von Gott gegeben zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung, damit, wie geschrieben steht, wer sich rühmt, im Herrn sich rühme.” Dann aber rühmt sich jemand ganz und voll in Gott, wenn er sich nicht wegen seiner eigenen Gerechtigkeit erhebt, sondern erkennt, daß ihm die wahre Gerechtigkeit mangelt, und er allein durch den Glauben an Christus gerechtfertigt wird. Auch rühmt sich Paulus, er hätte seine eigene Gerechtigkeit verachtet und suche sie durch Christus, die Gerechtigkeit aus Gott durch den Glauben: daß er ihn erkennt und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem er ihm ähnlich wird im Tode, um zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Da fällt alle Größe des Stolzes. So bleibt nichts mehr übrig, worauf du stolz sein könntest, o Mensch; dein Ruhm und deine Hoffnung liegt darin, daß du alles an dir ertötest und das künftige Leben in Christus suchst. Im Besitze der Erstlinge jenes Lebens, wandeln wir bereits in diesen Gütern, da wir ganz in der Gnade und Gabe Gottes leben. „Denn Gott ist es, der in uns sowohl das Wollen als auch das Vollbringen bewirkt nach seinem Wohlgefallen” Auch ist es Gott, der seine Weisheit, die er zu unserer Herrlichkeit bestimmt hat, durch seinen Geist offenbart. Und Gott gibt seine Kraft zu den Arbeiten. „Ich habe mehr als alle gearbeitet”, sagt Paulus, „doch nicht ich, sondern die Gnade Gottes in mir.” Gott erlöst aus den Gefahren gegen alle menschliche Erwartung. „Wir hatten”, sagt Paulus, „uns selbst das Todesurteil gesprochen, damit wir nicht auf uns selbst vertrauen, sondern auf Gott, der die Toten erweckt, der uns aus so großer Todesnot errettete und rettet, auf den wir die Hoffnung setzen, daß er uns auch ferner retten wird."
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