Dienstag, 31. Januar 2012

Persönliche Berufung und Gehorsam gegen die Kirche

Heute unterhielt ich mich mit einer Kommilitonin, die meint, sie sei zur Priesterin berufen. Sie hat mir erzählt. sie würde eine andere Kommilitonin kennen, die das ebenfalls meinte und deshalb Altkatholikin geworden wäre, weil sie dort ihre Berufung leben konnte.

Daraus ergibt sich die Frage, was höher einzuschätzen ist: Die Berufung, die man selbst empfindet, oder der Gehorsam gegen die Kirche, die lehrt, eine Frau könne nicht zur Priesterin Christi geweiht werden.

Hierzu habe ich mal ein bisschen bei den Kirchenvätern nachgeschaut. Hier ein paar Beispiele:

Cyprian von Karthago schrieb dazu:
"Damit also die Zuchtlosen nicht dahingerafft werden und umkommen, so gib dir, liebster Bruder, alle Mühe, die Brüder soviel wie möglich durch heilsame Ratschläge zu leiten und auf die Rettung jedes einzelnen bedacht zu sein! Schmal und eng ist der Weg, auf dem wir zum Leben eingehen, aber reich und gewaltig ist der Lohn, wenn wir zur Herrlichkeit gelangen. Alle, die sich einmal des Himmelreichs wegen verschnitten haben [Matth. 19,12], sollen in allem Gott Wohlgefallen und sich hüten, Gottes Priester zu beleidigen oder den Brüdern in der Kirche Ärgernis zu geben! Und wenn sie sich auch für den Augenblick von uns gekränkt fühlen, so wollen doch wir sie durch heilsamen Zuspruch ermahnen; wissen wir doch, daß auch der Apostel gesagt hat: „Bin ich denn euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit verkündigte [Gal. 4:16] ?" Gehorchen sie aber, so ist es uns nur willkommen: durch unsere Worte, deren wir sie würdigten, haben wir sie zum Heile aufgerichtet und gestärkt. Sollten aber etliche in ihrer Verblendung den Gehorsam verweigern, so wollen wir uns an den gleichen Apostel halten, der da sagt: „Wenn ich den Menschen gefiele, dann wäre ich nicht Christi Knecht [Gal. 1:10]." Vermögen wir einige nicht durch unseren Rat dahin zu bringen, daß sie Christus gefallen, so wollen wenigstens wir, soviel an uns ist, Christus, unserem Herrn und Gott, zu gefallen suchen, indem wir seine Gebote halten!"

Und der Hl. Benedikt von Nursia schrieb in seiner Regel:
"Der erste Schritt zur Demut ist Gehorsam ohne Zögern. Er ist die Haltung derer, denen die Liebe zu Christus über alles geht. Wegen des heiligen Dienstes, den sie gelobt haben, oder aus Furcht vor der Hölle und wegen der Herrlichkeit des ewigen Lebens darf es für sie nach einem Befehl des Oberen kein Zögern geben, sondern sie erfüllen den Auftrag sofort, als käme er von Gott. Von ihnen sagt der Herr: "Aufs erste Hören hin gehorcht er mir. Und ebenso sagt er den Lehrern: "Wer euch hört, hört mich." Daher verlassen Mönche sofort, was ihnen gerade wichtig ist, und geben den Eigenwillen auf. ... So drängt sie die Liebe, zum ewigen Leben voranzuschreiten. Deshalb schlagen sie entschlossen den engen Weg ein, von dem der Herr sagt: "Eng ist der Weg, der zum Leben führt." Sie leben nicht nach eigenem Gutdünken, gehorchen nicht ihren eigenen Gelüsten und Begierden, sondern gehen ihren Weg nach der Entscheidung und dem Befehl eines anderen."
"Um zu zeigen, dass wir unter einem Oberen stehen müssen, sagt sie weiter: "Du hast Menschen über unser Haupt gesetzt." Selbst bei Widrigkeiten und Unrecht erfüllen die Mönche in Geduld die Weisung des Herrn: Auf die eine Wange geschlagen, halten sie auch die andere hin; des Hemdes beraubt, lassen sie auch den Mantel; zu einer Meile gezwungen, gehen sie zwei. Wie der Apostel Paulus halten sie falsche Brüder aus und segnen jene, die ihnen fluchen."
Zum Schluss ein Wort der Schrift Mt 18,15ff:
"Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Kirche. Hört er aber auch auf die Kirche nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner."

Die Zunge muss im Zaume gehalten werden

Neulich fragte mich jemand, was ich von kreuz.net halte. Dann fragte er mich, was ich von kath.net halte. Dann unterhielten wir uns über einige Professoren an der Uni. Dann kam ein Kollege derselben rein.

Was haben all diese Ereignisse gemeinsam?
Es gibt über sie ein schönes Zitat von Lorenzo Scupoli aus "Der geistliche Kampf", Kap. 24, S. 112ff:
"Die Zunge muss vor allem beherrscht und im Zaume gehalten werden, denn die Menschen sind zu sehr geneigt, ihr freien Lauf zu lassen und von Dingen zu sprechen, die den Sinnen schmeicheln. Das viele Reden hat meistens die Wurzel in einem gewissen Hochmut, daß wir uns einbilden, mehr zu wissen, uns in unseren Gedanken und Vorstellungen bespiegeln und uns wie Lehrmeister bemühen, dieselben anderen beizubringen, als ob sie es nötig hätten, von uns zu lernen. ... Überlege zuvor sorgfältig, ehe deine Gedanken und Einfälle von deinen Lippen fließen, denn bei vielen wirst du erkennen, daß sie besser unausgesprochen bleiben."

Montag, 30. Januar 2012

Confessio von oben

Nicht runterfallen, nicht springen, nur gucken

Die Vorausscheidung ...

Alipius startet eine große Wahl zum Thema "Wer sind wir (als Blogoezese) eigentlich?".

Beteiligung aller Leser wird ausdrücklich von ihm erbeten.

Als kleiner Co-Blogger schließe ich mich seiner Bitte an: Eifrig abstimmen!

Thomas und das Zinsnehmen

Aus Anlass des vorgestrigen Festtages des Hl. Thomas von Aquin und eingedenk der momentanen Krisenerscheinungen im Finanz- und Wirtschaftssystem hier Teil meiner Hausarbeit "Thomas und das Zinsnehmen". Die Quelle war entnommen aus: Summa Theologica, II,2 78,1: Ist es Sünde, für geborgtes Geld Zinsens zu nehmen?

      Einführende Überlegungen
Thomas legt hier eine theologische Auseinandersetzung mit dem Geldverleih gegen Zinsen vor. Die Struktur des Textes und sein Inhalt machen klar, dass Thomas sich dezidiert dagegen ausspricht, dem Verleih von Geld gegen Zinsen eine Rechtfertigung zuzuerkennen. Das Philosophenwort, eine solche Praxis sei gegen die Natur, kann als nachdrückliche Feststellung der Sündhaftigkeit solchen Handelns gesehen werden. Denn für Thomas ist das Naturgesetzt, insoweit er es postuliert, immer die praktische Auslegung der Offenbarung, an der sich das Handeln des Menschen auszurichten habe.1 Hieraus ergeben sich im Kontext des Seminars und der Quelle im Wesentlichen folgende Fragen: 1. Welchen Bezug der Thomastext zu den Juden hat und wie er ihr Zinsnehmen beurteilt, 2. inwieweit er damit den theologischen Vorstellung seiner Zeit und der kirchlichen Tradition entspricht und 3. welche Übereinstimmungen mit dem weltlichen Gesetzen bzw. mit den weltlichen Traditionen dies hat?

    1. Thomas und die Zinsen der Juden
Für das Thema der Übung ist es interessant, dass es in der Auseinandersetzung der Überlegungen Thomas’ nicht um die Juden geht, sondern um die Erklärung einer Stelle aus dem Alten Testament. Dort erklärt Thomas, dass es den Juden zwar erlaubt war, Zinsen zu nehmen, jedoch nur von Fremden, also solchen, die nicht dem Volke Israel angehören, nicht aber gegen Personen des eigenen Volkes, wörtlich „von ihren Brüdern“2. Eine Bestimmung im Übrigen, die sich ja erhalten hat, wie wir aus der Frage an den Tosafisten Samson Ben Abraham3 ersehen können. Dieses Verbot wendet Thomas jetzt auf die Christen an, dergestalt, dass es ihnen untersagt ist, von irgendjemandem Zinsen zu nehmen, da durch das Wirken Christi alle Menschen grundsätzlich oder wenigstens potentiell „Nächste und Brüder“4 sind. Auch was das Zinsnehmen der Juden anginge, so sei dies keineswegs gerechtfertigt im Sinne von gut. Es handle sich dabei vielmehr um ein Zugeständnis der Schrift an die Gier der Juden, um Schlimmeres zu verhindern. In diesem Sinne liest er auch das Schriftwort: „Du wirst vielen Völkern Darlehen geben“5 nicht als Zustimmung der Bibel zu dieser Praxis. Vielmehr würden hier die Worte Darlehen und Lehen/Beleihung synoym verwendet, woraus sich kein Zinsanspruch ableiten ließe. Zwar kann man ausführen, dass er damit die Juden indirekt in das Zinsverbot für Christen einschließt und so den Juden unterstellt, sie würden durch ihren systematischen Geldverleih Gott besonders trotzen. Zwar würde er dabei dabei in der Tradition des Lateranums IV stehen, das im ersten Satz seines Judendekretes schrieb: „… desto stärker wächst die Treulosigkeit der Juden ihnen über den Kopf …“6 Diese Treulosigkeit kann sich auf zahlreiche Aspekte beziehen, kann aber auch so verstanden werden, dass die Juden durch ihre Zinsnehmen auch innerhalb ihrer eigenen religiösen Regeln gegenüber Mitgliedern anderer Religionen ihren Gesetzen gegenüber treulos sind.7 Doch ist es wie gesagt unbillig, Thomas Aussage in diesem Kontext überzuinterpretieren. Denn die Hauptstoßrichtung des Textes zielt ja nicht auf oder gegen die Juden, sondern auf die Christen. Wer die Stelle im Kontext der übrigen Artikel dieses Buches liest, der wird feststellen, dass das Thema die Frage nach der Gerechtigkeit des Christen ist, nämlich, was der Christ tun darf und tun soll, um sein Seelenheil zu sichern, was für Thomas das Ziel des Menschenlebens ist. In diesem Zusammenhang dient der die Juden behandelnde Teil der Quelle weniger bis gar nicht der Beurteilung der Juden, sondern vielmehr der Widerlegung des Punktes 2, demnach die Schrift das nehmen von Zins unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Da die hier aufgeführten Schriftworte aus dem Alten Testament entnommen sind, war es für die Klarstellung unbedingt nötig, sie in den jüdischen Kontext zu stellen.   
    1. Wieweit entsprach die von Thomas vorgestellte Meinung der Theologie
Wie zu allen Zeiten und allen Betrachtungsgegenständen, so muss man auch hier zwischen der Theorie und der Praxis unterscheiden. So bewegt sich die Theologie ja nicht im luftleeren Raum. Sie steht mit ihrer Umwelt in einem dialektischen Verhältnis. So wie sie auf ihre Umwelt einwirkt, so wirkt ihre Umwelt auch auf sie ein und der Standpunkt der Theologie ist immer durch die Gesellschaft geprägt, in der sie konkret verkündigt wird. Dies besonders bei einem Thema, dass eher eine praktische Ausformung der Lehre der Kirche darstellt und damit nicht zum spezifischen und unaufgeb- und wandelbaren Glaubensgut des Christentums gehört wie die Position der Kirche zum Geldverleih und Zinsennehmen. Daher kann man feststellen, dass die Position der Kirche sich im Laufe der Zeit wandelte. Zwar findet man bereits im Alten Testament das Verbot, Zinsen zu nehmen und auf verschiedenen Konzilien der Spätantike wird dies auch bestätigt, zu nennen sind hier z.B. die Synoden von Elvira, Arles und Nicäa, doch galt dieses Verbot noch nicht für alle Christen, sondern bezog sich vor allem auf die Kleriker bzw. wurde auf Laien nicht so scharf angewandt.8 Zu einer Ausweitung des Verbots auf alle Christen kam es erst in der Karolingerzeit, da man nunmehr jede Form von Zinsnahme als Wucher und damit als Sünde ansah.9 Das ist denn auch der Stand, auf dem sich Thomas von Aquin befindet. Denn bei Thomas kommt die Frage, ob Zinsen vielleicht doch nicht Sünde sein könnten, nicht vor. Zwar behandelt er in der dritten Einzelfrage das Thema, ob man einen Gewinn aus Zinsen zurückerstatten müsste, wenn dieser auf gerechtem Wege zustande gekommen ist. Doch bezieht er sich damit nicht auf gerechte Zinsen, sondern auf Investitionen, die mit dem durch Zinsen erworbenem Geld gemacht wurden. Hingegen schreibt er in Punkt 2: „dadurch wird zu verstehen gegeben, das Zinsnehmen von irgendeinem Menschen schlechthin böse ist.“10
    1. Wie Verhalten sich die weltlichen Gesetzen gegen die von Thomas aufgestellte These
Thomas selbst spricht diesen Punkt an. Denn er weiss, dass der von ihm in seiner Antwort vertretene Ansicht einen Idealzustand wiedergibt, der sich keineswegs in der Welt wiederfindet.11 Tatsächlich ist das von der Kirche geächtete nehmen von Zinsen auch unter Christen längst üblich, wie zahlreiche Quellen zeigen.12 Daher divergiert in diesem Punkt das kanonische und das weltliche Recht in einem hohen Maße, da sich letzteres bereits damals in weiten Teilen damit abgefunden hat, dass es Zinsen gibt. Mehr noch sind die Staaten, die Könige, Fürsten und Städte darauf angewiesen, dass es Bankgeschäfte gibt, schon allein deshalb, um die eigene Finanzierung mit Krediten zu sichern, aber auch um der Einnahmen von Steuern willen. Man darf sich auch nicht der Vorstellung hingeben, dass ein solches Geschäft ganz und gar in den Händen der Juden gewesen sei. Vielmehr weisen die Quellen nach, dass sich auch damals zahlreiche Christen in diesem Geschäft tätig waren. Besonders in Italien, wo ja wesentliche Teile der Summa entstanden sind, begannen sich damals größere Bankhäuser zu entwickeln, die Selbstverständlich Zinsen nahmen, wenn sie sie auch teilweise in anderer Form, besonders Staaten gegenüber eintrieben.13 So hatte denn das weltliche Recht es lange vor dem kirchlichen anerkannt, dass nicht alle Zinsen automatisch Wucher waren und verschiedene Zinssätze als erlaubt erklärt. Lediglich was darüber lag, war nunmehr Wucher und unerlaubt, wobei den Juden allgemein ein höherer Zinssatz zugestanden wurde als den Christen.14
              Resümee
Wir haben gezeigt, dass sich der Heilige Thomas mit seiner Ablehnung fast jeglichen Zinsnehmens als Wucher auf der Linie der Theologie seiner Zeit befindet und auch noch von einem Ideal spricht, dass im weltlichen Bereich nach wie vor Präsent war, wenngleich es nicht mehr eingehalten wurde und auf dessen Nichtbeachtung die Gesetzgebung der Regierungen mitlerweile die weltliche Macht eingegangen war. Wir haben aber auch bemerkt, dass zumindest in diesem Teil des Werkes von Thomas kein extensiver Antijudaismus zum tragen kommt, dass die Juden und der Wucher nicht systematisch zusammengedacht werden, sondern dass sie nur als Instrument der Erklärung von Bibelstellen dienen. Denn für Thomas ist nicht der Jude das Gesicht des Wuchers, für ihn ist es die Sünde, die Gier, die avaritia, die aus nichts noch Gewinn zu ziehen trachten. Der Schlüsselsatz der Quelle lautet deshalb auch nicht, man solle keine Zinsen nehmen, denn dies ist nur eine instrumentale Anweisung, die sich auf ein Laster richtet. Vielmehr ist es ein allgemeiner Ratschlag, der, wenn er befolgt wird, auch die Gier und den Wucher mit ihr betrifft: „Denn wir dürfen nicht borgen oder sonst etwas tun wegen der Hoffnung auf den Menschen, sondern wegen der Hoffnung auf Gott.“15

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1 Vgl. Zitiert aus: Thomas v. Aquin: Quaestiones disputatae de correctione fraterna, 1,2 „Vor der Moral kommt die Natur.“
2 Zitiert nach: Thomas v. Aquin: Summa Theologica, II,2 78,1 zu 2.
3 Vgl. RRS, S. 68f.
4 Vgl. Psalm 15.
5 Vgl. Dtn 28,12, lautet vollständig: „Du wirst vielen Völkern Darlehen geben können [in der Einheitsübersetzung steht ausleihen, Kommentar des Autors] und selbst von niemandem ausleihen müssen. Vgl. hierzu auch u.a. Dtn 15,6-8:“ … dann kannst du vielen Völkern gegen Pfand leihen, du selbst aber brauchst nichts zu verpfänden.“
6 Lateranum IV
7 Für entgegengesetzte jüdische Argumente vgl. erneut RRS, S. 68f., außerdem ebenda S. 52.
8 Vgl. http://kredit-engel.de/geschichte-finanzwesen/ An dieser Stelle gibt der Text der Internetseite ein missverständliches bis falsches Bild wieder, weil er impliziert, dass das Zinsverbot die Laien nicht betroffen habe. Demgegenüber stellt das Konzil von Elvira fest: „Si quis etiam laicus accepisse probatur usuras, et promiserit correptus iam se cesseturum nec ulterius exacturum, placuit ei veniam tribui: si vero in ea iniquitate duraverit, ab ecclesia esse proiciendum.“ Zitiert nach Kloft, Matthias Theodor: Das christliche Zinsverbot, in: Heil, Johannes, Wacker, Bernd (Hrsg.): Shylock? Zinsverbot und Geldverleih in jüdischer und christlicher Tradition, München 1997, S. 24, Fussnote 8, wiederum zitiert nach Siems, Harald: Handel und Wucher im Spiegel frühmittelalterlicher Rechtsquellen, Hannover 1992, S. 551. Die Literatur der Internet-Seite hat lediglich insoweit reicht, als auf dem Konzil von Arles dieses Verbot auch für Laien nicht erneuert wird, dieses aber das häufiger rezepierte Konzil ist. Vgl. Hierzu wieder Siems: Handel und Wucher, S. 508. 
9 Vgl. ebenda, S. 23. Für den Hintergrund der Wirksamkeit der Bibel als Rechtsgrundlage seit karolingischer Zeit vgl. Hartmann, Wilfried: Die Karolingische Reform und die Bibel, in: AHC 18 (1986), S. 58-74. Für weiterführende kirchliche Verordnungen vgl. z.B. Decretum Gratiani.
10 Zitiert nach Thomas von Aquin: Summa Theologica, II,2 78,1 zu 2.
11 Zitiert nach ebenda, S. Z. 7-11: „Die menschlichen Gesetze lassen manche Sünden ungestraft wegen der Verfassung der unvollkommenen Menschen, bei denen manches nützliche Werk unterbunden würde, wenn alle Sünden streng verboten und mit der entsprechenden Strafe belegt würden.“
12 Vgl. Bourquelot, Felix: Etudes de Champagne …, t.2, 1865, S. 126.
13 Kloft: Das christliche Zinsverbot, S. 30f. Als Beispiel für die in Flandern im 13. Jh. üblichen Zinssätze vgl. z.B. BVourquelot, op. Cit., t.2, s. 120.
14 Vgl. z.B. das Privileg des flandrischen Grafen Guido von Dampierre aus dem Jahr 1281 für die lombardischen Kaufleute, in: De Roover, Raymond: Money, Banking and Credit in Medieval Bruges. Italian Merchant-Bankers Lombards and Money-Changers. A Study in the Origins of Banking, Cambridge 1948, S. 100. Weiter Beispiele sind Aronius, op. cit., Nr. 618, S. 260 oder ebenda, Nr. 594 und 629, S. 255 und 264.
15 Zitiert nach Thomas von Aquin: Summa Theologica, II,2 78,1 zu 4

Freitag, 27. Januar 2012

Pius XII. Sedia gestatoria

Aus Spass an der Freude gibt's mal wieder eine Runde Pius-Bilder. Heutiges Thema: Pius und die Sedia gestatoria.




Hochgebet und Elevation in der Papstliturgie

Heute sieht das so aus


früher so


in einem größeren Ausschnitt


Das Hochgebet im Film


Hier sieht man sehr schön der früheren Elevation. Hierbei werden Leib und Blut nicht nur wie gewöhnlich am Altar präsentiert, sondern auch zur Epistel- und Evangelienseite hin gezeigt.


Donnerstag, 26. Januar 2012

Mission: Wer ist wirklich geeignet?

Am Weltmissionstag hat Papst Benedikt XVI. allen Katholiken an das Beispiel der frühen Christen erninnert. Wie diesen soll auch allen heutigen Katholiken die Verbreitung des Glaubens ein wichtiges Anliegen und eine persönliche Aufgabe sein.

Hierzu haben wir die Expertin für kirchliche Missionsarbeit, Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker, um ein Statement gebeten:

Ich kann dem römischen Bischof Benedikt Joseph Ratzinger nicht zustimmen.
Wie meine Forschungen ergeben haben - vor kurzem in meinem neuen Buch "Der nachösterliche Jesus als Beispiel für psychosozial indizierte Phantasmatas" erschienen - wie also meine Forschungen ergeben haben, besteht kein allgemeiner Auftrag der Jesusanhänger, ihren Standpunkt gegenüber dritten darzulegen. Von Mission wollen wir ja gar nicht reden. Denken wir nur an die Gewalttaten, die alleine der Apostel Paulus bei seinen Missionsreisen begangen hat. Leute die bei seinen Predigten eingeschlafen sind wurden aus dem Fenster geworfen, das kam sicher öfter vor. 
Dessen ungeachtet ist die Darlegung der jesuanischen Positionen Aufgabe des hierzu qualifizierten Personals. Also von Menschen mit einer akademischen Ausbildung und wenigstens einem Doktortitel in praktischer Theologie, in der Lehre Unwissender und Minderbegabter erfahren z.B. durch einen Lehrstuhl, engagiert in den Vereinigungen z.B. als Lektor_in und Kommunionhelfer_in, zugleich Mitten im Leben stehend mit beiden Beinen auf der Erde. Natürlich gehört auch noch eine gewisse Eloquenz dazu, ein sicheres Auftreten und ein ausgeprägtes Charisma. Zudem ist dringend anzuraten, dass solche Personen einen Kurs in Didaktik und Diskussionsleitung besucht haben oder selber leiten, so wie ich, damit sie auf die infantilen Fragen mancher Suchender dezidierte und fein abgestimmte Antworten geben können. So habe ich doch neulich gehört, wie ein Student einem atheistischen Kommilitonen erklärte, Jesus habe die Kirche gegründet. Was nun wirklich nicht stimmt. Vielmehr war ja Jesus der geistliche Führer einer Wandergemeinschaft, die ... Aber ich will nicht ins Plaudern kommen. Ich denke aber, ich habe das Problem und die Anforderungen eines Vertreters der jesuainischen Position treffend dargestellt und damit eine begründete Position gegen den, Verzeihen sie, Schund des römischen Bischofs bezogen.

Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker, wir danken ihnen sehr für ihr Statement. Aber erlauben sie uns noch eine Frage: Wer kann überhaupt missionieren, bei so hohen begründeten Anforderungen?

Nun, wenn sie mich auf ein praktisches Beispiel festnageln wollen, so muss ich ihnen sagen, dass ich in meiner unmittelbaren Umgebung nur eine qualifizierte Person kenne: Mich.

Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker, wir danken ihnen für das Gespräch.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Bekehrung Pauli - Ein Pharisäer für die Heiden

Wer war Paulus?
Der Erfinder des Christentums. Der Überwinder der jüdische Religion. Der Neuentdecker Jesu. Ein Frauenfeind.
Was aber sagt er über sich selber?
Er sei eine Missgeburt. Er sei unwürdig, sich Apostel zu nennen. Er sei ein pharisäischer Jude.

Als Christen und als Historiker kann man Paulus am Besten über seine Bedeutung greifen: Er war ein Glückgriff und er war der bedeutendste Theologe des Urchristentums. Ein schöner Satz, den ich einmal über ihn gehört habe war, dass Jesus keinen Besseren hätte berufen können. Das will ich nicht beurteilen, aber mit Paulus war sicherlich die Oberliga erreicht.

Und das auf zweierlei Weise:
1. Paulus war Pharisäer. Und mehr noch, er war einer der am besten ausgebildeten Pharisäer seiner Zeit. Er hatte bei Gamaliel gelernt, in der Schule des Hillel, einer der, wenn nicht der besten religiösen Schule, die das Judentum damals zu bieten hatte. Für die frühen Christen, die überwiegend zur Unter- und Mittelschicht gehörten und keine fundierte theologische Ausbildung genossen hatten, bedeutete der Pharisäer Schaul eine gewaltige Hebung des theologischen Niveaus.
2. Paulus war rastlos. Keine uns bekannte Figur des frühen Christentums war so viel unterwegs wie er und er hätte vermutlich sogar noch mehr geschafft, wenn er nicht jahrelang in Kilikien festgesessen und später in irgendwelchen Gefängnissen geschmort hätte. Wann immer wir von ihm hören, scheint er unterwegs gewesen zu sein oder zumindest gerade auf dem Sprung. Niemand hat soviel für die Verbreitung der christlichen Botschaft getan, niemand zu so vielen Leuten gepredigt, niemand so viele Briefe geschrieben. Wir können wohl zu recht davon ausgehen, dass die vorliegende Briefsammlung nur einen kleinen Teil dessen enthält, was dieser Mann seinen Mitarbeitern diktiert hat. Vor allem da die meisten Mitarbeiter und Weggefährten des Paulus irgendwann das Handtuch geschmissen haben. Mit ihm mitzuhalten muss eine Qual gewesen sein.

Doch all das ist nicht mal das erstaunlichste an diesem erstaunlichen Menschen.

Erstaunlich ist auch, dass aus dem bekennden Christenfeind, dem Verfolger des frühen Christentums, ihr größter Propagandist wurde. Ein Mann, der seine rastlose Energie den jüdischen Oberhäuptern zur Verfügung stellte, um die renitente Splittergruppe auszuheben, vollzog eine 180 Grad Wendung und diente fortan einem verurteilten Handwerker und seinem Stellverteter, einem gelernten Fischer. Denn obwohl Paulus dem Petrus weit überlegen war was Bildung, Verstand und Einsatzkraft anging, so kam er doch nach Jerusalem, um sich mit den Aposteln zu beraten. Beraten heisst nicht nur zu organisieren, sondern auch über den irdischen Jesus berichten zu lassen. Beides dürfte Saul Überwindung gekostet haben. Nicht nur musste er einen Mann um Unterweisung bitten, dem er sich mit Recht als Überlegen fühlen dürfte, er musste auch noch akzeptieren, von diesem in die Provinz geschickt zu werden, nach Kilikien. Dort verbrachte er Jahre, bis man ihn endlich aktivierte und nach Antiochia, ins nördliche Zentrum des Christentums, und auf Missionsreisen holte.

Doch auch diese vorbildliche Demut Pauli ist immer noch nicht da erstaunlichste.
Der eigentliche Witz Gottes ist, dass ein Pharisäer zum Heidenmissionar wurde. Ein Mann also, der von seiner Veranlagung und seiner Ausbildung auf detaillierte Gesetzeserfüllung konditioniert war. Der auch als Anhänger Jesu Jude und Pharisäer blieb und bleiben wollte. Nichts hätte Näher gelegen, dass sich ein solcher Mann in die Reihe der strengen Judenchristen einreit, die Mission als Mission zum Judentum verstanden. Auch bei seiner Arbeitsweise hätte es nahe gelegen. Denn zuerst ging er in die Synagogen zu den Juden, dann zu den Gottesfürchtigen, Heiden, die bereits zahlreiche Judaismen angenommen hatten. Sie mit neuem Elan zum vollen Judentum zu bewegen, wäre dem Ergeiz Pauli gerecht geworden.
Doch Paulus schwenkte um. Und gerade das machte ihn groß. Durch ihn entfaltete sich eine Tendenz, die wir bereits durch Jesus angelegt und durch Petrus fortgesetzt sehen, die Hinwendung zu den Heiden und die Bildung eines Heidenchristentums. Wohlgemerkt nicht die Überwindung des Judenchristentums. Für Paulus bedurfte die Gemeinschaft Christi immer beide Beine, der Heiden und der Juden. Aber für ihn war es wichtig, den Juden Jesus und die jüdische Gemeinschaft Christentum für die Heiden zu öffnen. Das Tor, das bereits einen spaltbreit offen stand, wurde durch ihn aufgetreten. Nicht damit die Juden rausgehen, sondern damit die Heiden hereinkommen konnten. Wenn wir Paulus im Licht der Erforschung der jüdischen Theologie lesen, bemerken wir bald, wie sehr der Pharisäer Schaul die verschiedenen jüdischen Strömungen seiner Zeit aufnimmt und im Licht der Lehre Jesu auslegt. Tatsächlich ist auch die Mission, die er betrieb, nicht genuin christlich, sondern steht im Zusammenhang mit einer gewissen missionarischen Strömung im Judentum seiner Zeit. Auch seine Gnadenlehre, das vermeindliche Unterscheidungsmerkmal zur jüdischen Gesetzesfrömmigkeit, ist jüdisch. Sein Autoritätsverständnis, das Thora, Tanach (im Werden begriffen) und Traditionen kannte, ist jüdisch. Alles, einfach alles an diesem Mann ist jüdisch.

Mit lediglich einer einzigen Ausnahme: Der Beschneidung und den ihr ähnlichen Vorschriften. Hier brach Schaul in der Tradition Jeschuas und des Kaefas mit einem jüdischen Idealverständnis und baute Schranken ab. Tatsächlich bezog sich der Primärakt vor allem auf die Beschneidung. Die jüdischen Speisevorschriften wurden auch damals nicht allenthalben penibel eingehalten. Bei der Bescheidung aber berücksichtigte Paulus den spezifisch missionarischen Zug des Christentums, den er mehr als alle anderen verkörperte. Ein Kind zu beschneiden war das eine, einen erwachsenen Mann etwas anderes. Der konnte sich wehren und war entsprechend wenig begeistert, wenn man ihm an die edelsten Teile wollte. Hier nutzte Paulus den Spielraum, den ihm die Lehre Jesu bot. Wenn die Beschneidung ein Hinderungsgrund für die Mission war und wenn sie nicht zwingend von Jesus vorgesehen war, dann ließ man sie halt weg. Das er sich damit einen erheblichen Teil der Judenchristen zum Feind machte, dürfte für Paulus wenig belang gehabt haben. Solange er sich auf der Seite der jesuanische Lehre fühlte und er von den Aposteln und gerade Petrus keinen Gegenwind bekam, war das Gequengel irgendwelcher Provinzler eher marginal. Zudem kann man Paulus nicht vorwerfen, er wäre Streit aus dem Weg gegangen. Paulus zu unterstellen, er sei ein Verräter an den ursprünglichen Ideen Jesu gewesen um die Mission besser betreiben zu können ist irrig. Denn in anderen Aspekten der Lehre war er wenig kompromissbereit, ja geradezu stur. Zudem gluckte er zu Lebzeiten über seinen Gemeindegründungen und klopfte ihnen beständig auf die Finger. Einem Mann, der es sich immer so schwer gemacht hat wie ihm zu unterstellen, er hätte es den Leuten über Gebühr leichten machen wollen, verfehlt den Charakter des Pharisäers Schaul. Ein paulinisches Christentum ist alles, leicht ist es nicht, ob mit oder ohne Beschneidung. Doch Paulus setzte Prioritäten. Anstatt von allen alles zu fordern, verlangte er die Konzentration auf das Wesentliche, sich bewusst, wie schwer das schon war.

So wurde Paulus denn zum größten Missionar und bedeutendsten Theologen des frühen Christentums. Doch seine Gestalt ist zeitlos und sein Auftrag nie beendet. So rastlos er im Leben war, so rastlos auch im Tod. Kein Autor der Bibel wurde mehr gedeutet, keiner mehr missdeutet. Gerade heute gilt es wieder, Paulus zu entdecken. Für den Pharisäer Schaul galt es, den Heiden entgegenzuziehen. Heute gilt es für die Heiden(-christen), dem Pharisäer Schaul entgegenzuziehen.

Dreifaches Papstkreuz

Man sieht das päpstliche Kreuz - drei Querbalken - leider nur noch sehr selten. Hier eines der wenigen Fotos, die es meines Wissens davon gibt:


Johannes Paul II. bei der Öffnung der Hl. Pforte am Petersdom 1983

Dienstag, 24. Januar 2012

Falda

Ein heute nicht mehr benutzter Teil der päpstlichen Gewänder ist die Falda. Dabei handelt es sich um einen langen weißen Rock, den der Papst bei hochfeierlichen Zeremonien trug. Da die Falda über die Füsse reichte, musste sie wenigstens an den Seiten hochgehalten werden, damit der Papst gehen konnte. Hier einige Bilder dazu:






Die Kreationisten sind los

Forscher haben bei einer Studie in Südkorea unter Lehramtsstudenten folgende Beobachtungen gemacht;
1. Menschen lassen sich bei der Übernahme von Vorstellungen von ihrem Bauchgefühl wesentlich mitbestimmen.
2. Viele Studenten nehmen lieber einen Schöpfer aller Arten an als an die Evolutionstheorie.

Das erste finde ich nun wirklich eine bahnbrechende Erkenntnis. Ich dachte immer, wir Menschen würden uns nach guten Argumenten richten und jetzt muss ich erfahren, dass die Leute durch ihr Bauchgefühl gesteuert werden. Also wirklich. Sowas können auch nur Forscher. Also Geld für diese Erkenntnis ausgeben. Das sollte doch nun echt jedem klar sein. Anders lässt es sich doch gar nichrt erklären, dass es Menschen gibt, die nicht katholisch sind. Immerhin haben wir immer die besseren Argumente.

Aber ich schweife ab. Kommen wir zum zweiten Punkt. Ich habe mich bei dem Artikel gefragt, ob hier von der Evolutionstheorie gesprochen wird oder von der Evolutionslehre. An die Evolutionslehre glauben tue ich auch nicht. Die Evolutionstheorie nehme ich aber schon ernst. Immerhin erklärt diese Theorie im Grunde nur die feststellbaren Mechanismen, wie sich Leben aus Leben entwickelt. Weder erklärt sie wie Leben entstanden ist, noch ob die festgestellten die einzigen Wirkkräfte sind. Wenn ich natürlich diese Theorie zum Glauben erhebe und sage, was anderes gibt es nicht als was wir hier feststellen, dann bin ich auch lieber Kreatonist. Da ist das Modell wenigstens nicht so löchrig.

Aber das Problem kenne ich. Erst neulich habe ich mich mit einem Kommilitonen unterhalten, der herausposaunte, die Evolutionslehre sei nicht mit der Bibel vereinbar. Stimmte ja auch. Die Lehre ist  es auch nicht. Die Theorie schon. Denn weder steht in der Bibel, dass die heute vorliegenden Arten von Gott geschaffen wurden sondern lediglich, dass die Tiere von Gott geschaffen wurden und wie genau auch nicht. Ebensowenig wird behauptet, es sei in unseren sieben Tagen passiert. Sondern das es aus der göttlichen Perspektive sieben Tage waren, wobei ja für Gott ein Tag sein können wie tausend Jahre - oder bei Bedarf mehr.

Kurz und gut: Die Evolutionstheorie ist eine wissenschaftlichen Thesen, die versuchen, die Mechanismen der Entwicklung der Arten zu erklären. Das sie dabei nicht über Gott spricht, ist klar, denn dessen Wirken können wir nicht in der Natur nachweisen. Wissenschaftler arbeiten halt nur mit dem, was ihnen greifbar zu Verfügung steht. Entsprechend unvollkommen ist sind ihre Erklärungen. Wenn diese dann aber einen Vollkommenheitsanspruch erheben, ist ihnen natürlich zu widersprechen, denn damit versündigen sie sich an ihrem eigenen Fach. Neben der Evolutionstheorie ist aber für Gott noch genug Platz. Oder besser andersrum: Neben Gott ist genug Platz für die Evolutionstheorie.

Montag, 23. Januar 2012

Die Skite des Heiligen Spyridon in Geilnau

In der Nähe von Limburg haben wir ein Orthodoxes Kloster, die Skite Spyridon in Geilnau.

Hier ein paar Bilder dazu:





Warum misst die Kirche der Sexualität Bedeutung für die Heiligung des Christen bei?

Vor einiger Zeit fragte mich eine Kommilitonin im Zuge eines Disputes über die Sexuallehre der Kirche, warum es die Kirche überhaupt für notwendig halte, sich zu einem so persönlichen Akt zu äußern? Das könnten die beiden Partner doch viel besser selber, unter sich ausmachen, anstatt sich mit den Ansichten zölibatär lebender alter Männer herumzuschlagen?

Ich fand das eigentlich eine gute Frage. Und so habe ich mal versucht, eine kurze Antwort zu geben. Die Ergebnisse lege ich hier vor:

Frage:

Warum misst die Kirche dem Geschlechtsakt bzw. der Sexualität eine generelle Bedeutung für die Heiligung des Christen bei?

Hieraus ergeben sich folgende Einzelfragen:
  1. Was ist Heiligung?
  2. Was muss ich für sie tun?
  3. Welche Bedeutung hat der Geschlechtsakt bzw. die Sexualität für den Menschen?
  4. Welche Bedeutung hat sie für die Heiligung?

Zu Frage 1: Was ist Heiligung?

Heiligung ist der Prozess, der uns zur Heiligkeit hinführt. Diese ist es das Endziel aller Menschen. Zur Heiligkeit sind alle berufen, denen mit dem Sakrament der Taufe das Tor zum Himmel aufgetan ist, da sie dadurch dem Gefolge Christi, dem Volk Gottes zugehörig werden, indem die Folgen der Erbsünde von ihnen abgewaschen werden, wodurch sie auf Gott hin befreit sind. Auf Gott hin weil die Wirksamkeit der Taufe aus der Liebe des personal gedachten Gottes zu seinen Geschöpfen fließt. Indem wir in der Taufe diese Liebe annehmen machen wir einen ersten Schritt, diese Liebe zu erwidern und damit von Geliebten zu Liebenden zu werden. Dadurch setzen wir uns mit dem liebenden Gott in eine Beziehung, die wie jede andere Beziehung davon lebt, dass man sich bei jedem Zusammentreffen in eine Beziehung zu Geliebten setzt. Da Gott, anders als unsere sonstigen Beziehungen, ewig bei uns präsent ist, gilt es für uns auch, uns immer zu ihm in Beziehung zu setzen. Dies geschieht auf besondere Weise durch das Gebet, worauf sich das Schriftwort bezieht: "Betet ohne Unterlass."1 Heiligung ist also das sich fortwährende in Beziehung setzen zum liebenden Gott, hierdurch zur Heiligkeit zu gelangen.

Zu Frage 2: Was muss ich für sie tun?

Thomas von Aquin schrieb: „Denn wir dürfen nicht borgen oder sonst irgendetwas tun wegen der Hoffnung auf den Menschen, sondern wegen der Hoffnung auf Gott.“ Alles was wir tun, müssen wir mit Blick und im Bewusstsein Gottes tun, wie bereits oben gesagt. Denn es gibt ja keinen Bereich, in dem Gott nicht präsent wäre, in dem er uns nicht Liebe entgegenbringen würde und in der er nicht von uns Verlangen würde, dass wir ihm Liebe entgegenbringen. Denn Gott ist nicht billig zu haben. Er fordert von uns nicht so sehr ein moralisches Verhalten, sondern eines, dass aus der Liebe zu ihm entspringt und das dadurch moralisch wird. Paulus sagt daher: „Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen, hätte aber die Liebe nicht, so würde es mir nichts nützen.“2 Weil seine Liebe umfassend ist, so stellt sie auch an uns einen umfassenden Anspruch und so müssen wir alles, was wir tun, in Liebe zu ihm tun, wollen wir konsequent in der Heiligung fortschreiten und die ausgestreckte Hand Gottes annehmen, damit er uns zur Heiligkeit emporhebt. Es kann daher keinen Gegenstand, keine Handlung geben, die davon unberührt bleiben würde. Selbst im Banalsten was wir tun ist uns Gott noch gegenwärtig, fällt noch sein liebender Blick auf uns und wünscht, erwidert zu werden.


Zu Frage 3: Welche Bedeutung hat der Geschlechtsakt bzw. die Sexualität für den Menschen?

Die Sexualität ist ein wesentlicher Teil der menschlichen Existenz, und das ist auch gut so. Denn sie für ihn in einem doppelten Sinne wichtig, wenn nicht existentiell: Zum einen weil er sich auf diese Weise fortpflanzt und seine Art erhält, womit er den Auftrag Gottes erfüllt: „Wachset und mehret euch“. Zum anderen weil er dadurch die innige Vertrautheit mit dem geliebten Menschen fördert. Zwar hat es zu allen Zeiten Strömungen in der Theologie gegeben, die dem Geschlechtsakt wesensmäßig sündhaften Charakter zuerkennen meinten zu müssen und ihn daher auf den reinen Fortpflanzungseffekt reduzieren wollten, doch schrieb schon Thomas von Aquin: „Auch ohne Sündenfall hätte sich das Menschengeschlecht durch Sexualität vermehrt. Andernfalls wäre ja die Sünde höchst notwendig gewesen – damit aus ihr etwas so Gutes entspringe.“ Und die Katholische Dogmatik ergänzt „die personale Relation von Geschöpfen zueinander ist eine direkte Analogie der Relation der Geschöpfe zu Gott"3 Die Sexualität ist damit als ein dem Menschen von Gott geschenktes Gut, dem durch seine Natur und Wirkung hohe Bedeutung zukommt. Stellte die Kirche doch fest, dass der Mensch sowohl Geist als auch Körper/Leib ist und daher das Leibhaftige des Menschen hochzuachten sei.4


Zu Frage 4: Welche Bedeutung hat die Sexualität für die Heiligung?

An gleicher Stelle hat das Konzil betont, dass der Mensch durch seine Geistliche Dimension die Gesamtheit der Dinge übersteigt und auf sich Gott hinordnen kann und soll. Damit ist klar zum Ausdruck gebracht, dass für die Sexualität nicht nur keine etwaigen Lockerungen in Bezug auf Punkt 1 und 2 gelten, sondern dass sie gerade durch ihre Bedeutung, die Gott ihr für den Menschen in der Schöpfung zudachte, besondere Beachtung geschenkt werden muss. Deswegen ist der Geschlechtsakt, der die Einheit von Geist und Fleisch leugnet, in dem er nur die Bedürfnisse des Fleisches anerkennt und nur diesen folgt, besonders dazu geeignet, uns mit Gott zu entfremden, weil wir sein Geschenk der Einheit von Geist und Leib hier drastischer zurückweisen als anderswo. Wenn der Mensch den Akt aber unter der Bedingung vollzieht, dass sich der Wille des Geistes zur Verinnerlichung mit dem/der Geliebten und das Bedürfnis des Leibes nach der Vereinung der Körper und der Fortpflanzung decken, dann gereicht er dem Menschen besonders zum Segen. Denn hierdurch kann ein Zustand des Glückes herbeiführen werden, in dem er die Liebe Gottes in der Liebe zum Partner lebt, wodurch sich der Gläubige Gott und seinem Wirken besonders öffnen kann, sodass er in der Heiligung fortschreitet.

_______________________________
1 1 Tes 5,17.
2 1 Kor 13,3.
3 Vgl. Katholische Dogmatik, S. 121, Z.37f.  
4 Gaudium et Spes 16.

Sonntag, 22. Januar 2012

Demut, Ackermann und die katholische Identität

Passend zum Diskurs über die Frage, ob man den Gläubigen einen besonderen Ablass verweigern sollte, damit sich die in Trier anwesenden Protestanten nicht gestört fühlen, hat Johannes etwas über die richtige und die falsche Demut geschrieben.

Natürlich freuen wir uns, wenn ein katholischer Bischof Demut und Einsicht zeigt. Aber wir würden es bevorzugen, wenn er in diesem Rahmen sein Lehramt wahrnimmt und z.B. gewissen Personen auf ihre Wir-haben-uns-alle-Lieb-und-hassen-Dogmen-Finger klopft. Ganz väterlich natürlich.
Hingegen fällt es nicht unbedingt unter einen demütigen Sinneswandel, sich mehr für die Protestanten bzw. die Ökumene verantwortlich zu fühlen als für die eigenen Gläubigen.

Die Frage, welches Verständnis von Ablass Bischof Ackermann hat, stelle ich in diesem Zusammenhang nicht, da ich davon ausgehe, das er grundsätzlich auf dem Boden der katholischen Lehre steht, die er bestimmt besser kennt als ich.

Die Frage aber, ob er vielleicht ein allzu modernes Bild von dem hat, was katholisch sein darf, doch eher schon - wie bildhaft illustriert wurde. Denn die Heilig-Rock-Wallfahrt ist in Deutschland durch die Legende korrumpiert worden, hier hätte sich eine verschworene Gemeinschaft der Katholiken gebildet, die alles ausgrenzten, was den Papst nicht als Vizegott angebetet hätte. Natürlich ist das blanker Unsinn. Die Heilig-Rock-Wallfahrt und ihre Popularität im 19. Jh. steht im Zusammenhang mit einem allgemein sehr religiösen Jahrhundert und einem Aufschwung traditioneller Frömmigkeitsformen in der Romantik, die durch einen spezifisch katholischen Aufbruch in den 40er Jahren verstetigt wurde. Das der Protestantismus das an vielen Stellen nicht mitvollzog und auch etwas gegen Wallfahrten hatte, kann man der Kirche nicht zum Vorwurf machen. Zwar stimmt es auch, dass sich viele Katholiken während dieser Wallfahrt als Gemeinschaft erfahren haben, aber auch dagegen ist nichts zu sagen. Das sich Gemeinschaft, besonders wenn sie Minorität ist, immer gegen die Mehrheitsgesellschaft abgrenzt, ist ein normaler Prozess. Dem liegt aber kein unökumenisches Verständnis zugrunde, sondern einfach das Bedürfnis, seine eigenen Traditionen zu pflegen und Identität zu stiften.

Und hier denke ich ist des Pudels Kern. Zusammen mit dem Präses der evangelischen Kirchen bemüht sich Ackermann um die Stiftung einer neuen ökumenischen Identität. Das dabei katholische Formen auf der Strecke bleiben, nimmt er offenbar billigend in Kauf. Es darf aber gefragt werden, ob die Umwandlung des katholischen in ein ökumenisches Verständnis ein Fortschritt ist. Unsere katholische Identität verbindet uns mit einer Milliarde Menschen, während eine ökumenische Identität lediglich im deutschen Dunstkreis von Interesse wäre und keine 60 Millionen mehr berührt. Natürlich bin ich dafür, das wir mit unseren Brüdern und Schwestern gemeinsam für Christus einstehen. Aber doch zusätzlich, und nicht ersatzweise zu unserem katholischen Handeln und Denken. Natürlich freue ich mich, wenn auch Protestanten die Wallfahrt besuchen. Aber warum soll ich auf den Ablass verzichten, der doch üblich ist? Wenn der protestantische Kollege ihn nicht will, dann nimmt er ihn halt nicht wahr. Genauso wie ich spätestens beim protetanischen Abendmahl aus der Kirche gehen würde. Das geht mich nichts mehr an, dann bis später.

Darum schließe ich mich dem Aufruf der deutschen-katholischen Blogozene an:
Hochwürdigster Bischof Ackermann, überlegen sie es sich doch noch mal. Man kann auch ökumenisch sein und katholisch bleiben.

Livree

Ein junger Pfarrer kommt zur ersten Besprechung mit seinen Mitarbeitern. Der Schreck besonders der Pastoralreferentin ist groß, denn der neue Pfarrer trägt eine Soutane. Doch man will ja nicht gleich unhöflich sein. Und so wartet die rücksichtsvolle Pastoralreferentin bis nach der Besprechung, nimmt den Pfarrer beiseite und meint zu ihm: "Herr Pfarrer, ich muss ihnen sagen, dass wir es hier nicht mögen, wenn sie weiter die Soutane tragen."
Der guckt sie ganz verwundert an: "Ja, wieso denn?"
"Ach ich bitte sie. Das ist doch eine überholte Standestracht des Hochwürdigen Pfarrherrn von Anno Tobak. Damit schmeicheln sie doch nur ihrer Eitelkeit, indem sie uns zeigen, dass sie etwas Besseres sind."
Der junge Priester, auf seine Soutane zeigend, antwortet ihr ganz ruhig: "DAS ist ein Dienerlivree."

Samstag, 21. Januar 2012

Johannes Paul II. und die göttliche Liturgie

Habe endlich nach langer Suche wieder das Video von Johannes Paul II. gefunden, der im Petersdom eine Messe nach der göttlichen Liturgie der ukrainisch griechisch-katholischen Kirche zelebriert.

Kardinal Pacelli beim Eucharistischen Kongress in Budapest

Ebenfalls bei Leo gefunden, eine der wenigen Filmaufnahmen Pacellis bevor er Papst wurde.
Leider nicht anzeigbar, daher gibts nur den Link:

http://filmhiradok.nava.hu/watch.php?id=2809

Freitag, 20. Januar 2012

Kardinal Pacelli

Nachdem ich einen cappamagnaliebenden Blog gefunden und gestern was über Papst Pius XII. gepostet habe, dachte ich mir, ich schaue mal, ob der Kollege auch was über Kardinal Pacelli aufgelegt hat. Die Ergebnisse meiner Suche möchte ich mit bestem Dank an Leo hier präsentieren.



Donnerstag, 19. Januar 2012

Wo man einen Hirten findet

Am 13. August 1943 donnerten Bomber der Alliierten über Rom. Nicht zum ersten mal. Erneut legten die Todesvögel teile der Stadt in Schutt und Asche und brachten tausendfach den Tod über die Unschuldigen. Ein bekanntes Szenario. Wo wurden in diesem Krieg nicht die Städte zerstört, wo wütete nicht der Furor des Krieges. Doch wo waren die, die ihn entfesselten. Wo die Regierenden, die Generäle, die Anführer der Völker?
In ihren Bunkern, aus denen sie optimalerweise mal den Kopf rausstrecken, wenn es wieder sicher ist.
Wo aber findet man die wahren Hirten, die Diener der Menschen?
Bei den Trümmern, unter den Leidenden und Sterbenden!

Mittwoch, 18. Januar 2012

Wir wollen ...

Wir freuen uns, heute wieder Frau Prof. Dr. Wilhelmine Küsselbecker zugast zu haben. Frau Prof Dr. Küsselbecker, sie haben vor kurzem die Ehrendoktorwürde der Hochschule für Humanismus und Freiheit Sauerberg-Osthafen erhalten. Doch das ist ja nur eine Veränderung in ihrem Leben. Sie wurden nämlich auch zur Sprecherin der Organisation Opus Hominis gewählt, die sich für Menschenrechte in der katholischen Kirche einsetzt.

Bevor wir beginnen, möchte ich doch darauf hinweisen, das "Sprecherin" nicht der korrekte Titel ist.

Natürlich. Entschuldigen sie bitte. Korrekterweise müsste es heißen: die unter dem Diktat des Heiligen Geistes nach dem Ratschluss Jesu gewählte und durch hellstrahlendes inneres Licht ernannte große und rechhabende Stimme der Weisheit und der Rechtschaffenheit, der Zungenschlag der Freiheit, die Posaune des universalen Glaubens. Aber, wie dürfen wir sie denn jetzt anreden?

Nun, da ich auf Titel und dergleichen Zierrat keinen Wert lege, erlaube ich ihnen mich nur als Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker SOH anzusprechen. 

Wir danken ihnen sehr dafür, Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker SOH. Die von ihnen vertretene Organisation setzt sich ja für zahlreiche Projekte und Ziele ein. Können sie uns einiges davon kurz vorstellen?

Sie haben Glück. Denn um unsere Ziele auch für ein weniger brillantes Publikum verständlich zu machen, habe ich einen kurzen Katalog mit unseren Kernzielen aufgestellt. Diese sollen sie nun hören:
Wir wollen:
Die Abschaffung des Weihepriestertums und die Förderung des allgemeinen Priestertums aller Mensch_innen.
Die Wahl der Gottesdienstvorsteher_innen aus der Gemeinde heraus.
Die Wahl eines Rates zur Leitung der Gemeinde und zur Überwachung der Gottesdienstvorsteher_innen.
Die Entlohnung der bisher nur ehrenamtlichen Mitarbeiter_innen der Gemeinden, sowie einer Diät für die Mitglieder der Ratsgremien.
Die Abschaffung aller Schranken für Mitglieder anderer Konfessionen, Andersgläubiger oder Ungläubiger im Empfang von Brot, Wein und anderen Symbolen geistlicher Natur.
Die Abschaffung der Sonntagspflicht, der Aufforderung die Beichte zu empfangen und aller anderen Mittel zur Unterwerfung der Gläubigen unter das Terrorregime des autokratisch herrschenden Klerus.
Die Wahl eines Gesamtdiözesanrates, Name Zentralkomitee der Versammelten Räte der Diözese, zur Überwachung des Bischofs.
Die Abschaffung des Bischofsamtes und die Einführung des Amtes des_r 1. Sekretär_in des Zentralkomitees, um die dienende Funktion bewusst zu machen.
Diese_r Sekretär_in muss folgende Voraussetzungen gemäß der Schrift erfüllen: Wenigstens zweimal verheiratet gewesen sein, davon wenigstens einmal in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft, Kinder von minimal drei verschiedenen Personen oder aber gar keine, keine Vorstrafen ausgenommen alle außer politischen, kein Mitglied einer Partei ausgenommen SPD, Grüne, Linkspartei und Piraten, keine Kenntnisse des Italienischen und des Lateinischen um Kontakt nach Rom zu verhindern, Berufserfahrung, wobei ein minimal 15 jähriges Studium der Soziologie, Politologie und der Religionswissenschaften als Beruf gilt. 
Abschaffung des Papstes und des Vatikans.
Frauenquote - 60 % - für das Kardinalskollegium.
Streichung aller Dogmen, Vorschriften und Regelungen sowie Verbrennung des Katechismus.
Übertragung der Bibel in eine angemessene Sprache zur Erhellung jener Lehren die Jesus vertreten hat, darunter: Frauenquote - 50 % - der Apostel, daher: Johanna, Tochter des Zebedäus; Philippa; Simone; Andrea; Jakobina, Tochter des Alphäus, Thomasina. Auch muss die wahre Stellung Maria Magdalenas als Frau und gleichwertige Partnerin Jesu herausgestellt werden. Des weiteren die Streichung der Kreuzigung und der Auferstehung, aller Passagen die Juden kritisieren, aller Passagen die Andersgläubige kritisieren, alle Passagen die andere Forderungen als die der allgemeinen Menschenrechte vertreten. Außerdem sollen alle übrigen Legenden, darunter besonders die Wunder, um der Wahrheitsliebe willen gestrichen werden. In den Paulusbriefen müssen alle Passagen herausgenommen werden, die Frauen, Juden, Nicht-Christen sowie andere Personen oder Gruppen diskreminieren. Der Jakobusbrief ist ebenso wie die Offenbarung des Johannes ganz zu streichen, weil sie Schund sind. Im Alten Testament ist die Allbeseelung der Natur in der Schöpfung und dessen allegorischen Charakter besser herauszuarbeiten.
Weitere Punkte könnte ich anführen, ich will es aber einmal dabei belassen.

Vielen Dank Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker SOH für dieses interessante Gespräch. Ich hoffe, sie ehren uns bald wieder mit ihrer Anwesenheit

Dienstag, 17. Januar 2012

Johannes Paul II. und der Fanon

Bei Durchsicht meines Blogs ist mir aufgefallen, dass ich zwar schon einige Papstings gepostet habe, aber noch keines über Johannes Paul II. Das muss natürlich sofort nachgeholt werden, wofür ich mir ein besonderes Motiv ausgesucht habe: Johannes Paul II. in Barockkasel und Fanon.



Montag, 16. Januar 2012

Papst lässt Kirchengegner niederknüppeln!

Ich habe es ja immer gewusst!
Nicht nur, dass sich der Papst legitimen Forderungen nach einer armen und entweltlichten Kirche konsequent widersetzt und an seinen überkommenden Strukturen und Fleischtöpfen festhält, er geht auch noch mit Gewalt gegen alle vor, die es wagen, ihn freundschaftlich darauf hinzuweisen, das Christus etwas anderes gelehrt hat.
So geschehen in Rom, wo ein Grüppchen heiligmäßiger Frauen und Männer, auf eine demokratische und freiheitliche Einstellung des Mannes in Weiss, vulgo der Antichrist, hoffend, sich auf dem Petersplatz versammelten, um hier ein Zeichen gegen kirchliche Missstände zu geben. Doch schon kurz darauf ließ der Papst seine Sbirren anrücken - gerüchtehalber soll er selbst zum Telefon gegriffen haben - die die Demonstranten mit blankgezogenem Säbel vom Platz trieben. Das es dabei keine Toten gegeben hat, ist nur der Tatsache zu verdanken, dass die Demonstranten der Gewalt schnell genug gewichen sind, wie uns Frau Prof. Küsselbecker berichtet, die das ganze vom nahen Klein-Kleckersdorf-Ost beobachtet hat.

Nun ist aber die Allianz des Papstes mit dem italienischen Staat nichts neues. Bekanntermaßen ist die staatliche Gewalt in Italien seit der Zeit Konstantins der willfährige Schwertarm des römischen Oberhirten. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich daran nie etwas geändert hat. Die papistische Mähr vom "Raub Roms", dem Untergang des Kirchenstaates und der weltlichen Macht des Papstes haben freiheitliche Denker schon zu Beginn durchschaut. Ein treffliches Beispiel hierfür bietet eine Demonstration aus dem Jahr 1873. Die Frankfurter Zeitung, eine Kennerin der italienischen Verhältnisse und der Abgründe der Dienerschaft des Staates gegen die Kirche, schreibt hierzu:
In der ersten Maihälfte, genauer am 11. Mai, war es aufgrund der Klostergesetzdebatte zu blutigen Ausschreitungen in Rom gekommen. Friedliche Demonstranten versammelten sich trotz eines als illegitim bezeichneten Versammlungsverbotes und zogen unbewaffnet zum Quirinal, der von Polizei und Militär gedeckt wurde. Als die Truppen die an sich rechtmäßige Demonstration auflösen suchten kam es zur Anwendung  von Waffengewalt gegen eine waffenlose Menge, wodurch die italienische Regierung „auf den Stufen des Quirinals … das Blut römischer Bürger vergossen hat“
Zwar gibt es auch andere Stimmen. Und aus der Faireniss halber wollen wir diesen auch Raum geben. Als Beispiel ziehen wir das Limburger Provinzblatt, den Nassauer Boten, heran, der zwar auf die Genfer Korrespondenz rekurriert, der aber das hohe Niveau an Neutralität und Genauigkeit der Frankfurter Zeitung nicht erreicht, ebensowenig wie übrigens alle anderen katholischen Zeitungen:  
Für den Nassauer Boten ist also diese friedliche Demonstration eine Revolte gewesen. Trotz polizeilichen Verbotes kam es um ein Komitee aus verschiedenen Politikern, besonders der fortschrittlichen Partei, zu einer Demonstration gegen die religiösen Körperschaften. Nachdem der ursprüngliche Demonstrationsort von der Polizei gesichert wurde, zog der Pöbel unter Drohungen ab um sich neu zu formieren und gegen den Quirinal zu ziehen. Doch dorthin stellten sich ihnen die Carabineri in den Weg, sodass sie sich einen anderen Weg suchen mussten, wobei es zu einem Schusswechseln zwischen den Parteien kam, der jedoch von den Demonstranten ausgelöst wurde. Bei mehreren weiteren Versuchen die Polizeiketten zu umgehen, kam es zu schwereren Zusammenstößen, bei denen es nicht nur zu Verletzten, sondern gerüchteweise auch zu Toten gekommen sein sollte. Danach zerstreute sich die Demonstration und es kam nur noch vereinzelt zu Zusammenstößen, meistens als die Demonstranten Priestern und Ordensleuten begegneten und sie angriffen.
Wir werden an dieser Stelle darauf verzichten, diese schwarzmalerischen Artikel - des Boten - zu kommentieren. Es ist aber klar, wem der geneigte Leser eher glauben schenken wird. Unbezweifelbar aber hat sich in Rom in 140 Jahren nichts geändert. Noch immer regiert der römische Pontifex vom Vatikan aus die Stadt und befielt den Organen des Staates.

Quellen:
Frankfurter Zeitung, 17. Mai 1873
Nassauer Bote, 22. Mai 1873

Sonntag, 15. Januar 2012

Pius XII. 1958 aus der Sicht Amerikas

Habe einen Jahresrückblick der US-Amerikaner aus dem Jahre 1958 gefunden. Wer wissen will, ob Pius XII. hier als Stellvertreter im hochhuthschen Sinne, als Kompagnon Hitlers angesehen wurde oder vielleicht noch als ein großer Mann, der kann gerne auf 5:23 vorspulen.

Freitag, 13. Januar 2012

Mal was Heimatliches - der Limburger Dom

Wer leider nicht das Glück hat, unseren schönen Limburger Dom zu besuchen, dem wollen wir natürlich die Möglichkeit geben, sich dennoch einen Eindruck machen zu können. Dazu habe ich ein Video über den Dom gefunden, leider nicht mehr ganz so aktuell, aber trotzdem:


wer sich dazu vllt. eine andere Musik anhören möchte kann ich das empfehlen




Donnerstag, 12. Januar 2012

Paul VI.

Liturgie- und Pompliebhaber wie ich denken bei Paul VI. (un-)gerne an den mitunter etwas fragwürdigen Geschmack des Montini-Papstes bei Ausstattungen von Räumen, liturgischen Gewändern und Hofreformen. Und bevor jemand fragt, ich denke nicht an die Pille. Das Pillen-Paul meiner Elterngeneration hat der arme Mann wirklich nicht verdient - zumal er recht hatte. Aber egal.

Denn Paul VI. konnte auch anders. Hier eine schöne Zusammenstellung:

Bischof in Grün


Ein Pontifikalamt im Usus Antiquor in Grün sieht man selten

Mittwoch, 11. Januar 2012

Mitra

Bischöfe können mit ihren Mitren viel aussagen. Auch, wo sie kirchenpolitisch stehen.

Ich weiss noch, wie ich einer Bischofsweihe beiwohnte. Ich hatte das Glück, im schrägen Profil alle drei Bischöfe - Haupt- und die beiden Co-Consecretoren - sehen zu können. Und eines ist mir dabei klar geworden:
Die kirchenpolitische Einstellung eines Bischofs lässt sich heute an seiner Mitra ablesen.

Diese These soll im folgenden bewiesen werden:

Früher sahen Mitren so aus: Goldverziert, gerne mal floral und ziemlich hoch

So

oder wers figürlich liebte so

Seit in der Liturgiereform die neuen Sachlichkeit ausgerufen wurde, ist die vorherrschende Mitrenform die Mitra simplex, eine einfache, ungeschmückte Leinenmitra ohne Zierrat und zudem ziemlich flach.

Wer es bunter mag, der schmückt sich auch mal mit dieser Mitra, der man zumindest noch ein religiöses Motiv zuordnen kann.

Dann begann der Papst einen neuen Style

Den er ausgebaut hat

einige ziehen langsam nach

andere nehmen schneller Tempo auf

manche kommen schon ziemlich gut

und einige ziehen auf der Überholspur fast mit dem Hl. Vater gleich

Pius XII. am Altar

Passend zum letzten Papst-Posting ein Bild von Pius XII. am Altar in St. Peter

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